Die Karten werden über eine App mit dem Smartphone eingescannt.
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Die Karten werden über eine App mit dem Smartphone eingescannt.

Delphine im Welltall

Houston, we have a Dolphin: Das neue Projekt von Hybr Games

  • vonSebastian Hamers
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Eine Sardelle im Diskettenlaufwerk? Das kann nur eines bedeuten. Wir haben einen Delphin an Bord. Einer der Astronauten spielt falsch..

Beim letzten Besuch der Brettspiel-Messe in Essen stolperte ich über ein kleines Kartenspiel mit dem witzigen Namen Soviet Kitchen Unleashed. Aus ungewöhnlichen Zutaten wie alten Reifen, Kupferschrott und jeder Menge Wodka pantschen wir kooperativ Mahzeiten für russische Soldaten zusammen. Von Hybr-Games hatte ich zuvor noch nie etwas gehört. Kein Wunder, Soviet Kitchen Unleashed ist das erste Werk der Truppe. Ein dreiviertel Jahr später erreichte mich nun ein mysteriöser Funkspruch aus Sachsen: „Houston, we have a Dolphin!“. Das kreative Quartett aus Dresden bereitet die Veröffentlichung eines zweiten Spiels vor, der über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanziert werden soll.

Schon der Name des neuen Projekts lässt erahnen, dass es sich bei „Houston, we have a dolphin!“ um ein ähnlich schräges Spiel handelt wie schon sein Vorgänger. Das Spiel führt uns zurück in das Jahr 1978. Die Menschheit hat sich mal wieder in eine aussichtslose Lage manövriert. Die Bedrohung besteht allerdings nicht aus Aliens, einem Virus oder der globalen Erderwärmung. Es sind vielmehr die hinterlistigen Delphine, die den Fortbestand der menschlichen Spezies bedrohen. Nur eine kleine Crew von Astronauten hat die Gefahr vorhergesehen und sich in letzter Sekunde in die Weiten des Weltraums geflüchtet. Die Astronauten wähnen sich in Sicherheit, als plötzlich der Bordcomputer abstürzt. Im Diskettenlaufwerk liegt eine Sardelle. Das kann nur eines bedeuten: „Houston, we have a Dolphin!“

Wer ist der Verräter in Houston, we have a Dolphin?

Es muss sich also mindestens ein Delphin an Bord geschlichen und unter die Astronauten gemischt haben. Der Plan der Delphine ist perfide. Das Raumschiff soll mit Wasser geflutet und damit das endgültige Ende der Menschheit besiegelt werden. Die Crew hat nur eine Chance. Drei überschüssige Module müssen vom Raumschiff abgetrennt werden, um die nötige Energie zu sparen und so den Bordcomputer neu zu starten. Es werden also waghalsige Helden benötigt, die den Job im Weltraum erledigen. Doch welche Besatzungsmitglieder sind vertrauenswürdig? Genau mit dieser Frage werdet ihr euch in „Houston, we have a Dolphin“ zentral beschäftigen.

Houston, we have a Dolphin: ein Spieler spielt falsch!

Bevor es losgeht, müssen zunächst die Rollen verteilt werden. Dem Spiel liegen zwanzig Karten bei, jede davon steht für einen Astronauten. Unter ihnen befinden sich auch zwei Delphine. Wird euch eine dieser Karten zugeteilt, werdet ihr automatisch zum Verräter und habt die Aufgabe, die Arbeiten eurer Mitspieler zu sabotieren und das Schiff zu fluten. Die Spielkarten werden dabei über eine App verteilt. Jede Karte wird einmal kurz über die Kameralinse eines Smartphones gehalten. Ihr erhaltet nun genaue Anweisungen, wie die Karten im Spiel verteilt werden.

Über Helden und Ingenieure in Houston, we have a Dolphin

Die Karten werden nicht zwingend gleichmäßig verteilt. Die App schiebt einige Astronauten den Spielern zu, ein paar landen allerdings auch in den drei Modulen, die später evakuiert und dann abgesprengt werden sollen. Ihr müsst wohl einfach mit dem Material auskommen, das euch von der allmächtigen App gewährt wird. Mit etwas Glück habt ihr Captain E. Glue auf der Hand. Als Captain habt ihr an Bord natürlich eine ganz besondere Machtposition inne. Ihr leitet unter anderem auch die Diskussionsrunde ein, um zu bestimmten, welche Astronauten auf die Außenmission geschickt werden sollen.

Das Spiel hat sein Finanzierungsziel auf Kickstarter schon erreicht.

In jeder Runde werden immer genau drei Weltraumfahrer nach draußen geschickt. Um ein Modul zu öffnen benötigt ihr immer einen Helden. Dabei handelt es sich um einen speziellen Astronauten-Typ, der sich für das Wohl der Crew aufopfert. Er kann seinen Job allerdings nur erledigen, wenn ihm zwei Ingenieure zur Seite stehen. Nur in dieser Dreierkonstellation kann das Modul geöffnet werden. Ihr müsst euch also vorher genau absprechen, wer welche Karte ins Spiel bringt. Der Delphin-Spieler wird sich aber nicht zwingend an die Absprache halten.

