Hagakure kommt über Boardgame Box in den deutschsprachigen Handel und kostet 12-15€.
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Hagakure kommt über Boardgame Box in den deutschsprachigen Handel und kostet 12-15€.

Stichspiel im feudalen Japan

Hagakure im Test: Nippon-Abenteuer als Stichspiel

  • vonSebastian Hamers
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Hagakure entführt euch ins feudale Japan. Die Regeln des kleinen Kartenspiels sind schnell erlernt, dennoch bietet euch das Stichspiel taktischen Tiefgang.

Es ist doch jedes Jahr das Gleiche. Während wir uns in den Herbst- und Wintermonaten vor neuen Spielen kaum retten können, geht es in der darauffolgenden Zeit schon deutlich gemächlicher zur Sache. So ganz wird uns Spielern aber auch in diesen Tagen nicht der Hahn zugedreht. Die Schweizer Spielefanatiker von Boardgame Box legen in diesem Sommer gleich mit drei Neuheiten kräftig nach. Ganz frisch in den Handel kommt das Kartenspiel Hagakure, das euch auf die Schlachtfelder des feudalen Japans mitnimmt. Im Mittelpunkt des Spiels stehen die traditionellen Krieger des Landes: die Samurai. Sie sind eure mächtigsten Verbündeten in Hagakure.

Was erstmal noch einem taktischen Kriegsspiel riecht, entpuppt sich allerdings schnell als eigentlich ziemlich abstraktes Stichspiel. Die gelungenen Zeichnungen geben ihr Bestes, um das Nippon-Flair auf das Kartenspiel zu übertragen. Doch ganz nüchtern betrachtet, ließe sich das Japan-Thema auch durch jedes andere x-beliebige Setting ersetzen lassen. Geschenkt, mit Hagakure liegt ein Stichspiel vor uns und wie es eben bei vielen Stichspielen so ist, so spielt auch hier der thematische Unterbau eine untergeordnete Rolle. Das Spiel möchte dafür mit einfachen Regeln und einer kurzen Spieldauer glänzen, dabei einen gewissen taktischen Einschlag aber dennoch nicht vermissen lassen.

Klare Hierarchien in Hagakure

Ziemlich zügig lassen sich die Spielvorbereitungen abhandeln. Je nach Zahl der Mitspieler erhaltet ihr 4-5 Handkarten sowie einen fünfteiligen Satz sogenannter Nobori Chips. Dann kann es auch schon direkt losgehen. Der gesamte Kartensatz besteht aus gerade einmal 30 Karten. Dazu zählen zunächst die einfachen Bewohner mit Werten von einem bis siebzehn Punkten, gefolgt von den stärkeren Samurai, die über eine Stärke von achtzehn bis siebenundzwanzig Punkten verfügen. Komplettiert wird das Set mit drei alten Schelmen mit einer Kraft von null Punkten.

Die einfache Landbevölkerung hat eher geringere Stärkewerte, es ist schon etwas schwerer mit ihnen einen Stich zu holen.

Hagakure läuft ab wie viele andere Stichspiele. Jeder Spieler wirft eine Karte in die Tischmitte. Anschießend wandert der Stich an den Spieler, der die wertvollste Karte eingesetzt hat. Genauso simpel läuft auch Hagakure ab, zumindest in den Grundzügen. Glücklicherweise gibt es im Spiel aber noch einige Feinheiten, die für ein paar taktische Winkelzüge gut sind. Erste taktische Erwägungen müsst ihr schon anstellen, noch bevor die erste Karte überhaupt gespielt wurde.

Nobori Chips werten Hagakure auf

Ausgehend vom Startspieler dürft ihr nun einen eurer verbleibenden Nobori Chips einsetzen. Die Chips verändern die Regeln für die laufende Runde ein wenig. Wenn ihr euch für den Einsatz eines Nobori Chips entschieden habt, legt ihr ihn offen in die Tischmitte. Er entfaltet seine Kraft für den Verlauf einer Runde und wird danach abgeworfen. Der Startspieler hat den großen Nachteil, dass er als Erstes seine Hosen runterlassen muss. Sein gespielter Chip gibt den anderen Spielern möglicherweise schon einen ersten Hinweis auf seine Pläne für den kommenden Zug.

