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Palm Island: Mit 17 Karten zum mobilen Strategiespiel.

Alles aus einer Hand

Palm Island im Test: Das ultramobile Aufbaustrategiespiel

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Aufbaustrategie für unterwegs, so mobil spielt sich Palm Island wirklich.

Warum sind Spiele für das Smartphone so beliebt? Ein gewichtiger Grund ist sicher, dass sie immer und überall verfügbar sind. Spiele an PC und Konsole haben es da schon schwerer, sie werden in der Regel stationär am heimischen Fernseher oder Monitor betrieben. Ein Einsatz unterwegs – von der Nintendo Switch einmal abgesehen – dürfte da wohl doch eher die Ausnahme bleiben. Bei den Brett- und Kartenspielen sieht es nicht viel anders aus. Kleinere Kartenspiele sind zwar noch gut transportabel, benötigen aber meist doch einen Tisch für eine Kartenauslage. Beim neuen Palm Island vom Kosmos-Verlag ist das gar kein Problem. Ihr könnt das Spiel komplett in einer Handfläche verwalten. Erstaunlicherweise verbirgt sich in der kleinen Verpackung ein doch recht aufwändiges Aufbauspiel inklusive Ressourcenmanagement. Was sich auf den ersten Blick wie die Quadratur des Kreises liest, entpuppt sich aber tatsächlich als funktionierendes Spielprinzip.

In Palm Island übernehmt ihr den Aufbau eines aufstrebenden Dorfs auf der namensgebenden Insel. Um den Ausbau der Gebäude voranzutreiben, setzt ihr die drei unterschiedlichen Ressourcen Fische, Steine und Hölzer ein. Der Fortschritt beim Aufbau ermöglicht euch Zugriff auf noch mehr Ressourcen und bedeutsame Gebäude, die euch Siegpunkte einbringen. Um die Rohstoffe und euren Spielfortschritt auf dem Stand zu halten, bedient sich Palm Island eines ebenso einfachen wie genialen Kniffs.

Alles aus einer Hand

Gesteuert wird Palm Island über ein kleines Deck, das aus gerade einmal 17 Karten besteht. Kurz mischen, die Rundenkarte ans Ende des Stapels packen und dann kann es auch direkt losgehen. Die beiden vorderen Karten eures Decks sind für eure Aktionen einsetzbar. Manchmal werden für die Aktivierung einer Karte Ressourcen fällig, einige lassen sich aber auch ohne weitere Kosten verwenden. Die Karte „Fischen“ beispielsweise gewährt euch einen Gratis-Fisch. Dazu rotiert ihr die Karte einmal um 90 Grad und legt sie ans Ende eures Kartenstapels.

Diese Karte markiert immer das Ende einer laufenden Runde. Nach acht Runden endet die Partie.

Die Fischen-Karte ragt nun seitlich ein wenig heraus und zeigt euch auch den Fisch, den ihr nun als Ressource einsetzen könnt. Sobald ihr den Fisch für eine Aktion einer anderen Karte investiert, dreht ihr die Karte wieder in die aufrechte Position zurück und versenkt sie an gleicher Stelle wieder in eurem Deck. Der Fisch steht euch jetzt nicht mehr zur Verfügung. Damit das Ganze nicht zu einem Geschicklichkeitsspiel wird, lassen sich maximal vier Karten auf die Seite drehen, um somit die Verfügbarkeit von Ressourcen darzustellen. Das klappt im Großen und Ganzen auch recht problemlos, so dass ihr euren Kartenstapel stets komfortabel im Griff habt.

