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Die Rote Kathedrale erscheint über den Kosmos-Verlag und kostet ca. 30€.

Die Rote Kathedrale ist die große Herbstneuheit von Kosmos

Die Rote Kathedrale im Test: Das kompakte Brettspiel für Kenner

  • VonSebastian Hamers
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Auf der SPIEL 21 sorgte Die Rote Kathedrale vom Kosmos-Verlag für Furore. Jetzt wird es Zeit, dem Spiel einmal gründlich auf den Zahn zu fühlen.

Große Packung, großer Spaß? Diesen Trugschluss hat vermutlich schon jeden einmal ereilt. In der Brettspielwelt hat die Größe der Spieleschachtel allerdings einen ganz besonderen Stellenwert. Für einen Dungeon Crawler der Gewichtsklasse 10kg+ geben Spieler inzwischen, ohne mit der Wimper zu zucken, einen dreistelligen Betrag aus. Beim kleinen Kartenspiel wird hingegen gerne mal geknausert, mehr als einen Zehner darf es eigentlich nicht kosten. Dass der Spielspaß allerdings nicht maßgeblich von der Beschaffenheit des Materials bestimmt wird, gerät dabei oft in Vergessenheit. Daher ist die Gestaltung von „Die Rote Kathedrale“, der großen Kosmos-Herbstneuheit, schon etwas mutig. Spielerisch als strategisches Schwergewicht angetreten, kommt der Titel in einer ziemlich kompakten Schachtel daher. Viel Spiel, wenig Material? Mal sehen, ob diese Gleichung aufgeht.

Die Rote Kathedrale als Gemeinschaftsprojekt

In Bezug auf die thematische Einbindung kocht Die Rote Kathedrale erstmal eher auf Sparflamme. Im 16. Jahrhundert hat es sich Zar Iwan IV in den Kopf gesetzt, eine bombastische Kathedrale in Moskau zu errichten. Um das Großprojekt zu realisieren wurden gleich mehrere Baumeister mit der Umsetzung beauftragt. An dieser Stelle kommt ihr ins Spiel. Ihr übernehmt die Funktion einer dieser Baumeister, um euren Teil zum Bau der riesigen Kirchen beizutragen. Wer sich hier am besten schlägt, hat den Zar nachhaltig beeindruckt, erntet Ruhm und Ehre und hat natürlich auch die Partie gewonnen. Einen Innovationspreis gewinnt Die Rote Kathedrale damit nicht, aber sei’s drum. Den Fokus haben die Autoren ohnehin auf die spielmechanische Umsetzung gelegt.

In Die Rote Kathedrale verwaltet jeder Baumeister ein eigenes Tableau mit Lagerplätzen für Baustoffe.

Bevor ihr euch an den Bau der Kathedrale begebt, wird der Bauplan des Zaren ausgerollt. Vor euch erstreckt sich ein architektonisches Monstrum aus mehreren Türmen in unterschiedlichen Höhen. Der Bauplan wird vor jeder Partie durch das Auslegen von zahlreichen Karten neu zusammengestellt. Jede Karte steht dabei für einen Bauabschnitt. Als Baumeister werkelt ihr so zwar gemeinsam an der Kirche, seid aber für verschiedene Abschnitte des Gebäudes zuständig.

  • für 1-4 Spieler ab 12 Jahren
  • Autor: Sheila Santos, Israel Cendrero
  • Verlag: Kosmos
  • Spieldauer: 50-80 Minuten
  • Preis: ca. 30€

Mit drei Aktionen durch Die Rote Kathedrale

Das Beanspruchen eines Bauabschnitts ist eine von insgesamt nur drei Aktionen im Spiel, wovon ihr pro Zug auch nur eine einzige durchführen könnt. Ihr legt dazu einfach ein Banner eurer Spielfarbe auf die gewünschte Karte. Bis zu sechs dieser Banner werdet ihr im Spielverlauf vergeben, um euch am Bau der Kathedrale zu beteiligen. Der Einsatz eines Banners hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen kann euch kein anderer Baumeister diese Karte vor der Nase wegschnappen, zum anderen blockiert das Banner jetzt keinen wertvollen Lagerplatz mehr auf eurem Tableau.

Der Zar von Moskau legt vor jedem Spiel den Bauplan für die Rote Kathedrale aus.

