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Descent: Legenden der Finsternis erscheint in Deutschland über Asmodee und kostet 150-160€.

Fantasy Flight Games lässt mit Descent: Legenden der Finsternis den Klassiker wieder aufleben

Descent: Legenden der Finsternis im Test: Der Dungeon-Crawler kehrt zurück

  • VonSebastian Hamers
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Descent: Legenden der Finsternis will mit einer Luxus-Ausstattung neue Maßstäbe bei den Dungeon Crawlern setzen.

  • für 1-4 Spieler ab 14 Jahren
  • Spieldauer: 2-3 Stunden pro Abenteuer
  • Preis: 150-160€
  • Verlag: Asmodee/Fantasy Flight Games
  • Autoren: Kara Centell-Dunk und Nathan Hajek

Rollenspieler aufgepasst! Fantasy Flight Games lädt euch zu einem weiteren Streifzug durch Terrinoth ein. Mit Descent: Legenden der Finsternis steht eine neue epochale Ausgabe der altehrwürdigen Descent-Reihe frisch im Handel. Kaum zu glauben, aber seit der Ur-Version sind inzwischen auch schon mehr als fünfzehn Jahre vergangen. Descent kann also auf eine lange Tradition zurückblicken. Spielerischen Stillstand kann man der Serie allerdings nicht vorwerfen. Vor einigen Jahren hat Fantasy Flight Games bereits das altmodische Spielleiter-Konzept über Bord geworfen und den Dungeon Master komplett durch eine App ersetzt. Mit Legenden der Finsternis möchte der Verlag die Reihe abermals kräftig aufwerten. Eine wichtige Änderung fällt sofort ins Auge und macht Laune. Das Spiel wird in einer ausufernden Bombast-Verpackung ausgeliefert, die neben zahlreichen detailverliebten Miniaturen noch eine ganze Reihe von 3D-Objekten enthält. Noch nie war Terrinoth so plastisch und unmittelbar erlebbar. Wird Descent: Legenden der Finsternis wie ein modernes PC-Rollenspiel zum Anfassen?

Descent: Legenden der Finsternis mit moderner App-Anbindung

Die Grundgeschichte von Descent kann zunächst nicht ganz mit der opulenten Ausstattung des Spiels mithalten. Terrinoth steht einmal mehr vor dem Untergang. Dämonische Horden marodieren bereits durch das Land und ziehen eine Spur der Verwüstung hinter sich her. Es braucht daher ein paar echte Helden, die mutig genug sind, sich dem Schrecken entgegenzustellen. Damit gewinnt Fantasy Flight sicher keinen Innovationspreis, aber also Gerüst für ein episches Abenteuer geht es schon in Ordnung. Im weiteren Verlauf des Spiels entwickelt sich eine durchaus solide Fantasy-Geschichte, die sogar die ein oder andere Verzweigung nimmt.

So sieht Descent: Legenden der Finsternis aus der Vogelperspektive aus.

Für das Erzählen der Story ist vor allem die Begleit-App zuständig, die für das Spielen zwingend erforderlich ist. In schicken Videosequenzen schildert sie die Geschehnisse in Terrinoth und sorgt vor allem dafür, dass eure Charaktere etwas mehr Profil bekommen. Insgesamt liegen dem Spiel sechs verschiedene Helden bei, die sich natürlich alle ziemlich unterschiedlich spielen. Die kräftige Ritterin Brynn steht im Kampf meist an der Front, der etwas skurrile Elf Galaden agiert hingegen am liebsten mit seinem Bogen aus der Distanz, während der Drachenhumanoide Vaerix für die Heilung der Gruppe zuständig ist. Jeder Charakter muss während der Abenteuer diverse Entscheidungen fällen, die den Verlauf der Story beeinflussen. Das sorgt auf jeden Fall für eine gewisse emotionale Bindung an die eigene Spielfigur.

