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Here To Slay im Test: Ein Fantasy-Epos als Kartenspiel

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Von: Sebastian Hamers

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Here To Slay von Unstable Games erscheint bei uns über Asmodee und kostet rund 20€. © Asmodee

Hat hier jemand Munchkin gerufen? Unstable Games hat mit Here To Slay eine gute Alternative zum klamaukigen Kartenspiel-Oldie entworfen.

Dungeon Crawler gefällig? Immer wieder gerne… wäre da nicht das dicke Regelwerk, der langwierige Spielaufbau, der hohe Preis und die abendfüllende Spieldauer. Moderne Genrevertreter machen verdammt viel Spaß, keine Frage. Aber ein paar Hürden müssen vor dem Betreten des Dungeons leider häufig überwunden werden. Es braucht also ein paar Alternativen. Glücklicherweise lassen sich bei den Brettspielhändlern inzwischen auch einige echte Quickies unter den Dungeon Crawlern finden, manche davon sogar im reinen Kartenformat. Einer dieser Vertreter ist die Herbstneuheit Here To Slay von Unstable Games. Die Rahmendaten versprechen eine unkomplizierte Monsterklopperei in einem klassischen Fantasy-Szenario. Klingt interessant? Finden wir auch…

Here To Slay überrascht mit einfachen Regeln

Here To Slay wartet mit allen wichtigen Elementen auf, die man von einem Fantasy-Spiel erwarten kann. Mächtige Monstrositäten, sechs unterschiedliche Helden-Klassen, haufenweise magische Gegenstände, spektakuläre Zaubersprüche und natürlich jede Menge epische Schlachten, das sind die wichtigsten Zutaten im neuen Kartenspiel von Unstable Games. Und trotzdem, das gesamte Regelwerk findet auf einem einzigen doppelseitigen Faltblatt Platz. Entsprechend flott habt ihr euch auch die wenigen Regeln reingezogen und könnt fast sofort ins Spiel einsteigen.

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Die Zusammenstellung einer Heldengruppe kann bei Here To Slay ein Weg zum Sieg sein. © Asmodee

Die Spielvorbereitungen sind mit ein paar Handgriffen erledigt. Jeder Spieler schnappt sich einen Anführer-Charakter und erhält außerdem noch fünf Unterstützungskarten auf die Hand. In der Tischmitte werden jetzt nur noch drei Monster aufgedeckt… Würfel zücken und los geht’s. Euer Ziel hört sich auf dem Papier erstmal gar nicht so schwierig an. Ihr gewinnt die Partie, wenn ihr eine Heldengruppe zusammengestellt habt, die aus allen sechs verfügbaren Klassen besteht oder aber wenn ihr drei Monster plättet.

Reichlich viel Chaos im Dungeon bei Here To Slay

Schnell werdet ihr dabei feststellen, dass die eigentliche Gefahr nicht vom Dungeon selbst ausgeht, sondern von den werten Mitspielerinnen und Mitspielern. Denn diese werfen euch mit Vorliebe immer wieder Knüppel zwischen die Beine. Wenn ihr das Ziel schon kurz vor Augen habt, zückt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch jemand ein Ass aus dem Ärmel und reißt euch den sichergeglaubten Sieg wieder aus den Klauen. Deshalb heißt es bei Here To Slay: Krallen ausfahren! In diesem Spiel ist sich jeder selbst der Nächste.

Here To Slay Monster Drache Skelettdrache Mammut Gegner Karten Kampf
Besiegt ihr in Here To Slay drei Monster, dann habt ihr die Partie ebenfalls gewonnen. © Asmodee

In eurem Zug stehen euch genau drei Aktionspunkte zur Verfügung. Für einen Punkt erhaltet ihr eine neue Karte vom Unterstützungsstapel, dürft eine Karte von der Hand spielen oder aber den Effekt eines ausliegenden Helden aktivieren. Wollt ihr eines der offen ausliegenden Monster attackieren, werden dafür gleich zwei Aktionspunkte fällig. Gebt ihr alle drei Punkte auf einen Schlag aus, dürft ihr außerdem noch alle verbleibenden Karten von der Hand abwerfen und fünf neue Karten ziehen.

