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Khora: Aufstieg eines Imperiums ist jetzt im Handel aufgeschlagen. Kostenpunkt: 45-50€

Mit Khora hisst Iello wieder die Strategiespiel-Flagge

Khora im Test: Antikes Griechenland als Brettspiel

  • VonSebastian Hamers
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Nach einigen Verzögerungen steht nun endlich Khora: Aufstieg eines Imperiums im Handel, das euch ins antike Griechenland entführt.

Lange angekündigt, heiß ersehnt und doch immer wieder verschoben. Auf diese Weise ließen sich in den Corona-Jahren viele Spiele beschreiben, egal ob digital oder analog. Auf Khora, der Herbstneuheit von Iello, trifft dies in jedem Fall zu. Wie bei so vielen Brettspiele, so war auch die Veröffentlichung des Strategiespiels pünktlich zur Brettspiel-Messe in Essen angedacht. Letztlich hat die deutschsprachige Version diesen wichtigen Termin dann aber doch verpasst. Materialknappheit, Container-Knappheit… ihr kennt das ganze Dilemma. Kurz vor Weihnachten trudelte Khora dann aber doch im Handel ein. Damit ist die Zeit jetzt endlich reif, sich in das Machtspiel der griechischen Stadtstaaten im antiken Griechenland einzumischen.

Khora – Machtspiele im antiken Griechenland

Beim Blättern durch das Geschichtsbuch stößt man vor allem auf haufenweise Kriege. Weltkriege, Heilige Kriege, Kreuzzüge, Bürgerkriege… die Liste ist endlos. Dabei könnte man fast vergessen, dass die Geschichte aus so vielem mehr besteht. Wissenschaftlicher Fortschritt, die Entwicklung der Kultur, bahnbrechende Entdeckungen und Naturkatastrophen gehören eben genauso zur Geschichte der Menschheit wie die zahllosen Schlachten der Heere. Genau diesem Umstand möchte Khora am Beispiel der griechischen Antike gerecht werden.

Auf dem Haupttableau von Khora können sich eure Armeen austoben und wichtige Entdeckungen erzielen.

Bevor ihr dem Ruf der Geschichte folgt, wählt sich jeder erstmal seinen eigenen Stadtstaat aus. Ob Argos, Korinth oder Sparta, jeder Staat verfügt über eigene Spezialfähigkeiten. Diese spiegeln die Besonderheiten des jeweiligen Stadtstaats wider, müssen teilweise aber erst im Spielverlauf freigeschaltet werden. Weiterhin gibt es ein persönliches Spielertableau, auf dem die Fortschritte in den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Militär verwaltet werden.

  • für 2-4 Spieler ab 14 Jahren
  • Spieldauer: 75 Minuten
  • Autoren: David Chapoulet & Jocelyn Millet
  • Verlag: Iello/Huch
  • Preis: 45-50€

Klare Abläufe in Khora

Am rechten Rand des Tableaus befindet sich außerdem ein Überblick über den Ablauf einer Spielrunde. Ein Spielzug besteht aus sieben Phasen, die nacheinander abgewickelt werden. Jeder Zug beginnt mit der Ankündigung eines Ereignisses, das den weiteren Spielverlauf beeinflussen wird. So kommt es etwa zu einem Bevölkerungswachstum, einer Dürrezeit oder die attische Seuche fegt über das Land hinweg. Tatsächlich habt ihr aber noch ein wenig Zeit, um euch auf die großen Veränderungen vorzubereiten. Das Ereignis wird erst in der sechsten Phase eines Spielzugs durchgeführt. Weise Herrscher können so noch die Weichen stellen und eine bevorstehende Katastrophe abschwächen oder von einem freudigen Ereignis im besonderen Maße zu profitieren.

Bei Khora verwaltet jeder Spieler seinen eigenen Stadtstaat auf einem persönlichen Tableau.