Descent: Legenden der Finsternis zeigt Helden mit individueller Geschichte

Während die Hintergrundgeschichte der Charaktere vor allem der atmosphärischen Gestaltung dient, sind im Abenteuer selbst aber eher die handfesten Stats der Helden gefragt. Je nach gewähltem Charakter agiert ihr im Kampf mit völlig anderen Würfeln, habt andere Reichweiten und natürlich variiert auch der Schaden mitunter ziemlich stark. Darüber hinaus verfügen die Helden über individuelle Fähigkeiten, die ihr taktisch aufeinander abstimmen könnt. Dabei spielt natürlich auch die Ausrüstung eine gewichtige Rolle. Vor jedem neuen Spielabschnitt dürft ihr der Waffenkammer der Gruppe einen Besuch abstatten und das Equipment für die anstehende Schlacht auswählen.

Descent: Legenden der Finsternis liegen insgesamt 40 detailreiche Miniaturen bei.

Im Auftaktabenteuer müsst ihr allerdings noch mit der Standardausrüstung jedes Charakters klarkommen. Doch auch diese bietet schon recht viel Varianz. Ihr zieht direkt mit zwei verschiedenen Waffen in den Kampf um Terrinoth, die natürlich als Karten dargestellt werden. Beide Startwaffen steckt ihr gemeinsam in eine Kartenhülle, so dass ihr auf der einen Seite nun beispielsweise einen Bogen seht und auf der Rückseite eure Klingenwaffe. Im Kampf dürft ihr eine Aktion aufwenden, um die jeweils andere Waffe auszurüsten. Schnell werdet ihr merken, dass der Wahl der Waffen eine besondere Bedeutung zukommt.

Taktische Rundenkämpfe in Descent: Legenden der Finsternis

Je nach gewählter Waffe verändern sich nicht nur möglicherweise der zugefügte Schaden und die Reichweite, sondern die Art des Schadens. Ob ihr einen Gegner durch einen Wucht-, Stich- oder einen anderen Angriff attackiert, ist im neuen Descent durchaus relevant. Die meisten Gegner verfügen über bestimmte Schwachstellen, die ihr nutzen könnt, um den Schaden zu optimieren. Allerdings müsst ihr diese Schwächen im Spiel erstmal herausfinden. Habt ihr den Gegner ausreichend studiert, kann sich ein Waffenwechsel aber schnell rentieren.

Descent: Legenden der Finsternis geht in die dritte Dimension. Die Helden stürmen mutig die Treppe hinauf.

Das Ausrüsten einer neuen Waffe kann jedoch noch in andere Hinsicht vorteilhaft sein. Beim Herumdrehen werden sämtlich Zustandsmarker von der Karte entfernt. Dazu zählt etwa die Erschöpfung, die auf Karten platzieren werden darf, um diverse Zusatzeffekte auszulösen. Beim Angriff dürft ihr beispielsweise bestimmte Würfelsymbole in Erfolge umwandeln, wenn ihr dafür Erschöpfungsmarker auf eure Karten verteilt. Durch das Wenden von Karten werdet ihr die Erschöpfung so schnell wieder los und geht gut erholt in den weiteren Kampf.

Descent: Legenden der Finsternis schickt intelligente Gegner in den Dungeon

Durch die Begegnung mit den Gegnern handeln sich die Helden aber gerne auch noch andere Zustände ein, wie etwa Infektionen oder Furcht. Überhaupt agieren die feindlichen Horden ziemlich vielfältig auf euren Besuch im Dungeon. Glücklicherweise nimmt euch die App die meiste Arbeit dabei ab. Sie erinnert euch stets daran, wie sich die Gegner in bestimmten Situationen verhalten. Die vielen Sonderfunktionen der Feinde machen das Spiel ziemlich flexibel und unterhaltsam. Fast jedem Gegner wohnt ein gewisser Eigensinn inne, der erst durch die App zum Leben erweckt wird. So wirken die Kämpfe immer ziemlich dynamisch und intensiv.

Die App von Descent: Legenden der Finsternis dient unter anderem dem Storytelling.

