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Port Royal Big Box im Test: Der Kartenspiel-Hit in der Gesamtausgabe

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Von: Sebastian Hamers

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Die Port Royal Big Box erscheint über Pegasusspiele und kostet etwa 25€. © Pegasusspiele

Big Boxen sind bei Pegasusspiele derzeit wohl schwer in Mode. Ganz neu im Handel: die Port Royal Big Box!

Ein guter Back-Katalog ist für die Brettspielverlage ein echter Faustpfand. Longtime-Seller und Evergreens sorgen für ein gut planbares Einkommen, die den Brettspielherstellern erlauben, sich auch mal mit ein paar gewagteren Experimenten zu befassen. Pegasusspiele hat in dieser Beziehung einen ziemlich guten Stand. Mit Istanbul, Munchkin oder Robinson Crusoe haben die Hessen ein paar Dauerbrenner im Programm, die sich auch Jahre nach der Erstveröffentlichung noch blendend verkaufen. In den letzten Jahren hat der Verlag rund um einige moderne Klassiker attraktive Big Boxen geschnürt. Komplettausgaben von Die Zwerge, Hansa Teutonica oder Istanbul ermöglichten Neueinsteigern den kostengünstigen All-in-Einstieg. Diesen gibt es seit kurzem auch für das populäre Kartenspiel Port Royal. Nach langer Wartezeit steht die Big Box jetzt im Handel.

Port Royal – Big Box: Einmal alles, bitte!

Lange angekündigt, oft verschoben… doch jetzt ist sie endlich da: die Big Box zu Port Royal. Schick sieht sie in jedem Fall aus. Die Grafik von Original-Illustrator Klemens Franz wurde komplett überarbeitet. Und ansonsten? Ansonsten hat man bei Pegasus einfach das gesamte verfügbare Material zum Spiel zusammengepackt und in eine Kiste gesteckt. Rund 25€ soll das gute Stück kosten. Für diesen Preis erhaltet ihr neben dem Grundspiel noch die Quickie-Version Port Royal unterwegs, sowie die Erweiterungen „Ein Auftrag geht noch“ und „Das Abenteuer beginnt“. Der stattliche Umfang macht Port Royal zu einem ziemlich vielseitigen Spiel. Das karibische Flair des Spiels könnt ihr kompetitiv, kooperativ und sogar im Solomodus genießen.

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Die Handelsschiffe sind in Port Royal Big Box die beste Möglichkeit, die eigenen Goldreserven aufzufrischen. © Pegasusspiele

Am Regelwerk hat sich nicht viel geändert. Bei Port Royal handelt es sich um ein flottes Kartenspiel mit einem nicht zu geringen Zocker-Element, das nahezu ohne Wartezeiten auskommt. Entsprechend ist der Spielablauf auch nicht allzu kompliziert. In eurem Zug deckt ihr eine Karte nach der anderen auf. Auf diese Weise gelangen Crewmitglieder, Handelsschiffe und bestimmte Events in die Auslage. Aus dieser dürfen sich dann reihum alle Spieler bedienen, um entweder ihr Schiffspersonal aufzustocken oder frische Goldreserven zu sammeln.

Keine langen Wartezeiten in Port Royal

Im Regelfall dürft ihr euch als aktiver Spieler eine der ausgelegten Karten aneignen. Gleiches gilt anschließend für eure Mitspieler. Diese müssen euch allerdings für jede genommene Karte, eine Goldmünze abdrücken. Die restlichen Karten werden verworfen und kommen auf den Ablagestapel, bevor es einen neuen aktiven Spieler gibt. Prinzipiell dürft ihr im Zug beliebig viele Karten aufdecken. Nur wenn zwei Schiffe der gleichen Farbe zum Vorschein kommen, ist der Zug direkt vorbei. Sämtliche Karten wandern sofort auf den Ablagestapel. Wer es auf die Spitze treibt, geht möglicherweise so am Ende seines Zuges leer aus. Das Zocken kann sich aber auch lohnen. Befinden sich vier Schiffe unterschiedlicher Farbe in der Auslage, dürft ihr euch als aktiver Spieler gleich zwei Karten nehmen. Schafft ihr es auf fünf Schiffe, gibt es sogar gleich drei Karten.

