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Typisch Imperial Settlers: Die Grafik und das Artwork sind wieder zuckersüß.

Aufbaustrategie vom Feinsten

Empires of the North im Test: So gut ist das neue Imperial Settlers

Sechs Völker - sechs Strategien! Empires North lädt euch zum Experimentieren ein. Welches Volk macht aus einem kleinen Dorf zuerst eine gut geölte Produktionsmaschine?

In der Welt der Brettspiele genießt der polnische Spieleerfinder Ignacy Trzewiczek einen ausgezeichneten Ruf. Zu seinen Schöpfungen zählen das innovative Detective: Ein Krimi Brettspiel oder auch das kooperative Survival-Erlebnis Robinson Crusoe. Beide Spiele zeigen eindrucksvoll, dass auch analoge Spiele spannende Geschichten erzählen können. Zu Trzewiczeks Repertoire zählen aber nicht nur geschichtsgetriebene Spiele. Sein Evergreen Imperial Settlers wird seit dem Erscheinen im Jahr 2014 weiter gepflegt und regelmäßig mit neuen Inhalten versorgt. Auf der SPIEL 2019 wurden Imperial-Settlers-Fans jedenfalls reichlich versorgt. Mit Imperial Settlers: Roll & Write und dem Ableger Empires the North fügte der Verlag Portal Games gleich zwei neue Mitglieder zur Imperial-Settlers-Familie hinzu.

Vor allem auf den letztgenannten Titel waren viele Brettspieler besonders gespannt. Bei Imperial Settlers: Empires of the North handelt es sich diesmal nicht um eine Erweiterung des Basisspiels, sondern kann vollkommen eigenständig gespielt werden. Der Spielablauf wurde im Vergleich zum Original etwas entschlackt und hat sich somit auf seine größten Stärken besonnen. Im Fokus des Spiels steht diesmal voll und ganz der aufbaustrategische Teil.

Der Norden expandiert

Das Leben im hohen Norden ist nicht immer einfach. Die Ressourcen sind knapp: Fisch, Holz, Schafe, Steine oder auch Nahrungsmittel, alles ist Mangelware. Die Häuptlinge der nordischen Clans müssen sich schon eine kluge Strategie überlegen, um den Fortbestand der eigenen Sippe zu sichern. In Empires of the North fallen diese Strategien ziemlich unterschiedlich aus. Während einige Völker ziemlich ungeniert auf Konfrontationskurs gehen, greifen andere auf geschickte Verhandlungsstrategien zurück oder optimieren gekonnt die Ernte der eigenen Rohstoffe.

Inseln stellen eine gute Möglichkeit dar, euren Bestand an Ressourcen aufzubessern. Plündern oder erobern? Ihr habt die Wahl.

Der Begriff „Optimierung“ beschreibt das wesentliche Spielkonzept von Empires of the North sehr gut in einem Wort. In jedem Spielzug seid ihr darauf bedacht, eure Möglichkeiten bis zum letzten auszuschöpfen und das Beste aus euren Möglichkeiten herauszuholen. Dabei legt ihr immer wieder neue Gebäudekarten in euer Dorf und schon bald bemerkt ihr, wie gut ein Rädchen in das andere greift. Schnell wird aus einer noch recht ruckeligen Dorf-Infrastruktur eine gut geölte Höllenmaschine, die bestens aufeinander abgestimmt ist.

Sechs Völker – sechs Strategien

Vor dem Spiel sucht ihr euch aber zunächst eines von sechs Nord-Völkern aus. Jedes von ihnen verfügt über einen individuellen Kartenstapel mit ganz eigenen Möglichkeiten. Die Wahl des Clans wird auch eure Spielstrategie maßgeblich beeinflussen. Kein Volk spielt sich wie das andere. Diese Variabilität und Vielfalt sind seit jeher große Stärken der Imperial-Settlers-Reihe. Es macht viel Freude, die verschiedenen Völker auszuprobieren, bevor ihr vielleicht irgendwann euren favorisierten Clan entdeckt.

Im Verlauf des Spiels weitet sich euer Dorf immer weiter aus. Stimmt die Orte gut auf einander ab und erhaltet eine gut funktionierende Produktionskette.

Trotz dieser enormen Vielfalt spielt sich Empires of the North ziemlich strukturiert. Im Wesentlichen greift ihr nur auf ein paar wenige verschiedene Aktionen zurück, die Spieltiefe entsteht zu großen Teilen durch die Spielkarten der Clans. Dadurch sind die Grundregeln des Spiels auch vergleichsweise leicht zu erlernen. Den Rest lernt ihr einfach während des Spiels. Schon bald bekommt ihr ein gutes Gespür dafür, welche Karten besonders gut mit einander harmonieren.