Die Samurai sind erfahrene Kämpfer auf dem Schlachtfeld. Dank ihres hohen Stärkewerts können sie so manchen Kampf für euch gewinnen.

Vor dem gleichen Problem steht der Startspieler auch, wenn es um das Ausspielen der Karte geht. Es wird eine Karte nach der anderen offen ausgespielt. Seid ihr als letzter Spieler an der Reihe, seid ihr in der komfortablen Situation, euch mit euren Überlegungen bis zur letzten Sekunde Zeit lassen zu können. Ihr könnt erst in aller Seelenruhe abwarten, was denn eure Mitspieler in den Ring werfen, um dann entsprechend zu reagieren.

Stiche sammeln in Hagakure

In der nächsten Runde kann sich das Blatt aber auch schon wieder ganz schnell wenden. Der Gewinner des Stichs spielt die erste Karte des neuen Zuges. Es hat allerdings auch einen kleinen Vorteil, den Auftakt des neuen Stichs spielen zu dürfen. Spielt ihr als erste Karte einen Samurai, müssen auch alle anderen Spieler eine solche Karte spielen, sofern sie dazu in der Lage sind. Damit könnt ihr euren Mitspielern vielleicht wertvolle ein paar Karten von der Hand stibitzen.

Die alten Schelme sind zunächst keine sonderlich starken Kämpfer. Erst gemeinsam laufen sie zur Hochform auf.

Geratet ihr selbst mal in die Situation, einen Samurai in den Stich werfen zu müssen und habt dennoch keine Chance, den Stich zu holen, könnt ihr alternativ auch einen der alten Schelme spielen. Die Schelme werden regeltechnisch wie Samurai behandelt, haben allerdings eine Stärke von null Punkten. Sollte in einer Runde jedoch mehr als ein Schelm gespielt werden, laufen die Krieger auf ihre alten Tage nochmal zur Höchstform auf. Den Stich darf sich der Spieler einstecken, der in dieser Runde den letzten alten Schelm ausgespielt hat.

Mit Hagakure auf Punktejagd

Wie ihr seht, die Regeln von Hagakure sind im Großen und Ganze doch recht simpel. Das gilt auch für die Auswertung. Jeder gewonnene Stich bringt euch einen Punkt ein. Alle Spieler, die keinen Stich geholt haben, müssen dafür einen Abzug von zwei Punkten hinnehmen. Eine Sonderregelung gibt es noch für den Samurai mit dem Stärkewert von achtzehn Punkten. Der schwächste aller Samurai-Kämpfer bringt euch einen zusätzlichen Punkt ein, wenn ihr ihn in einem Stich mit einkassiert.

Die Grafik transportiert das Japan-Thema sehr schön. Doch im Großen und Ganzen ließe sich dem Spiel auch jedes andere Thema überstülpen.

Das Salz in der Suppe sind allerdings die bereits erwähnten Nobori Chips, die vor dem Ausspielen der Karten eingesetzt werden können. Bei Spielbeginn verfügt jeder Spieler über die gleichen fünf Chips. Jeder Chip kann im Spielverlauf jedoch nur einmalig verwendet werden, setzt sie also weise ein. Die Nobori Chips verleihen euch seherische Fähigkeiten und sind zudem in der Lage, die Punktewertung zu modifizieren.

Das Land der Toren in Hagakure

Sollten sich in euren Stichen schon vier oder mehr Bewohner gesammelt haben, könnt ihr mit dem Einsatz eines speziellen Nobori Chips zwei schnelle Extrapunkte machen. Zwei weitere Chips sorgen dafür, dass sich die gewonnenen Punkte in einer Runde verdoppeln oder auf den Wert von null Punkten fixieren. Mit den beiden anderen Nobori Chips könnt ihr die Punktewertung nicht beeinflussen, dafür aber Einsicht in fremde Kartenhände erlangen.

