Die bunte Optik ist kindgerecht. Dennoch verbirgt sich hinter Kleine Kläffer ein taktisch anspruchsvolles Spiel.
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Die bunte Optik ist kindgerecht. Dennoch verbirgt sich hinter Kleine Kläffer ein taktisch anspruchsvolles Spiel.

Herbstneuheit von Piatnik

Kleine Kläffer im Test: Taktische Revierkämpfe als Kartenspiel

  • vonSebastian Hamers
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Das Kartenspiel Kleine Kläffer von Piatnik hat mehr taktische Tiefe zu bieten, als es zunächst den Anschein macht.

Regelwerk mit vierzig Seiten, haufenweise fein verzahnte Mechaniken, dazu ein ganzes Arsenal an detailreichen Miniaturen und das ganze für einen locker dreistelligen Betrag? Klar, immer her damit! Brettspiel-Enthusiasten schrecken selbst vor den dicksten Strategie-Kloppern nicht zurück. Doch nicht immer bleibt die Zeit, nicht immer findet sich die Lust auf ein Brettspiel mit epischen Ausmaßen. Manchmal darf es gerne ein Spiele-Quickie sein. Dann reicht ein schnelles Kartenspiel, um den Spieltrieb zu befriedigen. Schnell erklärt, schnell aufgebtaut, schnell gespielt. In diese Kategorie fällt Kleine Kläffer, eine der Herbstneuheiten von Piatnik.

Corona zum Trotz hat es der traditionsreiche Verlag aus Wien auch in diesem Jahr wieder geschafft, mehr als ein halbes Dutzend neuer Spiele pünktlich zum Herbstgeschäft in den Handel zu bringen. Kleine Kläffer fällt mit seinem comichaften Look direkt ins Auge und lässt auf den ersten Blick auf ein einfaches Familienspiel schließen. Ganz falsch liegt man mit dieser Vermutung auch nicht. Allerdings hat das Spiel doch mehr taktische Tiefe zu bieten, als es zunächst den Anschein erweckt.

Kleine Kläffer kämpfen um ihr Revier

Kleine Kläffer ist ein reines Kartenspiel. Außer den 72 Spielkarten findet ihr in der Verpackung lediglich noch eine kurze Anleitung. Im Spiel stellt jede Karte einen Kleinen Kläffer dar. Drei verschiedene Hunderassen kommen dabei zum Einsatz: die zuckersüße Zwergspitz-Dame, der ausgebuffte Chihuahua und die kluge französische Bulldogge. Die Hunde liegen in sechs verschiedenen Farben und mit Zahlenwerten zwischen einem und fünf Punkten vor.

So sieht die Startauslage von Kleine Kläffer aus.

Im Spielverlauf sammelt ihr Hundekarten, die ihr offen vor euch auslegt und nach Farben sortiert. Jede Farbe stellt ein Hunderevier dar. Im Spiel versucht ihr, in jedem Revier so wenig Punkte wie möglich zu sammeln. Jeder Punkt auf einer Hundekarte bringt euch in der Endwertung Minuspunkte ein. Habt ihr allerdings die meisten Punkte in einem Revier gesammelt, habt ihr den Bezirk übernommen und alle Minuspunkte dieser Farbe werden egalisiert.

In Kleine Kläffer ist weniger mehr, zumindest manchmal

Kassiert ihr in einem Revier also sehr wenige Punkte, ist das erstmal eine ganz gute Ausgangssituation für die Endwertung. Ganz so einfach ist die Rechnung dann allerdings doch nicht. Um das Spiel zu gewinnen, müsst ihr in mindestens einem Revier die Macht übernommen, also die meisten Punkte gesammelt haben. Der Versuch der Machtübernahme in einem Revier ist daher immer ein Spiel mit dem Feuer. Ihr sammelt mit einer Farbe im Spielverlauf fleißig Punkte, gelingt euch am Ende des Spiels allerdings der Reviersieg nicht, steht nun eine stattliche Zahl von Minuspunkten auf eurem Konto.

Im Spielverlauf bildet ihr eigene Hundereviere, die ihr nach ihrer Farbe sortiert.

Bei Spielbeginn sind eure Reviere noch leergefegt. Stattdessen legt ihr erstmal ein Raster von 4x4 offenen Hundekarten aus. Lediglich die vier Plätze in der Mitte der Auslage lasst ihr zunächst frei. Jetzt bekommt noch jeder Spieler vier Handkarten. Die verbleibenden Karten legt ihr verdeckt in zwei Reihen links und rechts neben dem Raster aus. Anhand der farbigen Kartenrückseiten könnt ihr das dazugehörige Revier einer Karte allerdings sofort erkennen. Unbekannt bleiben lediglich die Hunderasse und der Zahlenwert der Karte. Jetzt kann es aber auch schon losgehen, indem der Startspieler seine erste Handkarte ausspielt.

Lebhafte Hundereviere in Kleine Kläffer

Ihr wählt eine Hundekarte von der Hand und legt sie an einen freien Platz innerhalb des Rasters. Anschließend prüft ihr die Spalte sowie die Reihe, in die ihr eure Karte gespielt habt. Addieren sich die Punkte der direkt aneinandergereihten Karten in der Reihe oder Spalte auf zehn oder mehr Punkte, dürft ihr jetzt die ersten Hunde aus dem Raster unter eure Fittiche nehmen. Dazu vergleicht ihr eure ausgespielte Karte mit den anderen Hunden aus der Reihe oder Spalte. Nur wenn sie die gleiche Farbe oder die gleiche Hunderasse aufweisen, wandern sie in eure Reviere und nehmen dort ihre Plätze ein.

