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Dune: Geheimnisse der Häuser erscheint über Pegasus Spiele und kostet etwa 40€.

Portal Games setzt das Detective-System auf Dune: Geheimnisse der Häuser um

Dune – Geheimnisse der Häuser im Test: Abenteuer auf dem Wüstenplaneten als Brettspiel

  • VonSebastian Hamers
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Dune: Geheimnisse der Häuser siedelt sich nach den Geschehnissen des ersten Kinofilms an, erzählt aber eine eigene Geschichte.

Der Wüstenplanet Dune ist 2021 wieder in aller Munde. Den Ursprung für sein Science-Fiction-Epos legte Autor Frank Herbert allerdings bereits in den 60er Jahren. Seitdem ist viel geschehen. Den erfolgreichen Romanen folgten etliche Umsetzungen als Film, TV-Reihe, Computer- und Brettspiel. Im Windschatten des aktuellen Kinohits findet der Wüstenplanet ebenfalls wieder auf alternativen Plattformen statt. In der Brettspielwelt erntete zuletzt das Strategiespiel Dune Imperium vielerorts gute Kritiken. Jetzt sind die Geschichtenerzähler von Portal Games nachgezogen. Pünktlich zur SPIEL 21 in Essen stand Dune: Geheimnisse der Häuser im Handel.

Dune: Geheimnisse der Häuser legt den Schwerpunkt aufs Storytelling

Zwei Dune-Brettspiele in einem Jahr? Welches also kaufen? Die Vorzüge von Dune Imperium könnt ihr detailliert im ingame-Test nachlesen. Das Spiel greift die Atmosphäre des Wüstenplaneten sehr schön auf, bezieht seinen großen Reiz allerdings vor allem durch die tolle mechanische Verzahnung. Die strategische Komponente steht klar im Mittelpunkt des Spiels. Dune: Geheimnisse der Häuser schlägt in eine ganz andere Kerbe. Im Spiel von Portal Games dreht sich alles um das Erleben einer spannenden Geschichte.

Zu Beginn jeder Mission werden in Dune: Geheimnisse der Häuser die Rahmenbedingungen neu abgesteckt.

Dieses Vorhaben ruft selbst 2021 noch viele Skeptiker auf den Plan. Storytelling in Brettspielen? Das kann doch eigentlich kaum gut funktionieren. Dieses Vorurteil basiert natürlich noch aus einer Zeit, in der sich Brettspiele tatsächlich nicht sonderlich geschickt anstellten, eine gute Geschichte zu transportieren. Gerade Portal Games hat bereits etliche Male unter Beweis gestellt, dass sich Brettspiele und Storytelling doch unter einen Hut bringen lassen. Als Vorzeigespiel des Verlags gilt das erfolgreiche Detective, das inzwischen schon die ersten Ableger und Erweiterung hervorgebracht hat.

Detective-Reihe als Grundlage für Dune: Geheimnisse der Häuser

Das Detective-System bildet auch die Grundlage für die Abenteuer auf Dune. Wer mit den Detective-Spielen vertraut ist, findet sich mit Dune: Geheimnisse der Häuser sofort zurecht. Doch selbst ohne diese Vorkenntnisse wird euch der Einstieg ins Spiel denkbar einfach gemacht. Das Regelheft besteht nur aus wenigen Seiten, die restlichen Abläufe werden über eine Website geregelt. Für das Spiel benötigt ihr daher auf jeden Fall ein digitales Endgerät. Im Verlauf verweist euch das Spiel immer wieder auf die Homepage, die euch weitere Storyschnipsel präsentiert.

Über eine Website wird Dune: Geheimnisse der Häuser mit digitalen Inhalten angereichert.

