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Iki – Die Handwerker und Händler von Edo im Test: Die Handelssimulation aus Fernost

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Von: Sebastian Hamers

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Iki: Die Handwerker und Händler von Edo erscheint über Giant Roc und kostet ca. 50€. © Giant Roc

Im zweiten Anlauf hat Iki: Die Handwerker und Händler von Edo doch noch eine deutschsprachige Version erhalten, die jetzt über Giant Roc erscheint.

Beharrlichkeit zahlt sich manchmal eben doch aus. Für den deutschsprachigen Markt stand das Brettspiel Iki: Die Handwerker und Händler von Edo praktisch bereits vor dem Aus. Der stark asiatisch geprägte Look schreckte offenbar doch viele Brettspielbegeisterten davon ab, den Titel per Crowdfunding zu finanzieren. Die Kampagne für die Erstauflage war gescheitert. Doch die Verantwortlichen von Giant Roc glaubten weiterhin an das Spiel und brachten es optisch auf einen neuen Stand. Die grafische Anpassung an europäische Geschmäcker hat sich für den Verlag ausgezahlt. Die Finanzierungshürde wurde im zweiten Anlauf locker gemeistert, so dass Iki nach einer nun doch etwas längeren Wartezeit tatsächlich auch im regulären Handel zu finden ist.

Iki: Die Handwerker und Händler von Edo erstrahlt im neuen Glanz

Am wesentlichen Spielprinzip hat sich in der neuen Variante nichts geändert. Das Spiel siedelt sich im fernen Japan in der Zeit von 1603 bis 1868 an. In jenen Tagen war die japanische Metropole Tokio unter dem Namen Edo bekannt, wo sich die Handlung des vorliegenden Titels abspielt. Ihr selbst genießt das Privileg, einer der wohlhabenden Einwohner der Stadt zu sein. Als angesehener Edokko seid ihr allerdings nicht allein auf den eigenen Vorteil bedacht, sondern sorgt euch aktiv um den Wohlstand der Stadt und seiner Einwohner. Durch eure Aktionen sammelt ihr die namensgebenden Iki, der einen Maßstab für euer Ansehen in der Stadt darstellt. Wer nach Ablauf eines Jahres in diesem Punkt die Nase vorn hat, gewinnt die Partie.

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Giant Roc hat den stark asiatischen Look von Iki: Die Handwerker und Händler von Edo für den europäischen Markt angepasst. © Giant Roc

Um den Wohlstand von Edo zu steigern, setzt ihr vor allem darauf, die Wirtschaftskraft im Stadtbezirk Nihonbashi zu stärken. In diesem steht seit jeher der beliebteste Marktplatz der Stadt, der so ziemlich alles bietet, was das Herz begehrt. Von frischem Fisch, über edle Tabakwaren und verschiedenste Lebensmittel bis hin zu hochwertigen Handwerksarbeiten, der Großmarkt in Edo hat viel zu bieten. In Iki: Die Handwerker und Händler von Edo müsst ihr eigentlich nur noch dafür sorgen, dass der Laden weiter brummt. Doch – ihr habt es sicher bereits erahnt – ist dies leichter gesagt als getan.

Reges Markttreiben in Iki: Die Handwerker und Händler von Edo

Bei Spielbeginn ist die Marktauslage noch ziemlich leergefegt. Als kleine Starthilfe dürft ihr eine erste kleine Marktbude eröffnen und sie auf einem der zahlreichen dafür zur Verfügung stehenden Plätze auf dem Spielfeld platzieren. Weitere Händler und Handwerker werden in Kürze folgen. Denn diese sitzen schon voller Tatendrang auf der Wartebank. In jeder Spielrunde werden neue Händler und Handwerker bereitgestellt, die für ein kleines Handgeld in eurem Namen einen neuen Stand eröffnen.

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In Iki: Die Handwerker und Händler von Edo verbringt ihr genau ein Jahr in der japanischen Metropole. © Giant Roc

Mit wachsendem Angebot macht es dann auch gleich viel mehr Freude, über den Marktplatz zu flanieren. Und genau das wird im Spielverlauf tatsächlich eine euer vorrangigsten Aufgaben sein. Eure Spielfigur bewegt sich in jeder Runde um ein bis vier Felder nach vorne und umkreist so in einer Art Rondell ständig die Marktauslagen der Handwerker und Händler. Einfach mal drauflosspazieren und sich von den schönen Dingen inspirieren lassen, das ist allerdings keine gute Idee. Diverse taktische Feinheiten beeinflussen eure Entscheidung, wie weit sich die eigene Spielfigur bewegen soll.

