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Patient Zero wurde auf der SPIEL 2021 in Essen vorgestellt und erscheint in Kürze über Helvetiq im Handel.

Von der SPIEL 2021 in den Handel: Helvetiq veröffentlicht das neue Brettspiel Patient Zero

Patient Zero im Test: Heilmittelforschung als Brettspiel

  • VonSebastian Hamers
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Helvetiq trifft mit Patient Zero voll den Zeitgeist. Als Laborwissenschaftler versucht ihr ein Heilmittel gegen eine neue Krankheit zu entwickeln.

Kein anderes Thema hat uns in den letzten anderthalb Jahren so auf Trab gehalten wie die Corona-Pandemie. Da liegt es natürlich nahe, dass Covid19 auch von der Entertainment-Branche aufgegriffen wird, um die Massen zu unterhalten. Egal ob bei Film, Funk oder Fernsehen, Corona ist einfach allgegenwärtig. Das Virus ist sogar auf die Brettspielwelt übergeschwappt. Auf der SPIEL 2021 finden sich bereits einige Spiele auf der Liste der Neuheiten wieder, die sich explizit mit Viren im Allgemeinen oder sogar Corona im Speziellen beschäftigen. Im Dunstkreis dieser Spiele bewegt sich auch Patient Zero von Helvetiq. Eine neue Krankheit ist ausgebrochen und stellt die Menschheit und insbesondere die Welt der Wissenschaft vor eine große Herausforderung. Denn wie bei der Corona-Pandemie drängt bei Patient Zero die Zeit. Ein wirkungsvolles Gegenmittel muss her, um die Krankheit in den Griff zu bekommen. An dieser Stelle kommt ihr ins Spiel. Die Herstellung des Heilmittels ist in Patient Zero eure gemeinsame Mission.

Heilmittel erforschen in Patient Zero

Bevor ihr mit den Forschungsarbeiten beginnt, teilt ihr die Spieler zunächst in zwei Teams auf. Welches Team kann zuerst ein wirkungsvolles Antidot entwickeln, um die Krankheit zu bekämpfen? In Patient Zero spielt ihr gewissermaßen das Wettrennen der großen Pharmakonzerne wie Biontech, Sanofi oder Moderna nach, die mit frühen Forschungserfolgen heute Milliarden mit dem Verkauf von Corona-Impfstoffen verdienen. Eure Firmen im Spiel hören auf die Namen LaboM und LaboT, womit der Hersteller seinen Wortwitz unter Beweis stellt, wenn man die französische Sprechweise zugrunde legt.

Bei Patient Zero verwendet ihr dieses Datenblatt als Grundlage für eure Forschungsarbeiten.

Um ein Heilmittel herzustellen müsst ihr den molekularen Code der Krankheit entschlüsseln. Insgesamt gibt es in Patient Zero einen Gesamtpool von 25 Molekülen. Der Erreger besteht in jeder Partie immer aus genau drei dieser Moleküle. Es wird nun eure Aufgabe sein, diese drei Bestandteile aus dem Gesamtpool herauszufiltern. Durch den Einsatz diverser Laborwerkzeuge erhaltet ihr immer mehr Kenntnisse über die Krankheit, könnt möglicherweise einige Moleküle ausschließen und kommt der Krankheit so schrittweise auf die Spur.

  • für 1-7 Spieler ab 10 Jahren
  • Spieldauer: ca. 30 Minuten
  • Autor: Cédric Martinez
  • Verlag: Helvetiq

Savvy, der Laborcomputer in Patient Zero

Ein Spieler muss in Patient Zero eine neutrale Position einnehmen und die Rolle des Laborcomputers Savvy einnehmen. Als Savvy ermittelt ihr die drei Moleküle der Krankheit nach dem Zufallsprinzip und habt als einziger Spieler die genaue Kenntnis des Codes. Die Mitspieler werden euch nach und nach mit Aufträgen füttern. Eure Aufgabe wird nun darin bestehen, die Werkzeuge anzuwenden und den Wissenschaftlern Informationen über die Krankheit zuzuspielen. An der Knobelei könnt ihr euch in der Rolle von Savvy somit nicht beteiligen. Das Problem lässt sich allerdings umgehen, wenn ihr die optionale App für iOS oder Android einsetzt, die kostenlos aus den jeweiligen Stores heruntergeladen werden kann. Die App übernimmt den Job von Savvy, so dass alle Spieler als Laborwissenschaftler antreten dürfen.

