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The King‘s Dilemma erscheint über HeidelBÄR Games und kostet rund 60€.

The King‘s Dilemma versprüht die düstere Atmosphäre von Game of Thrones

The King‘s Dilemma im Test: Das ungewöhnliche Brettspiel-Erlebnis

  • vonSebastian Hamers
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Mit The King‘s Dilemma hat Horrible Guild ein wirklich ungewöhnliches Brettspiel mit Schwerpunkten auf Storytelling und Atmosphäre abgeliefert.

  • rund fünfzehnstündige Kampagne
  • für 3-5 Spieler ab 14 Jahren geeignet
  • Dauer pro Partie: ca. 1 Stunde
  • Preis: ca. 60€

Langjährige Gamer kennen das Phänomen. Die Liste der frisch erschienenen Blockbuster-Titel ist riesig, doch so wirklich macht euch kein Spiel davon so richtig an. Alles bloß aufgewärmter Kaffee: der tausendste Egoshooter erscheint euch ebenso wenig attraktiv wie der achte Teil einer bekannten Echtzeitstrategie-Serie. Alles schon einmal gesehen. In der Brettspielwelt sieht es nicht viel anders aus. So großartig viele Brettspiele auch sein mögen, der Wunsch nach etwas wirklich Neuem wird bei den eingefleischten Spielern immer größer. Im letzten Jahr schickte sich King’s Dilemma von Horrible Guild an, etwas frischen Wind in die Szene zu bringen. Das Spiel setzt vor allem auf seine erzählerischen Qualitäten. Zudem schwimmt King’s Dilemma ein wenig im Fahrwasser von Game of Thrones und hat somit voll den Nerv der Zeit getroffen.

Lasst ihr euch auf das Abenteuer ein, erwartet euch eine Reise in das Königreich von Ankist. Die Geschicke des Reichs werden ganz traditionell vom Königshof aus gelenkt. Der König gibt in King’s Dilemma allerdings eine ziemlich schwache Figur ab. Statt Ankist nach seinen eigenen Vorstellungen zu formen, ist er nicht viel mehr als ein Spielball seiner Berater. Die Vertreter der mächtigsten Adelshäuser des Reichs bilden den Großen Rat und flüstern dem König ihre Ideen ein. Genau an dieser Stelle kommt ihr ins Spiel. Ihr lenkt die Geschäfte eines von insgesamt zwölf Häusern. Das Schicksal von Ankist liegt in euren Händen.

Adelshäuser sorgen für ein King’s Dilemma

Wie ihr euch sicher schon gedacht habt, läuft die Beratung des Königs nicht immer ganz harmonisch ab. Es wird Politik betrieben am Königshofe und natürlich auch reichlich Lobbyarbeit. Hinter jedem Haus steht eine ganz eigene Geschichte, die ihr euch im Detail zu Gemüte führen könnt. Aus langjährigen Traditionen resultieren jedoch teilweise grundsätzliche verschiedene Ziele und Einstellungen zu wichtigen Belangen des Reichs. Wollt ihr dem König einen Floh ins Ohr setzen, ist meist bereits rasch ein anderer Berater zur Stelle und bringt vollkommen konträre Vorstellungen vor.

In King‘s Dilemma müsst ihr euch vor Spielbeginn für ein Adelshaus entscheiden.

Wer seinem Haus zu Ruhm und Reichtum verhelfen möchte, muss also manchmal Kompromisse eingehen und seine diplomatischen Fähigkeiten spielen lassen. Dabei könnt ihr im Grunde sämtliche Ressourcen in die Waagschale werfen, die euer Haus zu bieten hat. Zu Spielbeginn werdet ihr mit etwas Kleingeld und ein paar Machtmarkern ausgestattet. Dann kann die Geschichte von Ankist direkt beginnen. Der Plot wird dabei maßgeblich durch die sogenannten Dilemma-Karten bestimmt.

