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Planet B im Test: Das dystopische Wahlkampf-Brettspiel

Erstellt:

Von: Sebastian Hamers

Planet B Hans im Glueck Verpackung Stadt City Wolkenkratzer
Planet B ist über Hans im Glück erschienen und kostet ca. 70€. © Hans im Glück

In Planet B habt ihr als Gouverneure die Chance, die neue Heimatwelt mitzugestalten… und Geld in die eigene Tasche zu wirtschaften.

Die Corona-Pandemie, die Energiekrise, der Ukrainekrieg und die davongallopierende Inflation zeigen deutlich auf, dass sich das Leben auf der Erde in den 2020er Jahren deutlich verändert hat. Die Konsequenzen, die durch den Klimawandel entstehen, sind ebenfalls bereits spürbar und stellen die Menschen in den kommenden Jahren vor immense Herausforderungen. In Planet B, der Herbstneuheit von Hans im Glück, ist die Menschheit bei dem Versuch adäquate Lösungen für diese Probleme zu entwickeln, kläglich gescheitert. Das Brettspiel zeichnet eine dystopische Welt, in der die Erde nicht mehr bewohnbar ist. Glücklicherweise konnte in den Weiten des Weltraums eine neue Welt aufgetan werden, die geeigneten Wohnraum für alle bietet. Die Ersatz-Erde wurde liebevoll Planet B getauft und stellt den Startschuss für die Menschen dar, diesmal alles besser zu machen. Ökologisch, sozial, nachhaltig und gerecht soll es auf der neuen Heimatwelt zugehen. Ob dieses Vorhaben tatsächlich gelingen kann?

Neue Chance für die Menschheit auf Planet B

Die kurze Antwort lautet: Nein! Natürlich gehören Korruption, der rücksichtslose Wunsch nach Wachstum und die Gier der Menschen schon bald zum Alltag der Bewohner von Planet B. Und ihr seid mittendrin. Als machtversessene Politiker konkurriert ihr um die bedeutsamsten Ämter, um möglichst effektiv Gelder in die eigene Tasche zu wirtschaften. Dabei geht ihr unheilige Allianzen mit den mächtigsten Konzernen ein. Eine Hand wäscht die andere. Als Politiker setzt ihr euch für die Firmen ein, die eure Bemühungen im Gegenzug mit diversen Boni vergüten.

Planet B Spielbrett Konzerne Hammer Geld Produktion Koffer Marker Karten
Bei Planet B schließt ihr Deals mit mächtigen Konzernen ab. © Hans im Glück

Euer freundliches Entgegenkommen wird über den Einsatz von Aktenkoffern dargestellt. Ihr setzt sie auf den dafür vorgesehenen Feldern auf dem Spielbrett ein. Drei Konzerne liegen dort ständig aus und warten nur darauf, mit euch Lobbyarbeit zu betreiben. Spielmechanisch läuft das ganz simpel ab. Koffer einsetzen, Goodies erhalten. Da nur immer nur drei Konzerne zur Verfügung stehen, läuft das Spiel sogar recht flott ab. Jedenfalls wenn man sich einmal auf die etwas sperrige Symbolik eingestellt hat.

Name des SpielsPlanet B
Spielerzahl2-4 Personen
Altersempfehlungab 14 Jahren
Spieldauer30-45 Minuten pro Spieler
AutorJohannes Natterer
VerlagHans im Glück/Asmodee
Preisca. 70€

Lobbyarbeit in Planet B

Einige Konzerne genießen in der Bevölkerung nicht so einen ganz astreinen Ruf. Arbeitet ihr mit diesen Firmen zusammen, sinkt euer Ansehen, was sich irgendwann einmal negativ auf die Wiederwahl auswirken könnte. Wird ein Aktenkoffer bei einem Konzern platziert, werden immer direkt mehrere Aktionen durchgeführt. Jeder Konzern verfügt über gleich mehrere Einsatzplätze, sodass der nächste Spieler in der Reihenfolge problemlos die gleiche Aktionsfolge wählen kann. Erst wenn sämtliche Koffer-Plätze belegt sind, ändert sich die Situation.

Planet B Tableau Ressourcen Marker
In Planet B verwaltet jeder Politiker seine Ressourcen auf dem eigenen Tableau. © Hans im Glück

Aus regelkonformen Firmen werden plötzlich korrupte machtgeile Großkonzerne, die ein neues Aktionsprofil aufweisen. Sollten bei einer Skandal-Firma alle Koffer-Stellplätze besetzt sein, macht diese Platz für eine neue Firma. Sie wird irgendwann einen ähnlichen Werdegang hinlegen und der Korruption anheimfallen. Doch bis dahin ist es ein langer Weg. Erstmal dürft ihr die Chance nutzen, um von den zahlreichen Aktionsmöglichkeiten zu profitieren.

