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Familiar Tales im Test: Das familienfreundliche Kampagnenspiel

Erstellt:

Von: Sebastian Hamers

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Familiar Tales von Plaid Hat Games erscheint in der deutschen Fassung über Asmodee und kostet ca. 65€. © Asmodee

Plaid Hat Games ist bekannt für intensive Brettspiele. Mit Familiar Tales setzt der Verlag die Tradition in familienfreundlicher Art und Weise fort.

Kulturschaffende haben es im Jahr 2023 nicht gerade leicht. Der Konkurrenzkampf um das Geld und nicht zuletzt die Zeit der Konsumenten ist riesig. Gute Unterhaltung wartet praktisch an jeder Ecke auf uns. Streamingplattformen, Gaming-Flatrates und E-Books stehen auf Knopfdruck bereit und versuchen den traditionellen Unterhaltungsformen den Markt abzugraben. Auch die Brettspielbranche hat sich in den letzten Jahren stark in Stellung gebracht, um neue Käuferschichten zu erschließen. Die Verlage gehen mit vielen frischen Ideen an den Start, wandeln immer häufiger auf ungewöhnlichen Wegen und schrecken selbst vor multimedialer Unterstützung nicht zurück. Auf diese Weise sind spannende Hybriden entstanden, die sich in einer Nische irgendwo zwischen Video- und Brettspiel einsortieren. Einer der erfolgreichsten Lieferanten von Spielen dieses Genres sind die Kreativköpfe von Plaid Hat Games. Die Macher von Spielen wie Aftermath oder Forgotten Waters haben auf der SPIEL 22 in Essen mit Familiar Tales wieder einen neuen Titel aus dem Hut gezaubert.

Märchenhaftes Familiar Tales

Wer bereits einmal ein Spiel aus dem Hause Plaid Hat Games gespielt hat, dem wird die hier angewandte Formel bekannt vorkommen. Bei Familiar Tales steht ein dickes Storybook im Mittelpunkt des Spiels. In jedem Teilabschnitt des Abenteuers wird eine neue Doppelseite aufgeschlagen, die euch in einen weiteren Abschnitt einer märchenhaften Welt entführt. Flankiert wird das Spielgeschehen dabei durch eine App, die sich ganz einfach per Browser aufrufen lässt. Sie ist für das Erzählen der Geschichte verantwortlich, die sich über drei Akte und etliche Kapitel erstreckt.

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Familiar Tales glänzt mit einer Story, aber auch mit einer ganzen Reihe hochwertiger Miniaturen. © Asmodee

Die Story von Familiar Tales ist absolut familienfreundlich und märchenhaft schön. Im fernen Königreich Pinzipalien strebt eine dunkle Entität nach der Macht und möchte der Königsfamilie an den Kragen. Glücklicherweise kann die Königstochter, ein kleiner Säugling, in letzter Sekunde gerettet werden. Sie findet Unterschlupf beim alten weisen Hofmagier, der sich mit seinen vier tierischen Vertrauten vom Königssitz zurückgezogen hatte. Während sich der Magus mutig dem Kampf stellt, versuchen seine Vertrauten die junge Prinzessin in Sicherheit zu bringen.

Name des SpielsFamiliar Tales
Spielerzahl1-4 Personen
Altersempfehlungab 8 Jahren
Spieldauer45 Minuten
AutorJerry Hawthorne
VerlagPlaid Hat Games/Asmodee
Preisca. 65€

Die vier Vertrauten des Magiers in Familiar Tales

Im Spiel füllt ihr die Rollen der tierischen Vertrauten aus. Als Frosch, Fuchs, Steingolem und Fee steht ihr nun vor der Herkules-Aufgabe, die Schergen des Bösen in Schach zu halten und euch gleichzeitig auch noch um ein hilfloses Kind zu kümmern. Am besten bestreitet ihr die Mission gleich zu viert. Jeder Vertrauter ist im Abenteuer absolut unverzichtbar. Nehmen weniger als vier Personen am Spiel teil, müssen einige Spieler daher für mehr als einen Vertrauten die Verantwortung übernehmen.

