Doodle Dungeon Drache Stift Held Helm Papier Turm Cover Verpackung
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Doodle Dungeon erscheint über Pegasusspiele und kostet etwa 25€.

Bullfrog-Klassiker als Vorbild für Doodle Dungeon?

Doodle Dungeon im Test: Dungeon Keeper als Brettspiel

  • vonSebastian Hamers
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Wer sich im Bullfrog-Klassiker gerne als Dungeon Keeper verdingt hat, findet bei Doodle Dungeon wohlige Erinnerungen an die späten 90er Jahre.

  • für 2 bis vier Spieler ab 10 Jahren
  • kreative Dungeongestaltung mit Papier und Stift
  • Preis: ca. 25€

Es gibt Brettspiele, die schreien förmlich danach, auf einer Videospiel-Plattform detailliert vorgestellt zu werden. Das vorliegende Doodle Dungeon gehört auf jeden Fall in diese Kategorie. Es ist nicht allein das Fantasy-Setting, das den Titel aus dem Hause Pegasusspiele für Videospieler interessant macht. Doodle Dungeon erinnert an einen echten PC-Klassiker aus den 90er Jahren. Dungeon Keeper von Bullfrog Productions war sicherlich zumindest eine große Inspiration für Autor Ulrich Blum, als er mit den Arbeiten an seinem neuen Brettspiel begann. Die Bezeichnung Brettspiel ist an dieser Stelle jedoch ein wenig irreführend. Gespielt wird Doodle Dungeon überwiegend mit Papier und Stift. Das Zeichnen eures todbringenden Dungeons ist Teil der Spielerfahrung und steht folgerichtig im Mittelpunkt des Spiels. Schließlich brachte auch bei Dungeon Keeper das Herumbasteln am eigenen Kerker den meisten Spaß.

Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist der einhundert Seiten starke Block, der das Grundgerüst für den Dungeon bildet. Besonders viele Vorgaben gibt es zunächst nicht, ihr habt also reichlich Spielraum, um euch bei der Gestaltung kreativ auszutoben. Lediglich der Ein- und Austrittsbereich des plündernden Helden, der euren Dungeon in einer späteren Phase des Spiels stürmen wird, ist bereits festgelegt. Der gesamte Inhalt des Dungeons muss also noch von euch gefüllt werden. An dieser Stelle kommen die 60 Karten ins Spiel, die in Doodle Dungeon gleich mehrere Funktionen erfüllen.

Kreativer Dungeonbau in Doodle Dungeon

Jeder Dungeon Keeper erhält bei Spielbeginn genau vierzehn Karten. In dieser frühen Phase des Spiels ist lediglich der untere Teil der Karte relevant. Diese enthält diverse Elemente, die ihr für den Ausbau eures Kerkers verwenden dürft. Auf den Karten findet ihr etwa unterschiedliche Wandformationen. Mit ihrer Hilfe könnt ihr Wege, Gassen oder gar kleine Räumen erstellen. Durch die Wände gewinnt euer Dungeon an Struktur, die ihr direkt nutzt, um ein paar dicke Schatzkisten zu verstecken. Die Schätze malt ihr nicht direkt auf das Papier, sondern notiert sie im Geheimen mit der Angabe der Koordinate. Als Oberbösewicht wollt ihr natürlich verhindern, dass eure Schätze von irgendwelchen dahergelaufenen Helden geräubert werden.

In Doodle Dungeon bekommt ihr einen guten Überblick über die aktuellen Werte eures Dungeons und dessen Inventar.

Deshalb solltet ihr die Schatzkisten unbedingt von einem eurer Untertanen bewachen lassen. Als Wächter stehen euch drei verschiedene Kreaturen zur Auswahl: Goblins, Orks und Drachen. An ihnen muss sich der Held erst einmal vorbeischlängeln, wenn er den Ausgang mitsamt den geplünderten Schätzen verlassen will. Als erfahrener Dungeonlord verlasst ihr euch aber natürlich nicht allein auf die Unterstützung von ein paar Monstern. Im Dungeon wimmelt es nur so von Fallen, die den Weg des Helden zu einem echten Spießrutenlauf machen sollen.

Pimp my Doodle Dungeon

Über die Karten sammelt ihr zudem wertvolle Aufwertungen, die ihr für das Aufleveln von Monstern, Schätzen und Fallen gleichermaßen verwenden könnt. Es liegt also in eurer Hand, wie ihr die Gefährlichkeit des eigenen Dungeons austariert. Manche Dungeon Keeper setzen auf tödliche Fallen und versuchen die Gänge so eng wie möglich zu halten, so dass der Held fast zwangsläufig in sie hineintappen muss. Andere Kerkermeister lassen ihre Schätze stattdessen von mächtigen, fast unbezwingbaren Drachen bewachen. Wie auch immer ihr den Dungeon gestaltet, im weiteren Spielverlauf habt ihr immer noch die Chance aktiv einzugreifen, wenn der Held im Dungeon herumläuft.

