Destinies Daemon Helden Fantasy Verpackung Grimspire Lucky Duck Games
+
Destinies erscheint über Grimspire und kostet etwa 50€.

Destinies bringt Brett-und Videospiel unter einen Hut

Destinies im Test: Das Fantasy-Rollenspiel mit Brettspiel-Elementen

  • VonSebastian Hamers
    schließen

Destinies erzählt nicht nur eine spannende Fantasy-Geschichte, sondern bindet auch gleich noch zahlreiche Rollenspiel-Elemente mit ein.

  • für 1-3 Spieler ab 14 Jahren
  • mit App-Unterstützung
  • Verlag: Grimspire
  • Preis: ca. 50€

Als begeisterter Videospieler, der sich bereits in den 80er Jahren mit digitalen Spielen beschäftigte, durfte ich die sagenhafte Entwicklung dieses Medium als Zeitzeuge mitverfolgen. Die Grafik wurde immer besser, die Mechaniken stetig verfeinert und auch in Sachen Storytelling eiferten die Videospiele den großen Vorbildern aus der Filmindustrie erfolgreich nach. Ein paar Jahrzehnte später darf ich einmal mehr frohen Herzens beobachten, wie sich eine andere Form des Spielens fast schon quantensprungartig weiterentwickelt: das Brettspiel. Seitdem Klaus Teuber mit „Die Siedler von Catan“ einen regelrechten Brettspiel-Boom ausgelöst hat, hat sich im Bereich des analogen Spielens sehr viel getan. Die alte Formel „Würfeln-Figürchen bewegen-Aktion des Feldes durchführen“ wie man sie von Monopoly oder Spiels des Lebens kennt, hat endgültig ausgedient. Destinies, das neue Brettspiel aus dem Hause Grimspire, zeigt eindrucksvoll, wie es anders geht. Vom Spielgefühl erinnert es stark an ein Fantasy-Rollenspiel und geht damit fast schon als Computer-Brettspiel-Hybrid durch.

Als zentrales Spielelement setzt Destinies auf den Einsatz einer App, die vor Spielbeginn auf einem Endgerät mit Android, iOS oder via Steam auf dem PC installiert werden muss. Über die App werden große Teile der Geschichte transportiert, einem weiteren wichtigen Bestandteil des Spiels. Das Grundspiel umfasst direkt fünf Szenarien, mit jedem allein solltet ihr zwei bis drei Stunden beschäftigt sein. Die App nimmt euch direkt vom Start weg an die Hand und führt euch sehr komfortabel durch das Abenteuer.

Die App nimmt euch bei Destinies an die Hand

Beim Spielaufbau kann nicht viel schiefgehen. Bevor ihr die ersten Heldentaten begeht, steht allerdings zunächst die Wahl des Charakters an. Ganze fünfzehn unterschiedliche Spielfiguren stehen euch dabei zur Verfügung. Die Bandbreite kann sich sehen lassen. Von der Nonne über den Adligen bis hin zum Waldhüter ist so ziemlich alles dabei, was das Fantasy-Herz begehrt. Bei der Wahl geht es um weit mehr als um ein schickes Charakterbild oder eine schöne Miniatur. Jeder Charakter verfolgt gleich zwei Schicksalspfade. Im Verlauf des Abenteuers dürft ihr euch zwischen diesen beiden Wegen entscheiden oder aber gleich beide Schicksale parallel bearbeiten.

Bei Destinies stehen euch zahlreiche Charaktere zur Auswahl.

Die App wird euch darüber informieren, wenn ihr auf einem der beiden Pfade einen Fortschritt erzielt habt. Euer Charakter schreitet so in seiner Geschichte immer weiter voran und ist irgendwann bereit für das große Finale. Bei der Erfüllung eurer Aufgabe solltet ihr allerdings nicht zu lange trödeln, denn eure Mitspieler versuchen natürlich ihrerseits die eigenen Quests zu erfüllen. Am Ende der Partie gewinnt der Spieler, der das Finale zuerst erfolgreich abgeschlossen hat. Der Wettlauf unter den Spielern kann beginnen.

