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Getrieben wird das Spiel über die Aktionskarten. Sie ermöglichen euch die Durchführung von acht unterschiedliche Aktionen.

Öko-Candy Crush ohne In-App-Abzocke

Fish'n'Flips im Test: Der Geheimtipp direkt von der SPIEL

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Mehr als das übliche Match 3. Fish'n'Flips zeigt, wie umweltbewusstes Knobeln funktioniert.

Die SPIEL 2019 ist vorbei. Mehr als 200.000 Messebesucher haben den absoluten Overkill hinter sich. Über 1.500 neue Brett- und Kartenspiele wurden in den Essener Messehallen gezeigt. Wer soll da noch den Überblick behalten und das alles spielen? Die Gefahr, in der bombastischen Menge an Spieleneuheiten unterzugehen, ist ziemlich groß. Während sich die großen Verlage einer gewissen Aufmerksamkeit sicher sein können, ist es für Neuverlage und Ein-Mann-Projekte schwer, das Interesse der Spieler zu erregen. So manche Perle geht einem möglicherweise durch die Lappen. Bei Gaiagames präsentierte Autor Kevin Luhn sein Kartenspiel Fish'n'Flips. Das Spiel möchte nicht nur auf den bedenklichen Zustand der Ozeane aufmerksam machen, sondern geht mit ökologischen Materialien gleich mit gutem Beispiel voran. Achja, ein gutes Spiel ist es zudem auch noch geworden.

Habt ihr schon gewusst, dass ein großer Teil des Fischfangs aus unverwertbarem Beifang besteht? Jährlich werden rund 38 Millionen Tonnen Fisch sinnlos aus dem Meer gezogen. Genau dieses Problem wollt ihr in Fish’n’Flips angehen und den Beifang aus den Netzen der Fischer befreien. Keine leichte Aufgabe. Das Meer ist leider mit Plastik und anderem Unrat total zugemüllt. Jährlich landen etwa 8 Millionen Tonnen Plastikabfall in den Meeren. Das macht es uns als Umweltschützer nicht gerade leichter, die Fische aus den Fischernetzen zu befreien.

Wie Candy, nur besser

Vom Spielablauf her erinnert Fish'n'Flips ein wenig an Candy Crush, Bejeweled oder andere Match-3-Spiele. Auch ein paar Referenzen an Tetris, den Urvater aller Knobelspiele, lassen sich erkennen. Das Spielfeld wird zunächst aus drei Reihen mit jeweils vier Spielkarten ausgelegt. Auf jeder Karte seht ihr einen Meeresbewohner, der sich bereits im Netz des Fischers verfangen hat. Zum Beifang zählen Delfine, Schildkröten, Schwertfische und sogar Wale. Sie düsen wild durch das Netz und versuchen sich daraus zu befreien. Eure Aufgabe besteht nun darin, ihre Ausbruchsversuche zu koordinieren und so für die Befreiung der Tiere zu sorgen.

Bei Spielbeginn befinden sich bereits drei Reihen mit jeweils vier Karten im Netz des Fischers.

Etwas oberhalb der Reihen befindet sich schon das Fischerboot. Der Fischer muss nur darauf warten, dass sich sein Netz füllt und kann dann seine Beute einholen. Nach jedem Zug wandern neue Fischkarten in die Auslage. In jeder der vier Spalten wird je eine neue Karte ausgelegt. Das Ganze könnt ihr euch fast wie bei Tetris vorstellen. Wenn es euch nicht gelingt, regelmäßig Steine zu entfernen, füllt sich der Trichter und ihr habt das Spiel bald verloren. In Fish'n'FlipsF verliert ihr die Partie, wenn auch nur eine Fischkarte in der siebten Reihe ausgelegt wird.

