1. ingame
  2. Brettspiele

Council of Shadows im Test: So spielt sich die Brettspiel-Neuheit von Alea

Erstellt:

Von: Sebastian Hamers

Council of Shadows Raumschiff Weltall Planeten Sterne Verpackung Schachtel Alea
Council of Shadows erscheint über das Alea-Label von Ravensburger und kostet ca. 50€. © Ravensburger

Pünktlich zur SPIEL 2022 hat Alea wieder eine Brettspiel-Neuheit in den Handel gebracht. Wir haben Council of Shadows auf Herz und Nieren geprüft.

Wenn Alea, die Kennerspielabteilung von Ravensburger, ein neues Spiel veröffentlicht, dann sind die Erwartungen der Brettspielfans groß. Zahlreiche anspruchsvolle Evergreens gehen auf das Konto des Verlags: Die Burgen von Burgund, Puerto Rico, Carpe Diem und viele weitere Hochkaräter gingen unter der Alea-Flagge in den Handel. Zwar ist der Output der Linie nicht gerade üppig, doch wenn ein Spiel unter diesem Label erscheint, dann dürfen sich Strategiefreunde eigentlich immer über hochwertiges Spielefutter freuen. In diesem Herbst hat der Verlag sogar zwei neue Spiele im Programm. Da wäre zunächst die Neuauflage des modernen Klassikers Puerto Rico, mit Council of Shadows gibt es aber auch eine „echte“ Neuheit von Alea. Das Spiel von Martin Kallenborn und Jochen Scherer entführt euch in eine ferne Zukunft, in der ihr im Weltall für das namensgebende Schattenkonzil nach neuen Energien auf fremden Planeten fahndet.

Mit Council of Shadows zu fremden Planeten

Das Thema hinter Council of Shadows könnte eigentlich aktueller nicht sein. Das Konzil, eine übermächtige Lebensform, benötigt für den Erhalt ihrer Spezies vor allem eines: jede Menge Energie. Diese ist im Jahre 2200 ziemlich knapp geworden, weshalb andere hoch technologisierte Zivilisationen ausgesendet werden, um in fernen Galaxien für den nötigen Nachschub zu sorgen. An dieser Stelle kommt ihr in Spiel. Ihr seid eines dieser sternfahrenden Völker, die sich vom Schattenkonzil für ihre Zwecke einspannen lassen. Angetrieben von der Aussicht auf einen eigenen Sitz im Council of Shadows tretet ihr gegeneinander an, immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten der Energiegewinnung.

Council of Shadows Spielbrett Weltraum Planeten Felder
An die quietschbunte Optik von Council of Shadows muss man sich erst gewöhnen. © Ravensburger

Ein wesentliches Problem in Council of Shadows besteht darin, dass für die Produktion von Energie erstmal selbige investiert werden muss. Und das nicht zu knapp! Der eigene Energiebedarf ist immens, wollt ihr zu fernen Galaxien vordringen und dort Kolonien anlegen. Auf lange Sicht müsst ihr jedoch mehr Energie erwirtschaften, als ihr ausgegeben habt. Dabei kristallisieren sich schnell zwei gegenläufige Ansatzpunkte heraus. Entweder ihr lebt sparsam und kratzt geschickt kleine Energiereserven zusammen oder aber ihr investiert kräftig in die Expansion und hofft darauf, dass in den Weiten des Weltalls ungeahnte Energievorkommen auf euch warten.

Name des SpielsCouncil of Shadows
Spielerzahl1-4 Personen
Altersempfehlungab 14 Jahren
Spieldauer60-90 Minuten
AutorMartin Kallenborn, Jochen Scherer
VerlagAlea/Ravensburger
Preisca. 50€

Energien erschließen bei Council of Shadows

Rein spielmechanisch wird dieses Dilemma mit gleich zwei unterschiedlichen Energieleisten dargestellt. Eine Leiste zählt euren Verbrauch, den ihr für die Durchführung eurer Aktionen benötigt. Die andere hält hingegen die Energiereserven fest, die durch eben diese wieder eingespielt werden. Die Verbrauchsleiste startet bei Spielbeginn direkt bei zwanzig Punkten, die Einnahmenleiste am Nullpunkt. Euer Ziel wird es sein, den Marker mit den Einnahmen über den Stand des Gesamtverbrauchs zu steigern. Sobald ihr erstmalig mehr Energie gesammelt als verbraucht habt, belohnt euch das Konzil mit einer Anerkennung.

