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Last Aurora erscheint über Grimspire und kostet ca. 45€.

Grimspire setzt Pendragons Last Aurora für den deutschsprachigen Markt um

Last Aurora im Test: Eiszeitliche Postapokalypse als Brettspiel

  • VonSebastian Hamers
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In Last Aurora bewegt ihr euren Konvoi durch eine erbarmungslose Eiswüste. Gelangt ihr zum Schiff, bevor es endgültig am Horizont verschwindet?

Die italienischen Brettspiel-Designer von Pendragon Game Studio haben offenbar eine Vorliebe für die Aufarbeitung nerdiger Themen. Aufgegriffen wird dabei so ziemlich alles, was der popkulturelle Sektor hergibt. Egal ob Piraten, Horror, Fantasy oder asiatische Kampfkünste… all diese Themen finden bei Pendragon eine Heimat. Bei Last Aurora, einem der neuesten Streiche des Studios, dreht sich alles um eine unbarmherzige Endzeitwelt. Die nukleare Zerstörung hat die nördliche Hemisphäre in eine Eiswüste verwandelt. Ein Überleben erscheint kaum möglich. Einzig die Flucht in den Süden ist eine denkbare Option, wäre der Weg dorthin nur nicht so lang und gefährlich. Die Situation erscheint aussichtslos, doch da macht ein aufgefangener Funkspruch Hoffnung. Der Eisbrecher Aurora sucht entlang der Küste nach Überlebenden, um sie mit an Bord zu holen und in wärmere Gefilde zu transportieren. Doch die Zeit wird knapp. Eilig rüstet ihr eure Konvois aus und macht euch auf den Weg zur Küste. Leicht gesagt, denn die Ausrüstung ist marode und die Strecke mit zahlreichen Gefahren gespickt…

Last Aurora ist ein Wettlauf gegen die Zeit

Beim Überfliegen der atmosphärischen Einleitung könnte man zunächst vermuten, dass es sich bei Last Aurora um ein kooperatives Brettspiel handeln könnte. Tatsächlich ist allerdings jeder von euch auf sich allein gestellt und möchte auf eigene Faust das rettende Schiff an der Küste erreichen. Ihr seid als Anführer eines kleinen Konvois dafür verantwortlich, die Überlebenden samt ihren letzten Habseligkeiten sicher ans Ziel zu geleiten. Besonders viel Equipment steht euch dazu nicht zur Verfügung. Ihr beginnt das Spiel mit einem zugstarken Truck sowie einem Anhänger. Zwei Soldaten stehen euch zudem als Besatzung parat. Außerdem gibt es einen kleinen Rest an Nahrung, Munition und Treibstoff.

In Last Aurora bewegen sich die Konvois langsam durch die Eiswüste.

Also dann, auf geht’s! Viel Zeit habt ihr nicht. Die Aurora bewegt sich langsam entlang der Küste in einer Bucht im Westen. Sie bewegt sich etappenweise um ein Feld nach vorne, bis sie sich schließlich nach sechs Runden wieder in die endlosen Weiten des Ozeans begibt. Sechs Züge sind nicht viel, ihr müsst euch also sputen, wenn ihr den Konvoi aus dem Tal über die Küste bis hin zur Bucht führen wollt.

  • für 1-4 Personen ab 13 Jahren
  • Spieldauer: 60-90 Minuten
  • Autor: Mauro Chiabotto
  • Verlag: Pendragon/Grimspire
  • Preis: ca. 45€

Mit Last Aurora die Eiswüste erkunden

Die Partie folgt bei der Reise durch die Eislandschaft einem ziemlich klaren Ablauf. Bevor sich der Truck auch nur einen Meter bewegt, gilt es erstmal die nähere Umgebung auszuscouten. Unterhalb des Spielfelds wird daher ein Erkundungsbereich ausgelegt, der aus fünf Karten besteht. Dies sind die Begebenheiten, die aktuell entdeckt werden können. Da wir uns aber immer noch in einer ziemlich ungemütlichen Eiswüste befinden, geht die Erkundung selten reibungslos vonstatten.

Jeder Spieler verwaltet in Last Aurora einen eigenen Konvoi.

