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Zwei gestapelte Spielchips stellen einen General dar. Er verfügt über eine größere Reichweite als der einfache Soldat.

In der Tradition von Schach und Dame

Fenix im Test: Taktik-Spiel mit Auf-die-Fresse-Dynamik

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Fenix erinnert an Schach und Dame, hat aber einen besonderen Clou. Fällt der König, kann er wie der Phönix wieder aus der Asche auferstehen.

Besuch im Brettspielladen. Ich plaudere entspannt mit dem Inhaber über die packendsten Neuheiten und Nerd-Spiele. Zwischenzeitlich werden natürlich auch Kunden bedient. Sie scheinen aber unsere Begeisterung für die neuen Titel von der Messe nicht unbedingt zu teilen. Haben Sie auch Phase 10? Welche Version von Monopoly würden Sie empfehlen für eine 10jährige? Wo stehen denn hier die UNO-Spiele? Obwohl jedes Jahr ziemlich viel heißer Scheiß veröffentlicht wird, die Klassiker sind bei einem großen Teil der Kundschaft immer noch schwer gefragt. Die meisten Gelegenheitsspieler greifen lieber auf Altbekanntes zurück, statt sich durch einen dicken Regelwälzer zu arbeiten. Doch was passiert, wenn traditionelle Spielkonzepte mit modernen Ideen garniert und somit etwas aufgemotzt werden? Dann steht plötzlich ein Spiel wie Fenix von Huch-Verlag im Regal meines Lieblingshändlers.

Es geht ums Überleben. Die große Schlacht steht unmittelbar bevor. Vor euch breiten sich zwei Armeen aus, die sich gegenüberstehen und nur darauf warten, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Mitten im Getümmel befinden sich auf jeder Seite noch drei Generäle und auch der König selbst hat sich nicht in seinem Schloss verkrochen, sondern kämpft tapfer Seite an Seite mit seinen Recken. Habt ihr das Bild gut vor Augen? Gut, denn ihr braucht schon etwas Vorstellungskraft, um euch in dieses Setting einzufühlen. Fenix ist ein abstraktes Spiel und steht ganz in der Tradition von Dame und Schach, das Spiel der Könige.

Streitkräfte bereitmachen

Fenix besteht aus einem Spielplan sowie 56 Spielsteinen. Fertig! Keine Karten, keine Würfel, kein sonstiger Schickschnack! Ganz wie die beiden Klassiker hängt der Sieg einzig von euren taktischen Fähigkeiten ab. Zunächst baut ihr die Spielsteine gleichmäßig auf dem Spielbrett auf. Jede Partei wird in eine Ecke verfrachtet, so dass sich beide Armeen gegenüberstehen. Dabei bilden die Steine zwei Dreiecke, die fast das gesamte Spielfeld einnehmen. In der Mitte bleibt lediglich ein kleiner freier Streifen, bevor die Streitkräfte dort aufeinanderprallen.

So sieht die Startaufstellung von Fenix aus.

Bevor es aber tatsächlich in die Schlacht geht, werden die drei Generäle ernannt und auch der König gekürt. Während die Soldaten lediglich aus einem Spielchip bestehen, werden für die Generäle gleich zwei Steine aufeinandergetürmt. Stapelt dazu einfach einen beliebigen Stein auf einen benachbarten, schon habt ihr euren ersten General ernannt. Auf diese Weise ernennt ihr insgesamt drei Generäle. Der König wird nach dem gleichen Muster ausgewählt, besteht aber aus drei Spielsteinen.

Der König ist tot, lang lebe der König

Das Ziel des Spiels liegt auf der Hand. Ihr müsst den König der Gegenpartei schlagen. Womit wir auch gleich bei dem besonderen Feature von Fenix werden. Wie Phönix aus der Asche, kann der König, wie auch seine Generäle, plötzlich wieder von den Toten auferstehen. Wird euer König geschlagen, habt ihr genau einen Zug Zeit, um einen neuen König zu ernennen. Dazu müsst ihr nur einen einfachen Soldaten auf einen General ziehen. Schon hat ihr einen Dreierturm gebaut und der König ist wieder im Spiel. Die Schlacht kann weitergehen.

Zwei gestapelte Spielchips stellen einen General dar. Er verfügt über eine größere Reichweite als der einfache Soldat.

Gleiches gilt sogar für die Generäle. In der Runde nach dem Ableben des Heerführers, dürft ihr zwei benachbarte Soldaten vereinen und so einen neuen General ernennen. Die Option besteht aber tatsächlich nur für die Zeit von einer Runde. Wenn ihr die Gelegenheit nicht direkt nutzt (oder nutzen könnt), habt ihr die Chance auf einen neuen General verwirkt und müsst ab sofort mit einem General weniger auskommen.

