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Daimyo kommt über GrimSpire in den Handel und kostet etwa 50€.

GrimSpire veröffentlicht Daimyo – Trümmer der aufgehenden Sonne

Daimyo im Test: Das postapokalyptische Brettspiel im fernen Osten

  • VonSebastian Hamers
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Daimyo – Trümmer der aufgehenden Sonne zeigt eindrucksvoll, wie viele bekannte Brettspiel-Mechaniken sich sinnvoll unter einen Hut bringen lassen.

Wenn die Tage wieder kürzer werden und das bunte Herbstlaub die Vorgärten bedeckt, dann bricht die spannendste Zeit des Jahres für die Brettspielfans an. Zur SPIEL in Essen wird erneut eine vierstellige Zahl neuer Titel erwartet. Bei einem so großen Angebot fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Nach welchen Kriterien wählt ihr eure Neuanschaffungen aus? Muss das neue Spiel mit einem spannenden Thema daherkommen? Oder setzt ihr doch lieber auf eine gute Mischung favorisierter Mechaniken? Grimspires Neuheit Daimyo hat wohl in beiden Fällen eine gute Chance, auf eurer Hotlist zu landen. Mit einer aberwitzigen Mixtur diverser Stile entführt euch das Spiel in ein postapokalyptisches Szenario im fernen Osten. Eure Mission: die Weltherrschaft!

Daimyo mit postapokalyptischem Setting

Na gut, zunächst gebt ihr euch wohl auch erstmal mit einem kleinen Archipel zufrieden, das aus einer Handvoll Inseln besteht. Denn hier spielt sich das Treiben der Menschheit nach dem Untergang der Zivilisation ab. Gekommen aus den Trümmern führt ihr einen Clan zu Ruhm und Ehre. Es gilt nun vor allem, die Bevölkerung von euren Führungsqualitäten zu überzeugen. Denn am Spielende wird der populärste Clan-Chef zum neuen Kaiser des gesamten Archipels ausgerufen. Um dieses Ziel zu erreichen ist euch natürlich jedes Mittel recht.

Die Optik von Daimyo ist kunterbunt und macht Spaß aufs Spielen.

Die fernöstliche Inselgruppe, um die sich in Daimyo alles dreht, wird auf einem großen Spielbrett dargestellt. Ein erster Blick auf das Spielfeld wirft allerdings mehr Fragen auf, als beantwortet werden. Die kunterbunte Optik sieht zwar richtig schick aus, wirkt sich jedoch nachteilig auf die Überschaubarkeit aus. Also erstmal sortieren, welche Möglichkeiten stehen uns in Daimyo zur Verfügung, um das Volk vom eigenen Thronanspruch zu überzeugen?

  • für 1-4 Spieler ab 14 Jahren
  • Spieldauer: ca. 90 Minuten
  • Autor: Jérémy Ducret
  • Verlag: GrimSpire
  • Preis: ca. 50€

Daimyo ist ein Spiel mit vielen Möglichkeiten

Im Mittelpunkt des Spiels stehen dreizehn verschiedenfarbige Würfel, mit denen ihr im Verlauf eure Aktionen durchführen werdet. In eurem Zug dürft ihr euch für einen dieser Würfel entscheiden, um diesen auf euer Clantableau zu legen. Die Farbe des gewählten Würfels bestimmt dabei die durchzuführende Aktion. Die Zahlenwerte spielen dabei zunächst keine weitere Rolle. Doch keine Sorge, sie werden später noch von großer Bedeutung sein.

Teile der Relikte werden bei Daimyo zusammengesetzt. So entsteht etwa diese Tankstelle.

Blaue Würfel aktivieren die Inselbewohner. Diese drücken ihre Dankbarkeit aus, indem sie eure Lagerräume erweitern. Reichlich Lagermöglichkeiten werdet ihr dringend brauchen. Irgendwo müsst ihr schließlich die Relikte aufbewahren, die ihr auf den Inseln bergen werdet. Naja, zunächst sind es nur Teile eines Relikts. Erst wenn ihr die vier zusammengehörigen Teile auf den verschiedenen Inseln zusammengeklaubt habt, werden sie zu einem Relikt zusammengefügt. Dies sorgt gleichzeitig für einen gehörigen Beliebtheitsboost in der Bevölkerung. Die angestrebte Regentschaft ist somit wieder einen Schritt näher gerückt.

