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East India Companies im Test: Komplexe Handelssimulation als Brettspiel

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Von: Sebastian Hamers

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East India Companies erscheint über den Huch-Verlag und kostet etwa 45€. © Huch

Zur SPIEL 2022 hat es East India Companies in der deutschsprachigen Version nicht ganz geschafft. Jetzt ist das Spiel im Handel angekommen.

Geht es um den Handel per Schifffahrt im 19. Jahrhundert, werden bei uns Computerspielern Erinnerungen wach. Wie schön war es doch, als uns Sid Meier mit seinem Meisterwerk Pirates in See stechen ließ, um die Handelsrouten in der Südsee unsicher zu machen. Das Brettspiel East India Companies von Huch versprüht einen ganz ähnlichen Charme. Mit verschiedensten Segelschiffen begebt ihr euch auf eine lange Reise, um Tee, Gewürze, Kaffee und Seide aus fernen Ländern heranzuschaffen und in Europa zu Höchstpreisen wieder zu verticken. Bloß auf die Piraten, auf die müsst ihr in East India Companies verzichten. Kriegerische Vorgehensweisen sind nicht geplant und die Südsee wurde gegen eine fernöstliche Welt ausgetauscht.

East India Companies legt den Fokus auf den Warenhandel

Als eine von insgesamt vier europäischen Handelsgesellschaften habt ihr euch auf den Warenhandel mit den fernen Ländern des Ostens spezialisiert. Dort gibt es zahlreichen Waren zu erstehen, mit denen ihr in der Alten Welt absolute Spitzenpreise erzielen könnt. Zwei Galeonen warten bei Spielbeginn darauf den Hafen zu verlassen, um für euch nach Osten zu segeln. In insgesamt fünf Runden, die jeweils eine Epoche darstellen, habt ihr die Möglichkeit je einmal Waren zu importieren und möglichst gewinnbringend zu verkaufen.

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Das Spielbrett von East India Companies sieht schick aus, wirkt aber auf den ersten Blick etwas unübersichtlich. © Huch

Dazu schickt ihr zunächst eure Schiffe aus und platziert sie in einer von insgesamt drei Zonen in Fernost. Je weiter sich das Ziel von den europäischen Häfen entfernt befindet, desto kostspieliger fällt die Reise aus. Eine längere Überfahrt kann sich dennoch auszahlen, denn jede Region verfügt über eine eigene Zusammenstellung des Warenangebots. Seide gibt es nur im fernen China, Kaffee lässt sich lediglich in Südostasien erwerben und wenn ihr Gewürze kaufen möchtet, dann solltet ihr mit einem Segler die indischen Häfen ansteuern.

Name des SpielsEast India Companies
Spielerzahl2-4 Personen
Altersempfehlungab 14 Jahren
Spieldauer90-120 Minuten
AutorPascal Ribrault
VerlagHuch
Preisca. 45€

Von West nach Ost und wieder zurück in East India Companies

Nachdem alle Händler ihre Destinationen festgelegt haben, wird zunächst das Warenangebot in Fernost ermittelt. Eine gewisse Vorschau auf das Angebot gibt es bereits zu Beginn einer Epoche. Da die Reisen mit dem Schiff im 19. Jahrhundert aber schon eine gewisse Zeit in Anspruch genommen haben, kann sich bis zur Ankunft der Schiffe die Situation doch ein wenig verändert haben. Eine kleine Varianz wird über eine verdeckte Karte ermittelt, die bereits vor Rundenbeginn in Fernost ausgelegt wird.

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Dreh- und Angelpunkt von East India Companies sind die sich dynamisch verändernden Märkte in Ost und West. © Huch

Nachdem offengelegt wurde, welche Waren in welcher Stückzahl auf den Märkten verfügbar sind, kann es mit dem Abkauf auch direkt losgehen. Der Handel unterliegt dabei einer klaren Regel: wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Einige Schiffe verfügen über eine kleine Ladefläche und können entsprechend weniger Waren wieder zurück nach Europa transportieren. In aller Regel sind diese dafür erheblich flinker unterwegs und erhalten vor den unbeweglichen Riesenkähnen Zugriff auf die begehrten Transportgüter.

