Cascadia Hirsch See Gebirge Berge Wald Schnee Fluss Kosmos Verpackung
+
Cascadia erscheint in der deutschen Version über Kosmos und kostet ca. 35€.

Grafikblender oder auch spielerisch ein Hit? Wir haben das Brettspiel Cascadia für euch getestet.

Cascadia im Test: Das Brettspiel aus dem Herzen der Natur

  • VonSebastian Hamers
    schließen

Auf der SPIEL 2021 wurde es gefeiert, dann war es vergriffen. Jetzt bringt der Kosmos-Verlag endlich die deutsche Version von Cascadia in den Handel.

Ein Streifzug durch die Messehallen der SPIEL in Essen ist etwas Wundervolles. Überall buhlen sie um die Gunst der Messebesucher, die vielen neuen bunten Spiele. Als Konsument gerät man angesichts der Flut an Neuheiten allerdings schnell in die Überforderung. Und auch die Verlage stehen vor der großen Herausforderung, ihre Produkte aufmerksamkeitsträchtig zu präsentieren. Nur bei manchen Spielen haben die Hersteller leichtes Spiel. Sie fallen direkt ins Auge, haben einen hohen Aufforderungscharakter und sind einfach schön anzusehen. In diese Kategorie fällt auf jeden Fall Cascadia von Flatout Games. Tolle Illustrationen, dazu wertige Spielsteine aus Holz… kein Wunder also, dass Cascadia zum Messe-Hit in Essen wurde. Doch hat das Spiel auch mehr zu bieten als eine tolle Optik? Wer das Spiel auf der SPIEL verpasst hat, bekommt nun mit der deutschen Version vom Kosmos-Verlag eine weitere Chance, Cascadia auf seine spielerischen Qualitäten hin zu prüfen.

Mit Cascadia in die unberührte Natur eintauchen

Es ist wirklich so schön. Schon wenn das Material aus der Verpackung zum Aufbau herausgeholt wird, bekommt man richtig Lust auf das Spiel. Das Auge spielt eben mit. Doch lassen wir uns nicht vom optischen Erscheinungsbild des Spiels beeindrucken, sondern lieber einen Blick auf den spielerischen Gehalt werfen. Cascadia ist im Kern ein klassischer Puzzler, bei dem das Thema recht locker aufgesetzt ist und eigentlich keine große Rolle spielt.

Das Spielmaterial von Cascadia kann sich sehen lassen.

Es geht um das Zusammenstellen von Landschaften sowie der Ansiedlung bestimmter Tierarten. Das Spiel macht euch dabei natürlich ziemlich konkrete Angaben, wie die optimale Gestaltung der Natur auszusehen hat. Wer diese Aufgabe am besten meistert, sammelt die meisten Siegpunkte und gewinnt die Partie. That’s it! Naja, jedenfalls beinahe. Ein paar weitere Kleinigkeiten gilt es zu beachten, vor allem bei der Auswahl von Tieren und Landschaftsplättchen.

  • für 1-4 Personen ab 10 Jahren
  • Spieldauer: 30-60 Minuten
  • Autor: Randy Flynn
  • Verlag: Kosmos
  • Preis: ca. 35€

Einfache Auswahlmechanik bei Cascadia

Als kleine Starthilfe bekommt ihr zunächst ein besonderes Plättchen, das bereits aus drei Landschaften besteht. Weitere Landschaftsplättchen werden im Spielverlauf an dieses Startfeld angelegt, so dass sich die Fläche schrittweise erweitern wird. Die Natur in Cascadia gestaltet sich ziemlich vielfältig. Gebirge, Wälder, Prärien, Feuchtgebiete und Flüssen lassen sich in die eigene Auslage integrieren. So entsteht schon bald eine einzigartige Natur, die den geeigneten Lebensraum für die Tierwelt schafft.

Die Tierscheiben in Cascadia wurden aus Holz gefertigt.

In der Tischmitte liegen immer vier sechseckige Plättchen mit Landschaften vor euch aus. Direkt darunter wird jeweils ein Tierplättchen platziert. Auf diese Weise entstehen Paare aus Tier und Landschaft, von denen ihr euch nun für eines entscheiden müsst. Ihr nehmt beide Plättchen und integriert sie in eure Wildnisauslage. Anschließend wird der freigewordene Platz wieder mit einem neuen Pärchen aufgefüllt und der nächste Spieler kommt an die Reihe.

Cascadia – Ein Spiel für Landschaftsarchitekten

Die Regeln für das Anlegen sind ebenso einfach wie die Auswahlmechanik. Die Landschaft muss bündig an ein schon ausliegendes Feld angelegt werden, die Tiere hingegen werden direkt auf den Wildnisfeldern platziert. Die Möglichkeiten sind hier allerdings limitiert. Lachse können selbstverständlich nicht einfach so auf ein Waldfeld gestellt werden, sie benötigen in der Regel schon ausreichend Wasserfläche, um sich wohlzufühlen. Jedes Landschaftsplättchen zeigt euch über ein kleines Icon an, welche Tiere hier eine neue Heimat finden können. Außerdem gilt die „Nur ein Tier pro Feld“-Regel, ansonsten habt ihr freie Hand.

Bei Cascadia stehen euch in jedem Zug immer vier Kombinationen aus Tier und Landschaft zur Wahl.

Es gibt sogar noch ein paar Faktoren, die euren Gestaltungsfreiraum zusätzlich erweitern. Viele Landschaftsplättchen weisen gleich mehrere Geländetypen auf und stehen somit für besondere Artenvielfalt. Auf diesem Feld dürfen gleich zwei, manchmal sogar drei verschiedene Tierarten platziert werden. Monokulturen sind diesbezüglich also weniger effektiv, haben dafür aber einen anderen Vorteil. Fügt ihr einer solchen Landschaft ein Tier zu, erhaltet ihr als Belohnung einen Zapfenmarker. Ein Zapfen kann abgegeben werden, um mehr Freiheiten bei der Auswahl einer Tier- und Landschaftskombination zu erhalten. Alternativ ist er am Spielende einen Siegpunkt wert.

