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Kulinarische Brettspiel-Action

Kitchen Rush im Test: Der kooperative Küchen-Wahnsinn

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In Kitchen Rush versucht ihr den hektischen Küchenalltag kooperativ zu meistern

Brettspiele sind euch zu langsam? Zu wenig Action? Dann seid ihr vielleicht einem Vorurteil aufgesessen. Auch analoge Spiele können durchaus schnell, hektisch und actiongeladen daherkommen. Das neue Kitchen Rush aus dem Hause Pegasus Spiele fällt in jedem Fall in diese Kategorie. Der Name ist Programm. Das vorliegende Brettspiel simuliert den hektischen Küchenalltag und läuft komplett in Echtzeit ab. Zum Glück müsst ihr den Küchen-Wahnsinn nicht alleine bestreiten, sondern agiert als Team um den Ansturm der Gäste zu bewältigen. Kooperatives Vorgehen ist also ebenso gefragt wie eine gute Absprache untereinander.

Frisch nach der Ausbildung beschließt ihr gemeinsam ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Eurem knappen finanziellen Polster geschuldet, übernehmt ihr ein etwas heruntergekommenes Lokal, das ihr für die Eröffnung ein wenig aufmöbelt. Es gibt einen kleinen Gästeraum, im hinteren Bereich befindet sich zudem ein Gasherd und zwei Lagerräume sind ebenso vorhanden. Selbst ein paar Regale zum Unterbringen von Tellern könnt ihr vom alten Ladeninhaber übernehmen. Damit seid ihr für den Start erst einmal ausgerüstet.

Einfacher Einstieg dank Tutorial

Zur Eröffnung macht ihr es euch erstmal nicht allzu schwer. Ihr ladet ein paar Freunde ein, bekocht sie mit ein paar kleinen Gerichten und habt einfach eine gute Zeit zusammen. Entsprechend einfach fällt auch der Einstieg ins Spiel selbst. Das Regelwerk beinhaltet ein Tutorial in acht Abschnitten. Mit jedem Abschnitt kommen neue Regeln hinzu und das Spiel wird schrittweise komplexer und schwieriger. Eine gute Entscheidung, denn so kommt ihr ziemlich geschmeidig ins Spiel, ohne vorher viele Regeln lesen zu müssen.

Mit den Sanduhren könnt ihr Aktionen im Restaurant ausführen. Die Wartezeit stellt eure Geduld auf eine harte Probe.

Wenn ihr neu ins Spiel einsteigt, müsst ihr gerade einmal vier unterschiedliche Aktionen managen. Im Empfangsbereich zieht ihr neue Gästekarten und legt sie im Gastraum an den Tischen aus. Dort könnt ihr mit einer zweiten Aktion auch gleich ihre Bestellung entgegennehmen. Die weiteren Aktivitäten finden im hinteren Bereich des Restaurants statt. Sobald ihr die Bestellung eines Gastes aufgenommen habt, schnappt ihr euch direkt einen Teller. Dann benötigt ihr noch die passenden Zutaten für die Bestellung, die ihr aus dem Vorratsraum holt. Zu guter Letzt geht es an den Gasherd, wo ihr die gewünschten Speisen zubereitet.

Unter Zeitdruck

Klingt alles einfach? Das ist es auch, wäre da nicht der immense Zeitdruck, unter dem ihr durchgehend steht. Ihr habt nur vier Minuten Zeit, um das Szenario zu bestehen. Nach Ablauf der Zeit legt ihr sofort eure Arbeit nieder und prüft, ob euch die Mission gelungen ist. Alle Aufgaben benötigen ihre Zeit, so dass jede Sekunde wertvoll ist. Eure Arbeitskraft kommt in Form von Sanduhren ins Spiel. Wenn ihr eine Aktion durchführen wollt, platziert ihr eure Sanduhr auf dem dazugehörigen Aktionsfeld. Erst wenn der Sand komplett durchgerieselt ist, dürft ihr die Sanduhr erneut aktivieren und so eine neue Aufgabe angehen.

