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Mille Fiori von Reiner Knizia erscheint über Schmidt Spiele und kostet rund 30€.

Mille Fiori von Reiner Knizia erscheint unter dem Banner von Schmidt Spiele

Mille Fiori im Test: So spielt sich das neue Brettspiel von Reiner Knizia

  • VonSebastian Hamers
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Bei Mille Fiori sorgt ihr für einen Boom im mediterranen Glashandel. Die Schmidt Spiele-Neuheit bringt Viel- und Gelegenheitsspieler an einen Tisch.

Mechanik oder Thema? Welcher Bestandteil eines Brettspiels nun wichtiger ist, darüber lässt sich in Spielerkreisen lange debattieren. Im besten Fall ist natürlich beides stimmig. Bei Mille Fiori, der großen Herbstneuheit von Schmidt Spiele, agiert ihr als einflussreiche Glashändler im Mittelmeerraum, die ihre Waren an die zahlungskräftigen Kunden verhökern. Es wird produziert, verschifft, gehandelt und auch die Beziehungen zu den Reichen und Mächtigen spielt eine große Rolle im mediterranen Glashandel. Klingt erstmal gut. Doch schon nach dem Lesen der Anleitung wird klar, Mille Fiori lehnt sich thematisch nur ziemlich locker an dieses Szenario an. Das Spiel setzt dafür umso mehr auf eine feine Verzahnung der Spielmechaniken. Strategen haben damit einen guten Grund, dem Spiel eine Chance zu geben.

Viel Interaktion in Mille Fiori

Eine kleine Lagune stellt das Zentrum der Glasproduktion im mittelalterlichen Italien dar. Sie steht auch im Mittelpunkt von Mille Fiori. Auf dem wunderhübschen Spielbrett wird die Lagune in angenehmen Pastelltönen dargestellt. Es ist förmlich übersät von rautenförmigen Feldern, die im Spielverlauf von passenden Glasplättchen bedeckt werden. Jedem Spieler wird dabei eine Farbe zugeordnet. So wird direkt deutlich, welcher Glashändler sich in welcher Art und Weise in die Glasproduktion eingebracht hat.

Das Spielfeld von Mille Fiori wirkt auf den ersten Blick etwas erschlagend.

Die Verteilung der Glasplättchen spielt eine große Rolle in Mille Fiori, da viele Aktionen auch direkte Auswirkungen auf die Mitspieler haben. Interaktion wird im Spiel somit auf jeden Fall großgeschrieben. Ihr habt als Glashändler zwar den eigenen Profit im Fokus, befruchtet euch mit den Aktionen häufig aber auch untereinander. Gesteuert wird das Spiel mit über einhundert Karten, die euch verschiedene Möglichkeiten eröffnen. Zusätzlich gibt es noch eine ständig wachsende Kartenauslage, an der ihr euch im Spielverlauf häufiger bedienen dürft.

  • für 2-4 Spieler ab 10 Jahren
  • Spieldauer: 60-90 Minuten
  • Autor: Reiner Knizia
  • Verlag: Schmidt Spiele
  • Preis: ca. 30€

Mille Fiori mit viel Kartenrotation

In jeder Runde erhaltet ihr zunächst fünf Karten auf die Hand. Von diesen wählt ihr allerdings nur eine einzige aus, um damit jetzt eine Aktion durchzuführen. Das restliche Kartenmaterial wird an den nächsten Spieler weitergereicht. Von den nun erhaltenen Karten wählt ihr ebenfalls wieder eine Aktionskarte aus, so dass die Karten munter durch die Reihe der Spieler rotiert. Am Ende der Runde bleibt eine letzte Karte vor euch liegen. Diese kommt zunächst nicht zum Einsatz, sondern wandert in die bereits erwähnte offene Auslage. Möglicherweise kann sie von dort zu einem späteren Zeitpunkt zurück ins Spiel geholt und verwendet werden.

Die Karten rotieren bei Mille Fiori munter durch die Reihen der Spieler.

Das Einsetzen der Karten ist im Prinzip denkbar einfach. Jede Karte erlaubt es euch, eines eurer eigenen Glasplättchen auf einem der Felder auf dem Spielfeld zu platzieren. Zur besseren Übersicht unterteilt sich das Brett dabei in mehrere Bereiche. Innerhalb dieser Segmente wiederum seht ihr die einzelnen Felder mit diversen Symbolen. Dadurch wird die Auswahlmöglichkeit, wo ihr das Glasplättchen legen dürft, ziemlich eingeschränkt. Je nachdem in welchen Bereich ihr euer Plättchen legt, zieht dies eine andere Auswirkung nach sich.

Glasproduktion in Mille Fiori

Einer der größten Bereiche auf dem Spielbrett ist für die Glasproduktion reserviert. Jedes Glasplättchen, das in dieses Segment platziert wird, bringt euch einen Siegpunkt ein. Ihr erhaltet allerdings einen weiteren Punkt für jedes weitere eigene Plättchen, das mit dem gerade gelegten Glasplättchen eine zusammenhängende Gruppe bildet. In der Glasproduktion sind vier verschiedene Werkstoffe von Bedeutung, auf die ihr eure Glasscheiben einsetzen könnt. Neben Quarz, Asche und Kalk kommen auch die Pigmente zum Einsatz. Diese sind besonders wertvoll, da sie die Punktausbeute der gesamten Aktion verdoppeln, wenn ihr ein Feld mit Pigmente-Symbol belegt.