Cascadia sorgt für Knoten im Gehirn

Auswählen und Anlegen laufen in Cascadia also nach recht unkomplizierten Regeln ab. Letztlich kommt es jedoch auf die Art und Weise der Zusammenstellung am Spielende an. An dieser Stelle wird es nun doch ziemlich knifflig. Cascadia hat einfache Regeln, erweist sich aber als echter Gehirnverknoter. Geht es um die Landschaften, so versucht ihr die einzelnen Geländetypen immer möglichst groß zu gestalten. Durchgehende Landschaften einer Art bringen euch am Spielende schon eine ganze Stange Siegpunkte ein.

Bei Cascadia kommt es auf die Anordnung von Landschaften und Tieren an.

Gewertet wird zunächst das größte Gebiet jedes Typs. Für dieses gibt es einen Siegpunkt pro Feld. Habt ihr jetzt sogar die größte Region von allen Spielern erschaffen, winken euch nochmals kräftig Bonuspunkte. Je nach Zahl der Mitspieler fallen selbst für die Zweitplatzierten noch ein paar Punkte ab. Ebenso relevant ist natürlich, wie die Tiere am Spielende in der Auslage angeordnet wurden. Spätestens jetzt wird es verzwickt, denn bezüglich der Zusammenstellung hat eben jedes Tierchen sein Pläsierchen.

Tierische Wertungsvielfalt in Cascadia

Um richtig Punkte abzusahnen, müsst ihr die Tiere in der Landschaft nach einer vorgegebenen Art und Weise anordnen. Die Lachse bevorzugen die flussförmige Anreihung wie an einer langen Kette, Bussarde genießen hingegen die Freiheit und wollen den Luftraum möglichst nicht mit anderen Vögeln teilen. Bären treten gerne paarweise auf, während die Füchse von der Artenvielfalt um sie herum profitieren. Ihr werdet sehen, es ist praktisch die Quadratur des Kreises, auf die Bedürfnisse aller Tiere einzugehen.

Über die Wertungskarten kann der Spielablauf in Cascadia variiert werden.

Um die Langzeitmotivation hochzuhalten wurden dem Spiel zudem noch verschiedene Wertungsmöglichkeiten hinzugefügt. Vier Wertungskarten pro Tier liegen Cascadia bei, mit denen ihr den Spielablauf nach Belieben verändern dürft. Für Einsteiger gibt es außerdem noch eine spezielle Wertungskarte, mit der alle Tierarten auf die gleiche Weise bepunktet werden. Fortgeschrittene Spieler freuen sich hingegen über den Herausforderungsmodus. Dieser stellt euch vor ein paar ziemlich knackige Aufgaben. Es dürfte eine ganze Zeit dauern, bevor ihr alle Levels gelöst habt.

Cascadia ist für ein bis vier Spieler ab zehn Jahren geeignet. Für eine Partie müsst ihr, je nach Zahl der Mitspieler, zwischen einer halben und einer ganzen Stunde einplanen. Das Spiel erscheint in der deutschsprachigen Version über Kosmos und ist ab sofort zum Preis von rund 35€ im Handel zu finden.

Fazit: Der schöne Spaziergang in der Welt von Cascadia endet mit dieser natürlich-schönen ingame-Testwertung

Der schöne Spaziergang in der Welt von Cascadia endet mit dieser natürlich-schönen ingame-Testwertung.

Cascadia wird seinem Ruf als einer der Messehits der SPIEL 2021 gerecht. Gut, dass es nun endlich auch in der deutschsprachigen Variante zu bekommen ist. Den Vorwurf, einzig durch ein schickes Äußeres zu verzaubern, kann das Spiel auf jeden Fall entkräften. Cascadia sieht nicht nur schick aus, sondern spielt sich mit einem guten Verhältnis aus zugänglichen Regeln und taktischem Tiefgang in die Herzen der Spieler. Der Einstieg in die Welt von Cascadia gestaltet sich wirklich sehr leicht. Es gibt nur eine Handvoll Regeln, daher kann die erste Partie ohne langes Vorgeplänkel beginnen. Auch die ersten Züge gehen erstaunlich geschmeidig von der Hand. Doch dann kommt der Augenblick, in dem einem bewusst wird, dass es Cascadia in taktischer Hinsicht ganz schön in sich hat. Landschaften vergrößern, dazu die Vorlieben von gleich fünf verschiedenen Tierarten im Blick zu behalten… da kann es selbst erfahrenen Spielern schnell schwindlig werden. So flüssig sich Cascadia auch spielt, so bringt es auch regelmäßig die Köpfe zum Qualmen. Anlass zur Kritik gibt es natürlich dennoch, ein wenig zumindest. Denn im Kern ist Cascadia ein hübsches Puzzle, bei dem die Versatzstücke so gut es geht miteinander kombiniert werden sollen. Viel Raum für Interaktion gibt es da nicht. Klar, ihr könnt euch einzelne Plättchen vor der Nase wegschnappen und eure Mitspieler bei der Mehrheitenwertung ausstechen. Das war es aber auch schon. Ein kleiner und verschmerzbarer Wehrmutstropfen, denn ansonsten ist Cascadia ein wirklich toller Titel.

ProCon
+ tolles Spielmaterial- kaum Interaktion
+ zugängliche Regeln
+ mit Solo-Modus
+ variable Spielelemente
+ taktisch fordernd

Mehr zum Thema

Kommentare