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Ghosts im Test: So spielt sich das neue Kartenspiel von Reiner Knizia

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Von: Sebastian Hamers

Ghosts Geist Gespenst Amigo Knizia Verpackung Schachtel Cover
Ghosts von Reiner Knizia erscheint über Amigo und kostet 8-9€. © Amigo

Einfache Regeln und ein chaotischer Spielablauf prägen das Spielgefühl von Ghosts, dem neuen Kartenspiel von Reiner Knizia.

Pünktlich zu Jahresbeginn hat der Amigo-Verlag wieder zuverlässig geliefert. Allen Material- und Lieferengpässen zum Trotz, der Familienspiel-Spezialist hat seine Kollektion mit neuen Brettspielen bereits seit geraumer Zeit an den Handel ausgeliefert. Und auch sonst bleibt Amigo der eigenen Linie treu. Im Programm der Neuheiten tummeln sich leicht zugängliche Spiele mit hohem Wiederspielreiz, die sich problemlos in jeden Spieleabend einschieben lassen. Ein Blick auf die Liste der Autoren, die in diesem Frühjahr ein neues Spiel bei Amigo veröffentlicht haben, weckt große Hoffnungen. Von Urgestein Uwe Rosenberg kommt der Dauerbrenner Bohnanza in einer Sonderedition zum 25. Jubiläum des Spiels, während Michael Kiesling die Neuauflage des modernen Klassikers Abluxxen beigesteuert hat. Neuentwicklungen gibt es bei Amigo aber natürlich auch. Wie zum Beispiel das Reaktionsspiel Schnattergeier von Halli-Galli-Erfinder Haim Shafir und das Kartenspiel Ghosts, das auf das Konto von Reiner Knizia geht.

Ghosts: Reiner Knizia will uns das Gruseln lehren

Hinsichtlich der Komplexität eines Spiels bietet die Ludographie von Reiner Knizia die volle Bandbreite. Zu seinen Werken zählen komplexe Strategiespiele wie Euphrat & Tigris, ebenso wie schnelle Kartenspiele à la L.A.M.A., das vor einigen Jahren sogar zum Spiel des Jahres nominiert wurde. Ghosts bewegt sich eher am unteren Ende der Komplexitätsskala. Das Spiel besteht lediglich aus 60 Karten sowie einer Handvoll Chips. Genauso übersichtlich wie das Material ist auch die Anleitung des Spiels. So kann die erste Partie Ghosts schon nach wenigen Minuten starten.

Ghosts Skelett Hut Geist Karte Gespenst Furcht
Die Ghosts liegt jede Geisterart in drei verschiedenen Formen vor. © Amigo

Karten mischen, fünf Karten an jeden Spieler verteilen, dann geht’s auch schon los. Fehlt nur noch ein Furcht-Chip, denn um diese wird in Ghosts in drei schnellen Runden gespielt. Allerdings wollt ihr die Furchtpunkte nicht sammeln, sondern möglichst wieder loswerden. Oder zumindest das Sammeln von weiterer Furcht zu vermeiden, denn schon das ist wirklich keine leichte Aufgabe. Ihr braucht dazu vor allem eines: jede Menge Glück… und vielleicht ein gutes Händchen beim Ausspielen der Karten.

Ghosts mit flottem Spielablauf

Das Kartendeck besteht zum überwiegenden Teil aus Geistern. Diese liegen in sechs verschiedenen Farben und Werten von einem bis drei Punkten vor. Der Startspieler spielt eine beliebige Handkarte aus und sagt den Wert des Geistes an. Dieser gibt das aktuelle Furcht-Level am Tisch an. Anschließend darf auch schon der nächste Spieler in der Reihe eine Karte loswerden. Handelt es sich dabei um einen Geist der gleichen Farbe, steigt das Furcht-Level nicht. Erhöht wird die Furcht lediglich, wenn ein Geist in einer anderen Farbe gespielt wird.

