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In Foothills müsst ihr gleich sechs Streckennetze bearbeiten.

Analoge Eisenbahn-Simulation

Foothills im Test: Das Kennerspiel für zwei Personen

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In Foothills organisiert ihr mit klugen Kartenmechaniken den Bau von gleich sechs Eisenbahnstrecken.

Brettspiele sind wundervoll! Auch als ambitionierter Gamepad-Akrobat tauche ich gerne und regelmäßig in analoge Welten ab. Etwas lästig ist dabei manchmal nur die Suche nach genügend Mitspielern. An Rechner und Konsole ist das kein Problem. Viele Spiele lassen sich bestens alleine zocken, alternativ finde ich tausende Mitspieler mit einem Klick im Netz. Bei Brettspielen ist das schon etwas schwieriger. Viele Spiele machen erst mit drei oder vier Spielern so richtig Laune. Das Problem haben natürlich auch die Autoren und Verlage erkannt. Immer mehr Titel sind genau für zwei Spieler ausgerichtet. Beim rheinhessischen Verlag Lookout wurde vor geraumer Zeit sogar eine eigene Reihe mit Zweier-Spielen eingeführt. Diese Reihe hat mit dem Eisenbahner-Spiel Foothills jüngst ein neues Mitglied erhalten.

Das Eisenbahner-Geschäft ist seit jeher verdammt hart. Es gilt ganze Regionen von Geröll zu befreien, es werden haufenweise Stein und Eisen gebraucht, Schienen müssen verlegt und Bahnhöfe errichtet werden. Und inmitten des ganzen Wahnsinns springen den Arbeitern auch noch die Passagiere vor den Füßen herum. Fernab von zu Hause bleiben den Eisenbahnern nur wenige Möglichkeiten, sich von dem Stress zu erholen. Die meisten besuchen daher regelmäßig den Pub der Eisenbahngesellschaft und hauen dort ihre sauer verdienten Kröten auf den Kopf.

Für zwei Spieler designt

Als konkurrierende Eisenbahn-Unternehmen beackert ihr sechs verschiedene Streckennetze. Der Startbahnhof steht zwar bereits, doch auf der Strecke bis zum Ziel wartet noch jede Menge Arbeit auf euch. Diese erledigt ihr mit Hilfe von fünf doppelseitigen Aktionskarten. In jedem Zug dürft ihr genau eine dieser Karten verwenden, dann ist auch schon der andere Spieler an der Reihe. Nachdem eine Aktionskarte benutzt wurde, dreht ihr sie auf die andere Seite. So steht euch im nächsten Zug eine andere Aktionsmöglichkeit zur Verfügung.

Auf dem eigenen Spielertableau verwaltet ihr euren Fortschritt, vor allem aber auch die eigenen Aktionskarten.

Die Aktionskarten beider Spieler unterscheiden sich ein wenig voneinander. Die Vorderseiten der Karten sind identisch, es handelt sich um die fünf Hauptaktionen, die für den Spielfortschritt maßgeblich verantwortlich sind. Die Rückseiten der Karten sehen bei den Spielern jedoch ein wenig anders aus. Das Regelwerk spricht hier von Nebenaktionen, die meistens etwas weniger effektiv sind als die Variante auf der Vorderseite.

Fünf Aktionskarten für echte Eisenbahner

Die erste Hauptaktion gewährt euch Zugriff aus das gemeinsame Materiallager. Von dort dürft ihr euch drei Baustoffe eurer Wahl nehmen. Das Management der Rohstoffe fällt in Foothills nicht sonderlich komplex aus. Mit Eisen und Stein müsst ihr auch nurzwei verschiedene Ressourcen beachten. Zum Leidwesen des Eisenbahners ist die Auswahl im Lager aber etwas beschränkt. Manchmal liegen dort einfach nicht die Rohstoffe aus, die ihr gerade dringend benötigt.