Ressourcenmanagement bei Daimyo

Um nach Relikten zu suchen, nutzt ihr die Kraft des grünen Würfels. Dieser lässt alternativ allerdings auch zur Produktion von Ressourcen einsetzen. Reis, Kristalle oder Metalle sind wichtige Bestandteile eurer Strategie, da sie für viele Aktionsmöglichkeiten eingesetzt werden müssen. Wie viele und welche Ressourcen bei der Produktion ausgeschüttet werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Auf dem Spielfeld befinden sich diverse Produktionsstätten, die ihr entweder mit euren Gouverneuren annektiert oder auch mit eigenen Farmen bestückt.

Als Daimyo schickt ihre eure Gouverneure aus, um den Einfluss auf den Inseln zu mehren.

Um Letztgenannte zu errichten, müsst ihr wiederum rote Würfel einsetzen. Unter Einsatz diverser Ressourcen werden die schon erwähnten Farmen aufgebaut oder auch Funktürme, die euren Einfluss auf der gleichen Insel steigern. Ebenfalls rote Würfel werden benötigt, um Gouverneure oder Schattenkrieger zu rekrutieren. Die Gouverneure sind ebenfalls ein gutes Werkzeug, um den Einfluss auf einer Insel zu mehren. Sie helfen euch durch ihre pure Präsenz, den Zuspruch der Inselbewohner zu sichern und kurbeln gleichzeitig die Produktion an. Eine Sonderrolle nehmen hingegen die Schattenkrieger ein. Bei ihnen handelt es sich um hinterhältige Killer, die gegnerische Gouverneure unauffällig von der Bildfläche verschwinden lassen.

Flüchtige Machtverhältnisse bei Daimyo

Der Einfluss auf den einzelnen Inseln ist bei Daimyo immer hart umkämpft. Wandert ein Gouverneur von einem Eiland auf das andere oder wird einer von diesen von einem Schattenkrieger eliminiert, verschieben sich die Machtverhältnisse schnell. Dies wird am Ende einer Runde relevant, denn jede einzelne Insel vergibt jetzt Popularitätspunkte für die einflussreichsten Spieler. Gezielte Rotation von Gouverneuren und der geschickte Einsatz der Schattenkrieger zählen daher zu euren wichtigsten Waffen im Spiel.

In Daimyo stehen euch vier unterschiedliche Clans zur Verfügung, jede mit individuellen Fähigkeiten.

Das Platzieren der Figuren, das Management von Ressourcen sowie die Wahl der Würfel sind also gleich drei Mechaniken, die es in Daimyo zu beherrschen gilt. Doch damit nicht genug. Über die Clantableaus kommt noch ein asymmetrisches Element hinzu. Jeder Clan verfügt über eine mächtige Spezialfähigkeit, die allerdings nur unter bestimmten Gegebenheiten eingesetzt werden darf. Jetzt werden die Werte auf den gewählten Würfeln interessant. Erst wenn diese in Summe einen Wert von mindestens dreizehn Punkten erreichen, erhaltet ihr Zugriff auf die Clanfähigkeiten.

Daimyo: Neue Helden braucht das Land

Die gesammelten Würfelsummen spielen weiterhin beim Ausspielen von Heldenkarten eine große Rolle. Richtig gehört, zur bereits erwähnten Mechanik-Mixtur kommen auch noch Handkarten hinzu. Sofern ihr über die nötigen Goldreserven verfügt, bastelt ihr euch im Spielverlauf ein individuelles Deck zusammen. Ausgespielt werden dürfen die Heldenkarten allerdings nur, wenn die Würfel auf eurem Tableau über die benötigten Werte verfügen. Das führt dazu, dass in gewissen Situationen nicht zwingend die höchsten Würfelwerte am effektivsten sind. Damit das Ausspielen der Helden noch etwas einfacher gelingt, dürft ihr Karten auch ungenutzt ablegen, um die Würfel zu manipulieren. So haben sogar die Karten in Daimyo noch mehr als eine Funktion.

