Escape Tales: Low Memory kommt über Kosmos in den deutschsprachigen Handel und kostet zwischen 25€ und 30€.
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Escape Tales: Low Memory kommt über Kosmos in den deutschsprachigen Handel und kostet zwischen 25€ und 30€.

Escape-Room mit dem Spielgefühl eines Adventures

Escape Tales Low Memory im Test: Rätselknacken mit Cyberpunk-Story

  • vonSebastian Hamers
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Escape Tales: Low Memory erzählt einen SciFi-Thriller aus drei unterschiedlichen Perspektiven, eine gute Melange aus Story und Rätselaufgaben.

Die Welle neuer Escape-Room-Spiele will einfach nicht abebben. Was vor einigen Jahren als bedächtiger Trend begann, hat sich inzwischen zu einem bedeutsamen Genre innerhalb der Brettspiel-Welt entwickelt. So ist es auch kein Wunder, dass immer mehr neue Verlage auf knackige Rätselspiele setzen. Einer der Pioniere auf diesem Gebiet ist der Kosmos-Verlag, der mit der Exit-Reihe einen echten Benchmark gesetzt hat. Kosmos sieht in der Sparte der Escape-Room-Spiele allerdings wohl noch viel mehr Potential und hat mit Escape Tales eine weitere vielversprechende Reihe mit hohem Rätselanteil in den Handel gebracht. Nach dem hochgelobten Auftakt „The Awakening“ ist jetzt endlich auch die Fortsetzung verfügbar. Bei Escape Tales: Low Memory werdet ihr diesmal allerdings in ein vollkommen anderes Setting geworfen, das sich vor allen an Fans von Cyberpunk-Spielen à la Shadowrun richtet.

Die Exit-Spiele von Kosmos haben sich über die letzten Jahre viele Fans erarbeitet. Kein Wunder, die Serie besticht durch gut designte Rätselkost. Wer sich für eines der zahlreichen Exit-Spiele entscheidet, kann Qualität auf hohem Niveau erwarten. Eine tiefgründige Geschichte, die alle Rätsel miteinander verbindet, gibt es allerdings eher nicht dazu. Die Spiele verfügen zwar über eine lose Rahmenhandlung, doch im Vordergrund steht auf jeden Fall das Lösen der Rätselaufgaben. Die Escape Tales verfolgen einen etwas anderen Ansatz. Der Name lässt es schon erahnen, die Geschichte bekommt eine deutlich stärkere Gewichtung als bei den meisten anderen Escape-Room-Erlebnissen.

Escape Tales: Low Memory setzt Schwerpunkt auf Storytelling

Erzählt wird die Geschichte hauptsächlich über drei Story-Bücher. Bei Low Memory gibt es zwar einen umfassenden Plot, der sich über alle drei Bücher erstreckt, allerdings wird die Geschichte immer wieder aus der Perspektive eines anderen Protagonisten erzählt. Ein ziemlich cooler Ansatz, denn so wird die Handlung auf vielfältige Art vermittelt und es werden immer wieder andere Aspekte eines Vorgangs beleuchtet. Um die Dramaturgie der Geschichte nicht zu gefährden, spielt ihr die drei Abschnitte in einer vorgegebenen Reihenfolge. So profitiert ihr beim Spielen von einer gelungenen Verzahnung der Erzählstränge.

Der Schauplatz des Spiels wechselt ständig. Die Raumkarten geben euch einen Überblick über das aktuelle Setting und beinhalten auch gerne so manchen Hinweis.

Die Geschichte setzt an im Jahr 2060, in der ihr zunächst die Rolle der jungen Forscherin Elizabeth Weber einnehmt. Miss Weber und ihr Mann Ben, der seine Brötchen als Sicherheitsexperte verdient, bewohnen gemeinsam ein modernes Anwesen. An diesem Tag verbringt Elizabeth die Zeit jedoch alleine im Haus. Die Familie ist bereits in den wohlverdienten Urlaub entschwunden, während sie selbst noch fleißig mit ihrem Forschungsprojekt beschäftigt ist. Nur noch kurze Zeit, dann wird Elizabeth zu ihrer Familie in den Urlaub nachreisen. Die Ausgangslage klingt eigentlich noch ganz idyllisch, dann überschlagen sich allerdings die Ereignisse. Am Tag darauf herrscht totales Chaos im Haus. Was ist passiert?