Nicht weniger bedeutsam ist die zweite Hauptaktion. Mit ihr lässt sich Geröll von einer der Strecken entfernen. Die Sprengarbeiten haben wohl reichlich Schutt auf der Strecke zurückgelassen. Bevor die Schienen verlegt werden können, muss das ganze Geröll also noch entfernt werden. Vier Geröll-Steinchen lassen sich mit der zweiten Hauptaktion entfernen. Den lästigen Schutt werft ihr erstmal in das private Lager. Ihr könnt es später noch gut verwenden. Der Abtransport von Geröll hat einen weiteren Vorteil. Gelingt es euch mit der Aktion, einen Streckenabschnitt komplett zu räumen, gibt es einen Siegpunkt als Belohnung.

Gleise und Stationen bauen

Jetzt ist der Weg auch frei zum Verlegen der Gleise. Dies geschieht über die dritte Hauptaktion, jedenfalls wenn ihr über ausreichende Eisenvorräte verfügt. Mit der gleichen Aktion könnt ihr zudem auch euer gesammeltes Geröll wieder loswerden und es gegen Stein eintauschen. Die Steine helfen euch beim Bau der Gleise zwar nicht direkt weiter, aber später sind die ziemlich hilfreich, wenn es darum geht, die Strecke mit Bahnstationen zu versorgen. Der Gleisbau gehört zu euren elementaren Aufgaben und wird entsprechend auch mit Siegpunkten belohnt.

Der Pub ist eine zentrale Anlaufstelle für den Vermesser. Hier gibt es viele Siegpunkte zu holen.

Siegpunkte könnt ihr auch für den Bau von kleinen Bahnhöfen auf der Strecke bekommen. Dies ist mit der vierten Hauptaktion möglich. Die Boni, die für die Errichtung einer Station vergeben werden, variieren aber je nach Standort. Mal gibt es direkt einen Siegpunkt, manchmal dürft ihr euch aber auch über ein paar zahlungskräftige Passagiere freuen. Jeder Passagier ist am Spielende einen halben Siegpunkt wert, sie werden aber auch an anderer Stelle im Spiel benötigt und stellen somit eine weitere Ressource dar.

Vermesser auf Reisen

Die Stationen auf den Strecken schalten zudem neue Aktionen frei. Sie können aber auch von eurem Mitspieler verwendet werden. Dazu muss lediglich die eigene Vermesser-Figur versetzt werden, die bei Spielbeginn noch auf eurem Tableau ruht. Womit wir auch schon bei der fünften und letzten Hauptaktion wären. Ihr verschiebt den Vermesser auf eine der Stationen und führt die angegebene Aktion aus. Oft könnt ihr hier bestimmte Ressourcen zu einem guten Kurs umwandeln. Alternativ wandert der Vermesser in den Pub.

Foothills verfügt über eine ordentliche Ausstattung und ein hochwertiges Spielmaterial.

Über den Pub kommt eine besonders coole Mechanik ins Spiel. Ihr dürft euch jetzt entscheiden, eine eurer Aktionskarten aus dem Spiel zu nehmen und durch eine neue Aktionskarte aus einer offenen Auslage zu ersetzen. Die Hauptaktionen sind auf den neuen Aktionskarten identisch, die Rückseite bietet euch aber wieder eine neue Aktionsmöglichkeit. Die entfernte Karte bringt euch aber noch einen anderen wesentlichen Vorteil. Für sie gibt es am Spielende Siegpunkte. Und zwar reichlich, wenn ihr es geschickt anstellt.

Entscheidungen im Pub

Es ist entscheidend, welche Karte ihr mit der Pub-Aktion aus dem Spiel genommen habt. Je nach Karte erhaltet ihr am Spielende Siegpunkte für bestimmte Errungenschaften. Beispielsweise kann das Errichten von Gleisen oder Stationen zusätzlich belohnt werden. Einige Karten schütten wiederum Siegpunkte für gesammelte Passagiere aus. Jetzt kommt es natürlich darauf an, welche Aufgaben ihr im Spielverlauf besonders gut gemeistert habt.