Mit den Heldenkarten wird Daimyo um ein Deckbuilding-Element ergänzt.

Überblick verloren? Fassen wir doch also noch einmal die verwendeten Mechaniken zusammen. Arbeiter einsetzen – Check! Dice Drafting? Haben wir natürlich auch. Deckbuilding sowieso. Asymmetrische Funktionen kommen ebenfalls vor und das Set Collection darf selbstverständlich ebenfalls nicht fehlen. Das Ressourcen-Management ist da praktisch schon obligatorisch und als kleines Sahnehäubchen kommt noch eine Prise Area Control hinzu. Puh, doch ganz schön viel. Doch glücklicherweise liest sich diese Mischung komplizierter, als sie sich tatsächlich spielt.

Daimyo mit Solo-Variante

Dafür sorgt die zwanzig Seiten starke Anleitung, die euch schrittweise in die Regeln von Daimyo einführt. Nach Beendigung der Lektüre sollten eigentlich keine Fragen mehr offenbleiben. Das letzte Viertel des Regelwerks dürft ihr zunächst ignorieren, wenn ihr Daimyo mit drei oder vier Spielern beginnt. Für die Zwei-Personen-Partie müsst ihr ein paar Kleinigkeiten im Ablauf verändern, damit das Spiel reibungslos funktioniert. Gedacht wurde ebenso an eine reine Solo-Variante, die aber nochmal etwas mehr Einarbeitungszeit erfordert.

Die zahlreichen Holzfiguren in Daimyo sind die Sahnestücke beim Spielmaterial.

Daimyo ist für ein bis vier Spieler ab vierzehn Jahren geeignet. Für eine Partie sollten etwa neunzig Minuten eingeplant werden, bei den ersten Partien allerdings deutlich mehr. Grimspire hat das Spiel bereits im Vorfeld der SPIEL veröffentlicht. Ihr findet es ab sofort zum Preis von etwa 50€ im Handel.

Fazit: Mit einer wilden Mechanik-Mixtur bringt es Daimyo auf diese endzeitmäßige ingame-Wertung

Im ingame-Test sichert sich Daimyo eine postapokalyptische Wertungsnote.

Wenn ihr Daimyo zum ersten Mal eurer Spielgruppe vorstellt, entsteht möglicherweise sofort ein Wie-soll-ich-das-nur-jemals-verstehen-Reflex. Die kunterbunte Optik des Spiels wirkt zunächst erschlagend. Doch hat man die Spielidee einmal verstanden, ergibt die grafische Gestaltung einen Sinn. Die Macher von Daimyo haben sich durchaus ihre Gedanken bei der optischen Gestaltung gemacht und obendrein sieht es auch noch ziemlich cool aus. Gleiches gilt absolut für das spielmechanische Konzept. Trotz der scheinbar wild zusammengewürfelten Techniken, wirkt Daimyo ziemlich organisch. Die vielen kleinen Rädchen greifen wunderbar ineinander und lassen eine gute Dynamik entstehen, die sich richtig anfühlt. Autor Jérémy Ducret hat eben nicht einfach nur wahllos seine Lieblingsmechaniken ins Spiel gestopft, sondern sie liebevoll miteinander verzahnt. Natürlich könnte man Daimyo daraus auch einen Strick drehen. Schließlich wird weder das volle Potenzial des Deckbaus noch des Arbeitereinsetzens oder einer anderen Mechanik voll ausgeschöpft. Für mich hat sich das Design dafür angenehm frisch angefühlt, so dass ich sicherlich noch so einige Runden mit dem Spiel drehen werde. Dafür sorgt auch das gute Spielmaterial. Nicht nur der bunte Look ist dabei ein Highlight, sondern auch die zahlreichen Holzfiguren, die allesamt sehr detailstark ausgearbeitet wurden. Das Material hat so einen großen Anteil an der Fernost-Atmosphäre, die über das Spiel selbst leider nicht ganz so stark transportiert wird.

ProCon
+ frisches Spielgefühl- Thema wird vor allem durch das Material getragen
+ gut verzahnte Mechaniken
+ gutes Spielmaterial
+ hoher Wiederspielwert
+ mit Solo-Modus

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