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Dominations im Test: Das Strategiespiel-Schwergewicht

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Von: Sebastian Hamers

Dominations Holy Grail Games Asmodee Verpackung Erde Pyramide Weltwunder Schachtel
Dominations von Holy Grail Games erscheint in deutscher Sprache über Asmodee und kostet ca. 60€. © Asmodee

Zur SPIEL 22 hat es nicht ganz gereicht für die deutsche Version von Dominations. Jetzt steht das Strategiespiel-Schwergewicht endlich im Handel.

Geht es um 4X-Spiele, dann fallen einem schnell Evergreens wie Sid Meier’s Civilization, Heroes of Might & Magic oder die Total-War-Reihe ein. 4X-Strategie hat aber nicht nur auf Video- und Computerspielsystemen eine lange Tradition, sondern auch in der Brettspielszene. Da hier in der Regel aber gegen Mitspieler aus Fleisch und Blut angetreten wird und nicht gegen eine KI, birgt insbesondere der militärische Aspekt ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotenzial. Wenn die mühsam aufgezüchtete Infrastruktur plötzlich von einer wildgewordenen feindlichen Horde plattgewalzt wird, sind Frustmomente vorprogrammiert. Für viele Spieler mag das kein Problem sein. Doch einigen harmoniebedürftigeren Naturen bleibt so möglicherweise die intensive Spielerfahrung eines 4X-Titels verwehrt. Abhilfe kann hier vielleicht Holy Grail Games schaffen. Die französischen Spieleentwickler haben mit Dominations: Dein Weg zur Zivilisation ein vollwertiges Globalstrategiespiel auf die Beine erstellt, dass sämtliche Aspekte eine Zivilisationsspiels umfasst, den militärischen Faktor aber außenvorlässt.

Dominations: Umfangreiches Zivilisationsspiel im Nichtangriffspakt-Modus

Wie in vielen Zivilisationsspielen, startet auch bei Dominations eure lange Reise durch die Zeit mit ziemlich kargen Mitteln. Egal ob Römer oder Ägypter, die glorreiche Ära eures Volkes beginnt mit nicht viel mehr als einem kleinen Lagerfeuer. Dieses steht sinnbildlich für die geistigen Errungenschaften eures Stammes. Im Verlauf der Partie werden sich an dieses Lagerfeuer Fortschritte in sechs unterschiedlichen Disziplinen ansiedeln. Die Mehrung von Wissen ist ein zentrales Element in Dominations und steht für den Fortschritt der Zivilisationen.

Dominations Land Plaettchen Symbole Farben Anlegen Dreiecke
Das Verpuzzeln der Landplättchen in Dominations fällt zwar ein wenig abstrakt aus, ist aber ein wichtiger Teil der enormen taktischen Tiefe des Spiels. © Asmodee

Auf welche Wissensdisziplinen ihr besonderen Wert legen möchtet, habt ihr selbst in der Hand. Handel, Handwerk, Kunst, Wissenschaft, Regierung und Religion bieten jeweils zwölf verschiedene Fertigkeiten, die sich euer Volk aneignen kann. Über drei Zeitalter hinweg entwickelt ihr so einen umfangreichen Technologiebaum, der euch am Spielende hoffentlich zur mächtigsten Zivilisation auf dem Erdball macht.

Name des SpielsDominations: Dein Weg zur Zivilisation
Spielerzahl2-4 Personen
Altersempfehlungab 13 Jahren
Spieldauer80-160 Minuten
AutorEric Dubus, Olivier Melison
VerlagHoly Grail Games/Asmodee
Preisca. 60€

Gemeinsame Entdeckungsreisen in Dominations

Um neue Fertigkeiten zu erwerben und in den eigenen Technologiebaum zu setzen, benötigt ihr vor allem möglichst viele Wissenspunkte. Diese lassen sich auf mehrere Arten generieren. Im Spielverlauf wird es zahlreiche Effekte geben, die euch einen Wissenszugewinn verschaffen, doch die Basis für jeglichen Fortschritt wird in der Wachstumsphase gelegt. Euch stehen in jedem Zeitalter sieben dreieckige Landplättchen zur Verfügung. Fünf davon kommen in aller Regel pro Zeitalter zum Einsatz und landen in einer gemeinsamen Auslage in der Tischmitte.