Auf diesem müssen sämtliche Ressourcen zunächst zwischengespeichert werden, bevor sie zur Baustelle geliefert werden. Damit wären wir auch schon gleich bei der zweiten Aktionsmöglichkeit. Auf Kosten einer Aktion bewegt ihr bis zu drei Ressourcen vom Tableau auf einen Bauabschnitt. Befinden sich dort nun alle geforderten Baustoffe, habt ihr den Abschnitt fertiggestellt und dürft euch über die Belohnung des Zaren freuen. Der Zar lässt für gewöhnlich ein paar Rubel für die Portokasse springen und belohnt euch zusätzlich mit ein paar Baupunkten, die ihr nach und nach in Siegpunkte umwandelt.

Die Rote Kathedrale und der Zorn des Zaren

Bei der Fertigstellung eurer beanspruchten Bauabschnitte solltet ihr allerdings nicht zu sehr trödeln. Die Türme sollten logischerweise im Optimalfall von unten nach oben errichtet werden. Habt ihr euch einen unteren Abschnitt gesichert und ein weiter obenliegender Bereich wird vor diesem abgeschlossen, dann seid ihr schlicht und einfach zu langsam gewesen. Iwan IV bestraft den Verzug erbarmungslos mit Punktabzug. Habt ihr euch also für die Beanspruchung eines der lukrativen Bauabschnitte im Basement entschieden, solltet ihr besser möglichst rasch die benötigten Baustoffe heranschaffen.

In Die Rote Kathedrale müsst ihr zur Fertigstellung der Bauabschnitte diverse Baustoffe liefern.

Etwas geduldiger ist der Zar dafür mit der Verzierung seiner neuen Kathedrale. Fenster, Eingangstüren und die dekorativen Kreuze für die Turmspitze lassen sich notfalls auch später noch anbringen. Jeder Baumeister hat ohnehin nur eine begrenzte Anzahl von Verzierungen zur Verfügung. Der Einbau einer Verzierung bringt euch in der Standard-Ausführung zunächst keine Vorteile ein, kann aber in der Endwertung den Ausschlag zu euren Gunsten geben. Optional dürft ihr die Türen, Fenster und Kreuze mit Edelsteinen versetzen, was dem Zaren große Freude bereitet und mit zusätzlichen Siegpunkten belohnt wird.

Rohstoffe für Die Rote Kathedrale

Bevor die Arbeiten an der Baustelle beginnen können, müsst ihr euch aber erstmal um die Beschaffung der Rohstoffe kümmern. Um diese kümmert sich die dritte Aktionsmöglichkeit, mit der ihr auch große Teile des Spiels verbringen werdet. Um die Kathedrale zu errichten, werden Holz, Ziegel, Stein, Gold, sowie grüne und violette Edelsteine benötigt. Alle Ressourcen lassen sich über den Hauptplan in der Tischmitte generieren. Hier haben sich die Autoren einen innovativen Mechanismus ausgedacht, wie die Baumeister an ihre Werkstoffe gelangen sollen.

Die Gewinnung von Baustoffen ist eine wichtige Aufgabe in Die Rote Kathedrale.

Auf dem Spielplan breitet sich eine kreisförmige Spielfläche aus, unterteilt in acht Abschnitte. In jedem Abschnitt lässt sich eine andere Ressource für den Kirchenbau gewinnen. Ihr könnt eine Aktion verwenden, um einen von insgesamt fünf Würfeln im Kreis zu bewegen. Die Augenzahl des Würfels bestimmt dabei, um wie viele Bereiche er im Uhrzeigersinn bewegt werden darf. Der Bereich, in dem der Würfel landet, bestimmt die generierten Ressourcen. Diese wandern umgehend auf eure Lageplätze auf dem Spielertableau.

Mächtige Gilden in Die Rote Kathedrale

In jedem Abschnitt im Ressourcenrondell dürfen sich allerdings maximal drei Würfel befinden. Unter Umständen sind so manchmal bestimmte Auswahlmöglichkeiten blockiert. Beim Versetzen der Würfel ist es auf der anderen Seite von Vorteil, wenn sich mehrere Würfel im gewählten Bereich befinden, da sich die gewonnenen Baustoffe auf diese Weise erhöhen. Damit sich die Augenzahlen regelmäßig verändern, werden am Zugende alle Würfel im gerade aktivierten Abschnitt neu geworfen. So finden sich auf dem Spielfeld immer wieder neue Konstellationen vor.

In Die Rote Kathedrale kommt es auf die Zahl der Würfel an. Dieser Zug bringt euch gleich 6 Holz-Ressourcen ein.