Flippen, Bewegen, Tauschen

Doch wie können nun die Meeresbewohner aus dem Netz entfliehen? Eine Flucht ist nur in Schwärmen möglich. Als Schwarm gelten bereits zwei benachbarte Tiere der gleichen Art, die in dieselbe Richtung schwimmen. Jetzt müsst ihr die Meeresbewohner nur noch bewegen und schon entkommen sie wieder in die Weiten des Ozeans. Bewegungen der Meerestiere könnt ihr über verschiedene Aktionskarten erwirken.

Getrieben wird das Spiel über die Aktionskarten. Sie ermöglichen euch die Durchführung von acht unterschiedliche Aktionen.

Je nach Zahl der Mitspieler könnt ihr jeweils pro Runde auf zwei bis vier Aktionskarten zurückgreifen. Eure Aktionsauswahl ist also begrenzt. Insgesamt liegen dem Spiel zwanzig Aktionskarten mit acht unterschiedlichen Aktionen bei. Ein zentrales Element nimmt dabei das Flippen der Fischkarten ein. Beim Flippen dreht ihr eine Karte einfach auf die andere Seite, der Meeresbewohner schwimmt nun in die entgegengesetzte Richtung. Auf diese Weise könnt ihr schon einen fliehenden Schwarm zusammenstellen. Befinden sich zwei Tiere der gleichen Spezies neben- oder übereinander, blicken aber in unterschiedliche Richtungen, könnt ihr durch einfaches Flippen eines Tieres schon einem Schwarm zur Flucht verhelfen.

Irrwitzige Super-Kombos

Das Flippen eines Meeresbewohner zählt bereits als Bewegung. Damit sind alle Bedingungen erfüllt. Der geflippte Fisch nimmt alle umliegenden Tiere seiner Art, die in die gleiche Richtung zeigen, mit auf die Reise und entkommt aus den Fängen des Fischers. Fast alle Aktionskarten weisen im Spiel eine solche Flip-Komponente auf. Je nach Karte dürft ihr mal nur einen einzigen Fisch flippen, mal ist es eine ganze Reihe oder ein Block aus vier benachbarten Tieren. Einige Karten erlauben euch aber auch den Tausch von zwei benachbarten Meerestieren. Durch das Vertauschen der Positionen lassen sich natürlich ebenso Schwärme aus dem Netz entfernen, da auch ein Positionswechsel als Bewegung gewertet wird.

Mit der Übersicht habt ihr stets alle Aktionsmöglichkeiten im Blick.

Habt ihr einen Schwarm bewegt, dürft ihr alle zugehörigen Karten aus der Auslage entfernen. Etwaige entstandene Lücken werden direkt gefüllt, da alle Meeresbewohner nach unten rücken. Die neu entstandene Konstellation kann sich sofort positiv auswirken. Schließlich zählt auch das Nachrücken der oberen Fische als Bewegung. Manchmal entstehen direkt neue Schwärme, die dann ebenfalls sofort befreit werden. Mit etwas Glück oder natürlich guter Planung, springen so hin und wieder tolle Mehrfach-Kombinationen heraus. Ein echtes Glücksgefühl. Ihr kennt den Moment aus Candy Crush & Co., wenn sich gleich mehrere Reihen vor euren Augen in Luft auflösen. Pure Zufriedenheit!

Ein Spiel vieler Möglichkeiten

Durch das ständige Nachlegen neuer Karten wird die Situation im Netz des Fischers aber selten so richtig entspannt. Es gilt daher, irgendwie bis zum Ende durchzuhalten und das Erreichen der siebten Reihe zu vermeiden. Wenn der Nachziehstapel aufgebraucht wurde, endet das Spiel und eure Mission war erfolgreich. Natürlich versucht ihr dabei, möglichst wenige Fische im Fischernetz zu hinterlassen.

Im Modus für fortgeschrittene Spieler machen euch Plastikmüll, Metallschrott und Öl das Leben schwer.