Iki: Die Handwerker und Händler von Edo kreiert ein positives Spielgefühl

Das erste Problem besteht nämlich bereits darin, dass jede Schrittzahl zwischen einem und vier Feldern nur von einem Edokko belegt werden darf. Je nach Spielerreihenfolge seid ihr also zeitweise von der Auswahl der Mitspieler abhängig. Eine große Reichweite kann dabei durchaus Vorteile mit sich bringen, da mit jeder Marktumrundung eine Belohnung kassiert wird. Allerdings steht ihr in diesem Fall dann bei der Anwerbung neuer Händler und Handwerker auf einem der hinteren Ränge. Eine begehrte Karte steht euch dann in der Auslage dann möglicherweise nicht mehr zur Verfügung. Irgendeine Kröte müsst ihr also schlucken. Entweder bewegt sich die Spielfigur im Schneckentempo über den Markt oder aber es gibt eine begrenzte Auswahl bei der Rekrutierung von neuem Personal.

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Das Sammeln von Tabakwaren ist eine von vielen Möglichkeiten, um in Iki: Die Handwerker und Händler von Edo Siegpunkte zu sammeln. © Giant Roc

Ist die Entscheidung bei allen gefallen, kann die Figur ihren Marsch durch das Marktrondell endlich antreten. An der neu erreichten Position dürfen dann unter Umständen gleich mehrere Aktionen durchgeführt werden. Da wäre zunächst die Ortsaktion des Standorts selbst, mit der bereits gehandelt werden kann. Wer Ressourcen zu einem guten Kurs einkauft, kann diese später mit satten Gewinnen wieder abstoßen. Doch so richtig lukrativ wird der Besuch eines Marktstands erst durch die ausgespielten Händler- und Handwerkerkarten, die von euch im Verlauf der Partie gemeinsam ins Spiel gebracht werden.

Bei Iki: Die Handwerker und Händler von Edo ist die Rente das Ziel

Erst mit den von euch gespielten Händlerständen kommt dann auch so richtig Schwung ins Spiel. Jeder Händler und jeder Handwerker bringt eine eigene Aktionsmöglichkeit ins Spiel. Habt ihr eine neue Marktkarte eingesetzt, darf die Aktion ab sofort allerdings von jedem Spieler genutzt werden. Auf diese Weise entstehen auf dem Marktplatz von Nihonbashi starke Synergieeffekte, von denen letztlich alle profitieren, was sich wie ein Brandbeschleuniger auf das Wachstum der Stadt auswirkt.

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Bei Iki: Die Handwerker und Händler von Edo gewinnt euer Personal ständig an Erfahrung, bevor es irgendwann in Rente geht. © Giant Roc

Ihr werdet euren werten Mitspielern ohnehin kaum verübeln, wenn sie mit euren Händlern und Handwerkern interagieren. Denn diese gewinnen durch jede Aktionsbeteiligung an Erfahrung, steigen in der Stufe auf, maximieren das regelmäßige Einkommen… und gehen letztlich in Rente. Letzteres klingt zwar nicht gerade nach einem Vorteil, ist allerdings tatsächlich ein dickes Plus. Zum einem wirkt sich die Erfahrung des Rentners immer noch zu eurem Vorteil aus und zum anderen müsst ihr die Karte nicht länger mit den nötigen Reis-Vorräten versorgen.

Zahltag in Iki: Die Handwerker und Händler von Edo

Die Organisation von genügend Reis gehört als Mäzen der Stadt nämlich unbedingt mit zu euren wichtigsten Aufgaben. Nach Ablauf von drei Spielrunden, also zum Ende jedes Quartals, müssen alle Händler und Handwerker mit Nahrung versorgt werden. Habt ihr nicht die ausreichende Menge Nahrung bevorratet, wandern eure Mitarbeiter wieder aus dem Marktbezirk ab und verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Das gesamte Investment und sämtlicher Erfahrungsfortschritt können so auf einen Schlag verloren gehen.

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Bei Iki: Die Handwerker und Händler von Edo landen die Rentner auf eurem persönlichen Tableau. © Giant Roc

Ebenfalls am Quartalsende wird aber auch das Einkommen ausgeschüttet, das die Marktstände für euch erwirtschaftet haben. Falls ihr bereits einige Fachkräfte in Rente geschickt habt, wirkt sich ihre Erfahrung jetzt ebenfalls positiv auf den Ressourcennachschub aus. Ausgezahlt wird am Zahltag nicht zwingend in klingender Münze. Einige Stände bringen euch auch Reis, direkte Siegpunkte oder andere Vorteile ein. Wenn ihr bei der Zusammenstellung des Einkommens eine gute Mischung findet, habt ihr schon eine gute Basis für den Spielsieg gelegt.

Brandgefahr in Iki: Die Handwerker und Händler von Edo

Mit fortschreitender Spieldauer werden sich die eigenen Möglichkeiten ständig erweitern. Auf dem persönlichen Tableau wird die Zahl der Rentner zunehmen, möglicherwiese errichtet ihr sogar das ein oder andere Gebäude, das dauerhaft einen Platz auf dem Marktplatz einnimmt und mächtige Boni generiert. Doch zu sicher solltet ihr euch niemals sein, denn über der Stadt wabert stets die Gefahr des großen Brandes. Drei massive Feuerausbrüche gilt es während einer Partie möglichst unbeschadet zu überstehen. Dazu sammelt ihr im Spielverlauf möglichst viele Feuerschutzpunkte, die euch vor der größten Katastrophe bewahren können.