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In Familiar Tales durchlebt ihr eine umfangreiche Kampagne, in der ihr euch durch das Königreich Prinzipalien kämpft. © Asmodee

Märchenhaft schön ist bei Familiar Tales allerdings nicht nur die Geschichte. Auch das ganze Drumherum weiß sofort zu Bezaubern. Das fängt bei dem toll illustrierten Storybook an, geht über die detailfreudigen Miniaturen und mündet letztlich in der Gestaltung der gut funktionierenden App. Diese führt euch nicht nur geschmeidig durch die zahlreichen Kapitel der Geschichte ein, sondern kann vor allem atmosphärisch überzeugen. Ihr werdet direkt stimmungsvoll eingeleitet. Die App liefert die passende musikalische Untermalung und webt ebenso professionelle Sprecher ein, die euch ganz tief in die Welt von Prinzipalien einsaugen.

Familiar Tales ringt euch harte Entscheidungen ab

Schon während der Einführung ins Szenario müsst ihr schon erste Entscheidungen treffen, die sich auch tatsächlich auf die Fortführung der Geschichte auswirken. Auf diese Weise interagiert ihr auf direkte Art und Weise mit der Welt und nehmt vor allem auch Einfluss auf den Werdegang der kleinen Prinzessin. Diese nimmt im Verlauf der drei Akte eine erhebliche persönliche Entwicklung und reift vom kleinen Säugling zu einer jungen Frau heran. Je nachdem wie ihr mit der jungen Thronerbin umgeht, kann ihr Lebensweg unterschiedliche Richtungen einschlagen.

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Jeder der vier Vertrauten verfügt in Familiar Tales über ein Set mit eigenem Spielmaterial, das zudem laufend erweitert wird. © Asmodee

Von hoher Bedeutung ist aber natürlich auch die Charakterentwicklung der vier Protagonisten. Eure Charaktere entwickeln sich im Spielverlauf ebenfalls ständig weiter. Die Tiere sammeln während des Abenteuers Erfahrungspunkte, die wiederum in neue Fertigkeiten investiert werden dürfen. Fertigkeiten werden in Familiar Tales durch Karten dargestellt. Ein paar wenige Karten befinden sich bereits zum Spielbeginn in eurem persönlichen Stapel. Über eine offene Kartenauslage dürft ihr euer Tier mit neuen Fertigkeiten ausstatten, die ihr im Optimalfall natürlich gut aufeinander abstimmt. In welche Richtung sich der eigene Vertraute entwickelt, habt ihr zu einem guten Teil also selbst in der Hand. Um die Abenteuer zu bestehen, reichen euch talentierte Charaktere allein aber vermutlich nicht aus. Erst durch die passenden Ausrüstungsgegenstände könnt ihr euch gegen die Schergen des Bösen effektiv zu Wehr setzen. Neues Equipment gibt es ebenfalls über eine Kartenauslage. Allerdings werden hier keine Erfahrungspunkte fällig, sondern müsst erstmal das notwendige Material beschaffen, um die Ausrüstungsgegenstände zusammenklöppeln zu können.

Familiar Tales mit zugänglichem Regelwerk

Mit ausreichend Erfahrung und einer guten Ausrüstung seid ihr dann auch bereit für den Kampf. Scharmützel mit den Streitern der dunklen Mächte wird es regelmäßig geben. Im Storybook findet ihr eine strategische Karte, auf der ihr die Feinde sowohl im Nah- als auch im Fernkampf stellen könnt. Die Kampfregeln sind gar nicht mal so komplex. Je nach Angriffsart müsst ihr eine Probe auf ein bestimmtes Attribut ablegen. Wie schwer die Probe ausfällt, hängt natürlich von der Widerstandsfähigkeit des Gegners ab.

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Das Storybook führt euch in Familiar Tales durch die Geschichte des Spiels und ersetzt gleichzeitig das klassische Spielbrett. © Asmodee

Im Kampf dürfen Karten eingesetzt werden, um den gewünschten Attributwert zu erhöhen. Modifiziert wird dieser Wert jetzt nur noch durch einen Glückswürfel, der euch sowohl einen Bonus als auch einen Malus einbringen kann. Habt ihr die Probe bestanden, richtet ihr jetzt Schadenspunkte an, so wie auf der ausgerüsteten Waffe angegeben. Kinderleicht also. Das Konzept der Proben kommt bei Familiar Tales regelmäßig zum Einsatz, nicht nur im Kampf. So sind alle vier Attribute Stärke, Klugheit, Gewandtheit und Ausdauer gleichermaßen relevant.

