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Overbooking im Test: Die Familienspiel-Herbstneuheit von Huch

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sebastian Hamers

Overbooking Hotel Herberge Karze Gaeste Fenster Verpackung Schachtel
Overbooking erscheint über den Huch-Verlag und kostet ca. 20€. © Huch

Leider nicht ganz pünktlich zur SPIEL 2022 hat es Overbooking von Huch geschafft. Jetzt steht das Spiel aber endlich im Handel.

Als engagierter Brettspieler fragt man sich manchmal, wie die Autoren immer wieder neue Themengebiete erschließen, um ihren Spielen den letzten Schliff zu geben. Sicher, nicht immer schlägt der thematische Unterbau eines Spiels hinreichend durch, dennoch dürfte die stimmungsvolle Einbindung einer übergeordneten Hintergrundgeschichte den meisten sehr am Herzen liegen.

Overbooking im Test

Die Story von Overbooking, der Herbstneuheit von Huch, ist besonders originell. Ihr steht als Kammerdiener in den Diensten seiner Königlichen Hoheit, der in Kürze ein rauschendes Fest abhalten möchte. Euer Job besteht nun darin, die geladenen Gäste in einer passenden Unterkunft unterzubringen. Da leider alle Partybesucher auf einen Last-Minute-Preisnachlass spekuliert haben, geht jetzt das große Hauen und Stechen um die letzten Hotelzimmer los. Wem es gelingt, die meisten Gäste zu einer Schlafgelegenheit zu verhelfen, kann sich des Königs Dank gewiss sein und gewinnt die Partie.

Last-Minute-Urlaub bei Overbooking

Die schräge Spielidee von Overbooking soll in erster Linie über Spielkarten transportiert werden. Da wären zunächst natürlich die Hotels, von denen immer so viele verfügbar sind, wie Spieler an der Partie teilnehmen. Jedes Hotel kann auf eine bestimmte Anzahl von freien Betten zugreifen. Wenn voll, dann voll! So viel darf jetzt schon verraten werden: mit Sicherheit werden nicht alle Partygäste an diesem Abend in einem warmen Bettchen schlummern. Die Hotelkarten werden in der Tischmitte ausgelegt und warten nun auf die eintrudelnden Reservierungswünsche.

Overbooking Auslage Karten Hotel Gaeste Wappen
Bei Overbooking werden die Karten zunächst verdeckt in die Auslage gespielt. © Huch

An der rechten Seite eines Hotels wird sich schon bald eine Warteschlange bilden. Im Verlauf der Partie werdet ihr verdeckt Gästekarten vor den Toren der Hotels auslegen. Vollständig überblicken lässt sich die Situation daher nie. Doch es gibt durchaus ein paar Anhaltspunkte, die euch abschätzen lassen, ob es sich noch lohnt, eine weitere Karte in die Warteschlange zu spielen. Bei dieser Einschätzung müssen allerdings ein paar kleine Details beachtet werden.

Name des SpielsOverbooking
Spielerzahl2-4 Personen
Altersempfehlungab 10 Jahren
Spieldauer30 Minuten
AutorFilippo Landini
VerlagHuch
Preisca. 20€

Lange Warteschlangen bei Overbooking

Die Hoteliers arbeiten die Reservierungsanfragen nämlich nicht stur der Reihe nach ab, sondern verfolgen auch eigene Interessen. Anfragen größerer Gruppen werden von ihnen stark bevorzugt behandelt. Während beispielsweise die Mönche stets alleine anreisen, stehen Adlige immer als Quartett auf der Matte. Je mehr Betten mit einem Schlag vermittelt werden, desto früher darf die Gruppe ihre Reservierung beantragen.

