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Cup of Therapy erscheint über den Huch-Verlag und kostet etwa 25€.

Bei Cup of Therapy geht es gefühlvoll zu

Cup of Therapy im Test: Das therapeutische Brettspiel der Gefühle

  • VonSebastian Hamers
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Brettspiel oder Therapiemittel? Mit Cup of Therapy lernt ihr nicht nur eure Mitspieler besser kennen, sondern vielleicht sogar euch selbst.

  • für 2-6 Spieler ab 12 Jahren
  • Spieldauer: ca. 30 Minuten
  • Verlag: Huch
  • Preis: ca. 25€

Für viele sind Brettspiele ein wundervolles Hobby. Doch worum geht es dabei eigentlich? Viele schätzen das gemeinschaftliche Gefühl beim Spielen, andere genießen die strategische Herausforderung oder nutzen die verspielte Zeit einfach zur Entspannung. Manchen Spielern geht es vor allem ums Gewinnen, andere möchten einfach nur eine gute Zeit erleben. Im Spiel werden neue Welten entdeckt, die grauen Zellen gefordert, es entsteht eine intensive Kommunikation und manchmal kochen sogar die Emotionen hoch. Kurzum, Spielen ist so vielfältig wie das Leben selbst. Diese ganze bunte Palette möchte Cup Of Therapy einfangen, das etwas ungewöhnliche Brettspiel aus dem Huch-Verlag. Die Sommer-Neuheit beschäftigt sich auf eine einfühlsame Art und Weise mit euren Gefühlen. So lernen euch nicht nur die Mitspieler besser kennen, sondern möglicherweise ihr euch sogar selbst.

Cup of Therapy – Spiel oder Therapiematerial?

Ist Cup of Therapy überhaupt ein Brettspiel? Auf den ersten Blick sieht das Spiel eigentlich ziemlich traditionell aus. Dem Paket liegt ein dicker Stapel mit einhundert Spielkarten bei, es gibt ebenso einen ganz normalen sechsseitigen Würfel sowie ein entfaltbares Spielbrett. Nach dem Lesen der gerade einmal zwei Seiten starken Anleitung bleiben allerdings doch ein paar Unklarheiten. Wer sich eine punktgenaue Ablaufbeschreibung oder die ausschweifende Detailbeschreibung der Spielmechanik erhofft hatte, wird enttäuscht.

Bei Cup of Therapy flitzt ihr von einer Gefühlsinsel zur anderen.

Die Gründe für die kurze Anleitung liegen auf der Hand. Zum einen kann Cup of Therapy ohnehin nicht mit komplexen Brettspielmechaniken aufwarten, zum anderen sollte ein Gefühlsspiel mit Bedacht angegangen werden. Nicht jeder Spieler möchte völlig losgelöst über seine Emotionen drauflosplappern. Die eigenen Grenzen sind, wenn es um die Gefühle geht, doch ziemlich individuell. Da ist es nur folgerichtig, dass Cup of Therapy nicht alle Spieler gleich behandeln kann.

Flexibles Regelwerk bei Cup of Therapy

Eine grobe Leitlinie für den Spielablauf gibt es allerdings schon. Vor Spielbeginn breitet ihr zunächst den Spielplan aus. Dieser zeigt acht Gefühlsinseln, die untereinander durch ein Wegenetz miteinander verbunden sind. Ihr wählt nun eine Spielfigur, die auf einem beliebigen der zahlreichen Startfelder platziert wird. Anschließend erhaltet ihr noch sechs Gefühlskarten und schon kann es losgehen. Ihr werft dazu den sechsseitigen Würfel und versucht nun mit eurer Spielfigur eine der Gefühlsinseln zu erreichen.

In Cup of Therapy dreht sich alles um diese acht Grundgefühle.

Auf den ersten Blick erinnert das ein wenig an Trivial Pursuit, tatsächlich könnte sich Cup of Therapy allerdings kaum weiter von dem Quizspiel-Klassiker entfernt befinden. Knallharte Fakten, so etwas gibt es in der Gefühlswelt eben nicht. Entsprechend geht es Cup of Therapy auch weniger verbissen an. Ihr müsst mit eurer Spielfigur die Insel nicht punktgenau erreichen, dürft auf Wunsch verbleibende Würfelpunkte einfach verfallen lassen. Hinzu kommen noch ein paar Abkürzungen, die ihr über diverse Leitern nutzen dürft. So gelangt ihr meist recht zügig und ohne lange Würfelorgien von einer Insel zur anderen.

Inselhopping bei Cup of Therapy

In Cup of Therapy ist jede Insel einem Grundgefühl zugeordnet. Je nachdem an welche Küste es euch gerade spült, dreht sich jetzt alles um Freude, Liebe, Verwirrung, Vertrauen, Angst, Wut, Trauer oder Scham. Als kleine Spielhilfe könnt ihr die vier Gefühlsinselkarten auslegen. Sie zeigen euch nochmal eine Übersicht über die acht Grundemotionen und ihre Unterkategorien. Unter dem Gefühl der Trauer findet ihr etwa die Varianten Kummer, Leid, Trübsal oder Schmerz. Landet ihr auf der Insel des Vertrauens, zählen dazu auch Gefühle wie Gelassenheit, Ausgeglichenheit oder Ruhe. Die Unterkategorien geben euch möglicherweise eine zusätzliche Inspiration für die nun folgende Aktion.