Unterstützungskarten in Here To Slay

Damit wären die Basics des Regelwerks fast schon komplett. Die restlichen Feinheiten lassen sich praktisch schon den Spielkarten entnehmen. Am häufigsten werdet ihr dabei mit den Unterstützungskarten hantieren. Der dazugehörige Kartenstapel ist ein Sammelbecken liebgewonnener Fantasy-Klischees. Helden, Gegenstände, Zauber sowie geheimnisvoll anmutende Modifikatoren und Herausforderungen werden unter dem Etikett der Unterstützungskarten zusammengefasst.

Here To Slay Zauber Magie Feuer Baer Pflanzen Tentakel Karten
In Here To Slay stellen Zauber mächtige Einmaleffekte dar. © Asmodee

Die Helden sind eine gute Möglichkeit, die Partie zu gewinnen. Vereint ihr jeweils mindestens einen Kämpfer, Wächter, Waldläufer, Dieb, Magier und Barden in eurer Gruppe, könnt ihr euch schon als Sieger fühlen. Beim Ausspielen der Heldenkarten dürft ihr außerdem direkt seine Spezialfähigkeit aktivieren. Allerdings muss der Held vor der Aktivierung zunächst eine Probe bestehen. Die Abhandlung der Probe geschieht wiederum denkbar einfach durch das Werfen von zwei Würfeln. Helden bleiben nach dem Ausspielen vor euch liegen. Auf Kosten einer Aktion dürft ihr die Heldenfähigkeit später erneut verwenden.

In Here To Slay wird fleißig Loot gesammelt

Doch was ist schon ein starker Held ohne eine gute Ausrüstung? Magische Waffen und andere hilfreiche Objekte tummeln sich natürlich ebenso unter den Unterstützungskarten. Sie haben in der Regel einen positiven Effekt, den sie aber erst ausstrahlen, wenn sie einem Helden zugeordnet wurden. Leider kann jeder Held nur einen einzigen magischen Gegenstand mit sich herumschleppen. Hin und wieder stoßt ihr auch über ein verfluchtes Artefakt. Einen solchen Gegenstand schustert ihr am besten direkt dem Helden eines Mitspielers zu. Viel Spaß damit!

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Anführer verfügen bei Here To Slay über mächtige Effekte, die dauerhafte Auswirkungen haben. © Asmodee

Einmalige Effekte gibt es in Here To Slay natürlich ebenso. Sie werden durch Zauberkarten dargestellt. Die Auswirkungen eines Zauberspruchs sind ziemlich mächtig, dafür wandern die Karten direkt nach dem Ausspielen auf den Ablagestapel. Mit den Modifikations- und den Herausforderungskarten bleiben noch zwei Kategorien übrig, die bei ihrem Einsatz keinen Aktionspunkt kosten. Sie werden als Reaktion auf eine Handlung anderer gespielt.

Here To Slay mit aberwitzigen Gefechten

Die Modifikationskarten erweisen sich als ziemlich perfide. Mit ihnen lässt sich das Ergebnis eines Würfelwurfs im Nachhinein verändern. Eine solche Karte kann euch somit helfen, die Fähigkeit eines Helden erfolgreich abzuwickeln und natürlich auch beim Besiegen eines Monsters. Viele Modifikationen verfügen allerdings ebenso über einen Minus-Modifikator. Mit diesem könnt ihr vortrefflich euren Mitspielern in die Suppe spucken. Manchmal führt das zu einem intensiven Gefecht zwischen den Beteiligten. Schließlich kann der Gescholtene ebenso weiter Karten ausspielen, um seinen Würfelwurf wieder nach oben zu pushen.

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Werdet ihr bei Here To Slay von einem Mitspieler herausgefordert, kann eure Aktion in letzter Sekunde noch verhindert werden. © Asmodee

Um den Sieg eines Mitspielers zu verhindern, kann alternativ auch die Herausforderungskarte verwendet werden. Jetzt kommt es zum direkten Duell zwischen zwei Anführern. Die Duellanten werfen jeweils zwei Würfel und vergleichen die Ergebnisse. Entscheidet der Herausforderer den Kampf für sich, wurde die Aktion des aktiven Spielers neutralisiert. Selbstverständlich lassen sich bei einer Herausforderung ebenso weitere Modifikationskarten verwenden, was die Konfrontation oftmals auf die Spitze treibt.

Monster plätten in Here To Slay

Mit diesen sechs verschiedenen Varianten von Unterstützungskarten hangelt ihr euch durch den Spielverlauf. Hin und wieder solltet ihr aber mal einen Blick in die Tischmitte werfen, um die ausliegenden Monster zu begutachten. Schließlich reichen drei gekillte Monster ebenfalls aus, um das Spiel zu gewinnen. Jedes Monster fordert allerdings bestimmte Voraussetzungen, bevor ihr es überhaupt attackieren dürft. Nur wenn eure Heldengruppe über die passenden Charakterklassen verfügt, könnt ihr im Kampf bestehen.