Die Ausstattung von Doodle Dungeon kann sich sehen lassen. Sogar ein paar Schablonen für unbegabte Zeichner liegen bei.

Wollt ihr in dieser Phase möglichst flexibel bleiben, investiert ihr die Aufwertungen vielleicht auch in das Handkartenlimit. Später werdet ihr die erhaltenen Karten erneut auf die Hand bekommen, um von ihrem oberen Abschnitt zu profitieren. Der obere Teil einer Karte zeigt eine Aktionsmöglichkeit, die eingesetzt werden kann, wenn sich der Held durch den Dungeon bewegt. Durch ein hohes Handkartenlimit stehen euch mehr Karten zur Verfügung, was euch mehr Optionen bietet, auf besondere Situationen zu reagieren.

Der Held stürmt den Doodle Dungeon

Habt ihr euren Dungeon nach euren Vorstellungen kreiert, geht das Spiel in die zweite Phase über. Nun kommt auch der Held endlich ins Spiel. Da der Held nicht wie bei Dungeon Keeper von einer KI übernommen werden kann, muss diese Aufgabe von einem Mitspieler übernommen werden. Ihr übergebt das Blatt also vorübergehend an den Sitznachbarn, der nun den Weg des Helden im Dungeon einzeichnet. Die Regeln für die Einzeichnung des Laufwegs sind überschaubar. Kein Feld des Dungeons darf mehr als zweimal betreten werden, dies ist wohl die bedeutsamste Einschränkung im Spiel.

Mit Hilfe von 14 Karten gestaltet ihr euer Doodle Dungeon.

Gewiefte Dungeon Keeper platzieren ihre Wände natürlich so, dass der Held auf jeden Fall über die dicksten Monster und die verheerendsten Fallen latschen muss. Ein paar Schätze lassen sich auf der anderen Seite vielleicht so positionieren, dass der Eindringling sie nicht alle erreichen kann, ohne die Regeln zu verletzten. Sobald der Laufweg des Helden eingezeichnet wurde, erhält jeder Dungeonlord sein Blatt zurück und es geht in die finale Phase des Spiels.

Epische Schlachten im Doodle Dungeon

Jetzt läuft der Held auf dem vorgegebenen Pfad durch die Gänge. Auf jedem Hotspot, der sich auf seinem Weg befindet, wird ein Zwischenstopp eingelegt. Läuft der Held über eine Falle, schnappt diese direkt zu und richtet Schadenspunkte an. Eine Standardfalle knöpft dem Helden einen Lebenspunkt ab. Durch etwaige Aufwertungen kann eine Falle jedoch auch zwei oder gar drei Schadenspunkte anrichten. Nach dem Auslösen wird die Falle deaktiviert. Sie schlägt also nicht noch einmal zu, selbst wenn der Held erneut über dieses Feld geht.

Ein Mitspieler muss den Laufweg des Helden in euer Doodle Dungeon einzeichnen.

Passiert der Eindringling ein Feld mit einem Monster, kommt es zum Gefecht. Euer Monster gewinnt den Kampf, falls es eine Stärke von mindestens zwanzig Punkten aufweist. An dieser Stelle gehört ein wenig Glück dazu. Ihr werft zwei zehnseitige Würfel und addiert die Kampfstärke des Monsters hinzu. Die Drachen sind potentiell natürlich eure mächtigsten Verbündeten. Sie verfügen von Haus aus bereits über eine Stärke von vier Punkten, die sich mit Aufwertungen auf bis zu zwölf Punkte steigern lässt. Leider sind Drachen keine Massenware auf dem Basar für Dungeon Keeper, so dass sie auf den Karten leider relativ selten auftauchen. Oftmals müsst ihr euch daher mit den deutlich schwächeren Orks und Goblins zufriedengeben.

Im Doodle Dungeon nach Schätzen suchen

Gerade die Goblins sind ziemlich schmalbrüstig und richten obendrein noch den geringsten Schaden an. Dafür sind sie in einer ausreichenden Zahl verfügbar und stellen vor allem durch ihre schiere Masse eine Gefahr für den Helden dar. Dieser kann maximal zwanzig Schadenspunkte einstecken, bevor er die Segel streicht. Sollte es euch gelingen, den Helden zu plätten, bevor er den Ausgang erreicht, winken euch fünf zusätzliche Siegpunkte. Ein frühzeitiges Scheitern hat allerdings einen weiteren schönen Nebeneffekt.