Storytelling in King’s Dilemma

In King’s Dilemma werden ständig neue Storylines enthüllt. Je nachdem wie eure Entscheidungen ausfallen, entwickelt sich die Geschichte von Ankist in eine andere Richtung. Ihr werdet aufgefordert bestimmte Umschläge zu öffnen, die gleich wieder neue Aspekte der Handlung miteinfließen lassen. Dem Spiel liegt die stattliche Anzahl von 75 Umschlägen inklusive Material bei, von denen ihr jedoch längst nicht alle zu Gesicht bekommen werdet. Das Spiel bietet die Möglichkeit für eine verästelte Story, bei der ihr unmöglich alle Stränge nachverfolgen könnt. Dadurch wird sich das Spielerlebnis eurer Gruppe von der Erfahrung anderer Spieler abheben.

In King‘s Dilemma wird das Spielmaterial laufend erweitert. Insgesamt liegen dem Spiel 75 verschlossene Umschläge bei.

Wie sich das Spiel verändert, liegt somit ganz in euren Händen. Die neuen Story-Elemente ringen dem König laufend bedeutsame Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen ab. Als Großer Rat versucht ihr dem König zur Seite zu stehen. Letztlich wird die Entscheidung ganz basisdemokratisch gefällt. Gemeinsam stimmt ihr darüber ab, ob eine bestimmte Aktion befürwortet oder abgelehnt wird. Um eurer Stimme Nachdruck zu verleihen, gebt ihr besagte Machtmarker aus. Am Ende der Abstimmung entscheidet die Anzahl der Marker über die Entscheidung des Königs. Als Alternative steht euch noch das Passen zur Wahl.

Bei King’s Dilemma wird Politik am Hofe betrieben

Ist ein Thema für eure eigenen Interessen nicht sonderlich relevant, kann das Passen eine durchaus lohnende Aktion sein. Durch euer zurückhaltendes Auftreten gelangt ihr an neue Machtmarker oder werdet zum Moderator des Rats ausgerufen. In dieser Rolle könnt ihr über Gleichstände nach eigenem Gutdünken entscheiden, was unter Umständen ziemlich pikant sein kann. Habt ihr die Ja- oder Nein-Option gewählt, dürft ihr weiter aktiv in den Beratungsprozess eingreifen. Dies geschieht etwa durch weiteres Beisteuern von Machtmarkern oder eine verbale Einflussnahme auf die anderen Adelshäuser. Zeitweise entstehen Allianzen innerhalb des Rats, die jedoch nicht zwingend längerfristig Bestand haben müssen.

Ja, Nein und Passen... das sind eure wesentlichen Optionen in King‘s Dilemma.

Ich solltet euch jedoch stets darüber im Klaren sein, dass jede Entscheidung einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Königreich hat. Wie sich der Befehl des Königs auswirkt, wird durch die Story-Karten zunächst nur angedeutet. Bevor es zur Abstimmung gelangt, erfahrt ihr zumindest welche Aspekte des Reichs beeinflusst werden. Wie sich die Veränderungen letztlich in der Tat gestalten, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ein gewisses Überraschungsmoment ist also immer gegeben.

King’s Dilemma als Stickeralbum

Die Historie der wichtigsten Entscheidungen wird darüber hinaus in der Chronik des Reichs festgehalten. Auf einem Sticker wird genau dokumentiert, welches Haus sich für die Durchsetzung eines Vorgangs besonders stark gemacht hat. Der Aufkleber wird direkt auf dem Spielbrett angebracht, um dort als Denk- oder Mahnmal zu fungieren. Hat euer Haus den Wohlstand der Bürger von Ankist mit seiner Entscheidung verbessert, unterschreibt wohl jeder Adlige den Vertrag gerne mit seinem Siegel. Doch seid ihr für eine echte Hungersnot des Volks verantwortlich, macht sich das in der Familienchronik nicht sonderlich gut.

Zur besseren Orientierung liegt King‘s Dilemma auch eine Landkarte bei.

Die Unterschrift auf den Sticker setzt stets das Haus, das am meisten Machtpunkte in dieser Abstimmungsrunde investiert hat… selbst wenn es am Ende auf der Seite der Verlierer steht. Unter Umständen könnt ihr so eine unpopuläre Entscheidung gar noch einem Mitbewerber in die Schuhe schieben. Politik ist so ein schmutziges Geschäft. Grundlage eures Handelns sollten dabei immer die persönlichen Ziele des Hauses sein. Die Agenda eurer Herkunftsfamilie steht am Ende sogar noch über dem Wohle des Königreichs selbst.