Ghosts Schwert Hand Finger Glas Knochen Spinne Geist Gespenst Karten
Die Ghosts tauchen in sechs verschiedenen Farben auf. © Amigo

Jetzt werden die Punktewerte der Geister addiert und die neue Furchtstufe ermittelt. Steigt infolge die Furcht auf sieben oder mehr Punkte, müsst ihr sämtliche bereits ausgespielten Karten an euch nehmen und einen weiteren Furchtpunkt kassieren. Klingt ziemlich einfach? Ist es auch! Allerdings wird der Spielablauf recht häufig durcheinandergewirbelt, da Ghosts gerne mal die Spielrichtung ändert. Immer wenn zwei gleichfarbige Geister aufeinandertreffen, verläuft das Spiel in die Gegenrichtung. Das erhöht zwischenzeitlich nicht nur den Druck auf einzelne Spiele gewaltig, sondern sorgt auch für viele Lacher am Spieltisch.

Ghosts tauchen ab in den Nebel

Eine Besonderheit stellen die sechs Nebelkarten im Spiel dar. Der Nebel erhöht weder das Furchtlevel im Spiel, noch sorgt er für eine Änderung der Spielerreihenfolge. Die Karte wird einfach unter den Ablagestapel geschoben, bevor der nächste Spieler an die Reihe kommt. Nach jeder gespielten Karte mit immer direkt eine neue Karte nachgezogen, so dass euch immer fünf Karten zur Verfügung stehen. Auf diese Weise leert sich der Nachziehstapel recht zügig. Sobald der Stapel aufgebraucht wurde, wird das Nachziehen übersprungen. Die Handkarten werden aber dennoch bis zum Schluss ausgespielt.

Ghosts Nebel Karte Gespenst Geist Spinne Untoter
Manchmal tauchen in Ghosts die Gespenster im Nebel ab. © Amigo

Gelingt euch das Kunststück, im gesamten Durchgang kein einziges Mal den Furch-Level gecrasht zu haben, dürft ihr als Belohnung einen Furcht-Chip wieder ablegen. Vermutlich werden eure Mitspieler aber alles daransetzen, dieses tollkühne Vorhaben zu unterbinden. Insgesamt wird der Kartenstapel dreimal durchgespielt. Wer anschließend die wenigsten Furchtpunkte gesammelt hat, ist der Gewinner der Partie. Ghosts von Reiner Knizia erscheint über Amigo und ist für zwei bis sechs Spieler ab acht Jahren geeignet. Ihr findet das Spiel ab sofort zum Preis von etwa 8-9€ im Handel.

Fazit: Wir haben mit Ghosts den Furcht-Level ordentlich in die Höhe getrieben und auf dem Gipfel der Angst diese schauderhaft ingame-Testwertung vergeben.

Wertungsgrafik Ghosts
Wir haben mit Ghosts den Furcht-Level ordentlich in die Höhe getrieben und diese schauderhaft ingame-Testwertung vergeben. © ingame.de

Das Regelwerk von Ghosts liest sich zunächst ziemlich unspektakulär. Die zwei, drei Regeln hat man sich im Handumdrehen draufgeschaufelt und irgendwie entsteht der Eindruck, so ein ähnliches Spiel schon häufiger gespielt zu haben. Tatsächlich erfindet Reiner Knizia mit Ghosts das Rad nicht neu, die simple Mechanik funktioniert aber trotzdem prima. Einfaches Kartenkloppen, nicht zu viel Nachgrübeln… so spielt sich eine Partie angenehm flüssig und kann auch problemlos nebenbei gezockt werden. Das Spiel ist schon recht glückslastig, dennoch gibt es ein paar zarte taktische Stellschrauben. Im eigenen Zug lässt sich schon ein wenig taktieren, indem man das Furcht-Level entweder absichtlich in die Höhe pusht oder aber abfedert. Doch Vorsicht, eine am Limit kratzende Furcht kann euch schnell um die Ohren fliegen, wenn der nächste Spieler einen gleichfarbigen Geist zückt. Es wird sich geärgert, gestöhnt und geächzt, doch vor allem auch viel gelacht. Ghosts bringt ein ordentliches Chaoselement mit, das den Spielverlauf schnell auf den Kopf stellen kann. Genau hier hat der neue Knizia seine Stärken. Daher macht Ghosts auch eher mit einer größeren Gruppe Freude. Während es sich in der Zwei-Personen-Partie noch ziemlich zäh spielt, läuft das Spiel mit vier oder mehr Spielern zu Hochform auf.

ProCon
+ einfache Regeln- eher lahme Zwei-Personen-Partien
+ schnelle Züge
+ ständig wechselnde Spielrichtung sorgt für Belebung
+ spielt sich gerade ab 4 Spielern und mehr richtig gut

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