Je nachdem welcher Bereich durch das Ziehen eines Würfels anvisiert wurde, dürft ihr zusätzlich noch dein Einfluss auf die Gilde der Handwerker, Fuhrleute, Händler oder den Klerus nutzen. Die Einfluss-Aktionen variieren von Spiel zu Spiel. Manchmal werden Rohstoffe umgewandelt, zusätzliche Rubel gewonnen oder gar der ein oder andere Siegpunkt generiert. Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist.

Das große Finale in Die Rote Kathedrale

Mit diesen drei Aktionen hangelt ihr euch durch das gesamte Spiel. Das große Finale wird erst eingeleitet, wenn ein Baumeister den sechsten Bauabschnitt abgeschlossen hat. So manchen Siegpunkt werdet ihr bis dahin schon gewonnen haben. Wer den Zaren am meisten beeindruckt hat, entscheidet sich allerdings erst jetzt. Jeder Turm der Kathedrale wird nun einzeln zur Wertung gebracht. Dazu muss zunächst der Gesamtwert eines Turms ermittelt werden. Jeder vervollständigte Bauabschnitt ist zwei Punkte wert, für jede Verzierung gibt es einen weiteren Punkt.

In der Schlusswertung von Die Rote Kathedrale können Verzierungen den Ausschlag zu euren Gunsten geben.

Der Baumeister, der sich am erfolgreichsten in die Fertigstellung des Turms eingebracht hat, darf sich die volle Punktzahl als Siegpunkte gutschreiben. Für den zweiten Platz gibt es ebenfalls Punkte, allerdings nur in der Höhe des halben Gesamtwerts. Etwaige dritte oder gar vierte Plätze werden ebenfalls vergütet, doch hier halbieren sich die Siegpunkte erneut. Die Prozedur wird nun für jeden weiteren Turm wiederholt. Erst jetzt steht der erfolgreichste Baumeister von Moskau fest, der sich nun sicherlich von Zar Iwan IV mit Gold überhäufen lassen wird.

Die Rote Kathedrale ist für ein bis vier Spieler ab zwölf Jahren geeignet. Für eine Partie müsst ihr – je nach Spielerzahl – etwa 50-80 Minuten einrechnen. Das Spiel ist über den Kosmos-Verlag erschienen und ist ab sofort im Handel zum Preis von etwa 30€ zu finden.

Fazit: Viel Spiel im kleinen Format, so kommt Die Rote Kathedrale auf eine kompakte ingame-Wertung von

Kleine Schachtel, großer Spaß. Die Rote Kathedrale bringt es auf diese kompakte ingame-Testwertung.

Ich geb’s ja zu. Auf den ersten Blick hat mich Die Rote Kathedrale nicht sonderlich angemacht. Schon wieder den Baumeister im späten Mittelalter mimen? Einen Innovationspreis kann Kosmos damit sicher nicht mehr gewinnen. Für den neuartigen Mechanismus zum Sammeln der Baustoffe hingegen schon. Das Ressourcenrondell ist für mich ganz klar der Star des Spiels. Im Verlauf der Partie bietet es immer wieder neue Konstellationen, so dass sich eigentlich dauerhaft attraktive Möglichkeiten bieten. Nie entsteht das Gefühl, keinen guten Zug durchführen zu können. Das motiviert und hält alle Spieler bei der Stange. Das Management der Baustoffe ist ein wesentlicher Bestandteil des Spiels, der restliche Ablauf konzentriert sich vor allem auf die Gewinnung von Mehrheiten. Klar, ein paar Siegpunkte sammelt ihr schon im Verlauf der Züge. Aber der endgültige Sieger kristallisiert sich eben erst am Ende heraus. Der kluge Baumeister beobachtet das Verhalten der Konkurrenz ganz genau und investiert geschickt in die Anteile der einzelnen Türme. Wer einfach alle Ressourcen in den Ausbau eines einzigen Turms steckt, geht jedenfalls kaum als Sieger aus der Partie hervor. So wird aus Die Rote Kathedrale eine nicht gerade geringe taktische Herausforderung… und das obwohl der Spielablauf gerade einmal aus drei verschiedenen Aktionen besteht. Das muss man auch erst einmal schaffen. Die Rote Kathedrale meistert das Minimalprinzip somit aus gleich mehreren Blickwinkeln. Chapeau!

ProCon
+ leichter Einstieg- langweiliges Thema
+ schickes Spielmaterial
+ kompaktes Schachtelformat
+ mit Solomodus
+ gut verzahnte Spielmechaniken

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