In Planet B bringt ihr die Maschine ans Laufen

Im Verlauf der Partie wird alles zusammengerafft, um einen persönlichen Vorteil zu erzielen. Einige Firmen erlauben es euch beispielsweise, ihre Produktionsanlagen zu nutzen. Auf diese Weise stellt ihr verschiedene Ressourcen her, die für die Nutzung von bestimmten Aktionen investiert werden müssen. Wer über die nötigen Barmittel verfügt, kann die Produktionskette an die eigenen Bedürfnisse anpassen und die benötigen Rohstoffe passgenau herstellen. Verticken lassen sich die Ressourcen natürlich auch wieder. Die Preise sind in Planet B jedoch ständig in Bewegung, der passende Zeitpunkt zum Veräußern der Rohstoffe will also gut abgepasst werden.

Planet B Konzern Plaettchen Auto Geld Karten Koffer Firma
Jeder Konzern in Planet B ermöglicht euch eine andere Aktionsfolge. © Hans im Glück

Frisches Geld wird eigentlich ständig benötigt. Es dient vor allem dem Kauf von Gebäuden, von denen ihr immer drei auf der Hand haltet. Mit dem nötigen Kleingeld wandern die Gebäude in eure Auslage. Füttert ihr sie jetzt noch mit den passenden Arbeitskräften, rentiert sie die Investition möglicherweise ziemlich schnell. Je nach errichteter Anlage spucken die Gebäude diverse Vorteile aus. Wird eine harmonisch aufeinander abgestimmtes Auslage geschaffen, errichtet ihr einen mächtigen Kreislauf der Ressourcen, der sich immer schneller dreht und euch vielleicht zu einem angesehenen Politiker auf Planet B macht.

Politische Strömungen auf Planet B

Einige Einrichtungen finden sicherlich auch bei den verschiedenen Fraktionen auf Planet B Anklang. Kapitalisten, Futuristen und Traditionalisten stellen bedeutsame Bewegungen dar, die sich von eurem Handeln beeindrucken lassen. Je nachdem wie Politik betrieben wird, wandern die Marker auf den drei Fraktionsleisten voran. Zu gegebener Zeit erweisen euch die Fraktionen einen Gefallen und schütten einen mächtigen Bonus aus. Wie ihr seht, bei Planet B ist auf dem Spielfeld immer eine Menge los. Ordentlich aufgewühlt wird das Geschehen noch zusätzlich durch die News-Karten. Bestimmte Aktionen gewähren euch Zugriff auf eine von drei offen ausliegenden Karten.

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Die News-Karten in Planet B stellen euer öffentliches Auftreten als Politiker dar und beeinflussen oft euer Ansehen. © Hans im Glück

Sie spiegeln euer Handeln in der politischen Szene wider und wie dieses in der Bevölkerung wahrgenommen wird. Wieder werden verschiedene Vorteile vergeben. Manche Kartenaktionen sind allerdings ein wenig heikel und versehen euch mit dem Makel des Unmoralischen. Solltet ihr am Ende der Wahlperiode tatsächlich zum Präsidenten gewählt werden, wird sich dieser Umstand noch auswirken… und zwar natürlich für alle Beteiligten.

Planet B schreitet zur Wahl

In regelmäßigen Abständen werden die Machtverhältnisse auf dem Planeten neu geklärt. Je nachdem wie ihr euch in der letzten Zeit verhalten habt, wandern jetzt Spendengeldern auf euer Konto. Außerdem hängen selbstverständlich die Wahlchancen nicht unerheblich vom politischen Handeln ab. Bei der Wahl kommt es auf die Stimmzettel der eigenen Farbe an, die sich zu Rundenende in dem blickdichten Stoffbeutel befinden. Gute Politiker erhalten mehr Stimmen, Korruption wird hingegen mit weniger Stimmzetteln im Beutel abgestraft.

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Die Preise für die Ressourcen unterliegen in Planet B einem ständigen Wandel. © Hans im Glück

In der Wahlphase zieht jeder Politiker drei Stimmzettel aus dem Beutel. Relevant sind jetzt nur die gezogenen Stimmzettel der eigenen Farbe. Ein wenig Glück also schon gehört dazu, um Präsident zu werden. Wer jedoch zuvor immer fleißig Stimmen gesammelt hat, erhöht die Chancen auf den Wahlsieg ungemein. Bestimmte Aktionen erlauben es euch allerdings auch, die Wahl ein wenig zu fingieren. Mit etwas Bargeld können Betrugsplättchen erworben werden, die das Chancenverhältnis zu euren Gunsten beugen.