Dennoch werdet ihr nicht stumpf die ganze Partie über in ein Tablet oder ein Notebook starren. Im Gegenteil, die meiste Zeit hantiert ihr mit Spielkarten oder Handouts… und diskutiert vor allem über euer weiteres Vorgehen. Denn in Dune: Geheimnisse der Häuser stehen euch viele Wege offen. Es gibt keinen Handlungsstrang, der strikt verfolgt werden muss. Die Geschichte splittet sich immer wieder in verschiedene Verästelungen auf. Ihr selbst entscheidet somit zu einem guten Teil, welche Teile der Geschichte aufgedeckt werden.

Dune: Geheimnisse der Häuser erzählt eine eigenständige Geschichte

Um Spaß am Dune-Brettspiel zu haben, müsst ihr nicht zwingend den Kinofilm gesehen oder gar die Romanreihe gelesen haben. Mit ein paar Grundkenntnissen wird das Abenteuer aber auf jeden Fall noch intensiver. Portal Games hat es geschafft, die raue Dune-Atmosphäre auf das Brettspiel zu übertragen. Auf der Timeline siedelt sich das Spiel direkt nach den Geschehnissen des ersten Kinofilms an. Das Brettspiel kommt jedoch ohne Spoiler auf die kommenden Filme aus, sondern erzählt eine ganze eigene Geschichte im Dune-Universum.

In Dune: Geheimnisse der Häuser müsst ihr mit diesen Ressourcen gut haushalten.

Dune: Geheimnisse der Häuser besteht aus drei Kapiteln und einen Prolog, der eher als kleines Tutorial angesehen werden kann. Jedes Kapitel beginnt mit einer textlichen Einführung auf einer DIN-A4-Seite. Das Spiel wirft euch direkt mitten in die Geschichte. Als Gefangener einer Fremen-Einheit findet ihr euch irgendwo in der Wüste des Hagga-Beckens auf Arrakis wieder. Die Ur-Einwohner von Dune sind euch dabei gar nicht einmal böse gesonnen. Die Fremen haben euch vielmehr aus einem Gefängnis von Haus Harkonnen befreit. Die Rettung vor den Schergen des Barons war allerdings kein Akt der Selbstlosigkeit. Ab sofort steht ihr in der Schuld der Fremen und werdet von ihnen direkt auf die erste Mission geschickt.

Schneller Spieleinstieg bei Dune: Geheimnisse der Häuser

Nachdem ihr euch den Einführungstext zu Gemüte geführt habt, braucht es nur noch ein paar Handgriffe und die Wüstenmission kann starten. Auf ein echtes Spielbrett wurde verzichtet. Hin und wieder dürft ihr auf eine Karte aus Papier zurückgreifen, ansonsten müsst ihr mit einem kleinen Punktetableau vorliebnehmen. Hier trackt ihr allerdings nur den zeitlichen Fortschritt im Abenteuer sowie die Erfahrungspunkte, die für euch nach Abschluss der Mission herausspringen. Weiterhin gibt es noch zwei verschiedene Kartenstapel. Über das Begegnungsdeck wird ein Teil der Geschichte fortgeführt.

Dune: Geheimnisse der Häuser liegt praktischerweise auch eine Karte von Arrakis bei.

An bestimmten Stellen im Spiel werdet ihr aufgefordert, eine bestimmte Begegnungskarte aus dem Deck herauszusuchen und vorzulesen. Viele dieser Karten bieten euch weitere Handlungsoptionen an. Je nachdem für welchen Weg ihr euch entscheidet, folgen weitere Begegnungen oder ihr werdet dazu aufgefordert, die Website zu Rate zu ziehen. Hier müsst ihr nur die angegebene Nummer eintragen, um euch einen Folgetext oder ein kleines Video anzusehen. So fügen sich die einzelnen Fragmente der Geschichte stückweise zusammen, bis ihr hoffentlich etwas Licht ins Dunkle bringen könnt.