Weiter geht es im Spielzug mit dem Eintreiben der Steuern. Wie viele Drachmen in die Staatskasse gespült werden, hängt von eurem Steuer-Marker auf dem gemeinsamen Haupttableau ab. Auf dieser Tafel verwaltet jeder Stadtstaat neben den regelmäßigen Steuereinnahmen auch noch die Zahl der seiner Bürger, den Ruhm des Staates sowie die Truppenstärke. Von einem prall gefüllten Staatssäckel werdet ihr auf jeden Fall profitieren. Viele Aktionen lassen sich nämlich nur ausführen, wenn ihr das nötige Kleingeld auf der hohen Kante habt.

Khora und die Macht der Würfel

Erst jetzt wird endlich zu den Würfeln gegriffen. Bei Spielbeginn verfügt jeder Stadtstaat noch über deren zwei. Ein dritter Würfel kann allerdings freigeschaltet werden, wenn auf der Kulturleiste ein gewisser Fortschritt erzielt wurde. Die Würfel können nun eingesetzt werden, um in der folgenden Spielphase Aktionen auszuführen. Dafür steht jedem Staat ein identisches Set aus sieben Aktionskarten zur Verfügung. Ob eine Aktionskarte in dieser Runde tatsächlich eingesetzt werden darf, hängt allerdings vom Würfelwurf ab.

Ein wenig Würfelglück kann bei Khora nicht schaden. Mit der Kraft der Würfel werden im Spiel die Aktionen durchgeführt.

Die Aktionskarten sind mit Zahlen zwischen null und sechs Punkten nummeriert. Aktiviert werden sie durch die Zuordnung eines Würfels, der mindestens eine ebenso hohe Augenzahl aufweist. Zwei Aktionen könnt ihr somit immer ausführen, unabhängig vom Würfelergebnis. Außerdem dürft ihr die Zahl eurer Bürger reduzieren, um das Würfelergebnis zu erhöhen. Das schwächt den Glücksfaktor in Khora ein wenig ab. Dazu trägt auch die Philosophie-Aktion bei, die mit einem Wert von null Punkten, in jeder Runde eingesetzt werden kann.

Philosophisches Khora

Die Aktion bringt euch einen Philosophie-Marker ein, der auf vielfältige Art und Weise eingesetzt werden kann. Beispielsweise lässt sich mit ihm das Bürgeraufkommen im eigenen Staat wieder erhöhen, aber auch in vielen anderen Phasen des Spiels könnt ihr euch mit der Kraft der Philosophie einen Boost verschaffen. Neue Bürger erhaltet ihr ebenso mit der Aktion „Gesetzgebung“. Sie bringt euch aber zusätzlich noch eine Politik-Karte ein, ein mächtiges Instrument, das euch vielerlei Vorteile im Spiel verschaffen kann. 

Mit sieben unterschiedlichen Aktionen hangelt ihr euch bei Khora durch die Spielrunde.

Weiter geht es mit der Kultur-Aktion. Mit dieser verschafft ihr euch endlich auch die ersten Siegpunkte. Wie viele Felder der Siegpunktmarker nach vorne bewegt werden kann, hängt dabei vom kulturellen Fortschritt ab. Spielt euer Stadtstaat in diesem Bereich eine wichtige Rolle, steigert das euer Ansehen auf jeden Fall enorm. Für den wissenschaftlichen Fortschritt gilt dies über ein paar Umwege allerdings ebenso. Ein Weg dorthin führt über den schnöden Mammon. Spielt ihr die Handelsaktion und investiert ein paar Drachmen, dürft ihr euch einen Wissensmarker, die in drei verschiedenen Ausführungen vorliegen, aneignen. Diese stellen oftmals Vorbedingungen dar, um Politik-Karten ins Spiel zu bringen, die wiederum für den ein oder anderen Siegpunkt gut sind. Wie ihr seht, in Khora verlaufen zwischen den Einzelaktionen feine Verbindungen, die nur taktisch geschickt miteinander kombiniert werden müssen.

