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Die Last Bastion im Überblick. Die Helden tummeln sich auf dem Burghof, während vor der Tür schon die Monster warten.

Tower Defense mal anders

Last Bastion im Test: Das Tower-Defense-Spiel für Taktik-Experten

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In der Last Bastion habt ihr die Relikte zur Bekämpfung der Königin des Schreckens gebunkert. Diese schickt euch ihre Heerscharen auf den Hals.

Tower Defense gefällig? Bevor ihr nun schon wieder gelangweilt weiterklickt, das vorliegende Spiel geht das Thema von einer völlig anderen Warte aus an. Statt die Angreifer mit immer neuen Gebäuden und Kampfeinheiten abzuballern, igelt ihr euch innerhalb eurer Festung ein und bekämpft eure Feinde direkt aus dem Herzen der Verteidigung heraus. Die Last Bastion ist euer letzter Rückzugsort. Dort werden mächtige Relikte gebunkert. Sie sind die letzte Chance, der Königin des Schreckens Einhalt zu gebieten. Die dunkle Herrscherin lässt sich diesen Affront aber natürlich nicht gefallen, sie schickt ihre Heerscharen zur letzten Bastion. Ihr seid die letzte Hoffnung der Zivilisation. Mit aller Macht stemmt ihr euch gegen den Ansturm der Horden.

Die Mission ist aussichtslos. Jedenfalls, fast aussichtlos. Gegen die Armee der Königin könnt ihr nur gemeinsam als Team bestehen. Als mutige Helden organisiert ihr die Abwehrkräfte der Bastion. Draußen vor der Tür warten die Monster schon an allen vier Außenmauern der Festung. Doch auch im Inneren der Burg droht Gefahr. Die dunkle Gebieterin versucht, immer wieder Teile der Bastion unter ihren bösen Einfluss zu bringen. So kann sie die Verteidigung auch von innen heraus zu Fall bringen. Euer strategisches Geschick ist also an allen Ecken und Enden gefragt.

Der Ansturm beginnt

Jeder Spieler übernimmt die Kontrolle über eine Heldenfigur, sie werden im Innenhof der Festung aufgebaut. Dieser besteht aus neun Feldern, jedes von ihnen erlaubt euch das Auslösen einer anderen Aktion. Im eigenen Zug dürft ihr eure Figur um ein Feld bewegen und die Aktion am Ort ausführen, an dem ihr euch befindet. Bevor es jedoch soweit ist, werden erstmal die dunklen Heerscharen aktiv. Ihr zieht eine Karte vom Hordenstapel und schon kommt ein neues Monster ins Spiel.

Die Last Bastion im Überblick. Die Helden tummeln sich auf dem Burghof, während vor der Tür schon die Monster warten.

Eure Gegner werden in Gruppen eingeteilt und unterscheiden sich farblich voneinander. Je nach Farbe wandert das Monster an eine andere der vier Festungsseiten. Manche Monster lösen einen Soforteffekt aus, der einmalig ausgeführt wird. Ansonsten verharren sie zunächst vor der Mauer und warten auf ihre Aktivierung. Angeordnet werden aber nicht nur die Gegner, sondern auch die Helden selbst. Jeder von euch schnappt sich ein Heldentableau und weist es einer der vier Fronten zu. Seid ihr am Zug, werden alle Gegner geweckt, die sich an eurer Mauerseite versammelt haben. Sie greifen Runde für Runde an, solange ihr sie nicht vernichtet habt.

Ein aussichtsloser Kampf?

Eure Gegner kämpfen mit den verschiedensten Waffen. Einige von ihnen transportieren den bösen Einfluss der Königin des Schreckens. Mit ihnen kommen die Einflussmarker ins Spiel. Diese werden innerhalb der Bastion platziert und blockieren die Aktionsfelder für eure Helden. Damit seid ihr in eurem Verteidigungsmöglichkeiten deutlich eingeschränkt. Andere Gegner erweisen sich als Monstermagnet. Mit ihnen kommen weitere Mitstreiter der Königin zur Bastion. Auch ein direkter Angriff auf eine Heldenfigur ist natürlich möglich. Der Verlust aller Lebenspunkte fügt euch erst eine Verletzung zu, dann folgt der tragische Heldentod.

Im Innenhof der Bastion könnt ihr neun verschiedene Ortsaktionen auslösen.