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Das Errichten von Gebäuden ist bei Iki: Die Handwerker und Händler von Edo eine ziemlich kostspielige Angelegenheit. © Giant Roc

In welchem der vier Marktbereiche auf dem Spielfeld das Feuer ausbricht, kann niemand vorhersagen. Nach dem Zufallsprinzip wird zu festgelegten Zeitpunkten im Spiel das Feuer entfacht und verbrennt sämtliche Stände, die nicht über einen ausreichenden Feuerschutz verfügen. Mit etwas Pech brutzelt euch an dieser Stelle die halbe Belegschaft weg, was euch in eurem Spielfortschritt schon ordentlich zurückwerfen kann. Ein wenig Aufwand für den Brandschutz kann also nicht schaden. Ob ihr diesen allerdings wirklich jemals ernsthaft benötigt, steht jedoch natürlich auf einem anderen Blatt.

Iki: Die Handwerker und Händler von Edo endet pünktlich zum Neujahrsfest

Nach zwölf Runden endet euer Jahr in Edo. Es folgt noch eine kleine Abrechnung, bei der das Sammeln von Fischen und Tabakwaren zusätzlich belohnt wird. Außerdem bringen euch etwaige errichtete Gebäude einen Vorteil ein und für eine möglichst breitgefächerte Berentung des Personals gibt es ebenso nochmals ein paar Extrapünktchen. Pünktlich zum Neujahrfest seid ihr nun bereit, den einflussreichsten und angesehensten Edokko unter euch zu küren.

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Bei Iki: Die Handwerker und Händler von Edo befruchtet ihr euch mit euren Aktionen gegenseitig, was ein sehr positives Spielgefühl erzeugt. © Giant Roc

Iki: Die Handwerker und Händler von Edo ist für zwei bis vier Personen ab vierzehn Jahren geeignet. Für eine Partie müsst ihr etwa eine bis anderthalb Stunden Spieldauer einrechnen. Das Spiel ist ab sofort im Handel zu finden und kostet etwa 50€.

Fazit: Auf dem Marktstand in Nihonbashi haben wir für Iki – Die Handwerker und Händler von Edo diese ingame-Testwertung entdeckt

Wertungsgrafik Iki
Iki: Die Handwerker und Händler von Edo hat sich mit einem positiven Spielgefühl in unsere Herzen gespielt. © ingame.de

Wenn ich ehrlich bin, das Thema von Iki: Die Handwerker und Händler von Edo hat mich zunächst überhaupt nicht angesprochen. Ferner Osten in post-mittelalterlichem Setting, das haben wir doch nun wirklich schon tausend Mal auf dem Tisch gehabt. Die anfängliche Skepsis hat sich allerdings ziemlich rasch gelegt. Bereits nach zwei Spielrunden hat mich das Spiel in seinen Bann gezogen. Die Gründe dafür liegen vor allem in dem positiven Spielgefühl, das Iki umgibt. Im Verlauf der zwölf Spielrunden herrscht zwar durchaus eine Rivalität, dennoch befruchtet man sich mit seinen Aktionen häufig gegenseitig. Der Mitspieler freut sich über meinen gerade gespielten Handwerker, indem er seine Aktionsmöglichkeit nutzt und sich ein paar Ressourcen einverleibt. Ich gönne ihm sein Einkommen nur zu gerne, denn durch die gewachsene Erfahrung meines Angestellten, kann ich selbst im hohen Maße von diesem Spielzug profitieren. Diese Win-Win-Situation sorgt für eine angenehme Atmosphäre am Spieltisch, so dass unser Jahr in Edo wie im Flug vergeht. Das Spiel hat aber auch seine stark emotionalen Elemente. Vor allem die drei großen Brände sorgen für reichlich Nervenkitzel am Spieltisch. Wer sich im Verlauf des Spiels in Sachen Brandschutz gut vorbereitet hat, kann sich zwar entspannt zurücklehnen, doch für alle anderen Beteiligten steht unter Umständen ziemlich viel auf dem Spiel. In einigen Partien wurden einzelnen Spielern beinahe das gesamte Handelsimperium weggeflämmt. Solche Momente können dann auf jeden Fall für Frust sorgen, zumal es sich nicht absehen lässt, an welcher Stelle der nächste Brand entstehen wird. Für spannende Augenblicke ist im Spielverlauf so auf jeden Fall gesorgt. Für mich ist Iki: Die Handwerker und Händler von Edo schon jetzt ein erstes Highlight der SPIEL 2022. Die Mischung aus positivem Spielgefühl und nervenzehrenden Augenblicken hat in meinen Spielgruppen jedenfalls voll eingeschlagen.

ProCon
+ progressives Wachstum sorgt für Motivation- Brände können den Spielverlauf zum Kippen bringen
+ positives Spielgefühl
+ Brandkatastrophen sorgen für Nervenkitzel
+ optisch sehr schön gestaltet
+ viel Abwechslung durch reichhaltiges Kartenmaterial

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