Die Herstellung von Glas gehört in Mille Fiori zu euren Hauptaufgaben.

Doch auch Vielfalt ist in der Produktion von Glas gefragt. Sobald ihr auf jedes der vier verschiedenen Werkstoff-Felder mindestens eine Glasscheibe platziert habt, erwartet euch ein kräftiger Punktebonus. Je schneller ihr diesen Bonus freischaltet, desto mehr Punkte springen für euch dabei heraus. Außerdem lassen sich in diesem (sowie in jedem anderen) Segment Extrakarten freispielen. Auf dem Spielfeld befinden sich mehrere Sternsymbole, die sich jeweils zwischen drei Einsetzfelder gemogelt haben. Belegt ihr das letzte dieser drei Felder, dürft ihr eine zusätzliche Karte aus der offenen Auslage nehmen und sofort ausspielen.

Schönen Wohnen in Mille Fiori

Der zweite Bereich auf dem Spielfeld ist für die Wohnhäuser der Lagunenbewohner reserviert. Auch hier ist eure Glasfertigungskunst schwer gefragt. Die Vorgehensweise ist ganz ähnlich wie beim Werkstattbereich. Die Häuser sind allerdings in einer Linie angereiht, die ihr nacheinander mit euren Gläsern bestücken müsst. So reiht sich ein Buntglasfenster hübsch neben dem anderen auf. Nur die Punktausbeute, die ist für jedes Haus verschieden. Die Bandbreite reicht hier von einem bis hoch zu ganzen zehn Siegpunkten.

Als Glasproduzent sind bei Mille Fiori eure Dienste auch in den Wohnungen der Lagunenbewohner gefragt.

Es kann sich dennoch lohnen, die Wohngegend regelmäßig zu beliefern, selbst wenn gerade kein dicker Punktegarant in Sicht ist. Legt ihr gleich mehrere Fensterplättchen in eigener Farbe nacheinander, soll es euer Schaden nicht sein. Sämtliche eigene Plättchen, in einer lückenlosen Reihe zur gerade gespielten Glasscheibe werden erneut zur Wertung gebracht und erhöhen somit eure Gesamtwertung. Den Punktebonus für das Erreichen eines Ziels gibt es auch hier wieder. Zusatzpunkte werden ausgeschüttet, sobald ihr vier Felder mit unterschiedlicher Punktzahl belegt habt. Wie schon in der Werkstatt, so zahlt sich Schnelligkeit wieder aus. Je früher ihr das Ziel erreicht habt, desto mehr Siegpunkte dürft ihr euch dafür gutschreiben. Extrakarten gibt es natürlich auch wieder zu gewinnen. Die erste Extrakarte gibt es für das Belegen von drei Feldern mit unterschiedlichen Zahlen, eine zweite kommt noch dazu, wenn ihr diese Zahl auf fünf erhöht.

Die High Society in Mille Fiori

Ein wenig komplexer ist die Angelegenheit in den Kreisen der örtlichen Prominenz. In diesem Segment bedient ihr gleich zwei Gruppen. Die Felder sind diesmal pyramidenförmig angeordnet. Wollt ihr ein Glasplättchen auslegen, muss dieses immer auf einer soliden Basis stehen. Beide Felder unterhalb des gewünschten Einsatzortes müssen daher schon mit Glasscheiben besetzt sein. Hier seid ihr mitunter also stark auf die Mithilfe eurer Mitspieler angewiesen. Lediglich die Felder in der unteren Zeile lassen sich ohne weitere Bedingung direkt auslegen. Dafür sind diese aber auch nur jeweils einen Siegpunkt wert. In den oberen Regionen der Pyramide könnt ihr hingegen gleich sechs Punkte auf einen Streich kassieren.

Wenn in Mille Fiori die High Society ruft, dann solltet ihr zur Stelle sein.

Nach dem Vorbild der anderen Bereiche, so vergibt auch der Promisektor einen Punktebonus für besonders Schnelligkeit. Diesmal gilt es die drei unterschiedlichen Symbole in der Pyramidenanordnung zu besetzen. Um die Extrakarte zu erhalten müsst ihr hingegen ein Feld der obersten Ebene belegen. Wie ihr seht, die wesentlichen Abläufe wiederholen sich in den unterschiedlichen Arbeitsbereichen. Lediglich die Form der Anordnung verschiebt sich von Segment zu Segment ein wenig.