Die Gefühlskarten sind in Cup of Therapy eine Inspiration für eure Geschichten.

Mit Hilfe der sechs Gefühlskarten auf eurer Hand, versucht ihr nun eine Geschichte zu erzählen, die gut zur Gefühlsgruppe der Insel passt. Das Spiel möchte euch im kreativen Schaffen nicht weiter einschränken. Wer mag, kann natürlich eine Anekdote aus seinem eigenen Leben verwenden. Genauso gut darf es sich aber auch um eine vollkommen fiktive Geschichte handeln. Die wichtigste Regel lautet hier: jeder erzählt nur das, was er mag. Niemand soll mit der Brechstange gezwungen werden, seinen Innerstes nach außen zu kehren.

Cup of Therapy sorgt für Momente der Tiefe

Wenn ihr euch mit einem Thema wirklich unwohl fühlt, dürft ihr euren Beitrag aus einer neutralen Position heraus erzählen oder natürlich auch vollkommen darauf verzichten. Herrscht eine vertraute Stimmung am Spieltisch, wird der Mut der Spieler jedoch meist belohnt. Die Mitspieler dürfen sich aktiv ins Geschehen miteinbinden, indem sie sich an den Erzählungen beteiligen. Vielleicht geht euch die Geschichte eures Mitspielers nah und könnt mit euren eigenen Erfahrungen etwas dazu beitragen? Dann lädt euch Cup of Therapy herzlich dazu ein. Manchmal entstehen auf diese Weise tiefgehende Gespräche, so dass das Spiel sogar etwas in Vergessenheit gerät.

Cup of Therapy belohnt das Erzählen einer emotionalen Geschichte mit einem Gefühlsplättchen.

Die Handkarten dienen da eher als lose Leitlinie. In eurem Zug dürft ihr beliebig viele dieser Karten ausspielen, um eure Erzählungen auszuschmücken. Die Karten enthalten überwiegend kindlich anmutende Zeichnungen, die mit Details eher sparsam umgehen. Eine gute Entscheidung, denn so lassen euch die Handkarten den nötigen Freiraum für eigene Geschichten. In welchem Umfang ihr von den Karten Gebrauch macht, bleibt ganz euch überlassen. Eine gute Quelle der Inspiration sind sie aber allemal. Häufig reicht eben ein kleiner Denkanstoß, um Assoziationen auszulösen und das Spiel in Fahrt zu bringen.

Nur Gewinner bei Cup of Therapy

Für das Erzählen einer Geschichte, egal wie lange diese dauern mag, erhaltet ihr anschließend eine Belohnung in Form eines Gefühlsplättchens. Jeder Inselbesuch bringt euch ein eigenes Plättchen dieser Art ein. Das Spiel endet, sobald ein Spieler mindestens fünf unterschiedliche Gefühlsinseln besucht hat. Ihr dürft selbst festlegen, ob es sich für euch richtig anfühlt, diesen Spieler als Gewinner festzulegen. Aber eigentlich gehen bei Cup of Therapy alle Spieler als Sieger der Partie hervor, wenn sich das Sprechen über die eigenen Gefühle befreiend ausgewirkt hat. Konzepte wie Gewinnen oder Verlieren haben bei Cup of Therapy keinen Platz.

Die Insel des Glücks ist ein Zwischenstopp bei Cup of Therapy.

Dafür schlägt das Regelwerk einen anderen interessanten Ansatz vor, wie ihr mit den Gefühlsplättchen umgehen könnt. Als kleinen Anreiz, sich als passiver Spieler in ein Gespräch einzubringen, können ebenfalls Plättchen vergeben werden. Bewegt euch die Geschichte eines Spieles sehr, dürft ihr diesem sogar eines eurer eigenen Plättchen überreichen, als schöne und vor allem wertschätzende Geste.

Cup of Therapy in der Psychotherapie

Wenn die Stimmung passt, kann eine Partie Cup of Therapy also tatsächlich ein ganz besonderes Erlebnis werden. Doch lässt sich das Spiel auch wirklich therapeutisch nutzen, wie es der Name suggeriert? Als Huch Cup of Therapy angekündigt hatte, bin ich vor allem wegen des potentiellen Einsatzes in der Therapie neugierig geworden. Der Umgang mit den Gefühlen spielt in der Behandlung vieler seelischen Krankheiten eine Schlüsselrolle, die Patienten und Therapeuten gleichermaßen herausfordert.

Die Gefühlskarten in Cup of Therapy sind eher sparsam in den Details und lassen Raum zur Interpretation.

Ein spielerischer Umgang mit dem Thema könnte dazu beitragen, das Eis etwas zu brechen und den Zugang zu den eigenen Emotionen zu erleichtern. Bei entsprechender Begleitung, hat Cup of Therapy durchaus Potential auf einen Einsatz als Therapiemittel. Im Rahmen meiner Tätigkeit in einer Rehaeinrichtung für psychisch kranke Menschen, werde ich dem Spiel auf jeden Fall eine Chance geben.

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