Die Nobori Chips sind mächtige Waffen im Spiel. Sie verändern die Punktewertung oder verleihen euch seherische Fähigkeiten.

Dies kann natürlich die Hand eines Mitspielers sein, gilt jedoch auch für den sogenannten Yomi, das Land der Toten. Das Yomi besteht aus den verbleibenden Karten, die nicht an die aktiven Spieler verteilt wurden. Diese Restbestände bilden das Land der Toten und können mit Hilfe des passenden Nobori Chips ebenfalls eingesehen werden. Mit dem fünften und letzten Chip erhaltet ihr sogar Zugriff auf das Yomi. Einmal pro Spiel wird euch gewährt, eure Handkarten mit dem Yomi zu tauschen.

Hagakure bietet unkompliziertes Stechen

Die spielerische Relevanz der Nobori Chips ist nicht zu unterschätzen. Da die Chips schon immer vor dem Ausspielen der Karten offen ausliegen, lassen sie Schlüsse auf die Strategie der Mitspieler zu. Taktisch durchaus fordernd, dennoch kinderleicht zu lernen. Hagakure ist ein Stichspiel für drei bis sechs Spieler ab zehn Jahren. Für eine Partie müsst ihr nur eine knappe halbe Stunde einplanen. Diese wird sogar in der Vollbesetzung mit fünf Spielern nicht überschritten, da die Zahl der gespielten Runden mit steigender Spielerzahl abnimmt.

Hagakure kommt über Boardgame Box in den deutschsprachigen Handel und kostet 12-15€.

Hagakure ist in der deutschsprachigen Version über Boardgame Box erschienen. Das Spiel sollte in diesen Tag beim Händler eures Vertrauens zum Preis von 12-15€ verfügbar sein.

Fazit: Hagakure sticht mit Erfolg und hat sich die folgende Testwertung verdient

Hagakure im Test: So schneidet das Stichspiel mit Thema "Land der aufgehenden Sonne" ab.

Sind Stichspiele nicht schon ein alter Hut? In meinem Bekanntenkreis befinden sich jedenfalls ein paar begeisterte Spieler, die sich für Spiele dieser Art so gar nicht begeistern können. Eigene Schuld! Gerade in der letzten Zeit sind einige tolle Stichspiele erschienen, die aus dieser uralten Mechanik noch sehr viel herauskitzeln. Auch das vorliegende Hagakure macht einen guten Job. Die Kernmechanik ist natürlich sehr simpel. Dem Spiel reichen allerdings ein paar winzige Feinheiten, um trotzdem einen besonderen Reiz zu entfalten. Mir hat es die offene Spielweise von Hagakure ziemlich angetan. Durch das offene Ausspielen von Karten, kommt der Spielerreihenfolge eine besondere Bedeutung zu. Das Salz in der Suppe sind allerdings die Nobori Chips, die vor jeder Runde ausgespielt werden können. Sie verändern den Spielablauf deutlich und verleihen dem Spiel so eine noch taktischere Note. Zu gefallen weiß auch das Artwork des Spiels. Der comichafte Look der Bewohner und Samurai trägt zum Spielegefühl bei, jedoch ohne Hagkure einen thematischen Mehrwert zu bieten. Das Thema des Spiels ließe sich wohl ebenso gut mit Cowboys oder Spacemarines bewerkstelligen. Wenn ihr Stichspiele nicht komplett ablehnt, erhaltet ihr mit Hagakure ein leicht zu erlernendes Spiel mit einem gewissen taktischen Anstrich.

Pros

Cons

+ einfache Regeln

- Thema eher aufgesetzt

+ schicker Cartoon-Look

- es werden mindestens 3 Spieler benötigt

+ taktische Feinheiten mit einfachen Mitteln

+ für bis zu fünf Spieler geeignet

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