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In Port Royal Big Box profitiert ihr von einem qualifizierten Bordpersonal. © Pegasusspiele

Die Schiffe sind jedoch mehr als nur ein limitierender Faktor. Nehmt ihr euch ein Schiff, bringt euch dieses ein paar Münzen ein, bevor es im Anschluss abgeworfen wird. Je nach Art des gewählten Schiffs kann die Höhe der Beute dabei stark schwanken. Mit dem gesammelten Gold kann in den nächsten Runden neues Personal angeheuert werden. Die Personenkarten könnt ihr euch nur aneignen, wenn euch das nötige Kleingeld zur Verfügung steht. Dafür bleiben euch diese bis zum Spielende erhalten, so dass ihr von ihren Sonderfertigkeiten profitieren könnt.

Die Rolle des Bordpersonals bei Port Royal

Mit einer guten Crew wird das Leben in der Karibik auf jeden Fall etwas leichter. Jedes Crewmitglied bietet euch einen besonderen Vorteil. Ein engagierter Händler an Bord erhöht etwa euer Einkommen, wenn mit bestimmten Schiffen gehandelt wird. Der Admiral hingegen bringt euch jedes Mal zwei Bonusmünzen ein, wenn die Auslage mindestens fünf Karten enthält. Eine Senorita an Bord kann ebenso hilfreich sein. Ihre Anwesenheit gewährt euch beim Anheuern von neuem Personal einen kleinen Rabatt.

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Port Royal Big Box ist flexibel einsetzbar. Auf Wunsch kann es auch mit einer fünfteiligen Story gespielt werden. © Pegasusspiele

Ein wenig militärische Power kann natürlich ebenso nicht schaden. Sammelt ihr genügend Piraten oder Matrosen, könnt ihr möglicherweise ankommende Schiffe abwehren, bevor sie in die Auslage geraten. Weniger risikofreudige Spieler können so die Auslage mit einer kleinen Absicherung erweitern. Keine direkten Vorteile bringen euch Priester, Kapitäne oder Siedler ein. Sie versorgen euch jedoch mit bestimmten Symbolen, die für Expeditionsaufrufe eingesetzt werden können.

In Port Royal wird zur Expedition aufgerufen

Diese befinden sich in geringer Zahl ebenso im Nachziehstapel. Wird ein Expeditionsaufruf aufgedeckt, wird dieser nicht der Auslage zugeordnet. Die Karte bleibt solange verfügbar, bis ein Spieler die aufgeführten Bedingungen erfüllen kann. Jetzt dürfen etwaige gesammelte Priester, Siedler und Kapitäne eingesetzt werden, indem ihr sie auf die Expedition schickt. Die eingesetzten Karten werden abgelegt, dafür erhaltet ihr die Expeditionskarte. Diese bringt euch nicht nur einige Goldmünzen ein, sondern auch ein paar Siegpunkte.

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Folgt ihr den Expeditionsaufrufen in Port Royal Big Box, winken euch jede Menge Siegpunkte. © Pegasusspiele

Bleibt nur noch eine Kartenkategorie der üblen Sorte: die Steuererhöhungen. Diese werden bei Spielbeginn in den Nachziehstapel eingemischt. Wird eine Steuererhöhung aufgedeckt, werden alle Spieler geschröpft, die zu diesem Zeitpunkt zu viele Münzen im Vorrat haben. Auch in diesem Punkt kann also ein wenig gezockt werden. Allzu lange solltet ihr große Goldreserven aber wohl nicht auf die hohe Kante legen.

Port Royal: Big Box bietet viele Varianten

Am Ende des Tages kommt es aber ohnehin nicht auf gesammelten Münzen an. Euer Ziel liegt vielmehr darin, möglichst schnell die geforderten zwölf Siegpunkte zu erbeuten. Diese gibt es für die Erfüllung der Expeditionsaufträge, sowie für angeheuerte Crewmitglieder. Am Anfang trudeln die Siegpunkte noch recht gemächlich ein, später beschleunigt sich das Geschehen dann aber doch rasant. So dauert eine Partie Port Royal in der Basisversion auch nur 20-50 Minuten, je nach Zahl der Mitspieler. Noch etwa schneller läuft das Spiel bei Port Royal unterwegs ab. Hier handelt es sich um eine verkürzte Variante mit leicht verschlankten Regeln, das aber auch noch ein paar neue Crewmitglieder und Schiffe mit ins Spiel bringt.