Die Karten in Doodle Dungeon haben zwei Funktionen. Unten seht ihr die Bauelemente für das Dungeon. Der obere Teil zeigt eine Sonderaktion.

Sämtliche Schätze, die der Held nicht erreichen konnte, bleiben in eurem Besitz und sind am Spielende ebenfalls Siegpunkte wert. Gleiches gilt für alle Monster, die das Eindringen des marodierenden Helden überlebt haben. Scheidet der Held frühzeitig aus dem Spiel aus, bleibt folglich ein Großteil des Dungeon-Inventars erhalten und ihr dürft euch über eine hohe Siegpunktzahl freuen.

Den anderen Spielern in den Doodle Dungeon spucken

Während sich der Held durch den Dungeon bewegt und sich von einem Hotspot zum nächsten vortastet, müssen die Dungeon Keeper das Treiben nicht teilnahmslos beobachten. Mit ihren Aktionskarten greifen sie aktiv in den Verlauf ein. Mit Dungeonaktionen könnt ihr eure eigenen Monster nachträglich noch etwas aufwerten. Es gibt zahlreiche Gimmicks, die ihr euren Untertanen zuschustern könnt, um ihre Siegchancen zu steigern. Besonders niederträchtige Overlords schrecken selbst vor den Kerkern der anderen Dungeon Keeper nicht zurück. Mit den passenden Karten verstärkt ihr die Helden in den Gängen der Mitspieler. Vergiftete Waffen, Heiltränke oder Schilde haben schon so manchem Helden das Leben gerettet. Unter Mithilfe der Dungeonlords schaffen sie es so vielleicht sogar zum rettenden Ausgang und somit zum Ende des Spiels.

Mit diesen Karten könnt ihr in Doodle Dungeon auch die Dungeons der Mitspieler beeinflussen.

Bis ihr zur Endauswertung gelangt, sind etwa 45 bis 60 Minuten vergangen. Doodle Dungeon ist für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren geeignet. Das Spiel kommt über Pegasusspiele in den Handel und kostet etwa 25€.

Fazit: Mit starken Anleihen von Dungeon Keeper hat sich Doodle Dungeon diese Testwertung verdient

Fazit: Mit starken Anleihen von Dungeon Keeper hat sich Doodle Dungeon diese Testwertung verdient.

Als Peter Molyneux und Bullfrog Productions im Jahr 1997 Dungeon Keeper veröffentlichten, war dies für viele Spieler eine echte Offenbarung. Nach etlichen Rollenspielen, die aus der Sicht des strahlenden Helden gespielt wurden, konnte man in diesem Strategiespiel-Klassiker endlich mal in die Rolle des Oberschurken schlüpfen… Ende der 90er Jahre war das noch eine kleine Sensation. Doodle Dungeon von Ulrich Blum kommt dem Spielgefühl des PC-Titels schon recht nah, ohne jedoch ganz an seine Spieltiefe heranzukommen. Bei Doodle Dungeon steht vor allem der schnelle Spielspaß im Vordergrund. Die meisten Aktionen im Spiel könnt ihr synchron abhandeln, so dass sich die Wartezeit auf den nächsten Zug in Grenzen hält. Habt ihr das Regelwerk erst einmal verinnerlicht, spielt sich Doodle Dungeon wirklich sehr flüssig. Dabei hat das Spiel durchaus eine gewisse taktische Tiefe zu bieten. Gerade bei der Gestaltung des eigenen Dungeons könnt ihr eurer Kreativität freien Lauf lassen. Gewiefte Dungeon Keeper gestalten die Gänge so, dass der Eindringling auf jeden Fall die gefährlichsten Fallen und die dicksten Monster passieren muss. Viel Spaß macht auch die finale Phase des Spiels, bei der ihr noch ein wenig Feinjustierung betreiben könnt. Mit den passenden Karten könnt ihr eure Monster notfalls noch ein wenig aufmotzen oder auch den anderen Dungeonlords kräftig in die Suppe spucken. Eine gute Portion Chaos ist vorprogrammiert, wenn jeder Spieler seiner Konkurrenz nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnt. Mit all diesen Qualitäten ist Doodle Dungeon eine spaßige Adaption des Overlord-Spielprinzips, das mehr auf Zugänglichkeit setzt als auf eine enorme Spieltiefe.

ProCon
+ kreative Dungeongestaltung mit Papier und Stift- Verbrauchsmaterialien müssen ggf. nachbesorgt werden
+ tolle Ausstattung inkl. Stiften, Radiergummi und Anspitzer
+ mit Zeichnungen von Munchkin-Illustrator John Kovalic
+ keine langen Wartezeiten auf den eigenen Zug
+ spaßige Jagd auf den Helden

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