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D.E.I. – Divide et Impera im Test: Eiszeitliche Postapokalypse als Brettspiel

Erstellt:

Von: Sebastian Hamers

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D.E.I.: Divide et Impera erscheint über Pegasus Spiele und kostet rund 90€. © Pegasus Spiele

Nach dem großen Erfolg auf Kickstarter nimmt Pegasus Spiele die deutschsprachige Version von D.E.I.: Divide et Impera ins eigene Programm auf.

Gestern noch auf exklusiv auf Kickstarter, heute bereits im Handel. Mehr als eine Viertelmillionen Euro konnten die italienischen Brettspiel-Macher von Ludus Magnus auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter für ihr neues Projekt D.E.I.: Divide et Impera einsammeln. Das Interesse der Brettspielgemeinde ist durchaus nachvollziehbar. Autor Tommaso Battista ist in der Szene kein Unbekannter. Sein Erstlingswerk „Wasserkraft“ eroberte insbesondere die Herzen der Strategiespielfans im Sturm. Sein neues Werk richtet sich erneut an anspruchsvolle Taktikfüchse, schlägt thematisch allerdings in eine ganz andere Kerbe.

Postapokalyptische Eiswelt in D.E.I.: Divide et Impera

D.E.I.: Divide et Impera zeichnet eine düstere Welt, in der die Menschheit ums Überleben kämpft. Vor knapp fünfzig Jahren hat sich die Erde in einen Eisball verwandelt, der das Überleben auf dem Planeten nahezu unmöglich macht. In der ehemaligen Metropole London gibt es nur wenige Überlebende, die sich meist zu kleinen Fraktionen zusammengeschlossen haben, um gemeinsam den eisigen Temperaturen zu trotzen. Zu diesen zählt auch eine Gruppe, die sich selbst „Die Zitadelle“ nennt. Sie verfügt über fortschrittliche Technologie, die ihnen die Herrschaft über ganz London sichert.

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Das modulare Spielfeld sorgt bei D.E.I.: Divide et Impera für viel Flexibilität. © Pegasus Spiele

Leider seid ihr selbst kein Teil dieser machtvollen Fraktion. Stattdessen plündert eure kleine Gruppe auf eigene Faust die wenigen wertvollen Ressourcen der Stadt, um einen Teil des Besitzes bei der Zitadelle abzuliefern. Nur wer die Aufträge der Machthaber erfüllen kann, darf darauf hoffen, irgendwann in den inneren Kreis aufgenommen zu werden und vom Wohlstand der Zitadelle zu profitieren. In D.E.I.: Divide et Impera arbeitet ihr nicht Seite an Seite, sondern stellt unerbittliche Rivalen im Kampf um die Gunst der Autorität dar. Jeder von euch führt eine eigene Fraktion ins Feld, die sich bei der Zitadelle unersetzlich machen möchte.

D.E.I.: Divide et Impera mit imposanter Tischpräsenz

Es ist vermutlich nicht ganz leicht eine schnöde Eiswüste eindrucksvoll als Brettspeil zur Geltung zu bringen. Die omnipräsente Schneedecke bestimmt schließlich die Optik des Spiels. Dennoch, D.E.I.: Divide et Impera macht auf dem Tisch schon einiges her. Das Spielfeld ist wirklich riesig und setzt sich aus sechszehn Spielplanteilen modular zusammen. Direkt ins Auge fallen außerdem die zahlreichen Erhebungen auf dem Plan, die London in zwei Ebenen unterteilt.

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Vier verschiedene Drohnen bilden ein zentrales Spielelement von D.E.I.: Divide et Impera . © Pegasus Spiele

Eure Gruppe wird sich im Spielverlauf nicht nur durch die vereisten Straßen der Stadt bewegen, sondern auch die Dächer Londons unsicher machen. Die Gebäude werden im Spiel nicht nur grafisch dargestellt, sondern verfügen über einen eindrucksvollen 3D-Effekt. Die Fraktionsmitglieder erklimmen Häuserwände, nutzen Aufzüge zur Überwindung des Höhenunterschieds und passieren auf ihrer Tour so manche Brücke als Passage zwischen zwei Gebäuden. So trägt der 3D-Effekt nicht nur zur besseren Übersicht bei, sondern sieht auch noch superschick aus.