Drehen, Wenden und Lagern

Auf diese Art und Weise sammelt ihr Fische, Steine und Hölzer. Ihr werdet sie dringend benötigen, um den Ausbau eures Dorfs voranzutreiben. Dieser Ausbau wird spielmechanisch durch das Drehen und Wenden der Karten vollzogen. Jede Karte im Deck besteht grundlegend aus vier Bereichen, zwei pro Kartenseite. Aktiv und einsetzbar ist stets der obere Bereich auf der Kartenvorderseite. Das Haus des Holzfällers könnt ihr upgraden, indem ihr einen Fisch und ein Holz aufwendet. Anschließend dreht ihr die Karte um 180 Grad und befördert sie an das Ende des Kartenstapels. Wenn die Karte in der nächsten Spielrunde wieder nach vorne gespült wird, stehen euch jetzt mächtigere Optionen zur Auswahl.

Sammelt die geforderten Ressourcen bis zum Spielende zusammen, sonst ist euer Dorf dem Untergang geweiht.

Nicht selten stehen euch gleich mehrere Optionen für den Ausbau zur Verfügung. Die Karte des Fischers etwa kann durch das Abgeben eines Fisches entweder gedreht oder auch auf die andere Seite gewendet werden. Je nachdem wie ihr euch entscheidet, produziert die Karte ab der nächsten Runde entweder gleich zwei Fische oder aber einen Fisch und ein Holz. Im Verlauf des Spiels werden euch so immer mehr Ressourcen bereitgestellt.

Quickie über acht Runden

In eurem Dorf entstehen immer effektivere Produktionsstätten. Doch auch diverse Marktplätze können hilfreich sein. Hier setzt ihr einzelne Waren ein, um andere Ressourcen zu erhalten. Das macht euch beim Dorfausbau nochmal etwas flexibler. Letztlich ist das Ressourcenmanagement aber nur Mittel zum Zweck. Am Ende geht es darum Ansehen zu gewinnen, das sich in Form von Siegpunkten ausdrückt. Luxuriöse Wohnhütten oder Tempelanlagen etwa dienen ab einer gewissen Ausbaustufe einzig und allein dem Zugewinn von Siegpunkten.

Im kooperativen Modus kommen die Gemeinschaftskarten ins Spiel.

Nachdem ihr alle 17 Karten eures Decks verwendet oder ungenutzt ans Ende des Kartenstapels geschoben habt, liegt nun die Rundenkarte vor euch. Die erste Runde ist vorbei. Jetzt wird auch die Rundenkarte gedreht, sodass nun Rundennummer zwei angezeigt wird. Die Rundenkarte wird später immer wieder erneut gedreht und gewendet. Insgesamt spielt ihr Palm Island über acht Runden. Danach zählt ihr alle Siegpunkte auf den aktiven Bereichen eurer Karten im gesamten Deck. In der Übersicht lässt sich dann ablesen, wie gut ihr euch geschlagen habt.

Solo oder kooperativ spielbar

Im Grunde ist Palm Island als Solo-Spiel ausgelegt. Dennoch bietet das Regelheft eine Variante für zwei Spieler an. In dieser baut ihr das Dorf kooperativ gemeinsam aus. Jeder Spieler erhält dazu ein identisches Deck. Weiterhin seid ihr darauf aus, am Spielende möglichst viele Siegpunkte zu erzielen. Allerdings kommen im Koop-Spiel noch die Naturkatastrophen hinzu. Vor Spielbeginn müsst ihr euch für eine von drei drohenden Gefahren entscheiden: Hungersnot, Orkan oder Vulkanausbruch.

Verfügbare Ressourcen ragen seitlich aus dem Deck heraus.

Um das Dorf vor dem Untergang zu bewahren, müsst ihr zusätzliche Ressourcen in den Katastrophenschutz investieren. Die Rohstoffe dürft ihr auch gemeinsam ausgeben, sie müssen nicht aus der Hand eines einzigen Spielers kommen. Dazu ist aber natürlich auch eine gute Absprache nötig. Haltet euch also immer auf dem Laufenden, auf welche Ressourcen ihr gerade Zugriff habt. Hilfreich wäre es natürlich auch, sich über den Dorfausbau zu unterhalten. Es hilft euch nicht weiter, wenn beide Spieler über haufenweise Hölzer verfügen, es dafür aber an Steinen mangelt. Nach Ablauf von acht Spielrunden erhaltet ihr natürlich nur Siegpunkte, wenn ihr das Dorf ausreichend vor dem nahenden Unheil schützen konntet. Falls nicht, habt ihr das Spiel leider verloren.