Nachfrage und Angebot regeln bei East India Companies den Preis

Ein vorzeitiges Kaufrecht hat in East India Companies viele Vorteile. Zum einen sind die Güter nur in begrenzter Stückzahl vorhanden, außerdem kann es zu starken Preisschwankungen kommen. Wer ein schnelles Boot ins Rennen schickt, kann also darauf hoffen, deutlich günstiger an die Waren zu gelangen. Für die langsamen Transportschiffe bleiben also nur noch die überteuerten Produkte übrig. Liegt der Kurs in Europa günstig, kann sich der Kauf aber natürlich dennoch lohnen, da die dicken Transporter gleich ziemlich viele Waren auf einmal verschiffen können. Notfalls lasst ihr die Boote einfach für den Rest der Epoche in den fernöstlichen Häfen. In der nächsten Runde erhalten sie ein Vorkaufsrecht auf alle dann verfügbaren Produkte.

East India Companies Galeone Schiffe Hafen Lager Tableau
In East India Companies dürft ihre eure Flotte stetig ausbauen, beginnt das Spiel aber mit zwei Galeonen. © Huch

Alles gut verpackt und verstaut? Dann geht es auch gleich wieder zurück in die Alte Welt, wo die erstandenen Waren direkt wieder veräußert werden. Wie sich die Preise in Europa gestalten, unterliegt ebenfalls gewissen Schwankungen. Genau wie schon beim Ankauf der Güter, so entsteht beim Verkaufspreis immer eine gewisse Varianz. Mit der ebenfalls schon zu Rundenbeginn ausgelegten Karte werden die endgültigen Preise festgelegt, bevor ihr euch an den Verkauf der Waren begebt.

Fernöstliche Waren sorgen bei East India Companies für Höchstpreise

Der Verkauf läuft nach ähnlichen Regeln ab wie der Einkauf der Waren. Zunächst dürfen die schnellen Schiffe ihre Ladung zum Bestpreis entladen und verkaufen. Die später eintreffenden Transporter mit großer Ladefläche bedienen die verbleibende Nachfrage und müssen entsprechend mit geringeren Verkaufspreisen rechnen. Anhand des auf diese Weise verdienten Gesamteinkommens verändert sich zum Abschluss der Epoche der Aktienwert eurer Handelsgesellschaft. Wer in der Runde die meisten Goldstücke eigenommen hat, steigert den Wert der eigenen Gesellschaft erheblich. Der Markt reagiert allerdings empfindlich Veränderungen bezüglich der Gewinnerwartungen. Setzt eure Gesellschaft in der kommenden Epoche weniger um als zuvor, kann der Kurs der eigenen Aktie wieder etwas einbrechen.

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In East India Companies steuert ihr drei Märkte in Fernost an, auf denen es jeweils zwei verschiedene Waren zu erstehen gibt. © Huch

Der Aktienkurs kann in East India Companies der Schlüssel zum Sieg sein, stellt er doch einen erheblichen Wert am Ende des Spiels dar. Zwei Aktien der eigenen Gesellschaft erhaltet ihr bei Spielbeginn ohne weitere Kosten. In jeder Epoche werdet ihr allerdings die Chance erhalten, weitere Aktien der eigenen oder auch einer anderen Handelsgesellschaft zu erstehen. Der Kurs ist dabei ständig in Bewegung. Ein Aktienkauf lässt ihn in die Höhe schnellen, bei einem Verkauf gibt der Kurs wieder etwas nach. Am Ende einer jeden Epoche bringen euch die Aktien auch noch eine Dividende ein, die vom Besitzer der jeweiligen Gesellschaften in Form von Goldstücken ausgezahlt werden. Wer gut handelt, kann über geschickte Aktiengeschäfte so jede Menge Gold verdienen.

Persönlichkeiten in East India Companies

Neben dem Aktienhandel sowie dem An- und Verkauf von Warengütern bietet euch East India Companies noch weitere Möglichkeiten, den Spielverlauf zu beeinflussen. In Europa befinden sich ein paar besonderes einflussreichen Persönlichkeiten, die euch möglicherweise eine Gunst erweisen können. Dazu sendet ihr bis zu drei Gesandte aus, die sich bei einer von fünf Persönlichkeiten vorstellen und dort eine Aktion auslösen. Beim Investor oder dem Schiffseigentümer erwerbt ihr neue und effektivere Schiffe, die ihr gegen die alten Nussschalen austauscht. Mehr Ladefläche und eine höhere Geschwindigkeit sind Vorteile, die sich gut im Handelskampf gegen eure Konkurrenten einsetzen lassen.