Genretypisch nehmen die Kämpfe den Löwenanteil des Spielablaufs ein. Dennoch hat das Spiel auch ein paar ruhigere Phasen, in denen die Geschichte erzählt wird oder ihr die Umgebung genauer inspizieren könnt. Beim Spielaufbau gibt euch die App genaue Anweisungen, wie ihr den Dungeon zusammenstellen sollt. Dazu verwendet ihr einen Satz aus insgesamt achtzehn Spielplanteilen, die ihr wie ein kleines Labyrinth auf dem Spieltisch anordnet. Hin und wieder werden außerdem verschiedene Unterlagen hinzugenommen, die eine Fläche in ein Wasser- oder Feuergebiet verwandeln, was natürlich wieder spielrelevante Auswirkungen mit sich bringt.

Luxus-Ausstattung macht Descent: Legenden der Finsternis zum Hingucker

Komplettiert wird die Umgebung jetzt noch mit den wirklich schicken 3D-Objekten aus stabiler Pappe. Während in frühen Ausgaben von Descent noch schnöde Marker für die Darstellung von Elementen zum Einsatz kamen, glänzt Legenden der Finsternis mit einer Luxus-Ausstattung. Bäume, Truhen, Tore, Fallgitter und vieles mehr… alle wichtigen Objekte gibt es jetzt in 3D. Descent: Legenden der Finsternis geht aber sogar noch einen Schritt weiter. Die Dungeons müssen nicht mehr länger platt auf einer Ebene erkundet werden. Jetzt wandeln die Helden über diverse Treppenabsätze und durchstöbern die Gebäude auf mehreren Stockwerken.

Viel Action in Descent: Legenden der Finsternis, wir stoßen das Tor auf und stürmen den Dungeon.

Die 3D-Objekte sehen nicht nur superschick aus, sondern erfüllen zudem einen spielerischen Zweck. Sie blockieren mitunter zum Beispiel die Sichtlinie und verhindern so möglicherweise einen Angriff aus der Distanz. Mit vielen Gegenständen können die Charaktere außerdem interagieren. Von den etwas marode aussehenden Bäumen lässt sich stabiles Holz für den Waffenbau gewinnen und aus Regalen oder Truhen plündert ihr gerne den ein oder anderen Schatz. Die Suche nach immer mächtigerer Ausrüstung nimmt zwar keine diabloesquen Ausmaße an, ist aber trotzdem ein wichtiger Bestandteil der Spielerfahrung.

Frostgate als Zwischenstopp in Descent: Legenden der Finsternis

Geplünderte Ausrüstung landet in der Regel erstmal im Gruppeninventar. Die App verwaltet das gesamte Equipment der Helden digital. Nach Abschluss eines Abenteuers ziehen sich die Charaktere zunächst in ihr Hauptquartier in der Stadt Frostgate zurück. Hier habt ihr die Möglichkeit, euer sauer zusammengeklautes Gold auf den Kopf zu hauen. Beim Händler deckt ihr euch mit neuer Ausrüstung ein oder kauft euch fehlende Rohstoffe, die ihr wiederum in der Handwerkshalle verwenden könnt. Hier lassen sich weitere Gegenstände herstellen oder schon vorhandenes Equipment verbessern. Meist wird dazu ein Rezept oder eine Bauanleitung benötigt, die oftmals in den Dungeons geplündert werden können.

Descent: Legenden der Finsternis bietet auch ruhigere Phasen, in denen ihr die Umgebung erkunden dürft.

Frostgate ist ein guter Ort, um die Helden weiter zu verbessern und auf die anstehenden Herausforderungen vorzubereiten. Für den Fortgang der Geschichte ist das Städtchen allerdings ebenso relevant. Von Zeit zu Zeit ereignen sich in Frostgate oder der näheren Umgebung diverse Geschehnisse, denen ihr nachgehen könnt. Das Spiel streut immer wieder ein paar Nebenschauplätze ein, die euch angenehm von der Erfüllung der Hauptquest abhalten. Dabei fällt schon die eigentliche Kampagne ziemlich umfangreich aus. Weicht ihr nicht vom Kern der Geschichte ab, erwarten euch insgesamt 16 Abenteuer, für die jeweils rund zwei bis drei Stunden Spielzeit draufgehen.