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Die Modifikator-Karten sorgen bei Here To Slay immer wieder für spannende Konflikte. © Asmodee

Um das Monster zu bezwingen ist erneut ein Wurf mit zwei Würfeln fällig. Erreicht ihr die geforderte Punktzahl, nehmt ihr das Monster direkt zu euch in die Auslage. Ab sofort kämpft es treu an eurer Seite. Genau wie der Anführer, so weist jedes Monster eine Spezialfähigkeit auf. Diese muss allerdings nicht erst gesondert aktiviert werden. Sie tritt jedes Mal in Kraft, wenn ein vorgegebenes Ereignis passiert. So verbessert der Krötenschlund jeden eigenen Würfelwurf um einen Punkt, der Riesenschleim spendiert euch einen zusätzlichen Aktionspunkt pro Runde und die Blutschwinge vernichtet bei jedem Herausforderer eine Handkarte.

Knackiges Dungeon Crawling mit Here To Slay

Dadurch werdet ihr im Verlauf des Spiels immer mächtiger. Übergelaufene Monster und eine wachsende Heldengruppe erweitern aber nicht nur eure eigenen Möglichkeiten stetig, sondern auch die eurer Mitspieler. So können sich die Machtverhältnisse schnell verändern. Manchmal braucht man eben auch ein wenig Glück, um den passenden Moment zur Erfüllung seiner Ziele abzupassen. Nach 30-60 Minuten sollte einem Anführer aber der Durchbruch gelungen sein, um das Spiel zu den eigenen Gunsten zu entscheiden.

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Auch nicht selbstverständlich: Here To Slay wird mit einem gut aufgeräumten Inlay ausgeliefert. © Asmodee

Here To Slay von Unstable Games ist für zwei bis sechs Spieler ab zehn Jahren geeignet. Die deutschsprachige Version erscheint über Asmodee und ist ab sofort im Handel zum Preis von etwa 20€ zu finden.

Fazit: Der ingame-Dungeonkeeper verteilt für Here To Slay diese monstermäßige Testwertung

Wertungsgrafik Here To Slay
Der ingame-Dungeonkeeper verteilt für Here To Slay diese monstermäßige Testwertung. © ingame.de

Der Dungeon-Crawler Descent: Legenden der Finsternis gehört zu meinen persönlichen Brettspiel-Highlights 2021. Da aber eine Partie gut und gerne mal zwei Stunden oder länger dauert und zudem bestenfalls in einer festen Gruppe gespielt wird, kommt mir ein Dungeon-Crawler-Quicke wie Here To Slay gerade recht. Natürlich lassen sich beide Spiele nicht wirklich miteinander vergleichen. Dennoch ist das kleine Kartenspiel eine gute Option, wenn ihr mal wieder auf die Schnelle ein wenig Fantasy-Atmosphäre einsaugen wollt. Mich erinnert Here To Slay an das gute alte Munchkin, das ich vor vielen Jahren gerne als kurzweilige Alternative zu langen Pen-and-Paper-Rollenspielnächten gezockt habe. Der Ärgerfaktor ist bei beiden Spielen immens. Immer, wenn man sich dem Sieg schon ganz nahe wähnt, zückt ein Mitspieler noch eine Karte, der das Ziel wieder in weite Ferne katapultiert. Natürlich werdet ihr eurem Rivalen diese Ungeheuerlichkeit nicht durchgehen lassen und es ihm heimzahlen… zum gegebenen Zeitpunkt. Die Parallelen zu Munchkin sind also unverkennbar. Trotzdem ist Here To Slay - meiner Meinung nach - das bessere Spiel. Ziehen sich Munchkin-Gefechte mitunter gerne mal in die Länge, spitzt sich das Kartenspiel von Unstable Games schneller auf den Höhepunkt zu. Die Spieldauer bleibt somit überschaubar. Gut so, denn sonst könnte ich schließlich auch direkt eine weitere Runde Descent spielen.

ProCon
+ funktioniert auch in einer etwas größeren Gruppe gut- für konfliktscheue Spieler weniger geeignet
+ einfache Regeln
+ überschaubare Spieldauer
+ spürbarer Spielfortschritt
+ witziges Artwork

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