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Furnace erscheint über den Kobold Spieleverlag und kostet etwa 30€.

Furnace vom Kobold-Verlag verspricht einen leichten Einstieg und taktische Tiefe

Furnace im Test: Das Brettspiel für angehende Industriekapitäne

  • VonSebastian Hamers
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In Furnace arbeitet ihr euch als engagierter Jungunternehmer von der ersten Fabrik zum Industrie-Tycoon nach oben.

  • für 2-4 Spieler ab 10 Jahren
  • Spieldauer: 30-60 Minuten
  • Autor: Ivan Lashin
  • Verlag: Kobold Spieleverlag
  • Preis: ca. 30€

Mal ehrlich, wir oft kommen komplexe Spiele bei euch wirklich auf den Tisch? Im hektischen Alltag ist es meist gar nicht so einfach, die ganz dicken Klopper unterzubringen. Bei mir liegen sie dann manchmal wieder wochenlang ungespielt im Regal und wenn ich sie dann doch wieder mal rausholen möchte, muss ich mich erstmal wieder in die Regeln einlesen. Kommt euch bekannt vor? Doch was ist die Lösung für dieses Problem? Zugängliche Spiele mit hohem Glücksfaktor à la UNO oder Monopoly sind auf Dauer doch irgendwie unbefriedigend. Gute Chancen auf eine hohe Zahl gespielter Partien haben daher bei mir Brettspiele mit einfachen Regeln, die aber dennoch eine gute taktische Tiefe bieten. Diese Kombination muss nicht die Quadratur des Kreises bedeuten, wie Furnace, das neue Brettspiel des Kobold-Verlags, eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Furnace spielt im Zeitalter der Industrialisierung

Das Spiel verwickelt euch dabei nicht in eine tiefgründige Geschichte. Entsprechend macht auch die Anleitung kein großes Tamtam um das Szenario. Ihr schlüpft in die Rolle aufstrebender Unternehmer in der Pionierzeit der Industrialisierung, agiert also im 19. Jahrhundert. Eure Aufgabe liegt auf der Hand: möglichst viel Geld scheffeln! Dazu bringt ihr eure Industrien in Gang, verwendet die gewonnen Ressourcen, um eure Güter weiterzuentwickeln und seht dabei zu, wie sich euer Bankkonto füllt.

Auch bei Furnace ist aller Anfang schwer. Ihr startet das Spiel mit nur einer einzigen Fabrik.

Doch aller Anfang ist bekanntlich schwer. Deshalb beginnt ihr das Spiel auch mit nur einer Startindustrie und ein paar ersten Ressourcen. Diese bilden gleichzeitig auch den Kern des Spiels. Über vier Runden hinweg hantiert ihr mit den Ressourcen Kohle, Eisen und Öl, die ihr letztlich aber natürlich in klingende Münze umwandeln möchtet. Sowohl bei der Ressourcenproduktion als auch bei dessen Verkauf helfen euch die Industrien, die hoffentlich bald in großer Stückzahl vor euch ausliegen werden.

3-2-1-meins… Einfache Bietmechanik in Furnace für Schwung

Bevor es an die Produktion geht, eignet ihr euch zunächst aber neue Industrien an. In jeder Runde stehen, je nach Spielerzahl, sechs bis acht Produktionsstätten im Schaufenster. Ein umständliches Feilschen und Schachern um die besten Industrien findet in Furnace nicht statt. In der Auktionsphase stehen euch vier Auktionsscheiben mit Werten zwischen einem und vier Punkten zur Verfügung. Seid ihr am Zug, platziert ihr nun eine dieser Scheiben auf einer Industrie eurer Wahl. Dies wird solange fortgeführt, bis jeder Spieler sämtliche Scheiben auf den Industriekarten verteilt hat.

Furnace arbeitet mit einer ziemlich einfachen Bietmechanik.