Familiar Tales kommt in gut portionierten Spielehäppchen daher

Dank der einfachen Regeln kommen auch jüngere Spieler mit dem Reglement von Familiar Tales schnell zurecht. Ein gewisses Maß an taktischem Gespür ist aber dennoch erforderlich, um die Vertrauten sicher durch die Welt von Prinzipalien zu führen. Die Karten lassen sich auf vielfältige Art und Weise nutzen. Sie sind im Kampf ebenso von Bedeutung wie bei der Bewältigung anderer Proben. Außerdem bringen viele Karten noch zusätzliche Effekte ins Spiel oder lassen sich als Sonderaktion ausspielen. Sogar für die Bewegung der Vertrauten sind die Spielkarten verantwortlich. Ihr solltet mit euren Ressourcen also schon ein wenig haushalten… und vor allem euer Kartendeck im Spielverlauf geschickt zusammenstellen und ausweiten.

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Familiar Tales besticht durch tolles Spielmaterial, das den Anschaffungspreis von 65€ rechtfertigt. © Asmodee

Dennoch macht es euch das Spiel ziemlich leicht, ohne großes Regellesen ins Abenteuer einzusteigen, da viele Funktionen von der App übernommen werden. Familienfreundlich zeigt sich Familiar Tales auch hinsichtlich der Spieldauer. Für einen Spielabschnitt benötigt ihr in der Regel nicht länger als eine halbe bis dreiviertel Stunde. Da auch der Spielaufbau nicht lange aufhält, lässt sich das Spiel auch problemlos mal zwischendurch auf den Tisch bringen. Ob es dann bei einer Partie bleibt, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Seid ihr erstmal in die Story eingetaucht, entfaltet das Spiel schnell eine enorme Sogwirkung. Familiar Tales ist für ein bis vier Personen ab acht Jahren geeignet. Ihr findet das Spiel ab sofort zum Preis von etwa 65€ im Handel.

Fazit: Familiar Tales bietet ein atmosphärisch starkes Spielerlebnis für die ganze Familie und verdient sich so diese märchenhafte ingame-Testwertung.

Wertungsgrafik Familiar Tales
Familiar Tales bezaubert mit einer tollen Geschichte, detailreichen Figuren und zugänglichen Regeln. Damit hat sich das Spiel diese märchenhafte ingame-Testwertung redlich verdient. © ingame.de

Familiar Tales ist mehr so viel mehr als nur ein Brettspiel. Familiar Tales bietet multimediale Unterhaltung für die ganze Familie auf hohem Niveau. Es bewahrt dabei dennoch die Kerntugenden eines Brettspiels. Alle Aktionen, die man gerne analog durchführt, bleiben von der App unangetastet. Karten ziehen, würfeln oder das Bewegen der detailreichen Miniaturen… all diese Aufgaben dürft ihr in Familiar Tales selbst und ganz ohne digitale Helferlein durchführen. Die App ist vor allem für den erzählerischen Hintergrund zuständig. Stimmungsvolle Hintergrundmusik und tolle Sprecher sorgen dafür, dass ihr ganz tief in die Welt von Prinzipalien eintauchen könnt. Häufig wird es emotional. Das Spiel ringt euch einige bedeutsame Entscheidungen ab, die sich auch tatsächlich auf den Spielverlauf und sogar die Weiterentwicklung der jungen Prinzessin auswirken. Auf diese Weise fühlt man sich tatsächlich stark involviert und nicht nur als Teilnehmer in einem mechanischen Spielablauf. Die Mechanik steht bei Familiar Tales ohnehin nicht im Vordergrund, dennoch verrichtet sie ordentliche Arbeit. Die Abläufe sind wirklich nicht banal, sondern fordern durchaus einige taktische Überlegungen. Die Ausgestaltung des eigenen Kartendecks, neue Fertigkeiten und besseres Equipment, spielen schon eine wichtige Rolle, wenn ihr die Abenteuer in Prinzipalien bestehen wollt. Familiar Tales bietet eine tolle Spielerfahrung für die ganze Familie und bringt Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen zusammen. Das Spiel wandelt geschickt auf dem schmalen Grat, um derart unterschiedliche Spielertypen unter einen Hut zu bringen. Chapeau, Plaid Hat Games!

ProCon
+ tolles Spielmaterial- spielt sich am besten mit exakt vier Personen
+ schöne interaktive Geschichte
+ Web-App mit schöner Musik und tollen Sprechern
+ atmosphärisch stark
+ zugängliches Regelwerk
+ bringt unterschiedliche Zielgruppen an einen Tisch

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