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Kyoto von Deep Print Games kommt über Pegasusspiele in den Handel und kostet etwa 25€.

Klimakonferenz in Kyoto mit harten Verhandlungen

Kyoto im Test: Das Brettspiel für Umweltschützer

  • vonSebastian Hamers
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In Kyoto: Money Makes The World Go Down sorgt ihr euch nicht nur um das Wohl der Erde, sondern verfolgt auch eure eigenen Ziele.

  • für 3-6 Spieler ab 10 Jahren
  • Verlag: Deep Print Games
  • Preis: ca. 25€

Während im Januar 2021 noch die Corona-Pandemie die größte Bedrohung für die Menschheit darstellt, rollt mit großen Schritten schon eine weitere und vermutlich noch viel größere Gefahr auf die Erde zu. Der Klimawandel hat das Leben auf unserem Planeten bereits jetzt nachhaltig verändert. Ein Temperatur-Rekord jagt den nächsten, die Polkappen schmelzen und die Zahl der Naturkatastrophen nimmt in einem bedenklichen Ausmaß stetig zu. Schuld an der drohenden Misere sind wir Menschen selbst. Vielleicht haben wir ja tatsächlich noch eine Chance, Mutter Erde zu retten. Doch dazu müssen wir alle an einem Strang ziehen und auf ein paar Bequemlichkeiten verzichten. Das wird nicht allen schmecken. Schon gar nicht den starken Lobbyisten der Öl-, Atom- oder Chemieindustrie. Deep Print Games und Pegasusspiele arbeiten das Ringen um eine nachhaltigere Welt in Form eines Brettspiels aus. In Kyoto schlüpft ihr in die Rollen von Volksvertretern, die neben dem Wohl der Erde aber auch noch eine eigene Agenda verfolgen.

In diesem Brettspiel wird es politisch. Schauplatz des Spiels ist die Weltklimakonferenz, in der die Weichen für die Zukunft des Planeten gestellt werden sollen. Jeder von euch vertritt dabei eines von insgesamt sechs Nationen und müsst dabei einen schwierigen Spagat hinbekommen. Auf der einen Seite engagiert ihr euch für den Umweltschutz und damit für den Fortbestand der Erde, auf der anderen Seite möchtet ihr natürlich auch den Wohlstand eures Landes bewahren. Wäre es nicht deutlich bequemer, wenn die anderen Nationen etwas mehr Enthusiasmus für die Verhinderung des Klimawandels an den Tag legen würden? Diesen Gedanken verfolgen die Vertreter der anderen Nationen allerdings leider auch. Eine knifflige Ausgangslage, es stehen euch intensive Verhandlungstage auf der Weltklimakonferenz bevor.

Kyoto: Money makes the world go down

Der Zustand der Erde wird in Kyoto symbolhaft durch drei Faktoren dargestellt. Gemeinsam sorgt ihr euch um das Tierwohl, genauso wie um die Qualität der Luft und die Stabilisierung der Temperatur. Jeder dieser drei Faktoren darf im Spielverlauf um maximal fünf Stufen verschlechtert werden. Tritt dieser Super-GAU ein, wird die Weltklimakonferenz automatisch als gescheitert gewertet und das Spielende wird eingeleitet. Gemeinsam müsst ihr den Zustand der Erde zumindest einigermaßen bewahren. In Kyoto gilt es, die vorliegenden Studien zur ökologischen Situation des Planeten zu bearbeiten und die notwendigen Schritte im Rahmen der Konferenz einzuleiten. Habt ihr alle Studien beackert und die Erde hat in keinem Punkt den kritischen Wert erreicht, habt ihr das Bestehen der Menschheit gesichert, zumindest vorerst.

Bei Spielbeginn ist in Kyoto die Welt noch intakt. Das Schicksal der Erde liegt in eurer Hand.

Kyoto ist allerdings kein kooperatives Brettspiel. Zwar müsst ihr alle gemeinsam an einem Strang ziehen, um die Welt zu retten, doch wie sehr sich eure Nation dabei ins Zeug legt, bleibt ganz euch überlassen. Wird der Fortbestand der Erde gesichert, profitiert am Ende die Nation, die am wenigsten Zugeständnisse machen musste. Sie kann nach Abschluss der Konferenz aus dem Vollen schöpfen und weiterhin ihre dicken SUVs fahren, ihre Thermalbäder genießen und die kostengünstigen Kohlekraftwerke betreiben. Den anderen Ländern bleibt das lediglich die Gewissheit, sich für eine gute Sache engagiert zu haben.

Lobbyarbeit in Kyoto

Bei Spielbeginn gehen alle Nationen mit ähnlichen Voraussetzungen an den Start. Jedes Land erhält ein paar Millionen Dollar, sowie einige Wohlstandskarten. Letztere stellen die bereits oben erwähnten Umweltsünden eurer Nationen dar. Weiterhin wird jedem Umweltpolitiker noch eine persönliche Agenda zugewiesen. Jeder von euch hat einen wohlwollenden Investor, der euch dazu animiert, euer Schaffen zu seinen Gunsten einzusetzen. So vertretet ihr klammheimlich die Lobby der Kohleindustrie, der Öllobby oder auch die Interessen des Kartellamtes und der Schweizer Bank. Die Lobbyisten lassen sich nicht lumpen, wenn ihr politisch für sie aktiv werdet.