Dominations Skala Tafel Tableau Marker Wissen
Wissenspunkte sind die harten Währungsformen in Dominations. © Asmodee

Jedes Landplättchen verfügt über ein großes farbiges Feld in der Mitte, das einem der sechs Wissensgebiete zugeteilt ist. Legt ihr ein Plättchen in die Auslage, habt ihr schon den ersten Wissenspunkt verdient. In jeder Ecke befinden sich weiterhin jeweils eine Ressource, die dem gleichen Farbschema unterliegen. Alle vier Ressourcen in den Ecken der verbundenen Kanten werden aktiviert und bringen euch ebenfalls Wissenspunkte in ihren jeweiligen Disziplinen ein. Wer geschickt puzzelt und möglichst viele gleichfarbige Ressourcen aneinanderlegt, darf sich außerdem noch über einen kleinen Bonus freuen.

Wissen ist Macht in Dominations: Dein Weg zur Zivilisation

Die gesammelten Wissenspunkte werden auf einer persönlichen Spielertafel verwaltet. In sechs Reihen sammelt ihr in den genannten Bereichen jeweils bis zu zwanzig Punkten. Dem Expansionsdrang sind bei Spielbeginn allerdings noch ziemlich enge Grenzen gesetzt. Bei fünf Wissenspunkten in einem Wissensbereich ist erstmal Schluss. Weiteres Wissen kann erst angesammelt werden, wenn eure Zivilisation eine Stadt errichtet hat. Diese werden auf den großen Feldern der Landplättchen gebaut und müssen mit Wissen bezahlt werden. Drei Wissenspunkte in der passenden Farbe sollen entrichtet werden, um einen Stadtstein in der Auslage aufzustellen. Ab sofort dürft ihr dafür nun bereits bis zu zehn Wissenspunkte in der gewählten Disziplin sammeln.

Dominations Fertigkeiten Uebersicht Tafel
In Dominations baut ihr euren Technologiebau stetig aus. Die Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung sind riesig. © Asmodee

Die Städte lassen sich in zwei weiteren Stufen ausbauen, um das Limit erst auf fünfzehn und dann auf zwanzig Punkte zu erhöhen. Das Gründen einer solchen Metropole kann sich schnell auszahlen, ist aber eine ziemlich kostspielige Angelegenheit. Werden die Städte an strategisch günstigen Stellen errichtet, könnt ihr im Verlauf des Spiels sogar einige Wissenspunkte zurückgewinnen. Sobald neue Landplättchen rund um eure Stadt platziert werden, gewinnt die Zivilisation neue Erkenntnisse und profitiert auf diese Weise von den Aktionen der anderen Völker.

Mehr Wissen durch Einfluss in Dominations

Durch das Errichten von Städten erweitert ihr aber nicht nur die Grenzen euer Wissenskapazitäten, sondern steigert gleichzeitig auch noch euren Einfluss auf das Weltgeschehen. Wie hoch euer Einfluss gegenwärtig ist, wird auf einer separaten Leiste festgehalten. Habt ihr am Ende eines Zeitalters am meisten Einfluss gesammelt, wird sich euer Eifer auszahlen. Ihr dürft nun einen beliebigen Fortschritt im Technologiebaum eines Mitspielers kopieren. Dazu sucht ihr euch einfach eine weitere Version des Fortschritts aus dem Kartenstapel heraus und legt sie in euren eigenen Technologiebaum.