Bei Patient Zero greift ihr auf 15 unterschiedliche Labor-Werkzeuge zurück.

Wurden alle Teams eingeteilt und ein Savvy ermittelt, können die Forschungsarbeiten auch direkt beginnen. Grundlage eurer Forschung ist ein vorgefertigtes DIN-A4-Blatt, auf dem ihr die Laborwerkzeuge anwenden dürft. Im Mittelpunkt steht der Molekül-Pool mit seinen 25 Elementen, schön aufgeführt in fünf Reihen mit jeweils fünf Molekülen. Jedes Team erhält außerdem eine Reihe von Karten, die eure Werkzeuge im Spiel darstellen. In jedem Zug händigt ihr eine dieser Karten an Savvy aus, um nähere Informationen über die Krankheit zu erfahren.

Laborwerkzeuge in Patient Zero

Durch den Einsatz der Karten engt ihr den Kreis der verdächtigen Moleküle immer weiter an. Eine gute Grundlage für die weitere Forschung ist beispielsweise das Samply-Werkzeug. Dieses bringt drei Probenkarten ins Spiel, auf denen jeweils fünf Moleküle zu sehen sind. Savvy wird euch nun verraten, ob die Probe mindestens eines der gesuchten drei Moleküle enthält oder nicht. Ganz ähnlich funktioniert das Mikroskopo-Werkzeug. Hier dürft ihr allerdings gezielt zwei Proben aus eurem Stapel heraussuchen und damit den Computer füttern. Mit dem Analyzer lassen sich die positiven Proben später sogar noch im Detail betrachten. Savvy wird euch jetzt genau verraten wie viele richtigen Moleküle in der Probe enthalten sind.

In Patient Zero besteht die Krankheit immer aus drei Molekülen, die es zu ermitteln gilt.

Ein andere, aber nicht unbedingt weniger effektive Herangehensweise, ist das Ausschlussverfahren. Wählt ihr das Dedukto-Werkzeug nennt euch Savvy fünf zufällige Moleküle, die kein Bestandteil des Erregercodes sind. Als Merkhilfe erhaltet ihr die fünf dazu passenden Karten. Ihr werdet diese möglicherweise später noch brauchen, wenn ihr vom Kolozomi-Tool Gebrauch macht. Eine dieser Merkkarten schiebt ihr dem Computer zu, um einen farblichen Abgleich mit dem Erreger vorzunehmen. Savvy verrät euch, ob ein gesuchtes Molekül die gleiche Farbe aufweist wie die gewählte Merkkarte. Ebenso auf die Farbe zielt das Mezakol-Werkzeug ab. Mit diesem erfahrt ihr ganz einfach die Farbe eines bestimmten Erreger-Moleküls.

Datensammeln mit Patient Zero

Insgesamt stehen euch nicht weniger als fünfzehn verschiedene Labor-Tools zur Verfügung, um den Code zu entschlüsseln. In jeder Runde müsst ihr euch als Team abstimmen, welches Werkzeug zum aktuellen Zeitpunkt den größten Effekt verspricht. Ein wenig Glück gehört natürlich auch dazu, um das Heilmittel gegen die Krankheit zu ermitteln. Genau wie in der echten Krankheitsforschung, so stochert ihr auch bei Patient Zero zunächst etwas im Nebel. Mit kluger Planung und der geschickten Auswahl der Werkzeuge lässt sich die Anzahl der benötigten Züge aber auf jeden Fall minimieren.

Bei Patient Zero nehmt ihr Proben und untersucht diese auf mögliche Krankheitserreger.

Zum krönenden Abschluss der Forschung spielt ihr die Antidote-Karte. Jetzt benennt ihr konkret die drei Moleküle, die ihr als Krankheitserreger im Verdacht habt. Habt ihr jetzt drei Treffer gelandet, habt ihr das Gegenmittel entdeckt und somit das Spiel gewonnen. Ihr solltet die Antidote-Karte jedoch mit Bedacht einsetzen. In eurem Kartenset befinden sich lediglich zwei Exemplare dieser Karte. Habt ihr beide erfolglos verballert, gibt es für euch keine Möglichkeit mehr, das Spiel zu gewinnen.