Es muss immer mindestens ein Besatzungsmitglied bestimmt werden, das sich einen der fünf Orte genauer ansehen soll. Je weiter sich der anvisierte Ort rechts in der Auslage befindet, desto kniffliger wird der Ausflug dorthin. Das Besatzungsmitglied muss vor allem über die nötigen Erkundungspunkte verfügen, um an den gewünschten Ort zu gelangen. Erst jetzt kann der Effekt der aufgesuchten Karte aktiviert werden. Manchmal finden sich im Eis ganz nützliche Gegenstände, wie zusätzliche Munition oder Treibstoff oder ihr stoßt auf einen weiteren Überlebenden, der sich nur zu gerne eurer Crew anschließt. In diesem Fall erhaltet ihr eine zusätzliche Spielfigur, die sich zukünftig für weitere Aktionen einsetzen lässt und oft über ziemlich hilfreiche Spezialaktionen verfügen.

Last Aurora und die Mangelverwaltung

Natürlich lassen sich nicht unbegrenzt neue Mitstreiter dem Konvoi hinzufügen. Schließlich ist Stauraum – auch für Personen – ein knappes Gut in Last Aurora. Euer Lastzug muss daher über die nötigen Ladekapazitäten verfügen, wenn neue Ware oder Besatzung mit an Bord genommen werden soll. Diese werden über speziell ausgewiesene Ladeflächen im Konvoi dargestellt. Glücklicherweise entdeckt die Besatzung manchmal neue Anhänger, die an das Ende des Zugs angehangen werden können. Jedenfalls solange der Truck über die nötige Zugkraft verfügt. Doch selbst für dieses Problem gibt es eine Lösung. Kaum zu glauben, aber hin und wieder pellt ihr sogar ein neuer leistungsstarker Truck aus dem Eis, der euer altes Zugpferd ersetzen kann.

In jeder Runde sendet ihr bei Last Aurora eure Crew zum Scouten aus.

Der Truck und seine Anhänger sind in Last Aurora somit die eigene Lebensversicherung. Die Wägen helfen allerdings nicht nur beim Transport von Personen und Waren, sie lassen sich auch zu echten Kampfmaschinen upgraden. Bei der Erkundung der Eiswelt entdeckt ihr intakte Waffen, die sich auf die Dächer des Trucks oder der Anhänger montieren lassen. Mit einem einsatzbereiten Maschinengewehr an Bord, wird die Fahrt zur Küste gleich viel entspannter.

Unbarmherzige Eiswelt in Last Aurora

Hört sich jetzt alles erstmal vielversprechend an. Doch das ist leider nur die halbe Wahrheit. Die Eislandschaft birgt zwar durchaus Hoffnungen, aber mindestens ebenso viele Gefahren. An vielen Orten wird eure Crew beispielsweise ordentlich durchgestrahlt, was ihm schlimmsten Fall zum Ableben eines Besatzungsmitglieds führen kann. Mit einer Extraportion Nahrung kann der Tod zwar ein wenig hinausgezögert werden, dennoch solltet ihr die wenigen Möglichkeiten zur Heilung von Strahlenschaden gut nutzen.

Bei Last Aurora stoßt ihr zwischenzeitlich immer wieder auf wertvolle Ausrüstungsgegenstände.

Ebenfalls ärgerlich sind mechanische Schäden, die den Truck oder seine Anhänger betreffen. Ein Schadenspunkt führt immer dazu, dass ein Lagerplatz vorübergehend blockiert wird. Wenn es mies läuft, müsst ihr vielleicht sogar gesammelte Ressourcen im Eis zurücklassen. Selbstverständlich kann der Schaden auch euer Waffensystem betreffen, was euch bei einem feindlichen Angriff das Genick brechen kann.

Ein Konvoi rollt in Last Aurora über eisige Straßen

Nachdem die Erkundung abgeschlossen wurde, bewegt sich der Konvoi aber immer noch nicht voran. Zunächst geht es über in die Ruhepase. Die Ausflüge der Crewmitglieder sind kraftraubend, daher dürft ihr sie auch nur jede zweite Runde einsetzen. Es sei denn, ihr päppelt sie mit zusätzlicher Nahrung auf. Durch sie werden die Soldaten schneller wieder einsatzfähig. Ein ordentlicher Vorrat an Lebensmitteln ist also ein dickes Plus beim Überleben im Eis.