Das Dorf wächst und gedeiht

Jeder Clan beginnt das Spiel mit genau drei Ortskarten in seinem Dorf. Hinzu kommen noch ein paar Ressourcen, Handkarten sowie eine Handvoll Arbeiter. Von der Hand könnt ihr weitere Ortskarten in euer Dorf spielen und so die Möglichkeiten vergrößern. Meist wird dafür der Einsatz von bestimmten Ressourcen gefordert. Mit euren Vorräten müsst ihr in jedem Fall gut haushalten, da sie meist selbst im späteren Spielverlauf knapp sind.

Jedes Volk in Empires of the North verfügt über einen eigenen Kartensatz und spielt sich so völlig anders

Mit Hilfe der Ortskarten im Dorf könnt ihr weitere Aktionen durchführen. Die Möglichkeiten sind dabei weit gestreut. Einige Orte erlauben euch die Umwandlung von Rohstoffen oder auch die Vermehrung. Mal könnt ihr Goldstücke erhalten, die als Joker-Ressourcen gelten, oder sogar Siegpunkte. Leider dürft ihr jeden Ort pro Spielrunde nur einmal verwenden, selbst wenn ihr die benötigten Ressourcen für die Aktivierung der Aktion aufbringen könntet. Einige Clans verfügen allerdings über Möglichkeiten, die bereits verwendete Ortskarten wieder einsatzbereit machen. Bei gutem Timing und Ressourcen-Management können sich so verdammt mächtige Kombos ergeben.

Fleißige Handwerker

Effektive Kombinationsmöglichkeiten findet ihr an vielen Stellen im Spiel. Das Perpetuum Mobile der Aufbaustrategie werdet ihr aber auch in Empires of the North nicht finden. Auch wenn ihr eure Spielzüge manchmal in epische Länge ziehen könnt, irgendwann sind auch eure Möglichkeiten einmal erschöpft. Eine Limitierung stellen neben den knappen Ressourcen auch die Arbeiter dar. Einige Aktionen erfordern den Einsatz einer Arbeiter-Figur. Diese werden zwar nicht verbraucht, gelten aber für den Rest der Runde als ermüdet und können nicht mehr eingesetzt werden.

Sehr praktisch: dieses schicke Inlay liegt dem Spiel bei. So könnt ihr die Ressourcen bequem verwalten.

Die Clanscheibe stellt eine gute Option dar, sich mit neuen Ressourcen zu versorgen. Auf diesem Wege könnt ihr zusätzliche Handkarten erhalten, aber auch Arbeiter oder neue Rohstoffe. DieClanscheibe besteht aus fünf Segmenten, die kreisförmig angeordnet sind. Jedes Segment steht für eine Sonderaktion. Als Anführer des Clans seid ihr mit jeweils zwei Markern ausgerüstet, die ihr auf einem beliebigen Abschnitt der Clanscheibe einsetzen dürft, um dort die angezeigte Aktion durchzuführen.

Einmal kräftig am Clanrad drehen

Die Clanscheibe erlaubt es euch zudem, mächtige Einmaleffekt zu wirken. Nicht bei allen Karten in eurem Deck handelt es sich um Ortskarten. Manchmal zieht ihr auch eine sogenannte Verstärkungskarte auf die Hand. Diese könnt ihr allerdings erst ausspielen, wenn ihr euren Marker auf die passende Aktion in der Clanscheibe platziert. So wird auch logistisch einiges von euch gefordert. Ein gut geplantes Vorgehen ist eben das A und O in Empires of the North.

Die Clanscheibe ist eine gute Möglichkeit, um an neue Ressourcen zu gelangen.

Über die Clanscheibe könnt ihr zudem auch eure Schiffe ins Spiel bringen. Ihr macht euer Schiff startklar und segelt zu einer Insel, um dort ein paar Rohstoffe zu plündern oder das Eiland gleich ganz zu übernehmen. In Empires of the North wird zwischen nahegelegenen und fernen Inseln unterschieden. Wollt ihr zu einer fernen Insel reisen, müsst ihr eure Bootscrew einen Fisch als Proviant mit auf den Weg geben. Die Investition kann sich lohnen, da die entfernteren Inseln meist ein deutlich lukrativeres Ziel sind. Es ist also immer gut, noch ein paar Fische auf Halde zu haben.

Erobern oder plündern?

Weiterhin müsst ihr euch entscheiden, ob ihr die Insel erobern oder lediglich plündern möchtet. Bei einer Plünderung erhaltet ihr zwar reichlich Beute, doch ansonsten zieht ihr keine weiteren Vorteile aus eurem Segelausflug. Für eine Inseleroberung benötigt ihr allerdings etwas mehr Schlagkraft. Ihr müsst eurem Schiff deshalb mit einem Zerstörungsplättchen ausrüsten. Nach der Eroberung könnt ihr die Inselkarte in eurem Dorf anlegen. Ab sofort verfügt ihr über eine kleine Kolonie, mit der ihr ab sofort ebenso eine Aktion durchführen könnt. Als weiser Clanführer achtet ihr natürlich darauf, dass die eroberte Insel perfekt zu eurer Strategie passt.

Empires of the North ist ein eigenständiges Spiel, fügt sich aber in die Welt von Imperial Settlers ein.