Die bunte Optik ist kindgerecht. Dennoch verbirgt sich hinter Kleine Kläffer ein taktisch anspruchsvolles Spiel.

Beim Ausspielen versucht ihr natürlich ordentlich zu taktieren. Auf einige Karten seid ihr möglicherweise scharf, bei anderen wollt ihr lieber vermeiden, dass sie in eure Reviere gelangen. Sowohl Farbe, als auch Hunderasse und Farbe spielen eine Rolle, ob oder welche Hunde das Raster verlassen. Bei jedem Zug gilt es also einige Abwägungen zu treffen, es spielt sich also schon ziemlich taktisch. Taktisch einsetzen lässt sich zudem ein ganz spezieller Sonderfall.

Kleine Kläffer mit taktischen Finessen

Hin und wieder kann es vorkommen, dass der letzte freie Platz in der Auslage belegt wird und ihr trotzdem keine einzige Karte in ein eigenes Revier legen könnt. In diesem Sonderfall dürft ihr euch alle Karten aus der passenden Reihe und Spalte nehmen, die nicht die gleiche Farbe und Hunderasse aufweisen wie eure gespielte Karte.

Diese drei putzigen Hunde sind die Stars des Spiels.

In der Regel weist das Raster in der Tischmitte allerdings schon einige Lücken auf, da regelmäßig Hunde in die Reviere abwandern. Damit die Auslage nicht vollkommen ausblutet, wird sie nach jedem Zug wieder aufgefüllt. Ihr legt so lange neue Hunde in die Auslage, bis nur noch vier Plätze frei sind. Die neuen Karten nehmt ihr entweder von der linken oder der rechten Reihe mit den verdeckten Karten. Da ihr anhand der farbigen Kartenrückseite die passenden Reviere erkennen könnt, ist auch schon das Nachlegen neuer Karten taktisch geprägt. Gleiches gilt übrigens für das Auffüllen eurer Hand. Auch hier entscheidet ihr, ob ihr die Ersatzkarte von links oder rechts aufnehmt. Damit könnt ihr eure Möglichkeiten in den nächsten Runden ein stückweit steuern.

Massenwanderung in Kleine Kläffer

Runde für Runde sammelt ihr nun immer mehr Hunde und sortiert sie in eure Reviere ein. Zu Beginn eines Zuges habt ihr allerdings die Möglichkeit, ein komplettes Revier an einem Mitspieler abzugeben. Ihr schiebt alle Hunde einer Farbe einem anderen Spieler zu. Das funktioniert allerdings nur, wenn dieser Spieler bislang noch keine Hunde dieser Farbe vor sich ausgelegt hat. Sobald auch nur ein Hund sein Revier bei euch abgesteckt hat, seid ihr vor dieser feindlichen Übergabe geschützt, was sich taktisch versierte Spieler gerne zunutze machen.

Kleine Kläffer von Piatnik ist ab sofort zum Preis von etwa 10€ zu haben.

Die Partie endet, sobald die Nachziehkarten auf beiden Seiten der Auslage aufgebraucht wurden. Dann könnt ihr direkt zur Endabrechnung übergehen und den Spieler mit den wenigsten Minuspunkten ermitteln, der das Spiel gewonnen hat. Für eine Partie müsst ihr ungefähr eine halbe Stunde einrechnen. Kleine Kläffer ist für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren geeignet. Ihr findet das Spiel ab sofort zum Preis von etwa 10€ im Handel.

Fazit: Kleine Kläffer spielt sich überraschend taktisch und hat sich damit folgende Testwertung verdient

Kleine Kläffer im Test: Der Spiele-Quickie um Hundekämpfe markiert sein Revier.

Auf den ersten Blick sieht Kleine Kläffer eher nach einem Spiel für Kinder aus. Die zuckersüßen Hunde haben einen cartoonigen Look und lassen nicht erahnen, dass euch dieses kleine Kartenspiel taktisch einiges abringt. Die Regeln sind zwar schnell erklärt und sofort verstanden, dennoch habt ihr in jedem Zug eine Vielzahl von Möglichkeiten, den Spielverlauf zu beeinflussen. Zwar spielt ihr immer nur eine einzige Karte aus, allerdings spielen dabei sowohl Kartenwert als auch Farbe und Hunderasse eine entscheidende Rolle. Hinzu kommt auch noch die Position im Raster, an der ihr eure Karte platziert. Stets habt ihr im Auge, welche Hunde in dieser Runde möglicherweise in eure Reviere gelangen. Keine leichte Entscheidung. Auf der einen Seite wollt ihr möglichst wenig Karten kassieren, um weitere Minuspunkte zu vermeiden. Andererseits müsst ihr in mindestens einem Revier die meisten Punkte gesammelt haben, um die Chance auf den Sieg zu wahren. Wenn ihr ein Fan von taktisch geprägten Kartenspielen seid und euch die etwas kindliche Optik nicht abschreckt, dann solltet ihr den Kleinen Kläffern eine Chance geben.

ProsCons
+ fordert viele taktische Entscheidungen- lange Wartezeiten bei vier Spielern
+ kurzes Regelwerk
+ hoher Wiederspielwert
+ kompaktes Format

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