Houston, we have a Dolphin ist voller Geheimnisse

Prinzipiell werden alle Karten verdeckt gespielt. Es lässt sich also nicht unmittelbar feststellen, welche Karten nun tatsächlich gespielt wurden. Alle gespielten Karten werden von der App gescannt, am Ende der Runde erfahrt ihr lediglich das Ergebnis der Mission. Völlig ausreichend, um ein paar Spekulationen anzustellen. Geht der Weltraumspaziergang in die Hose, muss das allerdings nicht zwingend die Schuld des Verräters sein. Bei einer so gefährlichen Mission kann immer mal etwas schief gehen. Ein überraschender Asteroidenschauer durchkreuzt manchmal eure Pläne, ohne dass ihr etwas davon mitbekommt. Ein Astronaut hat die Mission nicht überlebt und kommt aus dem Spiel. Die Mission ist in dieser Runde gescheitert.

Wie ihr seht, das Spiel bietet viele Unbekannte und somit auch viele Möglichkeiten für den Delphin, seine Machenschaften zu verschleiern. Die Menschen sind dem Treiben des Verräters aber nicht ganz hilflos ausgeliefert. Spielt ihr während einer Mission einen Forscher aus, erhaltet ihr nähere Informationen über das Treiben eurer Mitspieler. Möglicherweise lässt sich der Kreis der Verdächtigen so schon etwas eingrenzen.

Die Rolle des Captains bei Houston, we have a Dolphin

Habt ihr am Ende die Mission erfolgreich abgeschlossen, könnt ihr nun einen Astronauten aus einem der Module retten. Der neue Astronaut kann in den Folgerunden eingesetzt werden. Leider wird der eingesetzte Held den Ausflug nicht überleben, er geht in den Weiten des Alls verschollen. Als Ersatz wandert der gerettete Astronaut auf die Hand. Alternativ könnt ihr euch aber auch dazu entscheiden, auf die neue Karte zu verzichten und stattdessen drei Panik-Marker zu nehmen. Diese kommen in der folgenden Phase des Spiels zum Einsatz.

Die Karten werden über eine App mit dem Smartphone eingescannt.

Nachdem die Astronauten wieder an Bord zurückkommen, hält nun der Captain seine Ansprache, um seine Befehle zu verkünden. Als Captain stehen euch drei Optionen zur Verfügung. Meistens müsst ihr einen Spieler für das Chaos an Bord zur Rechenschaft ziehen. Dieser Spieler muss einen seiner Astronauten opfern und aus dem Spiel nehmen. Falls alle drei Module bereits entkoppelt wurden, könnt ihr außerdem jetzt den Bordcomputer neustarten. Damit würden die Menschen das Spiel gewinnen. Habt ihr als Captain die Delphin-Rolle inne, könnt ihr auch das Raumschiff fluten. In diesem Fall gewinnen die Delphine das Spiel.

Die Panik steigt bei Houston, we have a Dolphin

Als Captain seid ihr allerdings kein allmächtiger Diktator. Eure Entscheidung kann von der Crew immer noch überstimmt werden. Ist die Panik an Bord groß genug, wird der Befehl möglicherweise verweigert. Alle Spieler, außer der Captain, setzten verdeckt eine beliebige Anzahl von Panik-Markern ein, um die Entscheidung ihres Chefs noch zu verhindern. Werden genügend Marker eingesetzt, wird der Befehl verweigert und ein neuer Captain gekürt. Der aktuelle Captain leitet jetzt die Organisation der neuen Runde ein. Das Spiel wird so lange fortgesetzt bis eine Partei ihr Ziel erreicht hat.

Houston we have a Dolphin ist das zweite Spiel der Kreativköpfe aus Dresden.

Houston, we have a Dolphin ist für 3-5 Spieler ausgelegt. Damit nimmt das Spiel im Genre der Social Deduction Games schon eine gewisse Sonderstellung ein. Ihr kennt das Problem vielleicht vom Klassiker „Die Werwölfe vom Düsterwald“. Es ist wirklich ein tolles Spiel, macht aber erst ab einer gewissen Anzahl von Mitspielern wirklich Spaß. Mit 3-5 Spielern müsst ihr eine Werwölfe-Partie erst gar nicht anfangen. Das Spiel von Hybr-Games soll allerdings auch schon mit drei Spielern gut funktionieren. Ob sich dieses Versprechen bewahrheitet, muss sich im Praxistest natürlich noch zeigen. Ich bin durchaus neugierig geworden, das Spiel einmal auszuprobieren. Die vielen verschiedenen Sonderfähigkeiten der Astronauten versprechen viel Chaos und Abwechslung. Wenn ihr dem Spiel eine Chance geben wollt, habt ihr derzeit auf Kickstarter noch die Chance dazu.

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