Herrlof kann über die Website des Verlags für 12,95€ erworben werden.
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Herrlof kann über die Website des Verlags für 12,95€ erworben werden.

Kampf um die Wikingerkrone

Herrlof im Test: Das schnelle Zwei-Personen-Stichspiel

  • vonSebastian Hamers
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Herrlof weist viele Eigenschaften eines klassischen Stichspiels auf, lässt sich aber besonders gut zu zweit spielen.

Das Ausprobieren neuer Brett- und Kartenspiele war in der Corona-Pandemie zwischenzeitlich schon eine echte Herausforderung. Online-Matches lassen sich bei einigen Spielen zwar vielleicht realisieren, so richtig viel Freude haben sie mir aber nicht bereitet. Also musste die Familie in den letzten Monaten vermehrt als Spielpartner herhalten. Zwei-Personen-Spiele sind bei uns daher schwer im Trend. Als solches versteht sich auch das kleine Kartenspiel Herrlof von Jolly Dutch. Die Geschichte des Spiels siedelt sich zur Wikingerzeit an, etwa im Zeitraum von 800 bis 1050. Der Norden wird von den Häuptlingen der Wikingerstämme regiert. Die stolzen Stammesführer erkennen jedoch auch einen König an, einen Primus inter Pares. Als Häuptlinge tretet ihr im Kampf um Ruhm und Anerkennung gegeneinander an. Der Sieger wird zum neuen König des Nordens ausgerufen und darf sich mit dem Titel Herrlof schmücken.

Nüchtern betrachtet verbirgt sich hinter dem Kampf der Wikingerhäuptlinge ein recht einfaches Stichspiel. Doch das muss ja nicht gleich bedeuten, dass in Herrlof keine taktischen Winkelzüge möglich sind. Die Regeln von Herrlof sind tatsächlich ziemlich simpel und beinhalten auch viel von dem, was ihr aus vielen anderen Kartenspielen dieses Genres kennt. So verwundert es auch nicht weiter, dass die Verpackung des Spiels recht schmal ausfällt. In der Schachtel findet ihr lediglich fünfzig Spielkarten, einen Notizblock sowie die Anleitung in mehreren Sprachen wieder.

Herrlof: Ein Stichspiel für zwei Personen

Wer schon einmal ein Stichspiel gespielt hat, kommt mit dem Grundprinzip von Herrlof direkt klar. Der große Teil des Kartenmaterials wird einer Farbe zugeordnet. Mit grün, rot, orange und blau kommen vier Farben ins Spiel, die jeweils mit Kartenwerten von einem bis neun Punkte vertreten sind. Der erste Spieler legt eine Karte aus, der andere Spieler muss die Farbe bedienen. Den Stich gewinnt der Spieler mit dem höheren Kartenwert. So weit, so einfach.

Herloff besteht vor allem aus Wikingerkarten. Diese tauchen in vier unterschiedlichen Farben mit Kartenwerten zwischen einem und neun Punkten auf.

In Herloff wird aber auch getrumpft. Vor Beginn einer neuen Runde wird die oberste Karte vom Stapel mit dem verbleibenden Kartenmaterial aufgedeckt. Die Farbe der aufgedeckten Karte gilt in dieser Runde als Trumpf. Trümpfe könnt ihr gut ins Spiel bringen, wenn ihr die ausgelegte Farbe nicht bedienen könnt. Mit einem Trumpf dürft ihr den gespielten Stich stibitzen, klassisch Stichspiel eben. Am Ende der laufenden Runde zählt jeder Stich einen Punkt. Ihr gewinnt das Spiel, wenn ihr als erster Spieler die Marke von fünfzig Punkten geknackt habt.

Das Orakel von Herrlof

Das Sammeln von Punkten allein durch Stiche ist allerdings ziemlich mühsam. Deutlich schneller geht es, wenn ihr Bonuspunkte für korrekte Vorhersagen abräumt. Vor jeder Runde seht ihr euch zunächst eure Handkarten an. Jetzt orakelt ihr, wie viele Stiche ihr in der kommenden Runde wohl erzielen werdet. Für die korrekte Vorhersage gibt es einen satten Aufschlag von zehn Punkten, so kommt ihre eurem Ziel schon sehr viel schneller näher.

Die Runenkarten verfügen in Herrlof über wichtige Sonderfunktionen.

Immerhin noch fünf Extrapunkte gibt es außerdem, wenn ihr genau drei oder vier Stiche in der Runde kassiert, unabhängig von eurer Vorhersage. Das lässt die Möglichkeit, auch noch im Spielverlauf etwas zu taktieren. Wenn ihr vielleicht merkt, dass ihr mit eurer Vorhersage den Mund doch etwas zu voll genommen habt, könnt ihr zurückrudern und versuchen, die Zahl der gewonnen Stiche auf drei oder vier einzustampfen.

