My City ist über den Kosmos-Verlag erschienen und steht ab sofort für rund 35€ im Handel.
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My City ist über den Kosmos-Verlag erschienen und steht ab sofort für rund 35€ im Handel.

Stadtplanung in acht Kapiteln

My City im Test: Das Städtebauspiel mit dynamischer Spielwelt

  • vonSebastian Hamers
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In My City erlebt ihr den Werdegang einer Stadt in mehreren Etappen. Dabei greift das Brettspiel auf eine sich stetig verändernde Spielwelt zurück.

Brettspiele haben in den letzten Jahren enorm an Beliebtheit dazugewonnen. Der Erfolg der Branche kommt nicht von ungefähr. Toll verzahnte Mechaniken, spannende thematische Aufmachungen und nicht zuletzt auch der Ideenreichtum der Spieleautoren haben dazu beigetragen, dass sich immer mehr Menschen für das Hobby begeistern. Für sehr viel Aufsehen hat in der jüngsten Vergangenheit die Legacy-Mechanik gesorgt. Der Fokus liegt hier meist stark auf dem Erzählen einer fortlaufenden Geschichte. In den verschiedenen Kapiteln der Handlung kommen nicht nur oft stetig neue Spielmaterialien und Regeln hinzu, auch die Spielwelt wird dauerhaft verändert. Das Material wird mit Stickern beklebt, Karten werden komplett vernichtet oder es werden verborgene Felder freigerubbelt. Aufgrund des verbrauchten Materials lässt sich das Spiel so meist kein zweites Mal erleben. Mit My City von Reiner Knizia fischt nun auch der Kosmos-Verlag in Legacy-Gewässern. Dennoch unterscheidet sich das Spiel von anderen Vertretern dieses Genres.

Prominente Legacy-Spiele wie Pandemic Legacy oder Gloomhaven haben ihre größte Stärke im Vortragen einer spannenden Geschichte und richten sich eher an erfahrene Brettspieler. Beide Punkte treffen auf My City eher nicht zu. Die Grundregeln sind kinderleicht zu erlernen und die Geschichte dient höchstens als kleiner Aufhänger, um die einzelnen Kapitel des Spiels zusammenzuhalten. In My City versucht ihr euch als Architekt einer ganzen Stadt, dessen Werdegang ihr durch mehrere zeitliche Epochen begleiten dürft.

In My City darf gepuzzelt werden

Als Grundlage für den Bau der zukünftigen Metropole erhält jeder Städtearchitekt einen eigenen Spielplan. Hier findet ihr vor allem üppige Weiden, perfekt geeignet, um die Landschaft mit Gebäuden zuzupflastern. Lediglich die Gebirgsfelder und die Wälder in den Außenbezirken stellen ein kleines Hindernis für die Ausbreitung dar. Durch die Mitte des Bauplatzes fließt zudem noch ein idyllischer Fluss, den es zu umbauen gilt. Ansonsten habt ihr wunderbare Voraussetzungen, um euch mit der eigenen Stadt auszubreiten.

Bei Spielbeginn seht ihr jede Menge gut bebaubares Land. Eure Stadt hat viele Möglichkeiten, um sich auszubreiten.

Dazu erhält jeder Spieler noch ein identisches Set aus 24 Gebäudeteilen. Die Gebäude sind unterschiedlich geformt und erinnern ein wenig an die Puzzlesteinchen aus Tetris. Auch spielerisch weist My City einige Parallelen zum Gameboy-Klassiker auf, denn im Kern handelt es sich auch beim Kosmos-Brettspiel um einen Puzzler. Genau wie die Tetris-Steine kommen auch die Gebäude von My City in zufälliger Reihenfolge ins Spiel.

Kinderleichter Einstieg in My City

Dieser Zufallsmechanismus wird über ein Deck mit 24 Karten gesteuert. Jede Karte steht für ein bestimmtes Gebäude aus eurem Fundus. Ihr deckt die oberste Karte auf, dann darf jeder Spieler gleichzeitig das angezeigte Gebäude auf seinem Spielplan verbauen. Besonders viele Regeln müsst ihr beim Platzieren der Gebäude nicht beachten, jedenfalls zunächst nicht. Ihr startet mit dem ersten Gebäude, das ihr angrenzend zum Fluss baut, der eure Landschaft teilt. Die folgenden Gebäude legt ihr wiederum benachbart zu einer schon ausliegenden Immobilie. Im Gebirge oder Wald, sowie im Bereich quer über den Fluss, dürfen keine Gebäude ausgelegt werden. Ansonsten habt ihr aber freie Hand.