Overbooking Karten Moench Adlige Haendler Zofe Soldat Arbeiter
Bei Overbooking kommen insgesamt sechs verschiedene Arten von Partygästen zum Einsatz. © Huch

Ganz unbedeutend ist die Reihenfolge in der Warteschlange aber nicht. Liegen dort zwei oder gar noch mehr Gästekarten der gleichen Art, werden diese brav der Reihe nach abgehandelt. Jetzt gilt eben doch: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Kleingruppen oder gar Einzelreisende haben aber dennoch eine realistische Chance, im Hotel ihrer Wahl unterzukommen. Manchmal müssen größere Gesellschaften mangels ausreichender Bettenzahl wieder abreisen, da sie nur als Gesamtgruppe buchen können. Da hat es der einsame Mönch eben deutlich leichter, noch irgendwo eine kleine Nische für sich zu finden.

Hintereingang als Schlupfloch in Overbooking

Weiterhin verfügen die meisten Hotels über ganz besondere Hausregeln, die den Reservierungsablauf doch erheblich beeinflussen. Einige Pensionen lassen nur Reservierungen von Gruppen in einer bestimmten Größe zu, andere geben den Mönchen ein Vor-Reservierungsrecht oder dulden keine Soldaten im eigenen Haus. Es gibt sogar einige Hotels, die von euch verlangen, Gästekarten an bestimmten Positionen offen auszulegen. Über die Besonderheiten der Hotelkarten kommen so auf jeden Fall ein paar taktische Aspekte ins Spiel, die den Verlauf ganz schön durcheinanderbringen.

Overbooking Hotel Karten Plaettchen Haus Unterkunft Herberge
Die acht doppelseitigen Hotelkarten in Overbooking warten jeweils mit unterschiedlichen Hausregeln auf euch. © Huch

Für noch mehr Chaos sorgen aber die Gäste, die sich gar nicht erst in die Wartereihe begeben, sondern gleich an der Hintertür des Hotels anklopfen. Legt ihr Gästekarten auf der linken Seite einer Hotelkarte ab, führen diese dort ihre Sonderfähigkeit aus. Ein Bett für die Nacht bekommen die Gäste an der Hintertür dadurch zwar in der Regel auch nicht, doch sie verändern dafür die Hotelregeln für alle anderen Besucher in der Warteschlange. Auf diese Weise verändert sich die Zahl der zur Verfügung stehenden Betten, einige Karten können ein Vorrecht auf die Reservierung erhalten oder es werden Kartenpositionen vertauscht. Die Sonderfähigkeiten der Gästekarten können im Nachhinein noch für so manche Überraschung sorgen.

Chaotisches Treiben in der Warteschlange bei Overbooking

Wie sich die Auslage an den verschiedenen Hotels auf die tatsächlichen Reservierungen auswirkt, lässt sich allerdings erst im Nachhinein erkennen. Erst wenn jeder Spieler fünf Gästekarten verdeckt ausgelegt hat, wird das Geheimnis um die Identität der Gäste gelüftet. Über die Wappen auf den Kartenrückseiten gibt es aber immerhin einen kleinen Anhaltspunkt. Ein großes Wappen deutet daraufhin, dass hier mindestens vier Gäste auf einen Platz im Hotel hoffen. Seht ihr auf der Karte hingegen ein kleines Wappen, besteht die Gruppe aus maximal drei Gästen.

Overbooking Hotel Partygaeste Karten Haendler Moench Zofe
Bei Overbooking zeigt sich erst in der zweiten Spielphase, welche Gäste sich tatsächlich über ein warmes Bett freuen dürfen. © Huch

Nachdem sämtliche Karten auf die Vorderseite gewendet wurden, müssen zunächst die Effekte der Gäste an der Hintertür durchgeführt werden. Sie bringen den Ablauf oft stark durcheinander, sodass sich die Konstellation anschließend ganz anders darlegen kann. Erst jetzt wird geprüft, welche Gästekarten tatsächlich ein freies Bett im gewünschten Hotel erhalten. Jede Gästekarte, der ihr auf diese Weise einen Schlafplatz vermittelt, bringt euch am Spielende Siegpunkte ein.