Bei Kyoto organisiert der Vorsitzende den Ablauf einer Spielrunde und erhält das Rednerpult.

Habt ihr alles vorbereitet, kann es direkt mit der ersten Verhandlungsrunde beginnen. In jeder Runde übernimmt ein Spieler dabei den Vorsitz über die Konferenz. Ihr zieht die erste Karte vom Studienstapel und stellt sie euren Mitspielern vor. Jede Studie zeigt an, auf was die Menschheit wohl besser verzichten sollte, wollen sie der Erde keinen weiteren Schaden zufügen. Im einfachsten Fall müsst ihr lediglich den CO2-Ausstoß reduzieren. Beispielsweise könnte die Studie festgestellt haben, dass die Nahrungsmittelindustrie unverhältnismäßig viel zum Treibhauseffekt beiträgt. Nachhaltiger Schaden ließe sich verhindern, indem der Ausstoß von CO2 um 150 Tonnen reduziert würde.

In Kyoto wird hart verhandelt

CO2 lässt sich auf vielen Wegen einsparen. Ganz ohne Reibungsverluste wird es allerdings nicht gehen. Wie die Einsparung von CO2 zustande kommt, darüber muss nun in der Verhandlungsrunde debattiert werden. Die Teilnehmer an der Klimakonferenz können sich nun dazu bereiterklären, auf einen Teil ihres Wohlstands zu verzichten. Produziert eure Nation in Zukunft keine 3D-Bildschirme mehr, habt ihr schon 50 Tonnen CO2 eingespart. Ein anderes Land schränkt dafür möglicherweise die Möglichkeit des Nachtskifahrens ein oder verzichtet auf luxuriöse Kreuzfahrten.

In Kyoto wird hart verhandelt. Kreuzfahrten wurden bereits zugunsten der Umwelt geopfert. Ob das die Öllloby erfreut?

Eure Zugeständnisse drückt ihr in Kyoto aus, indem ihr euch von Wohlstandskarten trennt. Das ist zwar schmerzhaft, da euch am Spielende jede verbleibende Karte Siegpunkte beschert, lässt sich jedoch nicht ganz vermeiden. Geht es um die Reduktion von CO2 seid ihr noch recht flexibel, schließlich wird dieses durch jede Umweltsünde produziert. Stellt eine Studie aber etwa fest, dass etwa speziell die Kohleindustrie die verbindlichen Klimaziele missachtet, müsst ihr auch entsprechende Wohlstandskarten opfern, die für die Luftverschmutzung verantwortlich sind. Je nach Studie müsst ihr also passend auf die Situation reagieren.

Gescheiterte Verhandlungen führen in Kyoto zu Umweltschäden

Durch den reinen Verzicht der Nationen ist es jedoch noch nicht getan, um die Umweltkatastrophe abzuwenden. Zusätzlich müsst ihr den Maßnahmen auch noch eine gewisse Anschubfinanzierung zukommen lassen. Ein paar Millionen Dollar sollten also außerdem noch bereitgestellt werden. Um die Verhandlungen erfolgreich abzuschließen, spielt es keine Rolle welche Nation wie viel zum Gelingen beigetragen hat. Allerdings drängt euch die Zeit. Für die Verhandlung stehen euch lediglich 90 Sekunden zur Verfügung. Liegen nach Ablauf der Zeit nicht die benötigten Ressourcen auf dem Tisch, sind die Verhandlungen gescheitert.

In Kyoto kommen ständig neue Studien ins Spiel. Diesmal soll die Luftverschmutzung reduziert werden.

Die durch die Studie bereits angedrohten Umweltschäden werden nun ausgeführt. Die Folge kann ein globaler Temperaturanstieg, eine zunehmende Luftverschmutzung oder das Aussterben einer Tierart sein. Mutter Erde steht nun wieder einen Schritt näher am Abgrund. Jede Studie verfügt außerdem über einen zusätzlichen Schaden, der allerdings nur dem Vorsitzenden bekannt ist. Als Vorsitzender könnt ihr die Folgen eines Scheiterns also etwas besser einschätzen als eure Mitspieler und euer Engagement entsprechend anpassen.

Bestechungsgelder füllen in Kyoto eure Staatskassen

Geht es um die Rettung der Erde, wird wohl sich wohl auch eure Nation von ein paar liebgewonnenen Dingen trennen müssen. Vermutlich werdet ihre dabei aber wohl stark darauf achten, die Interessen eurer Lobby im Hintergrund zu wahren. Erfüllt ihr die Aufgaben der Lobby, winken euch am Spielende schließlich einige Siegpunkte. Habt ihr euch etwa von der Autolobby schmieren lassen, versucht ihr das Ablegen von entsprechenden Wohlstandskarten zu vermeiden. Leider beeinflusst aber auch das Handeln der anderen Nationen die Zufriedenheit der Lobby.