Die Rolle des Militärs in Khora

Trotz aller wissenschaftlichen und kulturellen Errungenschaften, auf den Ausbau eines Heers wird in Khora niemand verzichten können. Mit Hilfe der Militäraktion rekrutiert ihr nicht nur neue Soldaten in Höhe eures militärischen Fortschritts, sondern schickt eure Streitkräfte auch gleich auf eine Erkundung. Diese enden natürlich immer in einem Scharmützel. Je nachdem wohin die Soldaten geschickt werden sollen, muss dazu ein Militär in einer vorgegebenen Stärke bereitstehen. Das Gefecht endet auf jeden Fall zu euren Gunsten, allerdings geht die Schlacht nie ganz ohne Verluste aus. Die Mühe soll sich jedoch auszahlen. Denn für den Sieg erhaltet ihr Drachmen und Siegpunkte, sowie einen weiteren Wissensmarker.

Das politische Geschehen spielt in Khora ebenso eine wichtige Rolle.

Nicht weniger bedeutsam als die Stärkung des Militärs sind die politischen Ränkespiele in Khora. Über die Politik-Aktion dürft ihr eine passende Karte, die ihr vielleicht zuvor über die Gesetzgebungsaktion erhalten habt, auch tatsächlich ausspielen. Hier bedarf es jedoch eines zusätzlichen Investments. Manchmal werden ein paar Drachmen fällig, mal müsst ihr zuvor schon bestimmte Wissensmarker errungen haben. Der Aufwand für politische Schachzüge ist also recht hoch. Dieser rechnet sich allerdings schnell, da die Politik ein sehr mächtiges Instrument ist, um das Ansehen des eigenen Stadtstaats nach vorne zu bringen.

In Khora entwickeln sich die Stadtstaaten weiter

Als letzte Aktionsmöglichkeit bleibt nur noch die Entwicklungskarte. Sie stellt den individuellen Fortschritt des Stadtstaats dar. Wählt ihr diese Aktion, dürft ihr die Entwicklungsstufe auf dem persönlichen Tableau um ein Feld erhöhen. Dies schaltet – je nach gewähltem Stadtstaat – neue Sonderfertigkeiten frei, die euch bis zum Spielende erhalten bleiben. Den ersten Vorteil erhaltet ihr schon zu Spielbeginn, weitere drei Fähigkeiten lassen sich im Verlauf der Partie hinzugewinnen. Bevor sich der Staat jedoch tatsächlich weitentwickelt, müssen wieder bestimmte Voraussetzungen gegeben sein.

Der Zustand eures Staates wird in Khora etwas abstrakt auf diversen Leisten verwaltet.

Die paar Drachmen, die ihr möglicherweise der Staatskasse entnehmen müsst, sind an dieser Stelle schon fast zu vernachlässigen. Diese lassen sich fast immer irgendwie erübrigen. Doch die zahlreichen Wissensmarker, die für eine Entwicklung gefordert werden, müssen erst einmal aufgebracht werden. Gerade für die letzte Ausbaustufe sind die Bedingungen absurd hoch. Nur wenn ihr gezielt auf das Erreichen der finalen Stufe hinarbeitet, kommt ihr auch in den Genuss dieses letzten Vorteils. Eine kleine Hilfe sind hier etwaige gesammelte Philosophie-Marker. Für die Abgabe von zwei Markern, kann der Besitz eines Wissensmarkers kompensiert werden.

Fortschrittliches Khora

Nachdem alle Aktionen durchgeführt wurden, geht es direkt in die Fortschrittsphase weiter. Diese Phase ist wiederum vergleichsweise schnell abgehandelt. Ihr erhöht lediglich den Fortschritt in Wirtschaft, Kultur oder Militär um einen Punkt. Für jeden Fortschritt werden jedoch erneut ein paar Drachmen fällig. Dafür erhaltet ihr im Gegenzug einen kleinen Sofortbonus, wie Ruhmespunkte oder zusätzliche Bürger. Die Philosophie-Marker lassen sich ebenfalls in dieser Phase zum Einsatz bringen. Jeder Marker erlaubt euch jetzt einen weiteren Fortschritt durchzuführen. Kurz vor Rundenende kommt anschließend das Ereignis zum Tragen, das bereits in der ersten Spielphase enthüllt wurde.

In Khora werfen dramatische Ereignisse ihre Schatten voraus.