Feinstufiges Levelsystem bei Destinies

Sobald ihr euch für einen Charakter und somit für zwei Schicksalspfade entschieden habt, gibt euch die App nähere Informationen über eure Charakterwerte. In Destinies wird grundsätzlichen zwischen drei Attributen unterschieden: Intelligenz, Geschicklichkeit und Stärke. Das Spiel legt diese Eigenschaften jedoch nicht als absolute Werte fest, sondern arbeitet gleich mit mehreren Marken, die auf einer zwölfteiligen Leiste platziert werden. Während des Abenteuers muss sich euer Held immer wieder Proben auf seine Eigenschaften unterziehen. Dazu werft ihr zwei Hauptwürfel, die euch standardmäßig zur Verfügung stehen, sowie optional zusätzliche Anstrengungswürfel. Jetzt müsst ihr nur noch die Würfelergebnisse addieren und das Ergebnis der jeweiligen Eigenschaftsleiste entnehmen. Mit dem Einsatz der Anstrengungswürfel solltet ihr allerdings sparsam umgehen. Einmal verwendete Würfel stehen euch in der Folgerunde nicht mehr zur Verfügung. Erst langsam kann sich der Spielcharakter von den Strapazen erholen, indem er jede Runde einen Anstrengungswürfel regeneriert.

Destinies setzt auf ein feinstufiges Levelsystem mit drei Charaktereigenschaften.

Doch wie wird das Ergebnis einer Probe überhaupt abgelesen? Jeder der drei bis vier Marker auf der Eigenschaftsleiste mit einem gleich hohen oder niedrigeren Wert als das gewürfelte Gesamtergebnis wird als Erfolg gewertet. Im weiteren Verlauf des Abenteuers werdet ihr Gelegenheit dazu haben, die Werte der Spielfigur zu verbessern und hoffentlich viele Marker weiter nach links verrücken. Destinies greift somit viele Elemente eines Rollenspiels auf. Ihr sammelt Erfahrungspunkte, verbessert damit eure Werte und werdet mit zunehmender Spieldauer immer mächtiger. Ohne einen aufgelevelten Charakter werdet ihr ohnehin nicht weit kommen. Einige Proben sind ziemlich anspruchsvoll und erfordern zahlreiche Erfolge. Wie herausfordernd ein Test auf eine Eigenschaft ist, verrät euch die App vorab jedoch nicht. Ihr müsst schon selbst anhand der gestellten Aufgabe abschätzen, wie knifflig sich die aktuelle Situation gerade gestaltet.

Mit Destinies eine fantastische Welt erkunden

Habt ihr die Charaktere konfiguriert, kann es mit der Geschichte direkt losgehen. Die App weist euch an, die ersten Teile des Spielfelds auf dem Tisch zu platzieren. Beim Spielaufbau erweist sich Destinies ziemlich flexibel. Statt eines statischen Spielbretts kommen 67 quadratische Kacheln zum Einsatz, mit der ihr das Fantasy-Reich stückweise erschließt. Jede Kachel besteht aus einer erkundeten und einer verdeckten Seite. Der Fog of War der verdeckten Plättchen lichtet sich erst, wenn ein Charakter die Kachel betreten hat.

Bei Destinies dürft ihr die Welt stückweise erkunden.

Der Erkundungsaspekt kommt in Destinies also ebenfalls nicht zu kurz. Bewegt sich der Held auf unbekanntes Terrain, verrät euch die App nähere Details zur erkundeten Umgebung. Ebenso werden weitere Kacheln verdeckt ins Spiel gebracht, so dass sich die Spielwelt zunehmend erweitert. Die Erkundung der Welt wird stimmungsvoll inszeniert. Der Held lässt seinen Blick in die Ferne schweifen und erkennt bereits ein paar grobe Details zu den frisch ins Spiel gebrachten Kacheln, bevor er sich wieder auf seine aktuelle Umgebung konzentriert.

Destinies erzählt eine facettenreiche Story

Die App weist euch nun an, die Hotspots auszulegen, die euer Charakter vor Ort vorfindet. Meist gibt es zwei bis drei Bereiche auf der Karte, mit denen ihr interagieren könnt. Ihr erkundet stückweise die Umgebung, sprecht mit Charakteren, treibt Handel, plündert vielleicht sogar ein paar hilfreiche Gegenstände und natürlich wird auch die Geschichte des Szenarios weitergeführt. Da die Welt von Destinies nicht ganz ungefährlich ist, kommt ihr um ein paar Kämpfe ebenfalls nicht herum. Diese werden größtenteils über Eigenschaftsproben abgehandelt. Einige Spielsituationen erfordern allerdings auch eine Interaktion mit bestimmten Gegenständen. Trefft ihr beispielsweise auf eine verwundete Person, dürft ihr etwaige gesammelte Heilkräuter verwenden, um dieser wieder auf die Beine zu helfen. Möglicherweise zeigt sich diese anschließend erkenntlich und belohnt euch mit einem anderen Gegenstand oder zumindest ein paar hilfreichen Informationen.