East India Companies Persoenlichkeiten Gesandte Figuren
Verschiedene Persönlichkeiten erweisen euch in East India Companies ihre Gunst. © Huch

Ziemlich hilfreich sind außerdem die beiden Hafenerweiterungen, die sich beim Schiffseigentümer erstehen lassen. Sie verschaffen euch nicht nur zusätzliche Ladeflächen, sondern bieten zudem weitere Andockstellen für eure Schiffe. Auf diese Weise dürft ihr auch mehr als nur zwei Schiffe ins Rennen schicken. Stellt ihr euch beim Gouverneur vor, dürft ihr hingegen einen Handelsposten in einer fernöstlichen Region bauen. Alle Waren in diesem Gebiet lassen sich nun etwas günstiger erwerben. Stattet ihr dem Händler einen Besuch ab, wirkt sich das in dieser Epoche hingegen förderlich auf den Verkaufspreis in Europa aus. Über die Persönlichkeiten habt ihr zahlreiche Möglichkeiten, Einfluss auf das Spielgeschehen zu nehmen und eurem Glück auf die Sprünge zu helfen.

Abgerechnet wird die Partie nach Ablauf von fünf Epochen, was je nach Zahl der Mitspieler zwischen anderthalb und zwei Stunden dauert. Es gewinnt der Spieler, der nach Verrechnung der Aktienwerte über das größte Vermögen in seinem Besitzt verfügt. East India Companies ist für zwei bis vier Personen ab vierzehn Jahren geeignet. Ihr findet das Spiel ab sofort zum Preis von etwa 45€ im Handel.

Fazit: East India Companies ist ein komplexes Handelsspiel, das diese hochdotierte ingame-Testwertung ausgefeilscht hat.

Wertungsgrafik East India Companies
East India Companies ist trotz seines spielerischen Tiefgangs erstaunlich zugänglich. Das bringt dem Spiel diese ingame-Testwertung ein. © ingame.de

Freunde der guten alten Handelssimulation werden an East India Companies ihre Freude haben. Es steht ein wenig in der Tradition des Kult-Klassikers Anno und versprüht ebenso den Charme desselbigen. Sicherlich, in East India Companies fällt der Aufbauanteil nicht ganz so komplex aus, bietet aber dennoch eine sehr gute Basis für den tiefgehenden Handelsaspekt des Spiels. Mit neuen und besseren Schiffen, einem ausgebauten Hafen und ein paar weiteren Gimmicks verschafft ihr euch wertvolle Vorteile und eilt der Konkurrenz davon. Dabei spielt auch der zeitliche Aspekt eine große Rolle. Die effektivsten Segler sind bei Spielbeginn noch gar nicht verfügbar, sie werden erst in den kommenden Epochen für alle Händler freigeschaltet. Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist aber auf jeden Fall der Handel mit allerlei Waren. Der Markt zeigt in East India Companies sehr dynamisch. Er richtet sich nach dem Vorgehen der Spieler, die somit selbst einen starken Einfluss auf die Preisentwicklung nehmen. Kommt längere Zeit keine Seide mehr in der Alten Welt an, werden die Kunden irgendwann Bestpreise für den edlen Stoff bezahlen. Ein gewisser Zufallsfaktor kommt aber natürlich trotzdem hinzu, da die Preise auf den Weltmärkten eben nie zu hundertprozentig berechenbar sind. Weiterer Tiefgang kommt durch den Aktienhandel ins Spiel. Ihr wollt euch an den Handelsgesellschaften der Mitspieler beteiligen? Kein Problem. Eskalieren die Aktienwerte irgendwann, dürft ihr sie später gewinnbringend abstoßen oder aber lasst euch regelmäßig Dividenden auszahlen. So bleibt das Marktgeschehen in Bewegung und ihr müsst euch ständig auf neue Situationen einstellen. Angesichts des spielerischen Tiefgangs bleibt das Regelwerk angenehm schlank. Selbst bei der Erstpartie kann das Regelheft eigentlich bereits in der Schachtel bleiben. Alle Abläufe sind deutlich beschrieben und folgen einer klaren Struktur, die den Einstieg in die Welt von East India Companies angenehm leicht gestalten. Wer also Freude an komplexen Handelsspielen hat, aber wenig Lust auf ein kleinteiliges und kompliziertes Regelwerk, der ist bei East India Companies an der richtigen Adresse.

ProCon
+ dynamisches Marktgeschehen- Zweier-Partie nur mit Abstrichen zu empfehlen
+ einfacher Einstieg in ein komplexes Spiel
+ hoher Interaktionsgrad
+ optisch schick
+ komplexes Handelsspiel

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