Die königliche Party steigt bei Overbooking nach vier schnellen Runden

Bevor die Punkte gezählt werden, leitet ihr aber zunächst direkt die nächste Spielrunde ein. Neue Hotels kommen ins Spiel und die Hand wird wieder mit frischen Gästen bestückt. Insgesamt werden auf diese Weise vier Spielrunden durchlaufen. In dieser Zeit werdet ihr fast das gesamte Kartendeck, das bei allen Spielern identisch ist, ausgespielt haben. Jetzt müssen nur noch die gesammelten Punkte addiert werden. Doch Vorsicht! Die untergebrachten Gäste stehen nicht alle in der gleichen Gunst des Königs. Während euch eine adelige Gästekarte gleich drei Siegpunkte einbringt, ist eine Arbeiterkarte eben nur einen Punkt wert.

Overbooking Karten Spielhilfe Uebersicht
Praktisch! Die Spielhilfen in Overbooking zeigen die wichtigsten Details im Überblick. © Huch

Wertungstechnisch relevant sind außerdem die Wappensymbole auf den einzelnen Gästekarten. Es lohnt sich, möglichst viele Gäste des gleichen Wappensymbols in den Hotels unterzubringen. Gelingt es euch hier, ein wenig konzentriert vorzugehen, winken euch zum Schluss nochmal zahlreiche Bonuspunkte. Eine Partie Overbooking ist für zwei bis vier Personen ab zehn Jahren geeignet und hat eine Spieldauer von etwa einer halben Stunde. Ihr findet das Spiel ab sofort zum Preis von rund 20€ im Handel.

Fazit: Overbooking beweist Charme und Witz, sorgt für reichlich Chaos am Spieltisch und heimst so diese reiselustige ingame-Testwertung ein.

Wertungsgrafik Overbooking
Overbooking beweist Charme und Witz, sorgt für reichlich Chaos am Spieltisch und heimst so diese reiselustige ingame-Testwertung ein. © ingame.de

Die Idee hinter Overbooking ist so herrlich schräg, dass mein Interesse schnell geweckt war. In welchem Brettspiel ist man schon als Last-Minute-Manager für die Hotelreservierung der königlichen Partygäste zuständig? Thematisch so richtig tief taucht ihr in Overbooking in diese Rolle zwar nicht ab, dennoch wurde die Grundidee ziemlich pfiffig aufgearbeitet. Genauso aberwitzig wie die Hintergrundgeschichte gestaltet sich auch der Spielablauf. Wer am liebsten seine Spielzüge minutiös plant und alles kontrollieren möchte, sollte besser die Finger von Overbooking lassen. In diesem zugänglichen und flotten Kartenspiel regiert das Chaos… jedenfalls zu einem guten Teil. Wie sich die freien Zimmer tatsächlich auf die königlichen Gäste verteilen werden, kann am Ende der ersten Spielphase niemand genau absehen. Lohnt es sich wirklich noch die Händler-Karte in die Warteschlange zu stellen? Darüber lässt sich nur spekulieren. Klarheiten entstehen erst, wenn die verdeckte Auslage auf die Vorderseite gewendet wird. Gerade durch die Besucher am Hintereingang des Hotels entsteht jetzt nochmal reichlich Bewegung. Und dennoch, völlig unstrategisch spielt sich Overbooking nicht. Es gibt schon einige Anhaltspunkte, die euch taktisch Einfluss auf den Spielverlauf nehmen lassen. Wer gut blufft, Chancen und Risiken abwägt und seine Karten in eine starke Position bringt, erhöht die Wahrscheinlichkeit auf den Spielsieg erheblich. Damit hat Overbooking eine gesunde Mischung gefunden, die einem Familienspiel gut zu Gesicht steht.

ProCon
+ witziges Thema- zu hoher Zufallsfaktor für Taktikfüchse
+ einfache Regeln
+ gute Mischung aus Glück und Taktik
+ sorgt immer wieder für Überraschungen

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