Anleihen bei klassischen Spielen

Die Regeln für das Bewegen der Einheiten sind ziemlich eingängig. Da es nicht wie beim Schach eine ganze Handvoll Figuren mit unterschiedlichen Bewegungsabläufen gibt, geht euch der Ablauf sofort in Fleisch und Blut über. Die einfachen Soldaten können sich um ein Feld in eine beliebige Richtung bewegen, allerdings nicht diagonal. Die Generäle haben eine deutlich größere Reichweite. Diagonale Züge sind ihnen zwar auch nicht erlaubt, aber sie dürfen sich beliebig viele Felder weit bewegen. Sie spielen sich also genau wie der Turm beim Schach. Bleibt noch der König. Er darf sich nur ein Feld weit bewegen, jedoch auch in diagonaler Richtung.

Schnell fallen die ersten Soldaten und das Schlachtfeld lichtet sich.

Das Schlagen der gegnerischen Steine erinnert stark an das klassische Dame-Spiel. Geschlagen wird immer durch das Überspringen eines feindlichen Steins. Der Soldat kann einen benachbarten Gegner überspringen, indem er sich auf ein freies Feld direkt dahinter platziert. Der geschlagene Stein wird dann aus dem Spiel genommen. Die Generäle sind besonders mächtig. Sie dürfen beliebig viele freie Felder überspringen und sich sogar für ein freies Feld nach dem Überspringen des Gegners entscheiden. Allerdings darf nie mehr als ein Stein übersprungen werden.

Wie Schach auf Drogen

Wie bei Dame gibt es auch in Fenix den Zwang, einen feindlichen Stein zu schlagen. Habt ihr die Option, einen gegnerischen Stein aus dem Spiel zu entfernen, müsst ihr diese Aktion auch durchführen. Das gilt natürlich auch dann, wenn sich die Bewegung letztlich nachteilig auf euch auswirkt. Habt ihr einen Stein geschlagen und es besteht direkt eine neue Möglichkeit einen weiteren Gegner aus dem Spiel zu nehmen? Dann geht der Zug direkt weiter und ihr müsst auch diesen Schlag durchführen. Manchmal ergeben sich im Spielverlauf so coole Mehrfach-Kombis, die natürlich besonders viel Spaß machen… zumindest, wenn man dabei auf der aktiven Seite steht.

Für den König wird es eng, er wird vom feindlichen General umlagert.

Durch den Schlagzwang entsteht ein besonders zielstrebiger Ablauf. Endloses Rumtaktieren bleibt euch so größtenteils erspart. Am Ende, wenn nur noch wenige Steine auf dem Feld liegen, kann es zwar nochmal zu einem Steinchengeschiebe kommen, der überwiegende Teil des Spiels ist jedoch geprägt durch eine aggressive Auf-die-Fresse-Dynamik. Deshalb bleibt auch die Spieldauer überschaubar. Nur eine knappe halbe Stunde dauert eine Partie. Für etwas schnellere Gefechte könnt ihr auch die Rückseite des Spielbretts wählen. Das Raster ist hier etwas kleiner und es kommen auch ein paar weniger Steine zum Einsatz.

Fenix kommt über Huch in den Handel und ist ab sofort verfügbar. Empfohlen wird das Spiel ab acht Jahren. Preislich müsst ihr mit etwa 25€ rechnen.

Fazit: Mit dieser Testwertung steigt Fenix aus der Asche auf

Fenix im Test: So schneidet der aufgemotzte Klassiker ab.

Fenix weist viele Parallelen zu Schach auf, dem Spiel der Könige. Noch ein paar mehr Gemeinsamkeiten hat es, meiner Meinung nach, aber zum Klassiker Dame. Damit steht Fenix tief in der Tradition von zwei der bekanntesten und beliebtesten Spiele überhaupt. Dank der vereinfachten Bewegungsabläufe der Figuren ist es jedoch leichter zu erlernen als Schach, spielt sich aber ebenso taktisch. Nichts wird dem Zufall überlassen. Das Spiel liegt in eurer Hand, es kommt einzig und allein auf eure taktischen Fähigkeiten an. Der besondere Clou des Spiels liegt aber natürlich in der Phönix-Mechanik. Verloren geglaubte Generäle oder gar Könige stehen plötzlich wieder auf und geben der Streitmacht neue Hoffnung. Fenix hat einen sehr zielstrebigen Ablauf und spielt sich dadurch ziemlich flott. Der Schlagzwang verleiht dem Spiel ordentlich Dynamik. Zum langen Herumtaktieren gibt es nicht viel Raum. Wenn sich das Spielfeld ein wenig geleert hat, kommt es auch häufig zu coolen Kettenreaktionen, die für reichlich Belebung sorgen. Fenix ist ein Spiel für Taktik-Fans, die auf Glückselemente vollkommen verzichten können und vor einer abstrakten Spielgestaltung nicht zurückschrecken. Wenn ihr mit Schach und Dame etwas anfangen könnt, dann ist Fenix eine richtig gute und vor allem schnelle Alternative.

PROS

CONS

+ taktisch fordernd

- abstraktes Design

+ mit Anleihen von Schach und Dame

- nur zu zweit spielbar

+ doppelseitiges Spielfeld

+ aggressive Spieldynamik

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