Dominations Monumente Plaettchen Gebaeude Dreiecke Ressourcen
Die Monumente in Dominations werden stufenweise ausgebaut. Alle Zivilisationen dürfen sich dabei am Ausbau beteiligen. © Asmodee

Städte sind also ein wichtiger Baustein, um der eigenen Zivilisation zu neuen Höhen zu verhelfen. Sie sind aber nicht die einzigen Bauwerke, die in Dominations eine Rolle spielen. In jeder Partie lassen sich unterschiedliche Monumente errichten, dessen Aufbau aber deutlich zeit- und kostenintensiver ist. Die geschichtsträchtigen Bauwerke können von allen Völkern gemeinsam geschaffen werden und erfolgt in mehreren Stufen. Bezahlt wird der schrittweise Ausbau abermals in Wissenspunkten. Dafür erhaltet ihr eine der Stufenkarten des Monuments, die ebenfalls in den Technologiebaum platziert wird. Neben ein paar Siegpunkten winken euch hier außerdem mächtige Effekte und möglicherweise noch eine dicke Belohnung am Spielende, falls ihr das Monument zu diesem Zeitpunkt kontrolliert.

Die Weiterentwicklung einer Zivilisation in Dominations

Wie ihr euch sicher schon gedacht habt, ist die Weiterentwicklung des persönlichen Technologiebaums das A und O in Dominations. Das Sammeln von Wissenspunkten gewährt euch Zugriff auf eine umfangreiche Bibliothek aus Fertigkeiten. Nach Ablauf der Wachstumsphase dürft ihr Wissen investieren, um neue Karten zu erwerben und in eure Auslage zu platzieren. Die Auswahl ist gigantisch. Um nicht den Überblick zu verlieren, liegen dem Spiel Übersichtskarten für jede der sechs Wissensbereiche vor.

Dominations Halter Fertigkeiten Bibliothek Karten
Die Bibliothek der Fertigkeiten in Dominations ist ziemlich umfangreich. © Asmodee

Wer blind irgendwelche Fortschrittskarten erwirbt, wird seine Zivilisation aber kaum in eine goldene Ära führen. Die Kunst besteht natürlich darin, die erworbenen Karten gut aufeinander abzustimmen und eine gut geölte Maschine zu kreieren, die euren Fortschritt immer weiter beschleunigt. Beim Erstellen eures Baums müssen allerdings ein paar Kleinigkeiten beachtet werden, die euch in den Expansionsplänen ein wenig einschränken. Neue Karten werden immer orthogonal in die Auslage gelegt und besitzen an den Seiten unterschiedlich farbige Halbkugeln. Diese dürfen nur so angelegt werden, dass sie farblich einheitlich geschlossen werden. Dadurch sind eure Anlegemöglichkeiten doch ein wenig eingegrenzt, sodass ihr immer ein wenig puzzeln müsst.

Dominations dehnt sich über drei Zeitalter aus

Nach fünf Spielzügen endet ein Zeitalter und es kann eine erste Zwischenbilanz gezogen werden. Möglicherweise habt ihr inzwischen bereits einige Fertigkeiten erlangt, die euch einen Bonus am Ende eines Zeitalters geben. Diese werden zu diesem Zeitpunkt ausgeschüttet und rüsten euch für die anstehende Runde. Verbleibende Wissenspunkte dürft ihr hingegen nicht mit in das nächste Zeitalter nehmen. Sämtliche Bereiche werden wieder auf den Nullpunkt gesetzt. Es kann sich aber dennoch rentieren, die Spielrunde mit ein paar verbleibenden Wissenspunkten zu beenden.

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Mit genügend Wissenspunkten lassen sich in Dominations diese besonderen Persönlichkeiten anlocken. © Asmodee

Wer die meisten Punkte in einem Wissensgebiet gehortet hat, lockt einen hochrangigen Bürger in seine Zivilisation, der sich als wahrer Experte in seinem Metier erwiesen hat. Für das kommende Zeitalter wird er sich in eure Dienste stellen, was euch enorme Vorteile einbringt. Mehr Auswahlmöglichkeiten bei den Landplättchen, zusätzliche Einflusspunkte oder eine Steigerung von Wissenspunkten sind nicht zu unterschätzende Pluspunkte für den weiteren Spielverlauf. Nach Abschluss von drei Zeitaltern geht die Partie dann in die Endphase. Je nach gewähltem Volk wird jetzt noch überprüft, ob ihr bestimmte Zielvorgaben erfüllen konntet, die mit weiteren Siegpunkten belohnt werden. Nach Abschluss aller Wertungen wird die mächtigste Zivilisation anhand der am meisten gesammelten Siegpunkte gekrönt.