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Die Auftragskarten in Port Royal Big Box lassen sich kompetitiv oder kooperativ abarbeiten. © Pegasusspiele

Wer es gerne etwas komplexer mag, mischt hingegen vielleicht eher die Karten der Erweiterung „Ein Auftrag geht noch“ mit ins Spiel. Auch hier gibt es wieder neues Bordpersonal, sowie neue Schiffe. Die größte Änderung stellen aber wohl die 18 Auftragskarten dar. Vier Aufträge legen immer offen aus, die nur darauf warten, von den Spielern erfüllt zu werden. Sobald bestimmte Konstellationen hergestellt wurden, dürft ihr sie erfüllen und euch über eine stattliche Belohnung freuen. Die Erweiterung lässt sich alternativ auch kooperativ bestreiten. Hier arbeitet ihr die ausliegenden Aufträge gemeinsam ab und könnt euch gegenseitig etwas die Bälle zuspielen. Für die Erfüllung der Aufträge stehen euch aber nur begrenzt viele Züge zur Verfügung.

Port Royal: Das Abenteuer beginnt

Doch damit nicht genug. Der Port Royal Big Box liegt mit „Das Abenteuer beginnt“ noch eine weitere Variante bei. Die Grundmechaniken bleiben hier weitgehend unverändert. Allerdings wird dem Spiel noch ein kleiner Storymodus hinzugefügt. Die Geschichte des Spiels besteht aus insgesamt fünf Kapiteln und wird über einen separaten Kartenstapel transportiert. Auf den Geschichtskarten findet ihr nicht nur die Handlung des Karibikabenteuers, sondern auch eine Übersicht über die zu erfüllenden Aufgaben.

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Der Storymodus von Port Royal Big Box fügt dem Spiel noch individuelle Charaktere bei. © Pegasusspiele

Untermalt wird die Geschichte außerdem mit diversen Zufallsereignissen, sowie individuellen Charakteren, von denen jeder über besondere Eigenschaften verfügt. Der Storymodus von Port Royal lässt sich ebenso kompetitiv wie kooperativ spielen, was das kleine Kartenspiel noch flexibler werden lässt. Je nach Zahl der Mitspieler müsst ihr für eine Partie zwischen 20 und 50 Minuten einplanen.

Die Port Royal Big Box erscheint über Pegasusspiele und enthält neben dem Grundspiel noch die schnelle Unterwegs-Variante sowie die Erweiterungen „Ein Auftrag geht noch“ und „Das Abenteuer beginnt“. Als kleines Goodie liegen dem Paket außerdem noch die Promokarten „Spieler“ bei. Das Spiel ist ab sofort zum Preis von rund 25€ im Handel zu finden.

Fazit: Port Royal Big Box ist ein dickes Spielepaket zum günstigen Preis, das sich diese piratenmäßige ingame-Testwertung verdient hat

Port Royal Big Box Wertungsgrafik
Port Royal Big Box bietet viel Spiel zum kleinen Preis und verdient sich damit diese ingame-Testwertung. © ingame.de

Spieleautor Alexander Pfister hat sich in der Brettspielwelt einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Vor allem Brettspiel-Experten schnalzen mit der Zunge, wenn es um seine Strategiespiel-Schwergewichte wie Maracaibo, Great Western Trail oder Boonlake geht. Port Royal schlägt allerdings nicht in diese Kerbe. Das Kartenspiel zeigt sich einsteigerfreundlich und spielt sich außerdem ziemlich flott herunter. Wartezeiten gibt es im Spiel nahezu keine, da man selbst in den Zügen der Mitspieler aktiv werden kann. Außerdem ist der Glücksfaktor natürlich schon recht hoch. Wer hoch pokert, kann viel gewinnen… oder alles verlieren. Der Spielsieg bei Port Royal ist aber dennoch kein pures Zufallsereignis. Ausgerüstet mit den richten Karten, lässt sich dem Glück schon auf die Sprünge helfen. Port Royal erlaubt unterschiedliche Strategien, fordert von euch gleichzeitig viel Flexibilität. Je nachdem welche Karten an die Oberfläche gespült werden, müsst ihr eure Taktik wieder neu anpassen. Die Big Box von Port Royal hat ihren Namen mehr als verdient. Dem Paket liegen mehr als 300 Spielkarten bei und enthält neben dem Grundspiel auch noch beide Erweiterungen, sowie die Unterwegs-Variante. Der Preis von 25€, der dafür angeschlagen wird, ist mehr als fair. Mit der Gesamtausgabe könnt ihr Port Royal kompetitiv, kooperativ und sogar im Solomodus spielen. Die Port Royal Big Box sollte euch also für eine ziemlich lange Zeit beschäftigen.

ProCon
+ schönes Artwork- glückslastiger Spielablauf
+ kompetitiv, kooperativ und alleine spielbar
+ zugängliches Regelwerk
+ kaum Wartezeiten
+ günstiger Preis

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