Council of Shadow Tableau Dark Technology Karten
Das Council of Shadow belohnt fleißige Energiesammler mit mächtigen Dark Technologien. © Ravensburger

Als Belohnung übermacht euch das Council of Shadows eine sogenannte Dark Technology. Diese neuartigen Technologien bieten euch mächtige Möglichkeiten, um eure eingeschlagene Strategie voranzutreiben. Schnelligkeit kann sich dabei durchaus kräftig auszahlen. Wem dieses Kunststück zuerst gelingt, dem gebührt auch der erste Zugriff auf die Dark-Tech-Fähigkeiten. Anschließend wird die Einnahmenseite wieder auf null gesetzt und die Aufholjagd beginnt von vorne. Da der Gesamtverbrauch immer fortgeführt wird, müsst ihr euch nun allerdings noch mehr anstrengen, um den Verbrauchsmarker einzuholen. Je öfter euch dies gelingt, desto besser stehen eure Chancen auf den Spielsieg.

Das Council of Shadows gewährt euch Dark-Tech-Fähigkeiten

Dark-Tech-Fähigkeiten werden im Verlauf der Partie jedoch nur zweimal gewährt. Holt ihr mit dem Marker auf der Einnahmenleiste ein drittes Mal den Gesamtverbrauch ein, wird das Spielende eingeleitet. Nach Abschluss der laufenden Runde gewinnt nun der Spieler, der mit der wertvollen Energie am effizientesten umgegangen ist. Doch bis dahin ist es ein langer und harter Weg. Gerade zu Beginn der Partie stehen eurem Volk nämlich noch gar nicht so viele Optionen offen. Diese müsst ihr erst durch geschicktes Taktieren freischalten.

Council of Shadows Energie Wuerfel Marker Leiste Punkte
Erntet ihr mehr Energie als ausgegeben wurde, werdet ihr vom Council of Shadows belohnt. © Ravensburger

Ihr beginnt die Partie mit sechs Aktionskarten. Diese verwendet setzt ihr zunächst im Geheimen hinter einem Sichtschirm auf eurem Spielertableau ein. Drei Plätze stehen euch dort zur Verfügung, um Aktionen für die kommenden Runde zu planen. Das Platzieren der Aktionskarten hat einen ganz besonderen Clou. Die Aktionskarte ganz rechts auf dem Tableau wandert am Rundenende aus der Auslage und kehrt zurück auf die Hand. Die beiden anderen Karten werden jeweils um einen Platz nach rechts versetzt und können in der Folgerunde erneut eingesetzt werden. Auf diese Weise rotieren die Karten ständig durch die Auslage auf dem Spielertableau.

Council of Shadows mit progressivem Spielfortschritt

Passt euch eine Karte in der Auslage gerade nicht so gut ins Konzept, dürft ihr sie mit einer weiteren Aktionskarte überspielen. Dazu legt ihr die Karte einfach obenauf, sodass die aktuell ausliegende Karte verdeckt wird. In der kommenden Spielrunde wandern nun beide Aktionen um einen Platz auf dem Tableau nach rechts. Natürlich wollt ihr die besonders mächtigen Karten möglichst in jeder Runde zum Einsatz kommen lassen. Die Startkarten gehören eher nicht dazu, die Dark-Tech-Aktionskarten sind hingegen ziemlich mächtig. Ihr könnt eure Kartenauswahl zudem laufend erweitern, indem ihr neue Aktionen aus einer offenen Auslage erwerbt.