Dune: Geheimnisse der Häuser setzt auf multimediale Unterstützung

Die kurzen Videos sind durchaus in ordentlicher Qualität und unterstreichen so die Atmosphäre im Spiel. Der Einsatz von Smartphone oder Tablet ist wohldosiert. Obwohl ihr zwischenzeitlich schon hin und wieder ein digitales Endgerät einsetzen müsst, hantiert ihr zu einem großen Teil mit der Kartenauslage. Die Begegnungskarten sind dabei der Dreh- und Angelpunkt des Spiels. Über diese wird die Story hauptsächlich transportiert. Häufig bietet eine Begegnung an, die Karte auf die Rückseite zu drehen, wenn ihr weitere Nachforschungen anstellt.

Kleine Videos erzeugen in Dune: Geheimnisse der Häuser eine intensive Atmosphäre.

Hier müsst ihr allerdings die Gunst der Stunde nutzen. Wollt ihr etwa die Verfolgung einer verdächtigen Person aufnehmen, müsst ihr euch sofort dazu entscheiden. Die Zeit bleibt in Dune: Geheimnisse der Häuser nicht stehen. Ihr habt nicht die Möglichkeit, die Verfolgung noch im Nachhinein anzuleiern. Die Entscheidung, ob ihr eine Aktion durchführt oder nicht, ist gar nicht so leicht. Es ist unmöglich, jeden Handlungsstrang bis ins letzte Detail zu verfolgen. Jede abgehandelte Begegnung lässt den Zeitmarker nach vorne schreiten. Sobald dieser das letzte Feld erreicht, müsst ihr Report erstatten und den Fall zum Abschluss bringen.

Knappe Ressourcen in Dune: Geheimnisse der Häuser

Durch den zeitlichen Faktor sind eure Möglichkeiten also schon einmal limitiert. Doch es gibt noch einen zweiten Flaschenhals im Spiel. Um bestimmte Aktionen durchzuführen, müsst ihr diverse Ressourcen investieren, die auf dem Wüstenplanet Dune naturgemäß ziemlich knapp sind. Waffen, Spice, Wasser und Täuschung sind die Güter, mit denen ihr im Spiel gut haushalten solltet. Im Abenteuer werdet ihr zwar die Chance bekommen, weitere Ressourcen zu sammeln, doch insgesamt sind diese ziemlich rar gesät. 

Eure Charaktere werden in Dune: Geheimnisse der Häuser stetig besser und erhalten ein paar Upgrades.

Neben dem großen Deck mit den Begegnungskarten liegt dem Spiel außerdem noch ein kleinerer Stapel mit Hinweiskarten bei. Dieser stellt die vielen Fundstücke dar, die ihr euch im Verlauf der Wüsten-Exkursion aneignen könnt. Die zahlreichen Indizien führen euch oftmals auf eine neue heiße Spur und dienen gleichzeitig als Anschauungsobjekte, um euch das Spiel noch etwas plastischer erlebbar zu machen.

Dune: Geheimnisse der Häuser mit vier individuellen Charakteren

Dazu tragen ebenso die vier Charaktere bei, die stellvertretend für euch durch den Wüstensand stapfen. Ihr schlüpft beispielsweise in die Rolle von Gora Mallick, eine professionelle Schmugglerin und Verhandlungsführerin, die sich vor allem in Sachen Spice-Schmuggel einen Namen gemacht hat. Alternativ übernehmt ihr die Kontrolle über Arya Khoras, ihres Zeichens Atreides-Spionin. Sie ist eine Meisterin der Täuschung und kann mit ihren Fähigkeiten das Aussehen fast jeder beliebigen Person annehmen.

In die Rollen dieser vier Charaktere könnt ihr in Dune: Geheimnisse der Häuser schlüpfen.