Die Last Aurora verabschiedet sich Stück für Stück in Richtung des offenen Meeres.

Gleiches gilt aber natürlich auch für das Benzin. Ohne Sprit bleibt der Konvoi in der nun folgenden Bewegungsphase still. Ansonsten spielen nun die Fähigkeiten des Trucks und einige Bonusfähigkeiten der Besatzung oder der Ausrüstung ihre Stärken aus. Zusätzlich kann die Reichweite erhöht werden, indem weitere Benzinkanister verfeuert werden. Verfügt der Konvoi gar über Schneeketten, kann der Lastzug so manche Abkürzung einschlagen.

Der Kampf ums Überleben in Last Aurora

Doch je weiter der Konvoi gen Westen rückt, desto größer wird die Gefahr, auf die ersten Wegelagerer zu treffen. Einmal aufgedeckt, attackieren sie die Konvois Runde um Runde, solange bis sie von euch unschädlich gemacht wurden. Der Feindangriff ist in Last Aurora ein wenig pikant. Ein Gegner konzentriert sich immer auf genau eines der drei Areale der Karte. Dabei wählt er den Kartenabschnitt aus, in dem sich der führende Konvoi befindet. In dieser Region werden allerdings alle Konvois mit voller Kraft attackiert. Es kann manchmal also klug sein, den einen entscheidenden Schritt auf der Karte nicht zu gehen.

In Last Aurora bau ihr euren Konvoi schrittweise aus.

Die Feinde greifen zunächst aus dem Hinterhalt an und wickeln einen Sondereffekt ab. Bei diesem Überfall kommen Teile des Lastzugs zu Schaden, manchmal werden auch Besatzungsmitglieder verstrahlt oder Vorräte geplündert. Erst nachdem sich die Gegner an eurem Hab und Gut vergriffen haben, dürft ihr selbst zum Angriff blasen. Zumindest, wenn ihr über Bordkanonen und ausreichend Munition verfügt. In Last Aurora könnt ihr euch verschiedene Waffensysteme aneignen, die auch unterschiedlich effektiv arbeiten. Ob ihr trefft und wieviel Schaden angerichtet wird, lest ihr anhand einer Ergebniskarte ab, die nun aufgedeckt wird. Hier kommt nochmals eine kleiner Zufallsfaktor ins Spiel.

Beute sammeln in Last Aurora

Gleiches gilt übrigens für das Durchhaltevermögen der Feinde. Ihre Lebensenergie wird ebenfalls durch das Ziehen einer speziellen Karte ermittelt. Habt ihr den Gegner gemeinschaftlich niedergemäht, winkt euch am Ende des Kampfs auch eine kleine Belohnung. Ihr plündert die Überreste und erhaltet eine Beutekarte, meist ein ziemlich hilfreicher Gegenstand, der euch im weiteren Spielverlauf noch nützlich sein kann. Welcher Spieler sich die Karte einverleiben darf, wird ebenfalls ausgeknobelt. Immerhin, wer dem Gegner im Kampf viel Schaden zugefügt hat, erhöht seine Chancen auf das Kassieren der Beute erheblich.

Mit Schneeketten könnt ihr bei Last Aurora so manche Abkürzung einschlagen.

Ist es euch nicht gelungen, den Feind in dieser Runde zu eliminieren, dann feuert dieser jetzt mit seiner geballten Kraft zurück. Getroffen werden wiederum alle Konvois, die sich im betreffenden Sektor aufhalten. Jetzt kann es richtig hässlich werden. Die meisten Wegelagerer verfügen über eine nicht zu geringe Feuerkraft, die so manchen Schaden am Konvoi hinterlassen. Ihr seid also gut beraten, euch entweder gut zu bewaffnen oder aber das Gebiet schnell hinter euch zu lassen.