Viele Karten lassen sich bei Destinies über einen QR-Code ins Spiel bringen.

Ausrüstungsgegenstände wie die besagten Heilkräuter lassen sich über die Kamerafunktion eures Endgerätes ins Spiel bringen. Auf den Karten befindet sich ein QR-Code, der einfach nur kurz in die Kamera gehalten werden muss. Anschließend verrät euch die App, wie sich die Verwendung des Gegenstands auf die Spielsituation ausgewirkt hat. Häufig stehen euch sogar mehrere Optionen zur Verfügung, um ein Problem zu lösen. Manchmal wollt ihr eine Szene vielleicht gar nicht friedlich regeln, sondern möchtet lieber die dunkle Seite eures Charakters ausleben.

Storytelling in der Mini-Sandbox bei Destinies

Destinies bietet euch viele Möglichkeiten, mit der Spielwelt umzugehen. Die Entscheidungsfreiheiten in einzelnen Spielsituationen sowie die erkundbare Umgebung des Spiels vermitteln das Spielgefühl einer kleinen Sandbox. Innerhalb der Grenzen des Szenarios dürfen sich die Spielfiguren frei bewegen und ganz nach Belieben mit der Umwelt interagieren. Wie ihr letztlich zum Ziel gelangt, hängt ganz von eurer Spielweise ab und dem Schicksalspfad, den ihr gerade verfolgt. Gerade bei Spielbeginn stochert ihr noch ziemlich im Nebel und habt vermutlich keinen rechten Plan, welche Aktionen derzeit sinnvoll erscheinen.

Die Scanpunkte zeigen in Destinies Orte mit Interaktionsmöglichkeiten an.

Ganz wie bei einem Open-World-Rollenspiel gilt es zunächst einmal, sich mit der Welt ein wenig vertraut zu machen und den Hintergründen der Geschichte auf die Spur zu kommen. Erst im Verlauf des Abenteuers wird dann deutlich, welche Stationen auf dem Spielfeld euch dem Ziel wirklich näherbringen. Dabei steht ihr durchaus in Konkurrenz zu euren Mitspielern. Zwar verfolgt jede Spielfigur ihr eigenes Ziel, aber viele Hotspots lassen sich eben nur einmal abgrasen. Hat euer Mitspieler die dicke Schatzkiste schon gehoben, guckt ihr an gleicher Stelle leider in die Röhre.

Destinies mit Aussicht auf mehr

Eine gewisse Interaktion ist daher durchaus gegeben, hält sich allerdings in überschaubaren Grenzen. Letztlich besteht die Rivalität unter den Spielern vor allem darin, wer zuerst sein Ziel erreicht. Daher lässt sich Destinies auch prima ganz ohne weitere Mitspieler zocken. Ohnehin dürfen sich maximal drei Spieler an einem Abenteuer beteiligen. Eine gute Entscheidung, denn die Wartezeit auf den eigenen Zug kann sich mitunter ganz schön strecken. Da alle App-Texte immer laut vorgelesen werden, bekommt man als Zuhörer zwar immer mit, was in der Welt vor sich geht, kann aber immer nur im eigenen Zug aktiv ins Geschehen eingreifen. Bei einer Partie mit vier oder noch mehr Teilnehmern würde sich die passive Zeit vermutlich zu sehr in die Länge ziehen.

Destinies bietet ein funktionales Inlay, bei dem auch die zahlreichen Miniaturen Schutz finden.

Das Grundspiel umfasst insgesamt fünf Szenarien, die einzeln über die App heruntergeladen werden. Ein wiederholtes Durchlaufen der Abenteuer ist theoretisch möglich, da keinerlei Material verändert oder gar vernichtet wird. Da viele Aspekte der Geschichte schon bekannt sind, verliert ein zweites Spielen jedoch ziemlich an Spannung. Ebenso ist bereits bekannt, an welchen Orten die lukrativsten Beutestücke zu finden sind. Glücklicherweise lässt neuer Content nicht lange auf sich warten. Die erste Erweiterung „Meer aus Sand“ ist ebenfalls schon in deutscher Sprache verfügbar. Destinies ist für ein bis drei Spieler ab vierzehn Jahren geeignet. Ihr findet das Spiel ab sofort zum Preis von rund 50€ im Handel.