Bevor ihr die Strecke mit Gleisen auslegt, müsst ihr erstmal das ganze Geröll beseitigen.

Über den Pub könnt ihr viele zusätzliche Siegpunkte generieren. Deshalb solltet ihr nicht vergessen, euren Vermesser öfter dort mal auf ein Bier vorbeizuschicken. Wie so oft, ist es wieder eine Frage des guten Timings. Auf den Streckennetzen gibt es so viel zu erledigen, dass der Pub schnell mal übersehen wird. Plötzlich steht schon das Spielende vor der Tür und der Stapel mit den zurückgelegten Karten ist erschreckend klein.

Die Konkurrenz schläft nicht

Das Spielende kann auf zweierlei Arten eingeleitet werden. Das Ende tritt etwa ein, wenn fünf der sechs Strecken vollständig ausgebaut wurden. Dazu müssen die Streckenabschnitte von Geröll geräumt und die Gleise verlegt worden sein. Alternativ kann auch ein neutrales Eisenbahnunternehmen für das Spielende sorgen. In Foothills werden unregelmäßig Zufallsereignisse ausgelöst, die diese dritte Eisenbahngesellschaft auf den Plan rufen. Ein bislang nicht bearbeiteter Streckenabschnitt wird nun durch die Konkurrenz bedient. Vorteil für euch: die Stationsaktion ist ab sofort für alle freigeschaltet. Sobald ein Zufallsereignis ausgelöst wurde, aber kein freier Streckenteil mehr verfügbar ist, endet das Spiel ebenso.

Gesperrt! Die neutrale Eisenbahngesellschaft hat sich hier breitgemacht.

Foothills spielt sich ziemlich flott. Eine Partei dauert nur rund eine halbe Stunde. Das Spiel kommt unter dem Banner von Lookout Spiele in den Handel. Dort sollte es inzwischen auch problemlos zu bekommen sein. Das Zweier-Spiel kostet knapp 30€.

Fazit: Mit harter Arbeit auf der Eisenbahnstrecke verdient sich Foothills diese Testnote

Foothills im Test: So schneidet das Aufbauspiel ab.

Foothills will ein Kennerspiel für zwei Personen sein. Genau das ist es auch geworden und füllt damit schon eine kleine Lücke in der Welt der Brettspiele. Das Angebot von Zweier-Spielen ist in der letzten Zeit zwar gut gewachsen, doch handelt es sich dabei oft um kleinere Titel mit einfachen Regeln und einer hohen Zugänglichkeit. Wer nach anspruchsvolleren Zwei-Personen-Spielen sucht, hat schon sehr viel weniger Auswahl. Foothills ist da eine willkommene Alternative. Es braucht schon etwas Zeit, um sich durch das leicht sperrige Regelheft zu arbeiten. Danach spielt sich Foothills aber angenehm flüssig. Da jeder Spieler pro Zug immer nur eine Aktion durchführt, gibt es auch kaum Wartezeiten. In Sachen Spieltiefe hat die Eisenbahn-Simulation schon einiges zu bieten. Besonders spannend sind die unterschiedlichen Aktionsmöglichkeiten der Spieler über die B-Seite der Karten. Überhaupt ist das Drehen der Aktionskarten die vielleicht cleverste Designentscheidung. Ihr müsst schon gut überlegen, wie ihr eure Aktionen zum Einsatz bringt, da sich die Auswahl immer wieder verändert. Dadurch spielt es sich sehr abwechslungsreich. Wenn ihr ein Zweierspiel sucht, das etwas mehr in die Tiefe geht, sich aber trotzdem flüssig spielt, dann ist Foothills eine echte Empfehlung.

PROS

CONS

+ Zwei-Personen-Spiel

- Anleitung etwas sperrig

+ ordentliche Spieltiefe

+ sehr flüssiger Spielablauf

+ gutes Spielmaterial

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