Leider ist es für viele Völker gar nicht so leicht, an größere Mengen von Zerstörungsplättchen zu gelangen. Hier fallen die Clanunterschiede wieder stark ins Gewicht. Während die braven Panuk lieber mit ihren süßen Pinguinen spielen, geht es bei den Ulaf schon ruppiger zur Sache. Sie sind die perfekten Krieger und bauen schnell eine beeindruckende Sammlung von Kolonien auf.

Multiplayer-Solitär

So optimiert jeder Clan sein Dorf auf eine ganz eigene Art und Weise. Im Spielverlauf wandern immer mehr Karten in den eigenen Ort und auch die Spielzüge werden immer länger. Jeder führt eine Aktion durch, gibt an den nächsten Spieler weiter und plant in der Wartezeit schon einmal seinen nächsten Zug. Was die Konkurrenz so treibt, bekommt man oft nur so am Rande mit. Der Fortschritt der anderen Völker hat auch nur bedingt Einfluss auf die eigene Strategie. Sonderlich viel Interaktion findet also nicht statt.

Typisch Imperial Settlers: Die Grafik und das Artwork sind wieder zuckersüß.

Das Spielende wird eingeleitet sobald ein Spieler die Marke von 25 Siegpunkten erreicht hat. Abschließend werden noch Punkte für ausliegende Ortskarten sowie für Rohstoffe und Goldstücke verteilt. Der Spieler mit dem meisten Siegpunkten gewinnt. Die Spieldauer ist stark von der Zahl von Mitspieler abhängig. In der Vollbesetzung mit vier Spielern müsst ihr mit mindestens 90 Minuten für eine Partie rechnen. Spielt ihr nur zu zweit, könnt ihr die Dauer auf etwa die Hälfte reduzieren. Imperial Settlers: Empires of the North wurde zur SPIEL in Essen veröffentlicht. Bis Ende des Jahres findet ihr das Spiel allerdings nur bei den Pegasus-Premiumshops. Erst danach wird es auch im regulären Handel eintreffen.

Fazit

Als Kenner von Imperial Settlers kommt ihr auch mit Empires of the North sofort zurecht. Die zuckersüße Optik des Ur-Spiels findet sich zudem natürlich ebenso im aktuellen Ableger wieder. Doch auch sonst dürfen sich Fans der Reihe freuen. Die großen Stärken des Vorbilds sind erhalten geblieben, obwohl es sich etwas schneller und flüssiger spielt. Beeindruckend ist vor allem die große Vielfalt bei den Völkern. Jeder Clan spielt sich tatsächlich völlig anders. Es handelt sich nicht nur um kleine Nuancen, sondern müsst je nach Auswahl des Volkes eure gesamte Strategie überarbeiten. Mir hat es große Freude bereitet, meinem Dorf dabei zuzusehen, wie es wächst und gedeiht. Dabei entsteht regelmäßig ein Gefühl von Erhabenheit. Wenn sich die einzelnen Karten im Dorf gegenseitig befruchten und der Motor des Clans einmal ans Laufen gebracht wurde, dann ist das schon ziemlich geil. Da nehme ich auch gerne die ersten Spielrunden in Kauf, in denen die Entwicklung noch etwas stockt. Bei aller Euphorie, einen wesentlichen Kritikpunkt muss sich das neue Imperial Settlers jedoch gefallen lassen. Sonderlich gesellschaftlich spielt es sich nicht. Interaktion ist zwar vorhanden, erfüllt in Empires of the North allerdings eine deutlich untergeordnete Funktion. Hin und wieder könnt ihr eurem Rivalen eine begehrte Insel vor der Nase wegschnappen und unter Einsatz eines Zerstörungsplättchens lässt sich sogar eine Ortskarte im Feindgebiet erschöpfen. Doch das war es im Großen und Ganzen auch schon. In der Regel spielt jeder Clan schon ein wenig alleine vor sich hin, bevor am Spielende der Sieger gekürt wird. Glücklicherweise halten sich die Wartezeiten auf den eigenen Zug noch in Grenzen, da ihr immer nur eine einzige Aktion durchführt und den Staffelstab dann an den nächsten Spieler weitergebt. In der Zwischenzeit könnt ihr schon einmal in Ruhe euren nächsten Zug planen. Die Chancen stehen gut, dass euch kein anderer Spieler dabei einen Strich durch die Rechnung macht. Trotz der spärlichen Interaktion hat mir Imperial Setters: Empires of the North sehr gut gefallen. Die gut aufeinander abgestimmten Mechaniken und das gute Balancing der einzelnen Völker heben das Spiel in die Spitzengruppe der Aufbauspiele.

Pros

Cons

+ sechs völlig unterschiedliche Völker wählbar

- geringer Interaktionsgrad

+ Charme des Originals bleibt erhalten

+ leicht erlernbar

+ gutes Spielmaterial

+ auch alleine spielbar

+ gutes Regelwerk

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