Die Last Aurora auf ihrem Weg zum Meer

Zum Ende der Runde rückt die Aurora im Küstengebiet um ein Feld voran. Es stehen euch nur sechs Züge zur Verfügung, um euren Konvoi auf die gleiche Höhe des Eisbrechers zu bewegen. Ansonsten verschwindet sie auf immer in den Weiten des Ozeans. Spätestens jetzt ist es an der Zeit für die finale Punkteauswertung. Ein paar wenige Punkte sammelt ihr bereits während der Partie, etwa wenn ihr auf dem Weg ein paar Gegner abgeballert habt. Weitere Punkte werden vergeben, wenn ihr euch einen Vorsprung vor dem letzten Konvoi auf der Karte erarbeiten konntet. Ebenso gibt es einen Bonus für etwaige besondere Trucks, Anhänger oder Besatzungsmitglieder, die mit an Bord des Schiffes genommen werden können.

Last Aurora ist für 1-4 Personen ab 13 Jahren geeignet. Die Spieldauer beträgt 60-90 Minuten.

Holt nur ein Konvoi den Eisbrecher ein, wartet das Schiff netterweise auf die Ankunft der weiteren Überlebenden. Sie gelangen ebenfalls an Bord und dürfen die Punktewertung gleichermaßen durchführen. Somit wird nicht zwingend der Spieler zum Sieger gekürt, der das Schiff eingeholt hat. Verschwindet die Aurora ohne die Konvois im Meer, gibt es ebenfalls einen Gewinner. Jetzt kommt es vor allem auf unbeschädigte Trucks und Anhänger an. Denn diese sichern euch das weitere Überleben in der Eiswüste, die nun zu eurer Heimat wird.

Last Aurora ist für ein bis vier Spieler ab dreizehn Jahren geeignet. Eine Partie dauert zwischen 60 und 90 Minuten. Die deutschsprachige Version erscheint über Grimspire und ist ab sofort zum Preis von etwa 45€ im Handel zu finden.

Fazit: Wir haben auf unserer Expedition im Eis diese ingame-Testwertung für Last Aurora ausfindig gemacht

Wir haben auf unserer Expedition im Eis diese ingame-Testwertung für Last Aurora ausfindig gemacht.

Inzwischen hat die Welt der Brettspiele eine Themenvielfalt ereilt, die ich mir in meiner Kindheit nur erträumen konnte. Dennoch, längst nicht allen Spielen gelingt es auch, das gewählte Thema eindrucksvoll auf das Brett zu übertragen. Last Aurora hat in diesem Bereich allerdings ganze Arbeit geleistet. Es ist ein spannender Wettlauf gegen die Zeit, bei dem euch eine unbarmherzige Eiswelt ständig Knüppel zwischen die Beine wirft. Mit jedem Zug bewegt sich das rettende Schiff wieder ein Stück auf das offene Meer hinzu. So verfallen die Anführer des Konvois schnell in eine ungesunde Hektik, der Aurora hinterherzueilen und vernachlässigen dabei manchmal das überlegte Management des eigenen Lastzugs. Der Ausbau desgleichen ist eine der größten Stärken des Spiels. Es ist sehr befriedigend mit anzusehen, wie der Konvoi wächst und gedeiht. Im letzten Drittel der Partie seid ihr oft bis an die Zähne bewaffnet, verfügt über ein kleines Heer an ausgebildeten Spezialisten und über reichlich Lagerraum. Naja, zumindest in der Idealvorstellung wäre dies der Fall. Auf dem Weg entlang zur Küste werdet ihr vermutlich allerhand Rückschläge erleiden. Verstrahltes Personal, zerstörte Anhänger und vieles mehr zwingen euch, immer wieder Kompromisse einzugehen. Und die ständige Mangelverwaltung von dringlich benötigten Ressourcen kommt natürlich noch obendrauf. Aus diesen Zutaten haben Pendragon und Grimspire ein tolles Brettspiel gestrickt, das die gezeichnete Endzeitatmosphäre sehr gut eingefangen hat.

ProCon
+ atmosphärisch stark- Artwork recht schlicht
+ motivierender Ausbau des Konvois- insgesamt etwas wenig Kartenmaterial
+ spannende Wettlauf-Mechanik
+ doppelseitiges Spielbrett für mehr Abwechslung
+ guter Solo-Modus

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