In Escape Tales: Low Memory setzt sich die Geschichte stückweise zusammen

Genau dieser Frage geht ihr zu Beginn eures Abenteuers nach. Der Kopf dröhnt und eigentlich kann Elizabeth im Augenblick keinen klaren Gedanken fassen. Handelt es sich möglicherweise um einen Einbruch? Dazu hätte der Einbrecher zunächst Bens Hochsicherheitssystem knacken müssen. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Elizabeth entschließt sich, ihre Spuren zurückzuverfolgen, um den Vorkommnissen auf die Schliche zu kommen. Möglicherweise kann die moderne Technik dabei behilflich sein, mit der das Anwesen der Webers vollgestopft ist?

Ihr könnt die einzelnen Bereiche eines Raumes erkunden, indem ihr Aktionsscheiben auf die Plankarte legt. Leider ist die Zahl der Aktionen begrenzt. Ihr müsst euch also entscheiden.

Mit den weiteren Nachforschungen nimmt die Geschichte dann so langsam Fahrt auf. Dabei geht es auch nicht immer ganz zimperlich zur Sache. Deshalb empfiehlt der Verlag auch ein Mindestalter von 18 Jahren. Außerdem solltet ihr euch für euren Escape-Room-Ausflug ein ordentliches Zeitfenster einplanen. Für jedes Abenteuer müsst ihr zwischen zwei und drei Stunden einplanen. Als kleiner Spielesnack für zwischendurch eignet sich Escape Tales: Low Memory nicht sonderlich. Habt ihr euch mit dem Zeitbudget verschätzt, könnt ihr den Spielstand notfalls allerdings „zwischenspeichern“ und das Spiel zu einem anderen Zeitpunkt fortsetzen.

Mehr Geschichte, weniger Regeln in Escape Tales: Low Memory

Die Autoren von Escape Tales: Low Memory haben einen großen Stellenwert auf einen möglichst reibungslosen Ablauf der Geschichte gelegt. Ihr könnt das Spiel nicht verlieren oder in einer Sackgasse landen, aus der ihr nicht mehr herauskommt. Das Spiel bietet euch immer die Option, einen Hinweis oder im Notfall auch die komplette Lösung einzusehen. Punktabzug oder eine andere Strafe gibt es dafür nicht. Dennoch werdet ihr im Spielverlauf einige gewichtige Entscheidungen treffen müssen, die den Verlauf der Geschichte erheblich beeinflussen. Das Ende der Handlung hängt somit ganz von euch ab.

Dreh- und Angelpunkt sind die Rätselkarten im Spiel. Eure Lösung könnt ihr auf der Website zum Spiel eingeben.

Das schlanke Regelwerk sollte ebenfalls keinen großer Störfaktor beim Durchspielen darstellen. Im Wesentlichen folgt ihr lediglich den Anweisungen auf den Karten. Diese führen euch schrittweise durch die Handlung. Hin und wieder müsst ihr gleich mehrere Karten ziehen, um einen bestimmten Ort auszulegen. Dem Spiel liegt eine kleine Raum-Tafel mit einem 4x3 Raster bei, auf dem ihr die Karten zu einer Örtlichkeit zusammenfügt. Jetzt könnt ihr die verschiedenen Bereiche des Orts ganz genau unter die Lupe nehmen. Dazu stehen euch Aktionsscheiben zur Verfügung, die ihr auf einzelne Kartenabschnitte platziert. Leider besitzt ihr häufig nicht genug Scheiben, um jeden Raum bis ins kleinste Detail zu erkunden. Ihr müsst also eine Vorauswahl treffen oder aber eine Stress-Karte ziehen.