Die Regeln sind furchtbar simpel. Wer die Scheibe mit dem höchsten Wert auf eine Industrie platziert hat, eignet sich diese an und darf sich fortab über neue Produktionsgüter freuen. Die Auktionsscheiben mit geringeren Werten werden allerdings nicht effektlos verworfen. Sie spendieren euch eine Sofortbelohnung in Form von ein paar Ressourcen. Je höher der Wert der eingesetzten Auktionsscheibe, desto größer wird der Bonus ausfallen. Deshalb ist jede Industriekarte in zwei Bereiche unterteilt. Auf der oberen Hälfte wird angezeigt, welche Sofortbelohnungen erzielt werden können, im unteren Bereich seht ihr hingegen die produzierten Güter, die in Phase zwei einer jeden Runde ausgeschüttet werden.

Furnace mit pfiffiger Auktionsphase

Die Auktionsphase ist für die Strategie der angehenden Industriekapitäne von großer Bedeutung und bietet viel strategischen Spielraum. Beim Bieten gilt es ein paar einfache, aber bedeutende Regeln zu beachten. Auf einer Industriekarte dürfen sich nicht mehrere Auktionsscheiben eines Spielers befinden. Im Regelfall wird es daher nicht möglich sein, sich eine Industrie anzueignen und gleichzeitig ihre Sofortbelohnung zu kassieren. Ebenso sind Auktionsscheiben mit gleichem Zahlenwert auf einer Karte tabu. Hat ein Konkurrent also schon seiner Vierer-Scheibe auf einer Industrie platziert, könnt ihr euren eigenen Vierer-Stein nicht mehr hier einsetzen. Wenn ihr die Strategien der Mitspieler gut im Blick behaltet, seid ihr auf jeden Fall klar im Vorteil.

Furnace liegen über vierzig verschiedene Fabriken bei.

Nachdem die Industrien einen neuen Besitzer gefunden haben und alle Sofortbelohnungen verteilt wurden, geht es direkt weiter mit der Produktionsphase. Jetzt produzieren alle Fabriken die Güter, die auf der unteren Kartenseite angezeigt werden. Ihr nehmt sie einfach aus dem allgemeinen Vorrat und legt sie zu euch. Viele Fabriken benötigen allerdings erstmal bestimmte Ressourcen, um ihre Produktion überhaupt in Gang zu bringen. Beispielsweise müsst ihr zwei Kohle investieren, um damit eine Tonne Öl herzustellen. Das führt in der Regel dazu, dass in der Produktionsphase viele Ressourcen hin und her verschoben werden.

Ressourcengewitter bei Furnace

Prinzipiell lässt sich die Produktionsphase bei allen Spielern parallel abwickeln. Güter werden produziert, getauscht oder auch in Geld umgewandelt. Dabei spielt natürlich auch die Reihenfolge, in der ihr die Fabriken aktiviert werden, eine große Rolle. Manchmal müsst ihr bestimmte Ressourcen erstmal mit der einen Fabrik herstellen, um damit die zweite Produktionsstätte zu füttern. Gerade im späteren Spielverlauf fällt es da gar nicht mehr so leicht, noch den Überblick zu behalten.

Modernisierungsarbeiten bei Furnace: ihr gebt ein Zahnrad und eine Kohleeinheit aus, um eure Fabrik aufzuwerten.

Eine Sonderrolle nehmen in Furnace die Modernisierungsmarker ein. Eure Startfabrik produziert jede Runde einen dieser Marker, doch auch einige andere Industrien sind später dazu in der Lage. Die Marker könnt ihr in der Produktionsphase einsetzen, um gezielt Industrien aufzuwerten. Dazu legt ihr den Modernisierungsmarker ab und dreht eine Industrie eurer Wahl auf die andere Seite. Erst jetzt entfaltet sie ihr volles Potential. Die Unterschiede gegenüber der Standardausführung sind meist erheblich. Plötzlich stehen euch ganz andere Optionen zur Verfügung, die ihr sogar in der gleichen Runde noch einsetzen dürft.