Neue Gesetze auf Planet B

Gemäß der gewonnenen Stimmen werden nun die politischen Ämter vergeben. Als Politiker mit den meisten Stimmen fällt euch das Amt des Präsidenten zu. Damit bekommt ihr nicht nur den dicksten Batzen Geld ab, sondern ruft außerdem noch ein neues Gesetz aus, das direkt abgehandelt wird. Zwei Stapel mit Gesetzeskarten kommen nun in Frage. Je nachdem ob ihr aktuell als moralischer oder unmoralischer Politiker gehandelt werdet, wählt ihr eine gelbe oder eine blaue Karte. Jedes Gesetz bietet euch zwei Wahlmöglichkeiten, von denen ihr euch für eine entscheiden müsst. In einigen Fällen sind auch die Mitspieler von dem Gesetz betroffen, die ebenfalls von der neuen Lage profitieren. Für den Präsidenten fällt in der Regel jedoch – wenig überraschend – der größte Vorteil ab.

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Bei Planet B geben sich irgendwann alle Konzerne korrupten Machenschaften hin. © Hans im Glück

Letztlich ordnen sich alle Aktionen, Boni und Wahlerrungenschaften jedoch nur einem einzigen Ziel unter: möglichst viel Kohle in die eigene Tasche zu wirtschaften. Eure gesamten Barreserven nutzen euch nichts, wenn ihr sie nicht irgendwie am Fiskus vorbeischleusen könnt. Politische Ämter sind dabei eine wichtige Option, aber natürlich gibt es auch noch zahlreiche andere Möglichkeiten. Wer seine persönliche Infrastruktur am effizientesten ausbaut und sie geschickt mit den Konzernaktionen kombiniert, darf sich große Hoffnung auf den Spielsieg machen.

Plant B ist für zwei bis vier Personen ab vierzehn Jahren geeignet. Die Spieldauer hängt maßgeblich von der Zahl der Mitspieler ab. Pro Teilnehmer solltet ihr eine halbe bis dreiviertel Stunde einplanen. Das Spiel ist ab sofort im Handel zum Preis von etwa 70€ zu finden.

Fazit: Planet B schneidet bei der ingame-Brettspielwahl hervorragend ab und sichert sich diese Testwertung.

Wertungsgrafik Planet B
Planet B schneidet bei der ingame-Brettspielwahl hervorragend ab und erspielt sich diese Testwertung. © ingame.de

Politische Ränkespiele in einer dystopischen SciFi-Welt findet man als Brettspielthema auch nicht alle Tage. Dennoch, man muss sich schon darauf einlassen können, sich im Spiel als korrupter Politiker zu verdingen, selbst wenn Planet B die Abläufe mit einem satirischen Augenzwinkern versieht. Mechanisch spielt sich die Herbstneuheit von Hans im Glück durchaus anspruchsvoll, obwohl eigentlich immer nur drei Konzernaktionen zur Verfügung stehen. Die eigenen Möglichkeiten weiten sich allerdings rasch aus. Ein Gebäude nach dem anderen reiht sich in die persönliche Auslage ein und mit den passenden Arbeitern habt ihr bald eine gut geölte Maschine vor euch, die eure Optionsvielfalt gehörig ansteigen lässt. Es macht viel Freude, das politische Imperium beim Wachsen und Gedeihen zu beobachten. Es erfordert jedoch einiges an taktischem Geschick, um die zahlreich vorhandenen Ressourcen und andere Faktoren so zu lenken, dass am Ende auch tatsächlich reichlich Kohle am Fiskus vorbei in die eigene Tasche gewirtschaftet werden. Den Höhepunkt der Spannungskurve erreicht Planet B in der Wahlphase. Der Wahlmechanismus wirkt frisch, unterliegt aber natürlich auch einem gewissen Glücksfaktor. Der restliche Spielablauf setzt sich aus bewährten Komponenten zusammen. Nichts wirklich Neues, jedoch ist alles wunderbar aufeinander abgestimmt. Als Strategiespiel macht Planet B auf jeden Fall eine gute Figur, das sich durch das ungewöhnliche Thema und den spannenden Wahlkampf aus der Vielzahl der Genre-Neuheiten hervorheben kann.

ProCon
+ frisches Thema- setzt eher auf Altbewährtes
+ spannender Wahl-Mechanismus
+ taktisch anspruchsvoll
+ gutes Spielmaterial
+ motivierendes ständiges Wachstum

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