Ihr habt die Schlacht um die letzte Bastion verloren, wenn alle Helden gefallen sind. Die Festung fällt der Königin aber ebenso in die Hände, wenn ihre Macht im Inneren durch den bösen Einfluss zu groß geworden ist. Es reicht also nicht aus, die Helden einfach nur am Leben zu halten. Stets müsst ihr auch die Bedrohung im Innenhof der Festung gut im Auge behalten. Verteidigt die Bastion so lange, bis sich der Oberanführer der Königin dem Kampf stellt. Erst wenn ihr ihn bezwungen habt, sind die Relikte wieder vor dem Bösen sicher.

Die Wahl der Waffen

Ihr versucht mit euren Helden die Horden in Schach zu halten. Ein probates Mittel dazu ist natürlich, die Monster ordentlich Stahl schmecken zu lassen. Jedes Monster verfügt über ein paar Lebenspunkte. Mit drei Kampfwürfeln müsst ihr den entsprechenden Schaden in einem Wurf erreichen. Verrichtete Schadenspunkte werden nicht für spätere Runden angerechnet, sondern sofort wieder geheilt. Keine leichte Aufgabe, da ihr mit Hilfe der Würfel maximal drei Schadenspunkte erzielen könnt. Das ist vor allem knifflig, da einige Monster auch mehr als drei Lebenspunkte haben.

Auf dem Heldentableau verwaltet ihr den Zustand des Charakters. Vor ihm liegt die gelbe Front mit attackierenden Monstern.

Es wäre daher nicht verkehrt, wenn ihr eure Waffen ein wenig aufmotzen könntet. Über bestimmte Ortsaktionen lassen sich weitere Schadensmarker erwirtschaften. Wenn ihr einen blauen Marker investiert, fügt ihr einem blauen Monster einen zusätzlichen Schadenspunkt zu. Durch das Sammeln von farblich passenden Schadensmarkern heizt ihr so auch stärkeren Feinden ordentlich ein. Leider hat aber auch die dunkle Seite einen Weg gefunden, diese mächtige Waffe etwas abzuschwächen. Einige Gegner stibitzen euch regelmäßig Schadensmarker oder setzten ihre Wirkung gleich ganz außer Kraft.

Die größten Brandherde löschen

Da sich jeder Held immer nur ein Feld weit bewegen darf, ist eine gute Absprache wichtig. Wer sammelt die notwendigen Schadensmarker, um das dicke Monster an der Südflanke zu vernichten? Vom Tod bedrohte Helden sollten sich vielleicht bald in der Taverne ausruhen, um wieder einen Lebenspunkt zu heilen. Doch halt, der böse Einfluss der Königin ist schon ziemlich groß. Ein Held müsste dringend zum Heiligen Brunnen reisen. Nur dort kann der böse Einfluss wieder etwas eingedämmt werden.

Der Spross der Leere wird jede Runde neu aktiviert. Der Schaden ist zunächst unklar, er wird durch den Wurf eines Würfels festgelegt.

Das Ganze gleicht einer riesigen Flickschusterei. Kaum habt ihr mal an einer Stelle für etwas Entspannung gesorgt, schon ploppt anderswo wieder eine große Gefahr auf. In Last Bastion steht ihr von Anfang an unter Druck. Schon sehr bald werdet ihr mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert. Es ist nahezu unmöglich, sie mit einem Schlag auf einmal auszulöschen. Deshalb seid ihr darauf angewiesen, erst einmal die größten Brandherde zu bekämpfen. Im Team sprecht ihr euch daher gut untereinander ab, sonst habt ihr gegen die Königin des Schreckens keine Schnitte.

Taktische Meisterleistung

Die Verteidigung der Bastion ist eine große taktische Herausforderung. Innerhalb eines Zugs habt ihr nur sehr wenige Möglichkeiten. Der Held kann sich um ein Feld bewegen und lediglich eine einzige Aktion durchführen. Ein Monster könnt ihr an der Festung natürlich auch attackieren. Allerdings müsst ihr dann auf das Durchführen einer Ortsaktion verzichten. Ihr müsst also wieder einmal abwägen, wie ihr den anstürmenden Horden am ehesten Paroli bieten könnt.

Dem Spiel liegen einige Spezialwürfel bei. Der schwarze Würfel ist für die Attacken der Gegner reserviert.

Wenn ihr denkt, jetzt kann es nicht schlimmer kommen, tritt meist der Warlord der Königin auf den Plan. Dabei handelt es sich um ein besonders dickes Monster. Der Obermotz richtet nicht nur besonders viel Schaden an, sondern verfügt auch über ein extradickes Lebenspunktekonto. Sollte sich der Warlord tatsächlich zeigen, habt ihr es aber schon ziemlich weit geschafft. Er lässt sich nur aus der Reserve locken, wenn sich die Helden als besonders widerspenstig erwiesen haben. Jetzt habt ihr eine realistische Chance, die Festung zu verteidigen. Wenn ihr den Warlord niederstreckt, verliert die Königin die Kontrolle über ihre Heerscharen und ihr habt das Spiel gewonnen.