Über die Baukarten kommen die einzelnen Gebäude in einer zufälligen Reihenfolge ins Spiel.

Und das war‘s dann auch tatsächlich schon. Um das Punktekonto zu füllen, solltet ihr jedoch den einzelnen Bäumen und Steinen auf den Weidefeldern etwas Beachtung schenken. Für jeden Baum, der am Ende der Partie noch steht, erhaltet ihr einen Punkt. Punktabzug gibt es hingegen für Steine, die ihr mit Gebäuden nicht abgedeckt habt. Ebenso machen sich freie Weidefelder negativ auf dem Punktguthaben bemerkbar. Die Kunst der Städteplanung liegt also darin, die Gebäude so anzulegen, dass am Spielende die richtigen Felder verdeckt wurden.

Ärger um unpassende Teile in My City

Wie das bei Puzzlespielen häufig so ist, kommen die passenden Teile eben nicht zum richtigen Zeitpunkt. Oftmals trudelt ein Gebäude ein, dessen Umfang so ungünstig geschnitten ist, dass ihr es am liebsten direkt wieder zur Seite legen möchtet. Die gute Nachricht: diesem Wunsch steht im Grunde nichts im Wege. Der Nachteil: jedes ignorierte Gebäude kostet euch einen Minuspunkt. Glücklicherweise startet ihr die Partie in der Regel gleich mit zehn Pluspunkten. Ihr habt also durchaus die Option, auf das ein oder andere Gebäude zu verzichten, wenn es partout nicht zu eurem Plan passt.

Die Gebäude wandern nach und nach auf das eigene Spielertableau. Im Kern handelt es sich bei My City um ein Puzzlespiel.

Ebenso dürft ihr die Partie vorzeitig für euch beenden. Kommt ihr zu dem Entschluss, dass euch die noch kommenden Gebäude bei eurem Fortschritt eher behindern, dann steigt ihr einfach vorzeitig aus. In diesem Fall erhaltet ihr auch keine Punktabzüge für noch verbleibende Plättchen. Spätestens wenn alle 24 Gebäudekarten gezogen wurden, endet die Partie und ihr zählt die erhaltenen Punkte zusammen.

My City fängt zurückliegende Spieler auf

Die führenden Spieler erhalten als Belohnung für ihre vorausschauende Stadtplanung nun Fortschrittspunkte, die übergeordnete Währung in My City. Am Ende der gesamten Kampagne gewinnt der Spieler mit den meisten Fortschrittspunkten. Damit kein Spieler im späteren Verlauf der Kampagne uneinholbar davonzieht, hat My City eine kleine Gummiband-Mechanik eingebaut. Habt ihr euch bei der Planung der Stadt diesmal vielleicht etwas verkalkuliert, dann erhaltet ihr zwar keine Fortschrittspunkte, aber ein kleines Goodie, das euch in der nächsten Partie ein wenig weiterhilft.

Je drei Spiele werden zu einem Kapitel zusammengefasst. Startet ihr ein neues Kapitel, kommt ein neuer Umschlag mit zusätzlichem Material ins Spiel.

Nach dem ersten Spiel gibt es für die Spieler auf den hinteren Plätzen beispielsweise ein paar zusätzliche Bäume. Diese kommen in Form von Stickern ins Spiel, die ihr auf euren Spielplan klebt. In der nächsten Partie stehen euch nun mehr Bäume zur Verfügung, die euch dann möglicherweise zusätzliche Punkte einbringen. Die erfolgreichen Spieler müssen hingegen einen kleinen Malus mit in die nächste Partie nehmen. Sie erhalten Sticker mit Steinen, die potentielle Minuspunkte darstellen. Zurückliegende Spieler haben somit immer einen kleinen Vorteil. In späteren Partien gibt es noch viele andere Boni und Mali. Es müssen nicht immer Sticker sein, mit denen das Spiel verändert wird. Lasst euch einfach vom Ideenreichtum des Spiels überraschen.