Straßenplünderei bei D.E.I.: Divide et Impera

Ihr startet die Partie zunächst mit einem Anführer und ein paar wenigen Plünderern. Mit ihnen breitet ihr euch in der Stadt aus, um Energie und Technologien zu sammeln. Dies sind die harten Währungen im Spiel, mit denen ihr die Macht der eigenen Fraktion immer weiter ausbaut. Letztlich dient dies jedoch vor allem dem Zweck, die acht Aufträge der Zitadelle zu erfüllen. Sie belohnt den Besitz von Ressourcen, Bauwerken, Drohnen, die Kontrolle von Außenposten und vieles mehr mit Vorräten, die in D.E.I. als Siegpunkte fungieren.

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Das eigene Kartendeck lässt sich bei D.E.I. :Divide et Impera gleich auf vier Märkten sinnvoll erweitern. © Pegasus Spiele

Der Schlüssel zum Sieg liegt dabei in der Bildung von Mehrheiten. Viele Aktionen lassen sich nur dann durchführen, wenn ihr ein einem Gebiet mehr Figuren versammelt habt als alle anderen Fraktionen. Dies fängt bereits bei der Bewegung von Einheiten an. Die Übermacht einer anderen Gruppierung verhindert, dass ihr mit euren Plünderern in die Region eindringen könnt, geschweige denn gar Ressourcen in ihrem Territorium zu sammeln. Die Manpower eurer Fraktion spielt ich D.E.I. daher eine ziemlich große Rolle.

In D.E.I.: Divide et Impera gilt das Recht des Stärkeren

Gesteuert wird das Spiel über Karten. Jede Fraktion verfügt über ein individuelles Set, das sich im weiteren Spielverlauf erweitern lässt. Pro Spielrunde stehen euch drei Aktionsphasen zur Verfügung, in denen jeweils zwei Karten zum Einsatz kommen. Besonders viele Aktionsmöglichkeiten bietet D.E.I.: Divide et Impera dabei gar nicht mal. Ihr bewegt mit ihnen eure Plünderer durch die Stadt, sammelt Ressourcen aus einer Region oder errichtet neue Bauwerke. Dazu zählen die bereits erwähnten Aufzüge und Brücken. Sie erlauben euch den Wechsel der Ebenen zwischen Straße und den Dächern oder verbinden zwei nahegelegene Gebäude über den Luftweg miteinander.

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In D.E.I.: Divide et Impera versucht ihr insbesondere die Kontrolle über die Außenposten der Stadt zu gewinnen. © Pegasus Spiele

Zu den Bauwerken zählen außerdem die Lagerstätten, die ihr am besten strategisch geschickt im Stadtgebiet verteilt. Führt ihr die Einrücken-Aktion durch, dürft ihr nur dort neue Plünderer-Rekruten ins Spiel bringen. Jede Karte erlaubt euch zudem, dass ihr auf den Märkten aktiv werdet. Sie bieten euch neue und vor allem bessere Karten mit noch mehr Aktionsmöglichkeiten. Vier Märkte mit unterschiedlichen taktischen Schwerpunkten tauchen in London auf, jeweils mit einer offenen Auslage, die aus drei Karten besteht.

Die Bedeutung der Außenposten in D.E.I.: Divide et Impera

Für lau gibt es die verbesserte Ausstattung aber natürlich nicht. Jede Karte muss mit den entsprechenden Energie- und Technologiemarkern bezahlt werden. Außerdem stehen euch nicht pauschal alle drei Karten in den jeweiligen Märkten zur Verfügung. Nur wer eine ausreichend große Anzahl von Außenposten kontrolliert, die dem gewählten Markt zugeordnet ist, kann hier aus dem Vollen schöpfen. Die Außenposten sind im gesamten Stadtgebiet verstreut und werden von der Fraktion kontrolliert, die vor Ort die meisten Plünderer stationiert hat.