Escape Tales: Low Memory ohne Zeitdruck genießen

Die Stress-Karten erlauben es euch, zusätzliche Aktionen durchzuführen, bergen aber auch gewisse Nachteile. Nutzt ihr die Stress-Karten zu häufig, kann sich dies auf den Spielverlauf und auf das Ende der Geschichte auswirken. Ansonsten wollt ihr aber eigentlich so viele Karte wie möglich aufdecken. Dreh- und Angelpunkt des Spiels sind die Rätselkarten. Nicht immer lassen sich die Aufgaben ohne weiteres Material lösen. Manchmal braucht es weitere Karten, die euch einen Hinweis auf die Lösung geben. Allerdings kann auch die aktuelle Spielumgebung zur Lösung des Problems beitragen. Guckt euch also den Spielplan immer ganz genau an.

Escape Tales: Low Memory kommt über Kosmos in den deutschsprachigen Handel und kostet zwischen 25€ und 30€.

Um Escape Tales: Low Memory zu spielen, benötigt ihr weiterhin ein Smartphone oder einen Rechner. Alle Rätselaufgaben werden auf einer Website zusammengefasst. Stößt euch eine Rätselkarte auf eine neue Aufgabe, klickt ihr diese einfach im Browser an. Jetzt wird euch angezeigt, wie viele Zeichen die Lösung enthält. Habt ihr das Rätsel geknackt, gebt ihr die richtige Zeichenfolge einfach per Tastatur ein. Steht ihr mal auf dem Schlauch, bietet euch die Website mehrere Hinweise an, die euch hoffentlich in die richtige Richtung lenken.

Escape Tales: Low Memory erweist sich als ziemlich gnädig, wenn ihr Hinweise einfordert. Es gibt keinerlei Strafen oder negative Folgen für den Verlauf der Story. Für beinharte Rätselknacker mag das etwas ungewohnt sein. Da es in Low Memory aber das Erleben der Geschichte im Vordergrund steht, könnt ihr euch so viel entspannter auf die Charaktere und die Handlung konzentrieren. Escape Tales: Low Memory kommt über den Kosmos-Verlag in den deutschsprachigen Handel, ist für ein bis vier Spieler ab achtzehn Jahren geeignet und kostet zwischen 25€ und 30€.

Fazit: Die Mischung aus Story und Rätselknacken bringt Escape Tales: Low Memory die folgende Testwertung ein

Escape Tales: Low Memory – So gut schneidet die Mischung aus Cyberpunk und Rätselraten im Test ab.

Nachdem ich den ersten Teil der Escape Tales: The Awakening verpasst hatte, war ich auf den Nachfolger Low Memory besonders gespannt. Als alter Shadowrunner hat mich das Cyberpunk-Szenario sofort angesprochen, ebenso die Mischung aus Rätselknacken und dem Erleben eines packenden SciFi-Thrillers. Diese schwierige Melange ist den Machern gut gelungen. Die Geschichte kommt zwar etwas langsam in Gang, zieht im Verlauf des Spiels dann aber doch noch gut an. Die drei Abschnitte des Spiels werden von einer Gesamthandlung überspannt, jede Episode wird dabei allerdings aus dem Blickwinkel eines anderen Charakters erzählt. Mir hat dieser innovative Ansatz gut gefallen, obwohl so natürlich die Identifikation mit dem Protagonisten etwas abfällt. Die Rätselkost bewegt sich auf einem ordentlichen Niveau, schwanken allerdings im Schwierigkeitsgrad schon recht stark. Als Auflockerung gibt es immer mal wieder ein leichtes Rätsel, bevor ihr euch wieder mit einem echten Brocken befassen müsst. Angenehm habe ich zudem das Hilfesystem von Escape Tales: Low Memory erlebt. Für jede Aufgabe gibt es mehrstufige Hilfen, die euch auf die Lösung stoßen. Den Verzicht auf Strafpunkte für das Nehmen eines Tipps und auf ein Time-Limit begrüße ich ebenfalls. So lässt sich die Cyberpunk-Story viel entspannter genießen. Low Memory spielt sich fast ein wenig wie ein klassisches Adventure, eine interaktive Geschichte mit knackigen Rätselaufgaben.

ProsCons
+ drei verschiedene Erzählperspektiven- schwankendes Rätselniveau
+ gute Mischung aus Story und Rätsellösen
+ Cyberpunk-Szenario
+ es muss kein Material vernichtet werden

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