Spezialfähigkeiten der Charaktere in Furnace

Wurden alle Industriekarten einmal verwendet, geht es in die nächste Spielrunde. Diese beginnt mit einer weiteren Auktionsphase, in der wieder neue Industriekarten offen ausgelegt werden. Insgesamt läuft das Spiel über vier Runden. Anschließend müsst ihr nur noch das gesammelte Bargeld zählen, um den Gewinner zu ermitteln. Meist dauert ein Durchlauf nicht länger als eine dreiviertel Stunde, zumindest wenn alle Spieler die Produktionsphase parallel abwickeln.

In Furnace wählt ihr einen von fünf Charakteren mit individuellen Fähigkeiten aus.

Als kleines strategisches Bonbon könnt ihr außerdem noch die Unternehmer-Charaktere mit ins Spiel nehmen. Dem Spiel liegen fünf Charakterkarten bei, jede von ihnen gewährt euch eine einzigartige Spezialfähigkeit. Mit ihnen erhaltet ihr beispielsweise eine zusätzliche Auktionsscheibe mit einem Wert von zwei Punkten, dürft die Regeln der Auktionsphase etwas biegen oder Eisen für die Modernisierung von Fabriken einsetzen. Die Charaktere erlauben euch somit nochmal andere strategische Herangehensweisen und machen Furnace noch abwechslungsreicher.

Furnace mit Sonderregeln für Fortgeschrittene

Optional bietet das Regelwerk noch eine Variante für erfahrene Spieler an. In dieser dürft ihr die Fabriken nicht mehr zu einem beliebigen Zeitpunkt aktivieren, sondern müsst euch schon im Vorfeld weiterführende Gedanken zur Produktionskette machen. Jetzt bilden die Industrien eine Reihe, die von links nach rechts abgewickelt werden muss. Eignet ihr euch nun eine weitere Fabrik an, müsst ihr entscheiden an welcher Stelle ihr sie einreihen möchtet. Die Positionen können im weiteren Spielverlauf nicht mehr verändert werden. Mit der Variante für Fortgeschrittene erfährt die Planung der Produktion so nochmal eine deutliche höhere Bedeutung.

Bei Furnace findet das Spielmaterial in einem aufgeräumten Inlay Platz.

Furnace ist für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren geeignet. Das Spiel erscheint über den Kobold-Verlag und ist ab sofort zum Preis von etwa 30€ im Handel zu finden.

Fazit: Die ingame-Fabriken haben für Furnace diese Testwertung produziert

Die ingame-Fabriken haben diese Wertung für Furnace produziert.

„Ja, das ist wirklich ganz nett.“ So in etwa sahen meine Gedanken nach der ersten Partie Furnace aus. Dann habe ich es nochmal gespielt… und nochmal… und nach ein paar Wochen hatte ich plötzlich zwanzig Partien auf der Uhr. Die Einstiegshürde ist bei Furnace denkbar gering. Für die Regelerklärung reichen tatsächlich fünf Minuten, es kann eigentlich sofort losgehen. Und dann ist man auch schon mitten im Spiel. Wie die Mechaniken von Furnace ineinandergreifen, das hat jeder Spieler sofort geschnallt. Schnell wird klar, dass es gar nicht so leicht ist, die Produktionsketten effektiv aufeinander abzustimmen. So entfaltet Furnace schnell einen ganz besonderen Reiz. Wer seine Industrien am besten auf einander abstimmt und mächtige Synergien kreiert, landet am Ende auf der Pole Position. Vier Runden sind dann auch schnell gespielt, zumindest wenn sich die Gruppe für die parallele Abwicklung der Produktionsphase entscheidet. Ansonsten wird Furnace schnell zum Geduldsspiel. Mit Blick auf meine stattliche Zahl gespielter Partien muss Furnace wohl vieles richtig gemacht haben. Selbst beim Schreiben dieser Zeilen habe ich nun wieder Lust auf eine weitere Partie bekommen. Das Spiel hat auf jeden Fall das Zeug zum Dauerbrenner.

ProCon
+ einfache Grundregeln- etwas unübersichtliches Ressourcenhandling
+ bietet dennoch taktischen Tiefgang
+ unkomplizierte Bietmechanik
+ befriedigendes Gefühl beim Schließen von Produktionsketten
+ spielt sich kurz und knackig

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