Die Lobbyisten wollen in Kyoto ein gehöriges Wörtchen mitbestimmen.

Fallen SUVs, LKWs und der Formel-1-Sport der Rettung des Planeten zum Opfer, wird sich die Autolobby nicht gerade erfreut zeigen. Mit der nötigen Kohle könnt ihr aber vielleicht verhindern, dass andere Nationen diese Errungenschaften aufgeben. In Kyoto dürft ihr eure Mitspieler mit Geldscheinen bestechen, damit sie einmal gespielte Karten wieder zurücknehmen. Letztlich ist alles eben doch immer eine Frage des Geldes. Politik ist und bleibt am Ende ein schmutziges Geschäft.

In Kyoto steht die Zukunft des Planeten auf dem Spiel

Gelingt es euch tatsächlich gemeinsam alle Studienkarten abzuarbeiten, ohne dass ein Umweltfaktor den kritischen Wert erreicht, habt ihr die Weltklimakonferenz zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht und die Welt vorerst gerettet. Jetzt ist es an der Zeit eine Bilanz zu ziehen. Welche Nation ist mit den geringsten Verlusten aus der Konferenz gekommen? Siegpunkte gibt es für noch verbleibende Wohlstandskarten und die Geldreserven. Weitere Punkte kommen für die erfolgreiche Lobbyarbeit hinzu. Die Nation mit den meisten Punkten gewinnt die Partie.

Auf welche dieser Annehmlichkeiten könnt ihr in Kyoto am ehesten verzichten?

Sterben allerdings zu viele Tiere aus, wird die globale Temperatur oder die Luftverschmutzung auf einen nicht mehr tolerablen Wert erhöht, scheitert die Weltklimakonferenz vorzeitig. Die Endabrechnung wird daher nun verfrüht vorgenommen. Die Nation mit den meisten Punkten erntet in diesem Fall aber nicht den Ruhm des geschickten Taktikers, sondern muss sich für seine Blockade-Politik verantworten. Stattdessen gewinnt nun das Land mit den zweitmeisten Punkten. Ob euch dies angesichts der gescheiterten Konferenz ein Trost ist, darf jeder für sich selbst entscheiden.

Kyoto von Deep Print Games erscheint über Pegasusspiele zum Preis von etwa 25€. Das Spiel ist für drei bis sechs Personen ab zehn Jahren geeignet und dauert zwischen 30 und 45 Minuten.

Fazit: Die Weltklimakonferenz von Kyoto wurde erfolgreich mit dieser Testwertung abgeschlossen

Die Weltklimakonferenz von Kyoto wurde erfolgreich mit dieser Testwertung abgeschlossen.

Als Kyoto im Herbst 2020 vorgestellt wurde, war ich sofort an diesem Spiel interessiert. Das Thema wirkt frisch und ist aktueller denn je. Die Rettung der Erde geht uns alle an und sollte jedem am Herzen liegen. Kyoto zeigt allerdings auch, dass die Mission keine einfache ist. Wir sind uns alle einig, dass wir weniger CO2 produzieren müssen und unser Leben in seiner aktuellen Form so einfach nicht weitergehen kann. Es muss gespart werden. Einzig über das „Wie“ lässt sich vortrefflich streiten. Sind teure Luxuskreuzfahrten nötig? Brauchen wir wirklich noch die alten Kohlekraftwerke? Und was ist mit dem Formel-1-Sport? Was dem einem überflüssig erscheint, ist dem anderen teuer. Letztlich bleibt uns nur der Diskurs, um einen vernünftigen Kompromiss zu finden, der für alle Beteiligten gangbar ist. Genau um diesen Diskurs dreht sich alles bei Kyoto. Das Spiel macht deutlich weniger Spaß, wenn sich alle kompromisslos der Rettung des Planeten unterordnen, so vorbildlich dieses Verhalten auch sein mag. Harmoniebedürftige Spieler sollten daher eher einen Bogen um das Spiel machen. Diskussionsfreudige Runden werden hingegen sehr viel mehr Freude mit Kyoto haben. Wenn mit harten Bandagen gekämpft, um jede Wohlstandskarte gefeilscht und mit Bestechungsgeldern um sich geworfen wird, dann läuft das Spiel von Deep Print Games zu Höchstform auf. Auf euch wartet ein emotionsgeladenes Spiel mit einem spannenden Thema, das sehr von der wortreichen Beteiligung der Spieler lebt.

ProCon
+ modernes Thema- Spaßfaktor hängt stark von den Spielern ab
+ kommunikatives Spielerlebnis
+ auch in etwas größeren Gruppen gut spielbar
+ sehr viel Interaktion

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