Alle Zutaten für das Gericht wurden eingesammelt. Damit kann es jetzt schnell an den Herd gehen.

Zwischen 25 und 30 Sekunden Wartezeit müsst ihr einkalkulieren, bevor ihr die Sanduhr erneut einsetzen könnt. Rechnet aber nicht damit, dass ihr nun eine kleine Atempause in der Küche habt. Während die Uhr läuft, dürft ihr schon einmal aktiv werden. Je nach gewählter Aktion, deckt ihr neue Gästekarten auf, nehmt euch schonmal einen Teller aus dem Schrank oder sammelt die passenden Zutaten für eine Bestellung zusammen. Solange ihr noch nur mit einer Sanduhr hantiert, ist das alles kein großes Problem. Doch schon ab dem zweiten Tutorial müsst ihr euch alle mit zwei herumschlagen.

Das große Chaos in der Küche

Spätestens jetzt bricht im Restaurant schnell das Chaos aus, wenn ihr euch nicht gut untereinander absprecht. Die Aktionsplätze sind limitiert, ihr könnt also nicht alle eure Sanduhren am gleichen Ort einsetzen. Begrenzt sind aber auch die Zutaten in den Vorratsräumen. Bevorratet ihr in der einen Kammer etwa keine Nudeln mehr, müsst ihr diese aus der zweiten Kammer holen. Das kann schnell zu einem echten Problem werden, wenn ihr nicht mehr alle Zutaten für eine Bestellung in einer Speisekammer zusammensuchen könnt. Im Zweifelsfall müsst ihr dann gleich beide Kammern ansteuern, um das Gericht auf den Tisch bringen zu können. Das bedeutet allerdings einen spürbaren Zeitverlust.

Die Situation verschärft sich zusehends, da euch mit jedem weiteren Tutorial-Abschnitt neue Aufgaben erwarten. Bevor ihr ein neues Tutorial beginnt, müsst ihr häufig den Spielplan verändern. Dazu dreht ihr einen Abschnitt des zusammengesteckten Spielfelds herum. Neue Aktionsfelder werden so freigeschaltet, die ihr in der nächsten Sequenz verwenden könnt.

Auf dem Gasherd in der Küche könnt ihr die Gerichte auf die richtige Temperatur erhitzen.

Im zweiten Lernszenario fügt ihr eurem Restaurant ein Gewächshaus hinzu. Platziert ihr dort eine Sanduhr, dürft ihr euch Gewürz-Klötzchen aus einem Stoffbeutel heraussuchen. Einige Speisen auf eurer Karte erfordern nun den Einsatz bestimmter Gewürze, die ihr nun zusätzlich auf den Tellern platzieren müsst. Gerade der Stoffbeutel birgt einige Tücken. Es dauert einfach ein wenig bis ihr alle nötigen Gewürze aus dem Beutel herausgesucht habt. Doch vor allem kann sich kein anderer Koch in der Zwischenzeit am Gewürzbeutel bedienen. Die drängelnden Köche am Gewächshaus sorgen so für zusätzlichen Stress.

Vom Schnellimbiss zum Sterne-Restaurant

Natürlich könnt ihr euer Restaurant auch nicht auf Dauer damit betreiben, indem ihr immer nur eure Freunde einladet. Mit steigendem Bekanntheitsgrad des Lokals kommen auch immer mehr anspruchsvolle Gourmets zu euch. Sie bestellen komplexe Gerichte, die mehr verschiedene Zutaten benötigen, gut gewürzt sein wollen und bei denen auch die Zubereitungszeit etwas länger dauert.

Im Küchenalltag läuft nicht immer alles rund. Ein paar Ereignisse können euch die Suppe kräftig versalzen.