Council of Shadows Sichtschirm Monster Alien Weltraum
In Council of Shadows verbergt ihr eure Aktionen in der Planungsphase hinter einen Sichtschirm. © Ravensburger

Um den persönlichen Kartenstapel zu verbessern werden Edelsteine in drei verschiedenen Farben benötigt. Sie stellen eine weitere wichtige Ressource in Council of Shadows dar. Eine Vielzahl von Verbesserungen lassen sich ausschließlich über den Einsatz dieser Steine erstehen. Dazu zählen insbesondere die Upgrades auf dem Spielertableau. Ihr kauft diverse Erweiterungen, die euch beispielsweise Zugriff auf weiter entfernt liegende Galaxien gewähren oder auf die Besiedlung von Planeten mit erschwerten Wohnbedingungen. Die richtig lukrativen Ziele im Weltall liegen – wie könnte es anders sein – ziemlich weit entfernt.

Siedlungen erschließen in Council of Shadows

Doch welche Aktionen lassen sich in den Weiten des Weltraums nun überhaupt ausführen? Das hängt natürlich maßgeblich davon ab, welche Aktionskarten im Verlauf der Partie erworben werden. Wichtig wird es auf jeden Fall sein, eigene Kolonien auf den verschiedenen Planeten zu gründen. Siedlungen sind von Bedeutung, wenn ihr den Planeten nach Ressourcen absuchen möchtet, um beispielsweise ein paar Edelsteine zu erbeuten. Am Rundenende verschaffen euch Siedlungen sogar noch weitere Vorteile, insbesondere wenn ihr über Mehrheiten in einem Sternensystem verfügt.

Council of Shadows Planeten Weltraum Spielbrett Marker Plaettchen
Die Planeten müssen in Council of Shadows erst einmal von euch entdeckt werden. © Ravensburger

Belohnt wird natürlich auch ein großer Entdeckergeist. Bei Spielbeginn ist der Kosmos noch ziemlich leergefegt. Erst durch die Verwendung der Entdecken-Aktion werden neue Planeten aufgedeckt und auf das Spielbrett gelegt. Nach der Entdeckung der neuen Welt dürft ihr dort sogar direkt eine erste Kolonie gründen oder den Planeten nach Rohstoffen absuchen. Egal ob beim Schürfen, Besiedeln oder Entdecken, die Erweiterungen auf dem Spielertableau sind von hoher Bedeutung. Viele Aktionen lassen sich erst durchführen, wenn dort die entsprechenden Erweiterungen freigeschaltet wurden.

Bei Council of Shadows kommt es auf das Timing an

Bei der Überlegung, welche Aktionen für die laufende Runde gewählt werden, spielen viele Faktoren eine Rolle. Von großer Wichtigkeit ist aber auf jeden Fall auch der Energieverbrauch der einzelnen Karten. Je mehr Energie verpulvert wird, desto schwieriger wird es für euch, die nächste Dark-Tech-Fähigkeit zu erlangen. Ein hoher Energiebedarf kann allerdings auch durchaus Vorteile mit sich bringen, immerhin wird hierüber die Spielerreihenfolge bestimmt. Vorzeitige Auswahl auf die Planeten, schneller Zugriff auf die Dark-Technologien und vieles mehr, das kann schon ein dickes Plus sein.

Council of Shadows Tableau Erweiterung Playerboard Astronaut
Das persönliche Tableau muss in Council of Shadows ständig upgegradet werden, um in ferne Galaxien vorzustoßen. © Ravensburger

Sparsame Sternenfahrer geraten da manchmal ins Hintertreffen. Für sie kann sich die defensive Taktik aber dennoch auszahlen. Am Ende einer jeden Spielrunde wird eine Wertungsphase durchgeführt, bei der diese dann ebenfalls ganz zum Schluss agieren. In dieser Phase dürft ihr euch entscheiden Planetensysteme zu werten, in denen ihr mindestens eine Kolonie besitzt. Verfügt ihr über die Mehrheit in einem System, wird ein höherer Bonus vergeben. Um die Wertung durchzuführen muss allerdings jeweils eine Kolonie geopfert werden. Und jetzt wird das Los des letzten Spielers in der Reihenfolge zum Vorteil. Während die Konkurrenz schon frühzeitig ihre Siedlungen vom Spielfeld entfernt, fahren Energiesparer jetzt möglicherweise eine neue Mehrheit nach der anderen ein.