Patient Zero mit variablen Spielweisen

Für eine durchschnittliche Partie werden zwischen sechs und acht Zügen benötigt. Wie viele Züge ihr letztlich benötigt ist im Duell-Modus jedoch nicht relevant. Solange ihr das Heilmittel vor dem Konkurrenz-Labor entwickelt, geht ihr als Sieger aus der Partie hervor. Patient Zero lässt sich aber problemlos auch vollständig kooperativ oder sogar im Solo-Modus spielen. Hier versucht ihr die Zahl der eigenen Züge so gering wie möglich zu halten. Am Ende des Spiels lest ihr die Bewertung anhand der benötigten Spielzüge ab.

Die Unterbrechungskarten machen eine Partie Patient Zero gleich deutlich herausfordernder.

Für fortgeschrittene Spieler bietet das Regelwerk noch das optionale Unterbrechungsdeck an. Nach jeweils drei Zügen wird eine von insgesamt fünfzehn Unterbrechungskarten gespielt. Die Karten machen euch die Forschungsarbeiten schon deutlich schwerer. Krizio reduziert die Anzahl der noch verfügbaren Spielzüge, Limigo lässt euch Werkzeugkarten ungenutzt abwerfen und Planado verbietet euch den Einsatz des Bleistifts, so dass ihr euch alle Fortschritte nun merken müsst. Das Leben als Wissenschaftler wird durch Unterbrechungsdeck somit ein ganzes Stück unbequemer.

Patient Zero erscheint als multilinguale Version über Helvetiq und ist für ein bis sieben Spieler ab zehn Jahren geeignet. Für eine Partie solltet ihr ungefähr eine halbe Stunde Spielzeit einplanen. Auf der SPIEL 2021 war Patient Zero bereits am Stand von Helvetiq zu haben, sollte in Kürze allerdings auch im regulären Handel auftauchen.

Fazit: Patient Zero hat im ingame-Testlabor überzeugt und sich diese Testwertung verdient

Patient Zero überzeugt im ingame-Testlabor und kann diese Testwertung für sich herausschlagen.

Inwiefern die Idee von Patient Zero auf der Corona-Pandemie basiert, sei einmal dahingestellt. Ins Jahr der Corona-Massenimpfungen passt es auf jeden Fall optimal. Es trifft aber nicht nur voll den Zeitgeist, sondern weiß auch spielerisch zu überzeugen. Auf den Kern reduziert ist Patient Zero ein recht einfaches Deduktionsspiel. Ähnliche Konzepte finden sich oft in Kriminalspielen wieder, bei denen dann zumeist nach Mörder, Tatort und Tatwaffe gefahndet wird. Die Übertragung auf das Labor-Setting ist allerdings sehr gut geglückt. Der Einsatz der diversen Werkzeuge fühlt sich organisch an. Proben nehmen, diese analysieren oder einmal durch die Zentrifuge drehen… diese und viele andere Techniken dürften in den meisten Laboren wohl tatsächlich zum Alltag gehören. Auf der spielmechanischen Ebene schließen die Teams schrittweise immer mehr Moleküle aus und kombinieren ihre Werkzeuge so, dass möglichst schnell Ergebnisse erzielt werden. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Konkurrenz schläft natürlich nicht. Patient Zero zeigt sich dabei ziemlich flexibel in der Anwendung. Eine Partie kann problemlos genauso gut kooperativ gespielt werden, es funktioniert in großer Gruppe wunderbar und wenn keine Mitspieler zur Hand sind, sogar ganz alleine. Im Spiel Team-gegen-Team müsst ihr lediglich aufpassen, dass die Kommunikation untereinander nicht zu sehr belauscht wird. Der Austausch im Team wird erschwert, da im Regelfall alle Spieler an einem Tisch sitzen werden. Da schnappt man sicherlich manchmal ungewollt die ein oder andere Informationen von der Konkurrenz auf. Bei der Diskussion untereinander wird daher auch ein wenig Kreativität von den Wissenschaftlern gefordert. Freunde von Deduktionsspielen dürfen sich auf einen guten Vertreter des Genres freuen, der mit einem ungewöhnlichen Thema und einem semikooperativen Ansatz aufwartet und so sicherlich viele Freunde finden dürfte.

ProCon
+ Thema stimmig aufgearbeitet- Papierblöcke statt abwischbarer Tableaus verwendet
+ einfache Grundregeln- Kommunikation am Spieltisch erschwert
+ mit optionaler Begleit-App
+ sehr flexibel in der Zahl der Mitspieler
+ breitgefächerte Deduktionsmechaniken

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