DEI Divide et Impera Tableau Fraktion Anfuehrer Marker Karten
In D.E.I.: Divide et Impera stehen euch vier unterschiedliche Fraktionen zur Auswahl. © Pegasus Spiele

Die Kontrolle über das Areal wird durch ein farbiges Klötzchen dargestellt, die ihr auf eurem Spielertableau sammelt. Sobald dort eine gewisse Anzahl von Steinchen lagern, schaltet ihr mächtige Zusatzfähigkeiten für eure Fraktion frei. Diese gelten ab sofort und sind bis zum Spielende verfügbar. Die Bandbreite der Bonusfähigkeiten ist ziemlich breit gestreut und dank des modularen Spielaufbaus verändern sich die Möglichkeiten mit jeder Partie aufs Neue.

D.E.I.: Divide et Impera bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten

Hier warten ein paar echt coole Gimmicks auf euch. Beispiel gefällig? Mit der Fähigkeit „Landekapsel“ errichtet ihr überall in London schnell neue Lagerstätten. Normalerweise dürft ihr ein Lager nur dort aufschlagen, wo sich bereits mindestens eine eigene Spielfigur befindet. Jetzt werden diese über den Luftweg über der Stadt abgeworfen. Der „Späher“ löst hingegen Gleichstände in einzelnen Regionen zu euren Gunsten auf, während euch die „Solarenergie“ einen Tausch von Energie zu Technologie oder umgekehrt erlaubt.

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Im Spielverlauf entstehen bei D.E.I.: Divide et Impera neue Bauwerke. Brücken bahnen euch den Weg quer über die Dächer von London. © Pegasus Spiele

Es sind aber nicht nur die freischaltbaren Fähigkeiten, mit denen sich die Fraktionen weiter voneinander differenzieren. Auch die neu erworbenen Aktionskarten können zu einem echten Game-Changer werden. Vor allem bringen diese auch völlig neue Aktionen ins Spiel. Sie können euch jetzt direkte Siegpunkte einbringen oder Ressourcen aus dem allgemeinen Vorrat anstatt aus den Straßen oder von den Dächern. Sogar das Töten feindlicher Plünderer ist mit ihnen jetzt möglich. Ebenso gibt es verbesserte Varianten der Standardaktionen, die sich unter Umständen gleich mehrfach ausführen lassen, sofern ihr mehrere Außenposten kontrolliert.

Bei D.E.I.: Divide et Impera kommen moderne Drohnen zum Einsatz

Einige Aktionskarten lassen euch außerdem auf eine von insgesamt vier Drohnen zurückgreifen, die in London stationiert sind. Jede Drohne verfügt über eine mächtige Spezialfähigkeit. Die Ernte-Drohne sammelt Ressourcen, während Transporter- und Teleporter-Drohnen für die Bewegung von Plünderern verantwortlich sind. Kontrolliert werden kann auch noch eine Jäger-Drohne, mit denen ihr feindliche Figuren aus dem Spiel entfernen könnt. Somit bieten die Drohnen zusätzliche Möglichkeiten, um in bestimmten Regionen unkompliziert eine Mehrheit zu schaffen.

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Die Kontrolle der Außenposten kann dafür sorgen, dass ihr in D.E.I.: Divide et Impera neue Fähigkeiten für eure Fraktion freischaltet. © Pegasus Spiele

Durch den rundenweisen Ablauf sind diese Mehrheiten allerdings ziemlich flüchtig. Ihr solltet euch niemals zu sicher sein, eine Region fest im Griff zu haben. Oftmals kommt es einfach auf das passende Timing an. In der dritten Aktionsphase einer jeden Spielrunde werden die ausliegenden Aufträge der Zitadelle abgerechnet. Pro Runde müsst ihr euch für einen Auftrag entscheiden. Jetzt werden Siegpunkte abhängig von der aktuellen Konstellation vergeben. Je nach gewählter Auftragskarte kommt es jetzt auf errichtete Bauwerke, gesammelte Technologien oder Energieplättchen, auf eingesetzte Plünderer, kontrollierte Außenposten oder vieles weitere mehr an.