Als hilfreicher Begleiter erweist sich auch Javed Dhar, ein Informant der Fremen. Er kennt sich hervorragend mit dem Knacken von Schlössern aus, fälscht Dokumente wie kein zweiter und kann sich so Zugang zu Orten verschaffen, in die sonst niemand anderes gelangt. Komplettiert wird das Quartett durch Daniel Arias, der sich als Soldat der Atreides verdient gemacht hat. Er nutzt vor allem sein militärisches Fachwissen und sein Knowhow über Waffen und Sprengsätze, um die Gruppe zu unterstützen. Mit steigender Spieldauer entwickeln sich die Charaktere stetig weiter, sammeln Erfahrungspunkte und erarbeiten sich so neue Fähigkeiten. So kommt sogar noch ein rudimentärer Rollenspielaspekt hinzu, der euch über die Handlung hinweg begleiten wird.

Insgesamt dauert euer Aufenthalt auf Dune etwa acht bis neun Stunden. Den Prolog habt ihr in Windeseile absolviert, die folgenden drei Kapitel werden euch allerdings schon zwei bis drei Stunden beschäftigten. Dune: Geheimnisse der Häuser ist für ein bis vier Spieler ab vierzehn Jahren geeignet. Das Spiel kommt über Pegasus Spiele in den Handel und ist ab sofort zum Preis von rund 40€ zu haben.

Fazit: Die Redaktion hat ganz tief im Wüstensand gegraben und dabei diese Testwertung für Dune: Geheimnisse der Häuser an die Oberfläche befördert

Die ingame-Redaktion hat im Wüstensand diese Wertung für Dune: Geheimnisse der Häuser ausgegraben.

Als Portal Games vor einigen Jahren die Detective-Reihe ins Leben rief, war meine Neugier schnell geweckt. Das Spiel durchbrach die vierte Wand wie kaum ein Brettspiel zuvor. Die starke Fokussierung auf das Erzählen der Geschichte, gepaart mit dem hohen Immersionsgrad, ließen das Spiel zu einem ganz besonderen Erlebnis werden. Dune: Geheimnisse der Häuser bedient sich dem gleichen Spielansatz und kann viele Tugenden der Detective-Reihe ebenfalls für sich verbuchen. Es ist zwar wahrscheinlich etwas leichter sich einer realitätsnahen Detektivgeschichte der Jetztzeit hinzugeben als in eine fiktionale SciFi-Wüstenwelt abzutauchen, dennoch spielt das neue Dune in Sachen Atmosphäre ganz klar in der Champions League. Auf der mechanischen Ebene hält sich das Spiel dafür spürbar zurück. Wer sich einen taktisch anspruchsvollen Titel mit vielen fein verzahnten Spielelementen erhofft hat, wird bei Dune: Geheimnisse der Häuser enttäuscht. Bei Dune gibt es noch nicht einmal ein klares Gewinnen oder Verlieren. Am Ende einer Mission legt ihr zwar immer brav euren Bericht ab, letztlich treibt euch die Geschichte aber unabhängig davon voran. Das Gefühl, dass eure Entscheidungen harte Konsequenzen nach sich ziehen, kommt auf jeden Fall nicht so recht rüber. Zudem müsst ihr euch von dem Gedanken befreien, jeden Winkel der Story ausreichend beleuchten zu können. Es ist unmöglich, jeder Spur und jedem Hinweis nachzugehen. Viele Teile des Spiels werdet ihr niemals zu Gesicht bekommen. Auf der Kehrseite wird euch so ein individuelleres Abenteuer auf dem Wüstenplaneten ermöglicht. Eine andere Heldengruppe folgt natürlich dem gleichen Handlungsstrang, macht aber bei ihren Erkundungen vielleicht ganz andere Entdeckungen. Mit Dune: Geheimnisse der Häuser beweist Portal Games somit wieder einmal eindrucksvoll, dass sich Storytelling und Brettspiele gut miteinander verbinden lassen und so einzigartige Momente hervorzaubern können.

ProCon
+ 3 neue Geschichten aus dem Dune-Universum- spielmechanisch ziemlich schlicht
+ kooperative Spielweise
+ gute Umsetzung der Lizenz
+ lässt euch tief in eine spannende Story abtauchen
+ gute Einbindung digitaler Inhalte

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