Rollenspiel-Anteil bei King’s Dilemma

Dabei müsst ihr nicht selten auch mal über euren persönlichen moralischen Schatten springen. Die Entscheidungen, die euch im Spielverlauf abverlangt werden, sind nicht immer besonders ritterlich. Nicht umsonst warnt das Regelwerk direkt auf der ersten Seite, dass Themen wie Sklaverei, Gewalt oder Diskriminierung Bestandteil der Welt von Ankist sind. Manchmal müsst ihr Positionen vertreten, die euch in der realen Welt zuwider sind. Zu gewissen Teilen ist King’s Dilemma somit auch ein Rollenspiel.

Jede Entscheidung hat in King‘s Dilemma weitreichende Auswirkungen auf diese sechs Faktoren.

Im Regelheft könnt ihr euch die Details zur Geschichte von Ankist anlesen. Ihr findet hier Informationen über die Gelehrten des Reichs und seine Armee, zur Rechtsprechung und natürlich auch zur Religion. Ebenso gibt es ein paar Stichpunkte zu den umliegenden Reichen, die ebenfalls einen gewissen Einfluss auf Ankist haben. Wenn ihr euch ein wenig Zeit nehmt, um die Hintergründe aufzusaugen, werdet ihr euch sicher schnell von der dichten und düsteren Atmosphäre mitreißen lassen.

King’s Dilemma wird kapitelweise gespielt

In dieser packenden Stimmung wird die Zeit an euch vorbeirasen. Eine Partie King’s Dilemma dauert in der Regel auch gar nicht so lange. Oft seid ihr schon nach weniger als einer Stunde am Spielende angelangt. Wie lange sich ein Durchlauf hinzieht, hängt maßgeblich von euren Entscheidungen ab. Sie beeinflussen sechs Werte, die für die Zukunft von Ankist verantwortlich sind: Einfluss, Vermögen, Moral, Wohlergehen, Wissen und Stabilität. Alle Werte wandern, je nach Entwicklung der Geschichte, auf einer Skala zwischen einem und siebzehn Punkten hin und her.

Die Story von King‘s Dilemma entblättert sich Stück für Stück und hängt maßgeblich von euren Entscheidungen ab.

Der Stabilitätswert steht für das gesellschaftliche Gleichgewicht in Ankist und sollte sich idealerweise irgendwo in der Mitte der Skala einpendeln. Erreicht der Marker an einer Stelle im Spiel eine der beiden äußeren Grenzen, endet die Runde sofort und es finden keine weiteren Abstimmungen mehr statt. Alternativ endet die Partie nach einer bestimmten Anzahl von Story-Elementen. Wurde diese Zahl erreicht, dankt der König ab und eine Ära geht zu Ende.

Fortlaufende Geschichte in Kings’s Dilemma

Eure Geschichte endet nach Ablauf der Partie jedoch nicht. Die Legende von Ankist wird in der nächsten Partie fortgesetzt. Die Voraussetzungen, mit denen ihr in den neuen Abschnitt der Story geht, haben sich allerdings ein wenig verändert. Neue Karten wurden enthüllt, das Spielfeld mit Aufklebern dauerhaft modifiziert und möglicherweise haben sich auch die Ressourcen eures Hauses etwas verändert. Viele Entscheidungen, dir ihr im Verlauf der letzten Partie getroffen habt, haben einen deutlichen Nachhall auf den Fortlauf der Geschichte.

In King‘s Dilemma verfolgt jedes Haus seine eigenen Ziele.

Bevor ihr das Finale von King’s Dilemma bestreitet, werden etwa 15 Partien vergangen sein. Die genaue Zahl der Spiele kann etwas variieren. Wie viele Partien ihr letztlich benötigt, hängt vom Verlauf eurer eigenen Story ab. Nach Abschluss der Kampagne habt ihr das Spielmaterial von King’s Dilemma verbraucht. Durch das Aufreißen von Umschlängen und das Bekleben des Spielfelds lässt sich das Spiel nicht wieder in den Grundzustand zurückversetzen. Somit ist King’s Dilemma leider nur ein einmaliger Spaß mit einer Spieldauer von rund 15 Stunden.

