Red Rising Schachtel Cover Artwork Gesellschaft Dystopie Roman Pierce Brown
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Red Rising von Jamey Stegmaier erscheint über Corax Games und kostet ca. 35€.

Corax Games veröffentlicht den neuen Stegmaier Red Rising

Red Rising im Test: Das dystopische Brettspiel zum Kultroman

  • VonSebastian Hamers
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Ihr wollt strategischen Tiefgang und trotzdem kein ellenlanges Regelwerk wälzen? Dann könnte Red Rising von Corax Games ein guter Tipp für euch sein.

Das Spiel zum Film? Das Spiel zum Comic? Das Spiel zur Serie? Das Spiel zum Spiel? Klar, immer wieder gerne! Was bei den Videospielen längst gang und gäbe ist, greift inzwischen auf den Brettspielsektor über. Von einer starken Lizenz kann auch das neue Red Rising von Corax Games profitieren. Das Spiel bedient sich der erfolgreichen Romanreihe von Pierce Brown, die in einer dystopischen Science-Fiction-Welt angesiedelt ist. Die Handlung der Buchserie erinnert ein wenig an bekannte Werke wie „Die Tribute von Panem“. Ein ähnlich vielschichtiges Kastensystem wie bei den Hunger Games kommt bei Browns Red Rising ebenfalls zum Einsatz. Genau um ein solches dreht sich auch alles im gleichnamigen Brettspiel, das auf das Konto des Starautors Jamey Stegmaier geht.

Red Rising zeichnet eine dystopische Welt

Beim ersten Blick auf das umfangreiche Kartenmaterial fällt das düstere Setting allerdings nicht direkt ins Auge. Die bunte Comicgrafik lässt nicht vermuten, dass man sich in der nächsten knappen Stunde mit den finsteren Machtspielchen einer korrupten Gesellschaft befassen wird. Die Zusammenstellung eben jener wird in Red Rising eure vordringlichste Aufgabe sein. Doch auch der Zustand der Flotte, der Besitz der Ressource Helium-3 und der persönliche Einfluss im „Institut“ können den Punktestand beeinflussen und somit letztlich über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Red Rising ist der Versuch, die optimale Gesellschaft in einer dystopischen Welt zusammenzustellen.

Doch beginnen wir den Ausflug in die Welt von Red Rising mit einem Ausblick auf das komplexe Kastensystem. Die dystopische Gesellschaft hat sich in nicht weniger als vierzehn Kasten aufgesplittet. Arbeiter, Vermittler, Ärzte, Programmierer, die Elite und zahlreiche andere Gruppierungen machen sich in Red Rising das Leben gegenseitig schwer. Und dennoch, hin und wieder sind die Kasten auf gegenseitige Unterstützung angewiesen. Sogar in einer Dystopie trägt sich die Gesellschaft eben nicht von einer Berufsklasse allein.

  • für 1-6 Personen ab 14 Jahren
  • Spieldauer: 45-60 Minuten
  • Autor: Jamey Stegmaier, Alexander Schmidt
  • Verlag: Corax Games
  • Preis: ca. 35€

In Red Rising haltet ihr die Gesellschaft auf der Hand

In Red Rising verwaltet jeder Spieler seine eigene kleine Menschengruppe, die in Form von Charakterkarten auf der Hand gehalten werden. Im Spiel geht es nun darum, die eigene Hand zu optimieren und die verschiedenen Charaktere aufeinander abzustimmen. In jedem Zug verlassen Karten die Hand, andere kommen dafür hinzu. Bei Spielbeginn verwaltet ihr zunächst fünf Personen, später kann sich die Zahl dieses Kreises noch moderat verändern. Doch schon die Zusammenstellung dieser kleinen Gruppe birgt etliche Fallstricke.

In Red Rising setzt sich die Gesellschaft aus vierzehn verschiedenen Kasten zusammen.

Einige Charaktere befinden sich mit Mitgliedern bestimmter Kasten auf Kriegsfuß, was natürlich prompt mit Punktabzug bestraft wird. Synergien gibt es aber ebenso, wenn bestimmte Affinitäten und andere Bedingungen erfüllt werden, schnellt eure Siegpunktzahl in die Höhe. Ruhe, Geduld und vor allem eine gute Portion Akribie helfen dabei, die optimale Gesellschaft für die Welt von Red Rising zusammenzustellen.

Red Rising mit einfachen Grundregeln

Ihr werdet sehen, die Angelegenheit ist ganz schön komplex. Arbeiterin Eo kann die Leute vom Sicherheitsdienst nicht ab, Assassine Sefi ist auf der Suche nach ihrem Bruder Ragnar und der engagierte Bassist performt nur gescheit, wenn er ausschließlich von Charakteren mit geraden Basiswerten umgeben ist. Red Rising ist eine Ansammlung ziemlich spezieller Egos und Bedürfnisse, die sich kaum miteinander in Einklang bringen lassen. Doch bei allen inhaltlichen Schwierigkeiten, sind die Grundregeln von Red Rising verblüffend einfach.