Fazit: Mit gutem Storytelling, einer technisch hochwertigen App und dichter Rollenspiel-Atmosphäre hat sich Destinies diese ingame-Wertung verdient

Mit gutem Storytelling, einer technisch hochwertigen App und dichter Rollenspiel-Atmosphäre hat sich Destinies diese ingame-Wertung verdient.

Zumindest technisch gesehen tritt Destinies in die Fußstapfen des großartigen Chronicles of Crime, das ebenfalls unter dem Banner von Lucky Duck Games erschienen ist. Die App für Android, iOS und Steam steht im Mittelpunkt des Spiels. Die gesamte Story, inklusive der Steuerung der Nicht-Spieler-Charaktere, wird über das digitale Medium transportiert. Das analoge Material dient vor allem der Visualisierung der Spielwelt, was dank der guten Ausstattung ziemlich gut gelingt. Ein wenig gewürfelt werden darf in Destinies aber dennoch. Der Tablet-Einsatz wird zwischenzeitlich immer wieder durch Eigenschaftsproben unterbrochen, so dass doch noch etwas Brettspiel-Atmosphäre aufkeimt. Brettspiel-Puristen mag das zu wenig sein. Steht ihr der Verwendung von digitalen Hilfsmitteln in Spielen aber offen gegenüber, werdet ihr mit gutem Storytelling und einer dichten Rollenspiel-Atmosphäre belohnt. Jeder Charakter verfolgt eigene Ziele, die manchmal konträr zu den Vorhaben der anderen Spielfiguren verlaufen. So entsteht ein spannender Wettlauf, bei dem es auf jede Runde ankommen kann. Die Szenarien des Grundspiels bewegen sich durchweg auf einem hohen Niveau und überzeugen mit so mancher spannenden Wendung der Geschichte. Lasst euch einfach überraschen und von der Story treiben. Gut gefallen hat mir auch der Erkundungsaspekt des Spiels. Die einzelnen Spielteile werden stückweise aufgedeckt, so dass ständig neue Elemente und Hotspots in der Welt auftauchen. Auch wenn die Region in den Ausmaßen recht limitiert ist, entsteht zumindest so etwas wie eine kleine Sandbox, in der ihr euch so richtig austoben könnt. Destinies spielt sich vor allem im Solomodus ziemlich flüssig. In der kompetitiven Variante funktioniert das Spiel zwar auch, jedoch fallen die mitunter langen Wartezeiten schon ein wenig negativ ins Gewicht. Wenn euch der hohe digitale Anteil von Destinies nicht stört und ihr euch auch gerne mal in kleiner Runde oder gar alleine an ein Brettspiel wagt, dann warten jetzt ein paar spannende Fantasy-Abenteuer auf euch. Destinies ist ein schöner Hybrid aus Computer- und Brettspiel, der die Vorzüge aus beiden Welten unter einen Hut bringt.

ProCon
+ technisch hochwertige App- hoher App-Anteil während des Spielens
+ fünf spannende Szenarien- mitunter lange Wartezeiten auf den eigenen Zug
+ gutes Storytelling
+ dichte Rollenspiel-Atmosphäre
+ enthält 31 Miniaturen
+ gut alleine spielbar

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Die Zwerge Big Box im Test: Das kooperative Fantasy-Brettspiel zur Romanreihe
Die Zwerge Big Box im Test: Das kooperative Fantasy-Brettspiel zur Romanreihe
Die Zwerge Big Box im Test: Das kooperative Fantasy-Brettspiel zur Romanreihe
Kameloot im Test: Das Kartenspiel für listige Händler
Kameloot im Test: Das Kartenspiel für listige Händler
Kameloot im Test: Das Kartenspiel für listige Händler
Zombicide Green Horde im Test: Zombie-Apokalypse als Brettspiel
Zombicide Green Horde im Test: Zombie-Apokalypse als Brettspiel
Zombicide Green Horde im Test: Zombie-Apokalypse als Brettspiel
RES2k: Mehr als 30 Retro-Systeme in einer Konsole
RES2k: Mehr als 30 Retro-Systeme in einer Konsole
RES2k: Mehr als 30 Retro-Systeme in einer Konsole

Kommentare