The King’s Dilemma ist in der deutschsprachigen Version über HeidelBÄR Games erschienen. Das Spiel ist für drei bis fünf Spieler ab vierzehn Jahren geeignet. Ihr findet das Spiel ab sofort zum Preis von etwa 60€ im Handel.

Fazit: The King’s Dilemma ist ein ungewöhnliches Spielerlebnis mit dichter Atmosphäre und hat sich folgende Testwertung verdient

The King’s Dilemma ist ein ungewöhnliches Spielerlebnis mit dichter Atmosphäre und hat sich folgende Testwertung verdient.

Rein mechanisch ist The King’s Dilemma ein ziemlich simples Verhandlungsspiel. Nüchtern betrachtet wägt ihr eine Vielzahl von Entscheidungen ab, die mit den Optionen Ja, Nein und Passe quittiert werden. Mit den Machtmarkern könnt ihr euch für euer persönliches Votum stark machen. Sehr viel mehr passiert in King’s Dilemma eigentlich nicht. Ist King’s Dilemma damit also durchgefallen? Warum landete das Spiel auf der Nominierungsliste zum Kennerspiel des Jahres 2020? Das Werk von Horrible Guild hat seine Stärken in einem ganz anderen Bereich. Mich hat King’s Dilemma jedenfalls voll in seinen Bann gezogen. Erste Hoffnungen auf ein besonderes Spielerlebnis wurden bereits wach, als ich mir die Details rund um das Königreich Ankist zu Gemüte geführt habe. Das Spiel legt es von der ersten Sekunde aus darauf an, einen hohen Immersionsgrad zu erzeugen. Wenn ihr euch ein wenig in die Rolle des Oberhaupts eines Adelshauses einfühlen könnt, seid ihr schon bald ganz tief drin im Spiel. Je lebhafter ihr eure Rollen verkörpert, desto mehr Spaß werdet ihr an King’s Dilemma finden. Am Verhandlungstisch feilscht um jede Entscheidung. Ihr betrügt, bestecht und bequatscht eure Mitspieler, geht Allianzen ein und sprengt diese wieder, trefft unbequeme Entscheidungen und vieles mehr. Für mich hat sich King’s Dilemma ein wenig wie ein klassisches Rollenspiel angefühlt. Zu einem solchen gehört neben der Ausgestaltung des Charakters natürlich auch eine gute Geschichte. Auch in diesem Punkt kann The King’s Dilemma glänzen. Das Königreich von Ankist verändert sich im Verlauf der Kampagne zusehends, da ständig neue Aspekte ins Spiel gebracht werden. Bis zum Ende des Spiels bleibt dabei unklar, welches Haus sich politisch am besten geschlagen hat. Ihr sammelt zwar in den Partien regelmäßig Ambitions- und Ansehenspunkte, erfahrt jedoch erst am Ende um ihre genaue Bedeutung. So bleibt das Spiel spannend bis zum Schluss, da sich kein Haus wie der sichere Sieger fühlen kann. Um King’s Dilemma genauso zu genießen wie unsere Runde, solltet ihr unbedingt eine geeignete Gruppe für das Spiel zusammentrommeln. Durch die sich weiterentwickelnde Geschichte empfiehlt es sich, die Konstellation innerhalbe der gesamten Kampagne nicht zu verändern, selbst wenn dies spieltechnisch theoretisch möglich ist. Wenn sich jetzt noch die Spieler gut auf ihre Rolle einlassen können, steht euch ein besonderes Spielerlebnis bevor. Ein Spiel wie King’s Dilemma kam euch zuvor ganz bestimmt noch nicht auf den Tisch.

ProCon
+ erzeugt eine dichte Atmosphäre- kann nach Ende der Story nicht wiederverwendet werden
+ packende Fantasy-Story- Spielspaß hängt von der Gruppe ab
+ kommunikatives Element
+ ungewöhnliches Spielerlebnis
+ versprüht den Charme von Game of Thrones

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