Knackiger Schwierigkeitsgrad

Dies trifft zumindest auf die leichteren Schwierigkeitsgrade von Last Bastion zu. Wenn ihr es gerne noch etwas deftiger haben wollt, dürft ihr auch weitere Warlords mit in den Hordenstapel mischen. In diesem Fall geht ihr natürlich erst siegreich aus der Schlacht hervor, wenn sämtliche Warlords ins Gras gebissen haben. Es bedarf aber viel Erfahrung und einer taktischen Meisterleistung, um dieses Glanzstück zu realisieren.

Mit diesen Markern könnt ihr zusätzlich Schaden bei farblich passenden Monstern anrichten. Sie sind eine wertvolle Waffe im Überlebenskampf.

Last Bastion wurde von der belgischen Spieleschmiede Repos Productions pünktlich zur SPIEL veröffentlicht. In Deutschland wird das Spiel über Asmodee vertrieben. Für eine Partie benötigt ihr ungefähr eine dreiviertel Stunde. Bis zu vier Spieler können bei der Verteidigung mithelfen. Wer mag, kann Last Bastion aber sogar problemlos alleine spielen. Das Spiel läuft tatsächlich mit jeder Mitspielerzahl ziemlich rund. Last Bastion ist ab sofort im Handel verfügbar und kostet etwa 45€.

Fazit 9.0

Tower Defense funktioniert auch prima als Brettspiel. Es läuft allerdings etwas anders ab, als ihr es von den digitalen Genrevertretern gewohnt seid. Mit arg reduzierten Möglichkeiten, versucht ihr die Horden der dunklen Königin aufzuhalten. Jeder Spielzug dauert nur eine knappe Minute: Bewegung-Aktion-Ende! Dann sind schon wieder die feindlichen Heerscharen am Zug, bevor die nächste Heldenfigur loslegen kann. In Last Bastion geht es Schlag auf Schlag. Ihr seid unter Dauerbeschuss und stopft mit letzten Kräften die dringlichsten Löcher. Irgendwie durchhalten! Last Bastion lässt euch spüren, wie sehr die Verteidiger bei einer Belagerung unter Druck stehen. Es ist auch erstaunlich, wie bereitwillig einzelne Helden persönliche Nachteile in Kauf nehmen oder sich gegenseitig unterstützen. Einer für alle, alle für einen. Die Verteidigung der Festung kann nur nach dem Motto der drei Musketiere gelingen. Last Bastion spielt sich sehr taktisch. Jeder einzelne Zug muss gut geplant werden, denn schon ein einziger Fehler kann die Burg zu Fall bringen. Deshalb ist auch die Kommunikation untereinander so wichtig. In den ersten Partien kann das schon einmal schnell schiefgehen und zu Frustmomenten führen. Bei mir entstand jedoch nie das Gefühl, vor einer unlösbaren Aufgabe zu stehen. Im Gegenteil, mich hat der hohe Schwierigkeitsgrad erst recht motiviert und irgendwann war das Triumphgefühl dann riesig, als der Warlord sein Knie vor uns beugen musste. In der Zwischenzeit habe ich auch viel mit den unterschiedlichen Heldencharakteren experimentiert. Dem Spiel liegen insgesamt acht Helden bei, jeder verfügt über eine besondere Fähigkeit. Sie erlauben euch taktisch nochmal andere Möglichkeiten. Mir hat es viel Spaß gemacht, verschiedene Gruppenkonstellationen auszuprobieren und dabei neue taktische Optionen auszuloten. Last Bastion wird daher auch in der nächsten Zeit bei mir mit Sicherheit noch ziemlich häufig auf den Tisch kommen. Ich bin voll motiviert, der Königin des Schreckens auch im höchsten Schwierigkeitsgrad die Zähne zu zeigen.

PROS

CONS

+ 8 Heldencharaktere ermöglichen verschiedene Strategien

- kann anfangs für einige Frustmomente sorgen

+ bietet eine große taktische Herausforderung

+ wertiges Spielmaterial mit detailreichen Miniaturen

+ kooperative Spielweise

+ auch gut alleine spielbar

+ fördert Kommunikation am Tisch

+ Thema wird gut transportiert

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