Fortgeschrittene Spieler können sich die Rettungsaktion noch erschweren. Ihr könnt etwa einige Müllkarten mit ins Deck nehmen. Das ganze Plastikzeug blockiert eure Wege und verhindert das Bilden von Schwärmen. Zum Glück hat der Schwertfisch ein probates Mittel, um Plastikabfälle aus dem Netz zu schubsen. Wenn ihr einen ausbrechenden Schwertfisch-Schwarm erstellt, kann er eine benachbarte Müllkarte mit aus dem Netz herausschneiden.

Kompetitiv oder kooperativ

Im Modus für fortgeschrittene Spieler verfügen die Meeresbewohner über besondere Fähigkeiten. Am besten lassen sich die Möglichkeiten von Fish’n’Flips mit den acht Missionskarten entdecken. Die Missionen könnt ihr optional mit ins Spiel nehmen. Jede neue Mission stellt euch vor eine schwierigere Aufgabe. Während ihr euch in der ersten Mission nur mit Plastikmüll herumärgern müsst, kommen später auch noch Metallschrott und Öl hinzu. Dafür erhalten die Meeresbewohner aber auch ihre Spezialfähigkeiten, ebenso wird die Meeresfauna durch weitere Tiere wie Tintenfische oder Quallen ergänzt.

Im Missionsspiel könnt ihr auf die Spezialfertigkeiten der Meeresbewohner zurückgreifen.

Fish'n'Flips wird euch also einige Zeit beschäftigen, bevor ihr das Spiel wirklich gemeistert habt. Raum zum Experimentieren gibt es reichlich. Ihr könnt die Rettungsaktion kooperativ oder auch gegeneinander bestreiten. Das Spiel funktioniert im Solo-Modus ebenso gut wie im Teamspiel mit sechs Personen. Genau wie Candy Crush & Co. spielt sich Fish'n'Flips ziemlich schnell runter. Mehr als zwanzig Minuten braucht ihr selten für einen Durchlauf.

Da ihr Fish'n'Flips vermutlich nicht bei so schnell in der Spieleabteilung von Müller oder Thalia finden werdet, empfehlen wir den Umweg über die offizielle Seite von Gaiagames. Dort könnt ihr das Spiel zum Preis von 18€ erwerben.

Fazit: Unsere Meinung zu Fish'n'Flips

Als ich Fish'n'Flips auf der SPIEL zum ersten Mal in Augenschein genommen habe, hielt sich mein Interesse in Grenzen. Die Optik lässt eher auf ein Spiel für eine jüngere Zielgruppe schließen. Doch je mehr Details ich über Fish'n'Flips erfahren habe, desto mehr dämmerte mir, dass viel mehr hinter dem im Grunde sehr einfachen Spielprinzip steckt. Es spielt sich tatsächlich ein wenig wie Candy Crush und bietet aber doch so viel mehr. Bei Fish'n'Flips entfällt nicht nur die übliche Abzocke mit In-App-Käufen, sondern weiß die digitale Schwester auch spielerisch zu übertrumpfen. Die ersten Partien ohne das ganze Beiwerk sind noch zum Üben, machen aber schon richtig Laune. Doch richtig knifflig wird es erst, wenn ihr euch an die Erfüllung der Missionen begebt. Die letzten Aufgaben sind echt hart. Dennoch hatte ich nie das Gefühl, vor einer unschaffbaren Mission zu stehen. Mein Ehrgeiz wurde jedenfalls geweckt und mittlerweile stecken schon viele Stunden Spielzeit in Fish'n'Flips. Dabei hatte ich mein Zeitbudget doch eigentlich für die vielen „großen“ Brettspiel-Neuheiten der SPIEL verplant. Ich bereue nichts… Das kleine Kartenspiel von Gaiagames hat mich mehr gecatcht als gedacht.

Pros

Cons

+ weist Ähnlichkeiten zu Bejeweled oder Tetris auf

- grafisch eher schlicht

+ im Team oder gegeneinander spielbar

- im stationären Handel kaum verfügbar

+ enthält acht Missionen

+ gute Lernkurve

+ leicht erlernbar

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