Erweiterbares Council of Shadows

Über verschiedene Kanäle sammelt ihr Energiepunkte und versucht möglichst schnell euren eigenen Verbrauchsmarker mindestens dreimal einzuholen. Je nach eingeschlagener Taktik vergehen dabei etwa sechzig bis neunzig Minuten. Die Zahl der Mitspieler spielt in Bezug auf die Dauer einer Partie hingegen eine eher untergeordnete Rolle. Da die Planungsphase immer parallel stattfindet, hält sich die Wartezeit auf den eigenen Zug stark in Grenzen. Somit ist es auch kein größeres Problem, schnell eine stattliche Anzahl von Partien auf der Uhr zu haben. Habt ihr ein wenig Spielerfahrung gesammelt, dürft ihr euch an den beiliegenden Mini-Erweiterungen versuchen. Mit den Raumstationen erhaltet ihr eine noch größere Aktionsvielfalt, während die Anführer eurem Sternenvolk mit Sonderfähigkeiten einen individuellen Touch verleihen.

Council of Shadows Anfuehrer Modul Erweiterung Plaettchen Astronaut
Die Anführer-Erweiterung sorgt für ein asynchrones Spielelement in Council of Shadows. © Ravensburger

Council of Shadows ist für ein bis vier Personen ab vierzehn Jahren geeignet. Eine Partie dauert etwa 60-90 Minuten. Das Spiel wird über die Alea-Marke von Ravensburger vertrieben und ist ab sofort zum Preis von etwa 50€ im Handel zu finden.

Fazit: Council of Shadows hat reichlich Wertungsenergie gesammelt und schafft es somit zu dieser ingame-Testwertung.

Wertungsgrafik Council of Shadows
Council of Shadows. greift nach den Sternen und pflückt sich dabei diese ingame-Testwertung. © ingame.de

Weltraum-Thema? Geht eigentlich immer! Die SciFi-Hintergrundgeschichte ist allerdings nicht das große Highlight des Spiels. Die grobe Rahmenhandlung geht in Ordnung, obwohl man über die Völker und das Schattenkonzil leider nicht sonderlich viel in Erfahrung bringen kann. So wirkt das gewählte Weltraum-Szenario am Ende doch ein wenig austauschbar. Geschenkt! Lassen wir uns nicht vom thematischen Unterbau ablenken, sondern betrachten wir stattdessen lieber die wirklich toll verzahnte Spielmechanik. Im Mittelpunkt des Spielkonzepts stehen die beiden Siegpunkteleisten. Klar, so etwas in der Art hat man auch schon bei anderen Spielen gesehen. Bei Council of Shadows wirkt dieser Ansatz dennoch extrem frisch. Eine Taktik kann es sein, den eigenen Verbrauch so gering wie möglich zu halten. Durch diese Energiespar-Taktik wird es gar nicht erst erforderlich, gigantische Energiereserven zu erschließen. Andererseits verzichten Sparfüchse aber auch auf die mächtigsten Aktionen. Offensivere Spieler könnten hingegen eine Expansionstaktik einschlagen. Energien werden verbraucht, um eine mächtige Engine aufzubauen, die sich später fast verselbständigt und den Verbrauch irgendwann um ein Vielfaches übertrumpft. Auf dem Weg dorthin werden neue Galaxien erforscht, immer mehr Siedlungen gegründet, Technologien erschlossen und Erweiterungen gekauft. Die Möglichkeiten der Expansion sind vielfältig und müssen vor allem gut aufeinander abgestimmt sein. Wenn das erweiterte Spielertableau und die erstandenen Aktionskarten gut miteinander harmonieren, landen die Energiepunkte fast im Sekundentakt auf eurem Konto. Es macht sehr viel Freude, dem eigenen Volk beim Aufbau einer gut geölten Produktionsmaschinerie zuzusehen. Die Jagd nach immer mehr Energie, mehr Edelsteinen, mehr Technologien ist so motivierend, dass die Zeit in Council of Shadows wie im Flug vergeht.

ProCon
+ taktisch fordernd- Thema schlägt nur bedingt durch
+ abwechslungsreicher Spielverlauf- grafisch nur solide
+ zusätzlicher Solospieler-Modus
+ motivierender Spielfortschritt
+ Basisspiel enthält bereits zwei Zusatzmodule
+ vergleichsweise geringe Wartezeit auf den eigenen Zug

Auch interessant