Herloff besticht mit Special Effects

Der Clou des Spiels sind aber die speziellen Eigenschaften, über die manche Karten verfügen. Zusätzlich zu den Farbkarten haben sich auch noch Karten mit zwei unterschiedlichen Runen ins Spiel gemischt. Die erste Rune zerstört den gerade gespielten Stich komplett. Beide gespielten Karten kommen für den Rest der Runde aus dem Spiel. Der Stich wird egalisiert, so dass der gleiche Spieler auch wieder den nächsten Stich aufspielen darf. Mit der zweiten Rune könnt ihr jede Karte unterbieten, sie ist null Punkte wert. Dieser Stich gehört also auf jedem Fall dem Gegner. Allerdings sichert ihr euch das Recht des ersten Spielers. Den nächsten Stich dürft ihr jetzt aufspielen.

Die Regeln von Herrlof sind denkbar einfach. Die Spielübersicht passt auf eine einzige Karte.

Weitere Sonderfunktionen haben alle Farbkarten mit den Werten von drei, sechs und neun Punkten. Mit einer 3er-Karte seht ihr euch die oberste Karte des Stapels mit den nicht benötigten Karten an und tauscht sie auf Wunsch gegen eine eurer Handkarten aus. Um vom Vorteil der 6er-Karte zu profitieren, müsst ihr mit dieser den Stich gewinnen. Wenn euch das gelingt, zieht ihr blind eine Karte eures Mitspielers. Ihr dürft die Karte behalten und sie gegen eine eigene Karte von der Hand austauschen. Die Spezialeigenschaft der Neunerkarten ist nicht zwingend ein Vorteil. Gewinnt ihr einen Stich mit der Neun, spielt der Mitspieler den nächsten Stich auf.

Herloff bietet alternativen Modus für drei Spieler

Das Spielende tritt ein, sobald der erste Spieler die Marke von fünfzig Punkten erreicht hat. Für eine Partie müsst ihr ungefähr eine halbe Stunde einrechnen. Alternativ lässt sich Herrlof auch mit drei Personen spielen. Die Regeln bleiben im Wesentlichen erhalten. Die fünfzehn Handkarten werden auf elf reduziert und das Punkteziel auf vierzig herabgesetzt. Außerdem entfällt der Punktebonus für das Gewinnen von drei oder vier Stichen. Im Dreier-Spiel entsteht nochmal eine etwas andere Dynamik. Insgesamt hat mir das Duell aber etwas besser gefallen.

Herrlof kann über die Website des Verlags für 12,95€ erworben werden.

Wenn ihr jetzt auf das Spiel neugierig geworden seid, könnt ihr es direkt beim Verlag bestellen. Auf der Homepage von Jolly Dutch kann Herrlof zum Preis von 12,95€ erworben werden.

Fazit: Das Wetteifern um Herrlof erhält die Testwertung von 8.0

Herrlof: Im Test kann das flotte Zwei-Personen-Spiel von Jolly Dutch überzeugen.

Bei neuen Spielen aus dem Stichspiel-Genre schwingt bei mir immer eine Portion Skepsis mit. Vermutlich habe ich einfach schon zu viele dieser Vertreter auf dem Tisch gehabt, so dass mich die grundlegenden Mechaniken schnell langweilen. Herrlof hat mich aber doch sehr positiv überrascht. Während viele Stichspiele zu zweit ziemlich abstinken, spielt der Jolly-Dutch-Titel genau hier seine Stärken aus. Durch die vielen Sonderfähigkeiten der Karten kommt reichlich Schwung ins Spiel. Auf dem Tisch ist eigentlich immer was los, so nimmt Herrlof eine wirklich schöne Dynamik auf. Natürlich spielt das Glück eine nicht zu geringe Rolle, doch es gibt auch genug Möglichkeiten, mit seinen Karten zu taktieren. Das fängt schon bei der Vorhersage der Stiche an. Wenn ihr merkt, dass ihr die anvisierte Zahl von Stichen nicht mehr erreichen könnt, tretet ihr auf die Bremse und versucht im Bereich von drei oder vier Stichen zu landen, um so die fünf Bonuspunkte abzusahnen. Sehr befriedigend, wenn dieser Schachzug gelingt. Es ist allerdings sehr schwierig bei der Vorhersage eine Punktlandung zu schaffen. Gelingt euch dieses Kunststück aber doch einmal, hat das richtig Durchschlagskraft. Mit zehn Extrapunkten kommt ihr euerm Ziel einen guten Schritt näher. Mit seinem flüssigen Spielablauf ohne lange Wartezeiten hat es Herrlof bei uns zu vielen Spielpartien geschafft. Das Spiel hat Potential in den kommenden Wintermonaten weitere Einsatzzeiten zu bekommen, wenn wieder vermehrt Zwei-Personen-Spiele zu Hause gefragt sind.

ProsCons
+ gut zu zweit spielbar- für bis zu max. 3 Spieler 
+ einfache Regeln 
+ gute Mischung aus Glück und Taktik 
+ spannende Wett-Mechanik 

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