Superkompaktes Spiel für unterwegs

Im kooperativen Spiel könnt ihr optional auch noch eine Gemeinschaftskarte mit ins Spiel nehmen. Auch hier dürft ihr wieder gemeinsam Rohstoffe ausgeben, um später zusätzliche Vorteile beim Ausbau des Dorfs oder bei der Bekämpfung der Katastrophe zu bekommen. Im Solospiel könnt ihr hingegen über Errungenschaftskarten Unterstützung erhalten. Sofern ihr bestimmte Bedingungen nach Abschluss einer Partie erfüllt habt, dürft ihr die Errungenschaften im nächsten Spiel eurem Deck hinzufügen. Die Errungenschaften machen das Spiel allerdings deutlich einfacher, gerade wenn ihr mehrere dieser Karten mit in den Kartenstapel nehmt. Fortgeschrittene Spieler verzichten daher auf diese Option.

Erreicht ihr bestimmte Ziele, dürft ihr in weiteren Partien die Errungenschaften mit ins Deck nehmen. Sie machen das Spiel deutlich einfacher.

Wenn ihr gleich mehrere Ausgaben von Palm Island erwerbt, könnt ihr auch mit mehr als zwei Inselbaumeistern antreten. Die Bekämpfung der Katastrophen wird mit jedem weiteren Mitspieler teurer. So wird der Schwierigkeitsgrad bei mehr als zwei Spielern auch nicht weiter verändert. Lediglich die Absprache untereinander wird komplexer. Der Kosmos-Verlag hat Palm Island bereits vor der SPIEL veröffentlicht. Ihr solltet es im Handel inzwischen problemlos bekommen. Mit etwa 8-9€ fällt der Preis erfreulich moderat aus.

Fazit

Karten- oder gar Brettspiele lassen sich in der Regel tatsächlich unterwegs sehr schlecht spielen. Ständig verrutschende Kartenauslagen, herunterkullernde Würfel oder verschobene Spielsteine machen das analoge Spielen auf Reisen oft zu einer kniffligen Angelegenheit. Palm Island hingegen könnt ihr tatsächlich bequem aus einer Hand heraus spielen. Meine Bedenken, dass die Karten in der Hand ständig verrutschen, waren größtenteils grundlos. Wenn ihr vier Ressourcenkarten eingelagert habt, wird es zwar manchmal schon ein wenig fummelig, aber im Großen und Ganzen funktioniert das Rohstoffmanagement ziemlich gut. Damit ist es Palm Island tatsächlich gelungen, ein kleines Aufbaustrategiespiel für unterwegs zu realisieren. Es erreicht natürlich nicht die Komplexität eines dicken Expertenspiels, aber ganz banal ist Palm Island auch nicht. Ihr müsst euch eure Züge schon gut überlegen, den Ausbau der Gebäude timen und am Ende vor allem nicht vergessen, die richtigen Gebäude in Siegpunkte zu verwandeln. Am meisten Spaß hat mir Palm Island in der Tat in der Solovariante gemacht. Alleine lässt sich das Spiel in der eigenen Geschwindigkeit angehen. Die Katastrophenkarten habe ich trotzdem häufig mit ins Spiel genommen, sie machen Palm Island noch einmal etwas anspruchsvoller. Für eine Partie braucht ihr kaum länger als eine Viertelstunde. Damit ist Palm Island auch zeitlich perfekt für das mobile Spielen ausgelegt.

PROS

CONS

+ reisetauglich

- Kartenhandling manchmal fummelig

+ auch ohne Tisch spielbar

+ guter Solo-Modus

+ alternative Koop-Variante

+ Aufbaustrategie zum günstigen Preis

+ innovatives Ressourcenmanagement

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