Für einen Spieldurchlauf benötigt ihr, je nach Zahl der Mitspieler, zwischen einer und zwei Stunden. Das Spiel ist für zwei bis vier Personen ab dreizehn Jahren geeignet und ist ab sofort zum Preis von etwa 60€ im Handel zu finden.

Fazit: Dominations ist ein strategisches Schwergewicht, das die Köpfe zum Qualmen bringt und sich so diese geschichtsträchtige ingame-Testwertung erobert.

Wertungsgrafik Dominations
Dominations stellt seinen strategischen Tiefgang eindrucksvoll unter Beweis und sichert sich diese geschichtsträchtige ingame-Testwertung. © ingame.de

Beim Lesen des Regelwerks von Domination mag man sich zunächst der Illusion hingeben, das Spiel sei doch eigentlich ganz fluffig und ließe sich entspannt runterspielen. Während viele Zivilisationsspiele schon bei den Regeln epische Ausmaße annehmen, kommt Dominations tatsächlich noch vergleichsweise moderat daher. Drei Zeitalter mit jeweils nur fünf Zügen, was soll da schon großartig passieren? Der Einstieg in die Partie mag zunächst diesen Eindruck erwecken. Die ersten Landplättchen werden angelegt, es werden Wissenspunkte gesammelt und dann noch vielleicht ein paar Fertigkeitskarten erstanden. Und wenige Augenblicke später raucht den meisten Spielern schon ordentlich die Birne. Dominations ist ein knallhartes Expertenspiel. Allein die Auswahl der Fertigkeitskarten, die sich die Völker aneignen können, wirkt zunächst unüberschaubar. Zwölf Fertigkeiten in jeweils sechs unterschiedlichen Wissensgebieten, die sich zudem auch noch upgraden lassen sind schon eine gehörige Schlagzahl, die es erstmal zu bewältigen gilt. Dass diese dann auch noch passend in den eigenen Technologiebaum untergebracht werden müssen, macht die ganze Angelegenheit auch nicht gerade einfacher. Dominations macht auch schon bei der ersten Partie sehr viel Freude, das Spiel beherrschen wird man aber sicherlich erst nach einigen Durchläufen. Erst jetzt entfaltet es sei volles Potenzial. Es gibt etliche Faktoren, die sich untereinander bedingen und aufeinander abgestimmt werden wollen. Einen absoluten Masterplan werdet ihr für Dominations allerdings wohl dennoch nicht entwickeln können. Der Spielverlauf hängt einfach von zu vielen Variablen ab. Durch den hohen Interaktionsgrad seid ihr immer wieder gezwungen, auf die Aktionen der Mitspieler zu reagieren und die eigene Strategie anzupassen. Dennoch hält sich das Konfliktpotenzial noch in Grenzen. Klar, ihr könnt den anderen Zivilisationen vielleicht die ein oder andere Karte vor der Nase wegschnappen oder auch eine passende Lücke in der Landschaft blockieren, eine direkte Konfrontation wird aber vermieden. Kriegerische Auseinandersetzungen oder einen direkten Eingriff in die persönliche Spielauslage sind im Spielverlauf von Dominations nicht vorgesehen. Ansonsten bietet die Herbstneuheit von Holy Grail Games aber alles, was ein vollwertiges Zivilisationsspiel vorweisen muss. Durch das gute Belohnungssystem hält Dominations die Motivation auch in weniger erfolgreichen Partien hoch. Als Führer einer Zivilisation bekommt man immer das gute Gefühl, das eigene Volk auf einem guten Weg zu wissen und echte Fortschritte zu erzielen. Dadurch wird das Spiel zu einer Empfehlung, selbst wenn ihr sonst eher nicht im 4X-Genre beheimatet seid.

ProCon
+ vergleichsweise leicht zu erlernen- stellenweise etwas abstrakt
+ taktische Vielfalt- Spielmaterial mit Licht und Schatten
+ ordentlicher Interaktionsgrad
+ umfangreicher Technologiebaum
+ spielt sich sehr abwechslungsreich
+ hohe Langzeitmotivation

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