Bei Mille Fiori wird rege mit Glaswaren gehandelt

Da macht auch das Handelssegment keine große Ausnahme. Gehandelt wird mit Gläsern, Karaffen, Schmuck und Schwänen. Eine Ware wird umso wertvoller, je desto öfter sie schon als Handelsobjekt verwendet worden ist. Eine kleine Besonderheit gibt es aber natürlich auch hier. Verkauft ihr etwa eine Karaffe, partizipieren häufig auch die anderen Glashändler von dieser Aktion. Alle bereits eingesetzten Karaffen kommen nun nochmals zur Wertung. Manchmal profitiert dadurch sogar ein Mitspieler mehr von diesem Deal als ihr selbst. In diesem Fall winkt euch als kleiner Ausgleich dafür eine Extrakarte. Den Punktebonus gibt es natürlich ebenfalls wieder, diesmal für den Verkauf von vier unterschiedlichen Waren.

Bei Mille Fiori werden Glasprodukte per Schiff nach Europa verfrachtet.

Damit wären wir auch schon bei der fünften und letzten Kategorie des Spiels: dem Hafen. Hier werden die Schiffe für den Transport der Waren nach Europa bereitgemacht. Spielt ihr eine Hafenkarte, wandert euer Schiff auf dem Seeweg um ein paar Felder nach vorne. Euer Schiff ankert nun an einem neuen Platz. Dieser zeigt an, wie viele Punkte ihr euch für den Fortschritt auf dem Seeweg gutschreiben könnt. Auch die Extrakarten werden über die Seefelder vergeben. Außerdem legt ihr noch ein Glasplättchen auf einem Schiff im Hafen an. Die Schiffe dort stechen allerdings erst in See, wenn alle drei Schiffsfelder befüllt wurden. Eure persönliche Punktausbeute fällt umso höher aus, umso mehr eigene Waren sich an Bord befinden. Die Verteilung der Glasprodukte auf die einzelnen Schiffe passiert dabei übrigens bereits während der Handelsaktion. Da Handel und Verschiffung eng miteinander verzahnt sind, müsst ihr hier ein besonders gutes Händchen für die Organisation unter Beweis stellen.

Muntere Kettenreaktionen bei Mille Fiori

Jede Karte bietet euch außerdem einen alternativen Einsatzzweck an. Statt mit der Karte ein Glasplättchen ins Spiel zu bringen, dürft ihr einfach euer Schiff um die angegebene Anzahl der Felder fortbewegen. Auf diese Weise sichert ihr euch möglicherweise die attraktivsten Seefelder oder erspielt euch die ein oder andere Extrakarte. Da sich zusätzliche Karten an vielen Stellen im Spiel ergattern lassen, entstehen so gerne auch mal längere Kettenreaktionen. Mit vorausschauernder Planung könnt ihr der Konkurrenz so ein Stück davonziehen.

Bei Mille Fiori legen die Schiffe erst vom Hafen ab, wenn alle drei Schiffsfelder belegt wurden.

Mille Fiori von Reiner Knizia ist für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren geeignet. Für eine Partie solltet ihr etwa 60-90 Minuten Spielzeit einplanen. Das Spiel ist ab sofort im Handel zum Preis von ca. 30€ zu finden.

Fazit: Ein Blick durch das ingame-Wertungsfenster bringt Mille Fiori diese Testwertung ein

Durch das ingame-Wertungsfenster haben wir für Mille Fiori diese Testwertung erspäht.

Ein erster Blick auf das Spielfeld von Mille Fiori löst bei dem ein oder anderen Spielern möglicherweise ein Gefühl der Überforderung aus. Kein Wunder, schließlich können im Spiel mehr als einhundert Felder besetzt werden. Die Optionen sind also durchaus reichhaltig. Doch schon nach wenigen Zügen sollte auch einem weniger erfahrenen Brettspieler der erste Schrecken genommen worden sein. Mille Fiori spielt sich ziemlich intuitiv und überaus flüssig. Die fünf Spielbereiche weisen zwar ihre Eigenheiten auf, dafür allerdings auch viele Parallelen. Bonuspunkte und Extrakarten lassen sich fast immer nach dem gleichen Schema erzielen und die Vergabe der direkten Punkte folgt ebenso einem klaren Konzept. Das Erlernen der Regeln sollte also keine größere Hürde darstellen. Dennoch handelt es sich bei Mille Fiori nicht um ein belangloses Spiel, das uninspiriert vor sich hinplätschert. Das Spiel trifft somit recht punktgenau den Sweet Spot, der Brettspiel-Enthusiasten und Gelegenheitsspieler zusammenbringt. Durch den hohen Interaktionsgrad entsteht zudem eine besondere Spannung. Viele Aktionen der Mitspieler haben Auswirkungen auf die eigene Planung. Manchmal ergibt sich so ein unerwarteter Punkteregen, manchmal werden euch die lukrativsten Aufträge aber auch vor der Nase weggeschnappt. Nur das gewählte Thema wirkt doch ein wenig arg aufgezwungen. Letztlich ist Mille Fiori ein abstraktes Spiel, das mit seiner flüssigen Spielweise, der hohen Interaktion und einem schönen Design glänzt. Da ist dieser kleine Makel gut zu verschmerzen.

ProCon
+ schicker Look- Thema wirkt ziemlich aufgezwungen
+ hoher Interaktionsgrad
+ bringt Viel- und Gelegenheitsspieler zusammen
+ verständliches Regelwerk

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