Ganz zum Schluss wird noch überprüft, ob ein oder mehrere Spieler die Bedingungen für eine Errungenschaft erfüllt haben. Schnelligkeit wird hier belohnt, denn jede Errungenschaft wird nur einmalig vergeben. Für Stadtstaaten, die zuerst gewisse Benchmarks in den Bereichen Siegpunkte, Bürger, Truppen, Wirtschaft oder Politik geknackt haben, winken zusätzliche Boni. Dann seid ihr schon bereit für eine neue Spielrunde. Eine Partie Khora läuft insgesamt über neun Runden, bevor es zur finalen Abrechnung kommt.

Khora und das große Finale

Ziemlich viele Siegpunkte habt ihr hoffentlich bereits im Verlauf der neun Spielrunden gesammelt. Am Ende kommen jedoch noch ein paar weitere hinzu. Einige Pünktchen gibt es für die Weiterentwicklung des Staates auf dem persönlichen Tableau, ebenso durch einige der ausgespielten Politik-Karten. Einen dicken Batzen können euch jetzt außerdem die Ruhmpunkte einbringen. Diese werden am Ende mit den durch Entdeckungen gesammelten Wissensmarkern multipliziert und als Siegpunkte ausgezahlt.

In Khora stehen euch sieben unterschiedliche Stadtstaaten zur Wahl.

Jetzt habt ihr den erfolgreichsten Stadtstaaten-Führer ermittelt und zum Sieger gekürt. Khora ist für zwei bis vier Spieler ab vierzehn Jahren geeignet. Für eine Partie solltet ihr zwischen einer und anderthalb Stunden einplanen. Das Spiel steht ab sofort zum Preis von 45-50€ im Handel.

Fazit: In den ingame-Geschichtsbüchern haben wir für Khora diese philosophische Testwertung entdeckt

In den ingame-Geschichtsbüchern haben wir für Khora diese philosophische Testwertung entdeckt.

Brettspiele mit Szenarien aus der Antike gibt es ziemlich viele. Doch auch wenn einige davon mechanisch vielleicht ziemlich viel auf dem Kasten haben, das Thema wirkt doch recht häufig etwas an den Haaren herbeigezogen. Bei Khora merkt man, dass sich die Macher durchaus ziemlich viele Gedanken um die thematische Einbettung gemacht haben. Die Autoren haben sich durch geschichtliche Ereignisse inspirieren lassen und diese dann im Spiel umgesetzt. Das gefällt und stärkt die Atmosphäre des Spiels. Unterstützt wird diese zusätzlich durch das tolle Spielmaterial. Sowohl die Qualität der Tableaus und Marker, als auch die grafische Gestaltung wissen zu überzeugen. Um ganz tief in die griechische Antike einzutauchen, wird euch dennoch ein gewisser Grad an Abstraktionsvermögen abgefordert. Echte Truppen werden bei Khora schließlich nicht durch die Gegend gescheucht. Ebenso wenig lassen sich wissenschaftliche oder kulturelle Fortschritte auf eine Art optisch registrieren. Der gesamte Stadtstaat wird ziemlich schlicht durch ein paar Leisten dargestellt, auf denen Marker hin und her geschubst werden. Wenn euch das nicht zu sehr stört, wartet ein gut verzahntes Strategiespiel auf euch, das zahlreiche Handlungsoptionen eröffnet und sich durch die unterschiedlichen Stadtstaaten auch noch sehr abwechslungsreich spielt. Das Expert-Label, das auf der Spielschachtel prangt, ist allerdings ein wenig irreführend. Khora bewegt sich in Sachen Komplexität eher auf einer mittleren Stufe. Geübte Spieler werden sich mit dem Iello-Titel sicher ziemlich schnell zurechtfinden und können zügig durchstarten. Vor einem ellenlangen Regelwerk muss also niemand Angst haben.

ProCon
+ optisch sehr schick- in Teilen etwas abstrakt
+ abwechslungsreich durch diverse Stadtstaaten
+ schön verzahnte Mechaniken
+ tolles Spielmaterial
+ funktioniert auch mit 2 Spielern prima

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