Nach vier Runden endet schließlich die Partie D.E.I.: Divide et Impera. Je nach Anzahl der Mitspieler vergehen bis dahin 60 bis 90 Minuten. Das Spiel erscheint in der deutschsprachigen Ausgabe über Pegasus Spiele und ist für zwei bis vier Personen ab vierzehn Jahren geeignet. Ihr findet es ab sofort zum Preis von rund 90€ im Handel.

Fazit: D.E.I. – Divide et Impera sorgt für dichte Endzeitstimmung und verdient sich damit diese postapokalyptische ingame-Testwertung

Wertungsgrafik DEI Divide et Impera
D.E.I. - Divide et Impera überzeugt sowohl optisch als auch spielerisch, das bringt dem Spiel diese eiskalte ingame-Testwertung ein. © ingame.de

Der erste Blick auf D.E.I.: Divide et Impera wirkt erschlagend. Die Spieleschachtel bringt ein ziemlich stolzes Gewicht mit sich und das knapp dreißigseitige Regelwerk verspricht auch nicht gerade einen unkomplizierten Spielstart. Ein Leichtgewicht ist D.E.I.: Divide et Impera ganz bestimmt nicht. Dennoch, schon nach wenigen Minuten entsteht bereits ein angenehmer Spielfluss. Angesichts der ordentlichen taktischen Tiefe, zeigt sich die Pegasus-Neuheit sogar recht zugänglich. Eine Handvoll Standardaktionen reichen im Grunde aus, um sich durch den Anfang der Partie zu hangeln. Erst im Verlauf des Spiels wird die ganze Angelegenheit allmählich komplexer. Mit frischen Kartenmaterial verschafft ihr euch neue Möglichkeiten, nebenbei bastelt ihr am Ausbau der eigenen Infrastruktur und schiebt natürlich jede Menge neuer Einheiten aufs Spielbrett. In D.E.I.: Divide et Impera geht es um Gebietskontrolle, geht dabei allerdings längst nicht so aggressiv vor wie andere Genrevertreter. Eine direkte Konfrontation ist mittels der Töten-Aktion einiger Karten zwar möglich, erweist sich allerdings nicht als dominantes Spielprinzip. Die Elemination wird obendrein noch etwas abgefedert, da die betroffene Fraktion einen kleinen Bonus als Trostpflästerchen erhält. Alles halb so wild also. Als eher friedliebendem Spieler kommt mir dieses Prinzip zugute. Wer sich auf ein intensives militärisches Gefecht in einer postapokalyptischen Eiswelt gefreut hatte, wird hingegen enttäuscht. Dafür glänzt D.E.I.: Divide et Impera mit einer enormen Vielseitigkeit. Die Partie lässt sich in vielen Bereichen modifizieren und bietet so immer wieder ein neues Spielerlebnis. Egal ob bei der Gestaltung des Stadtplans, der Marktauslage mit den Aktionskarten, der Zusammenstellung der freischaltbaren Fähigkeiten oder einfach durch den Wechsel der Fraktion, jeder Durchlauf stellt euch vor eine neue Herausforderung. Diese Varianz, gepaart mit der guten thematischen Einbindung und der beeindruckenden Tischpräsenz machen D.E.I.: Divide et Impera zu einer echten Empfehlung für Strategiespielfreunde.

ProCon
+ beeindruckende Tischpräsenz......, die aber einen stolzen Preis fordert
+ gute thematische Einbindung
+ modularer Spielaufbau sorgt für große Varianz
+ taktisch fordernd
+ erstaunlich leichter Einstieg

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