Descent: Legenden der Finsternis bietet also eine ordentliche Gesamtspieldauer. Wer sich in die dämonenverseuchte Welt von Terrinoth begeben will, muss allerdings etwa 150-160€ auf den Tisch legen. Der Anschaffungswiderstand ist also nicht gerade gering. Dafür dürfen sich dann aber auch 1-4 Spieler ab vierzehn Jahren in ein intensives Rollenspiel stürzen, das in den Kerntugenden Story, Charakterentwicklung, taktischer Kampf und Materialausstattung zu glänzen weiß.

Fazit: Descent: Legenden der Finsternis erhält als Bombast-Rollenspiel mit Bombast-Ausstattung diese Bombast-Testwertung

Descent: Legenden der Finsternis ist ein luxuriöser Dungeon-Crawler, der sich diese Luxus-Testwertung verdient hat.

160€ für ein Brettspiel? Tatsächlich, das ist schon eine hohe Hausnummer. Angesichts der wirklich fantastischen Materialausstattung verwundert das Preisschild allerdings nicht. Descent: Legenden der Finsternis ist ein absoluter Hingucker. Wenn sich der Dungeon plastisch vor euch ausbreitet und sich die Helden über mehrere Stockwerke durch die Gänge schlängeln, dann seid ihr ganz nah dran am Spielgeschehen. Zur hohen Wertigkeit des Spiels trägt allerdings nicht einzig das Material bei. Auch die Begleit-App sieht ziemlich gut aus und arbeitet komfortabel. Sie nimmt euch allerhand Verwaltungsarbeit ab und transportiert zudem die Geschichte des Spiels. Brettspiel-Puristen oder Pen-and-Paper-Rollenspieler werden mit dem starken digitalen Einschlag von Descent aber vielleicht nicht glücklich. Das Smartphone oder Tablet ist am Tisch schon allgegenwärtig und wird fast durchgängig bedient. Dennoch fühlt sich das neue Descent immer noch nach Brettspiel an. Es gibt viele elementare Aufgaben, die weiterhin analog durchgeführt werden müssen. Dazu zählt das Würfeln ebenso dazu, wie das Bewegen der Spielfiguren und der Einsatz von Spielkarten. Die Aktionen der Helden bleiben also überwiegen in den eigenen Händen, während sich die App vor allem auf das Steuern der Gegner konzentriert. Viel Lob gibt es außerdem für die zunächst recht generische Fantasy-Geschichte. Sie beginnt zwar etwas verhalten, steigert sich aber vom Abenteuer zu Abenteuer. Ansonsten bietet Descent alles, was man von einem Rollenspiel erwartet. Die sechs Heldencharaktere spielen sich unterschiedlich genug, um mit ihnen eine ganze Zeit herumzuexperimentieren. Mir hat es sehr viel Freude bereitet, den Charakter nach meinen eigenen Vorstellungen zu formen. In den Dungeons finden sich außerdem ziemlich viel hilfreiche Ausrüstungsgegenstände, die das Verbessern der Heldengruppe weiter unterstützen. So entsteht schnell das gute Gefühl, die Kräfte der eigenen Spielfigur ständig wachsen lassen zu können. Descent: Legenden der Finsternis ist wie ein gutes PC-Rollenspiel zum Anfassen. Auf euch warten 35-40 Stunden intensiver Fantasy-Unterhaltung, da sind 160€ für Rollenspielfans wieder eine gute Investition.

ProCon
+ 6 unterschiedliche Charaktere- hoher Anschaffungspreis
+ enthält 40 detailreiche Miniaturen
+ technisch hochwertige App
+ tolle 3D-Objekte sorgen für dichte Atmosphäre
+ gute Charakterentwicklung
+ taktisch fordernde Kämpfe

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