Dafür spülen die neuen Gäste aber auch bares Geld in eure leere Kasse. Das Management des Einkommens ist in späteren Tutorials dafür aber natürlich auch wieder ein weiterer Job, der übernommen werden muss. Vor jedem neuen Lernkapitel muss die Koch-Belegschaft erstmal kräftig durchpusten. Puh, noch eine weitere Aufgabe? Ja, so langsam wird es doch ganz schön anspruchsvoll. Die vier Aktionsfelder, die ihr noch am Anfang bedienen musstet, erscheinen inzwischen einigermaßen banal. Plötzlich müsst ihr auch noch Zutaten und Gewürze einkaufen gehen, Nudeln und Brot getrennt von anderen Lebensmitteln lagern, das Einkommen verwalten und euch um den Abwasch der Teller kümmern. Schnell wird der Restaurantbetrieb so aufwändig, dass ihr zwei Aushilfen einstellen könnt. Für euch bedeutet das weiteren Stress, denn ab sofort dürfen zwei weitere Sanduhren aktiviert werden. Wenn jetzt auch noch der Gasherd in der Küche verrücktspielt oder das Schloss an der Vorratskammer klemmt, ist der Wahnsinn perfekt.

Kooperative Echtzeit-Action

Das eigentliche Spiel beginnt allerdings erst, wenn ihr das gesamte achtschrittige Tutorial absolviert habt. Ab jetzt spielt ihr Kitchen Rush natürlich nur noch mit allem Pipapo und gebt euch dem kompletten Küchen-Wahnsinn hin. Jetzt warten fünf verschiedene Missionen, die es zu bewältigen gilt. Besonders stressresistente Köche können zudem noch die Ereigniskarten hinzunehmen. Kleine Missgeschicke wie zerbrochene Teller machen Kitchen Rush zu einer echten Herausforderung.

Sprecht ihr euch gut untereinander ab, habt ihr eine gute Chance, den Küchen-Wahnsinn zu meistern.

Kitchen Rush erscheint pünktlich zur nahenden SPIEL in Essen. In den nächsten Tagen sollte das Spiel aber auch flächendeckend für rund 40€ im Handel auftauchen. Zwei bis vier Köche können an diesem kooperativen Abenteuer teilnehmen.

Fazit

Kitchen Rush widerlegt eindrucksvoll, dass es Brettspielen immer an Action mangelt. Im hektischen Restaurant-Alltag würdet ihr euch über einen ruhigen Augenblick vielleicht mal freuen, allerdings werdet ihr ihn wohl vergeblich suchen. Im Gegenteil, in der Regel müsst ihr immer gleich mehrere Aufgaben parallel bewältigen. Damit spiegelt Kitchen Rush die Hektik eines echten Küchenbetriebs wohl ganz gut wider. Im ersten Lernszenario geht euch noch alles leicht von der Hand, aber schon ab dem zweiten Kapitel wird bereits mächtig an der Stress-Schraube gedreht. Wenn ihr euch jetzt nicht gut absprecht, geht es in der Küche schnell drunter und drüber. Das könnt ihr häufig sogar physisch spüren, wenn eure Hände in der Hektik kreuz und quer über das Spielfeld huschen, um die Sanduhren umzuverteilen. Da kommt ihr euch als Köche auch schnell mal in die Quere. Umso befriedigender ist dann allerdings das Gefühl, wenn ihr nach Dienstschluss euer Soll erfüllt habt. Kitchen Rush hebt sich mit einem frischen Spielgefühl angenehm aus der Menge der Herbstneuheiten heraus und ist für alle Fans von Echtzeit-Spielen eine echte Empfehlung.

Pros

Cons

+ actionreiches Spielen in Echtzeit

- kann in Stress ausarten

+ gutes Spielmaterial

+ angenehme Lernkurve

+ frische Spielidee

+ kooperative Spielweise

Kitchen Rush ist nicht das einzige Spiel, das Pegasus in diesem Jahr auf der größten Brettspiel-Messe der Welt präsentiert. Das volle Programm des deutschen Verlags findet ihr in unserem Artikel zur SPIEL 2019.

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