Spielfortschritt bei My City

Habt ihr die Fortschrittspunkte verteilt und etwaige Sticker oder andere zusätzlichen Spielelemente verteilt, wird es Zeit für das nächste Kapitel von My City. Die Gesamtkampagne ist auf 24 Spiele ausgelegt. Mit fortschreitender Dauer wird das Spiel immer etwas komplexer und anspruchsvoller, ohne dabei jedoch den Komplexitätsgrad eines Familienspiels zu verlassen. Je drei Spiele sind dabei zu einem Kapitel zusammengefasst. Bei Beginn eines neuen Kapitels öffnet ihr einen verschlossenen Umschlag, der neues Spielmaterial und erweiternde Regeln zum Vorschein bringt.

My City ist über den Kosmos-Verlag erschienen und steht ab sofort für rund 35€ im Handel.

Durch die ständigen Veränderungen der Spielwelt, wird natürlich auch die Spannung hochgehalten. Das gilt insbesondere, wenn ein neues Kapitel erreicht wurde und ihr euch über das neue Material hermacht. Deshalb sei an dieser Stelle auch nicht zu viel über die Inhalte der acht Umschläge verraten. Für 24 Partien, für ihr ihr jeweils rund eine halbe Stunde Spielzeit einrechnen könnt, kann My City mit seinem dynamischen Spielfortschritt sehr gut unterhalten. Danach müsst ihr das Spiel aber nicht zwingend in die Mottenkiste packen.

My City bietet euch die Möglichkeit des „Ewigen Spiels“. Dem Spiel liegen vorbedruckte Spielpläne bei, die sich in etwa auf dem Niveau des zehnten Levels bewegen. Auf diesen Spielplänen müsst ihr keine weiteren Veränderungen vornehmen, so dass ihr damit beliebig viele Runden absolvieren könnt. Der Reiz des ständigen Spielfortschritt geht im ewigen Spiel aber natürlich flöten. My City von Reiner Knizia ist über den Kosmos-Verlag erschienen und steht ab sofort im Handel. Preislich pendelt sich das Spiel bei etwa 35€ ein.

Fazit: Im Ranking der beliebtesten Städte erhält My City diese Testnote

My City im Test: So schneidet das innovative Städtebauspiel ab.

Als die Welle mit den Legacy-Spielen langsam ins Rollen kam, war bei mir die Skepsis groß. Ich soll mein geliebtes Brettspiel schrittweise vernichten und unbrauchbar machen? Nicht mit mir! Als ich mich dann aber schließlich doch einer Runde anschloss, um Pandemic Legay zu spielen, verflüchtigten sich meine Bedenken schnell. Der hohe Preis eines sich selbst zerstörenden Spiels wurde durch die tolle Story und die dichte Atmosphäre mehr als wett gemacht. Auf die dichte Story müsst ihr in My City zwar verzichten, dennoch hat die sich ständige verändernde Spielwelt einen ganz besonderen Reiz. Beim Erreichen jedes neuen Kapitels haben wir den Umschlag immer mit sehr viel Vorfreude geöffnet, um zu sehen welche Überraschungen uns in den nächsten Spielen wohl erwarten. Doch My City lebt nicht von seinen Überraschungsmomenten allein. Als Puzzlespiel macht es ebenso einen hervorragenden Job. Gefühlt kommen die Gebäudeplättchen immer zur falschen Zeit. Ständig seid ihr gefordert, auch mal etwas unangenehme Entscheidungen zu treffen und Kompromisse beim Verteilen der Plättchen einzugehen. Zum Glück haben die Mitspieler ja mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Auf euch warten so zwei Dutzend emotionsgeladene Partien. Dank der Gummiband-Mechanik könnt ihr die Partie aber im Grunde recht entspannt angehen. Habt ihr eine Runde mal richtig versemmelt, winkt euch am Ende der Partie immerhin ein kleines Trostpflaster. Beinharten Strategen wird das vermutlich nicht sonderlich gefallen, doch diese sind auch nur bedingt die Zielgruppe für My City. Dank der einfachen Regeln und des wirklich moderat ansteigenden Schwierigkeitsgrads ist das Spiel auch für weniger geübte Brettspiele absolut geeignet. Ich selbst hatte als Brettspiel-Enthusiast aber ebenso viel Freude am Spiel, da es mich das Legacy-Spiel nochmal auf eine ganz andere Art und Weise erleben ließ.

Pros

Cons

+ Spielwelt verändert sich laufend

- "Ewiges Spiel" weniger reizvoll

+ 24 Spiele in 8 Kapiteln

+ gut funktionierende Puzzlemechanik

+ gute Lernkurve

+ wenig Wartezeiten auf den eigenen Zug

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