In Red Rising gilt es Synergien zu erzeugen, wie bei diesem Koch und seinem Dienstgeber.

Mit den Handkarten haltet ihr das wichtigste Instrument des Spiels schon in Händen. In eurem Zug dürft ihr eine beliebige Handkarte wählen und sie einem von insgesamt vier Orten hinzufügen. Hier entstehen im Spielverlauf längere Kartenschlangen, bei denen immer nur auf die erste Karte in der Reihe zugegriffen werden kann. Genau eine solche Karte legt ihr euch nun im Austausch zu und nehmt sie auf die Hand. Habt ihr euch für einen der verfügbaren Orte entschieden und eine Karte genommen, dann wird nun noch die dazugehörige Ortsaktion ausgeführt.

Die Ortsaktionen in Red Rising

Mit den Ortsaktionen lassen sich bequem zusätzliche Siegpunkte sammeln, außerdem wird über sie irgendwann das Spielende eingeleitet. Auf Jupiter stärkt ihr eure Flotte, mit den Mars-Aktionen wird Helium-3 gesammelt und über das Institut sammelt ihr Einfluss im selbigen. Die Art und Weise, wie die Siegpunkte ausgeschüttet werden variiert hier zwar ein wenig, insgesamt ist das Machtverhältnis zwischen diesen drei Faktoren aber gut ausbalanciert. Eine Sonderrolle nimmt allerdings Luna ein. Setzt ihr dort eure Aktion, dürft ihr euch den Herrschaftsmarker nehmen, der am Spielende nicht nur weitere Siegpunkte wert ist, sondern auch eure Hausaktion auslöst.

Sechs Häuser stehen in Red Rising zur Wahl, jedes bringt eine Sonderfähigkeit mit.

Sechs verschiedene Häuser, von denen ihr euch für eines zu Spielbeginn entscheidet, stehen zur Wahl. Jedes von ihnen verfügt über eine Spezialaktion, die euch einen kleinen Bonus einbringt. Während sich Haus Mars zusätzliche Helium-3-Ressourcen einverleibt, freut sich etwa Haus Diana über mehr Einfluss im Institut. So kommt jedes Haus in bestimmten Bereichen eben etwas schneller voran als die Konkurrenz. Da sich die Hausaktionen nur geringfügig voneinander unterscheiden, gibt es auch hier in Sachen Balancing keine großen Probleme.

Gesellschaftsentwicklung in Red Rising

Ebenfalls keine großen Probleme sollte euch auch das weitere Regelwerk bereiten. Denn im Grunde genommen kommt da schon nicht viel mehr. Handkarte ablegen – neue Karte nehmen – Ortsaktion ausführen – fertig! Sollte sich gerade mal so gar keine geeignete und verfügbare Karte in der Auslage befinden, dürft ihr zudem noch auf euer Glück hoffen, indem ihr einfach eine Karte vom verdeckten Nachziehstapel aufnehmt. In diesem Fall führt ihr keine Ortsaktion aus, sondern werft den Bonuswürfel und hofft, dass ein passendes Goodie für euch herausspringt.

Eine starke Flotte bringt in Red Rising einige Extra-Siegpunkte.

Die Grundregeln von Red Rising sind also denkbar einfach. Richtig Schwung in die Sache bringen erst die Fähigkeiten der Charaktere selbst. Sobald eine Karte an einem Ort abgelegt wurde, sorgt sie dort für ordentlich Wirbel, indem sie ihre Spezialfähigkeit aktiviert. Die Möglichkeiten der Figuren sind so vielseitig wie die Welt von Red Rising selbst. Es werden Karten geschoben, verbannt, getauscht oder verdeckt… außerdem winkt euch zudem so manche Bonus-Ressource, alles natürlich abhängig von bestimmten Konstellationen… puh! Der Spielverlauf gestaltet sich so ziemlich dynamisch, so dass ihr möglicherweise im nächsten Zug schon wieder vor einer gänzlich anderen Ausgangslage steht.

Red Rising ist ein Wettlauf mit der Konkurrenz

So ist es kaum verwunderlich, dass die eigene Strategie schnell mal über den Haufen geworfen wird, weil sich plötzlich neue Chancen ergeben. Ihr solltet mit der Organisation der Kartenhand aber nicht zu lange trödeln, denn im Hintergrund tickt die virtuelle Uhr stets mit. Das Spielende tritt ein, wenn die Spieler in Sachen Flottenstärke, Institutseinfluss und Helium-3-Vorräte bestimmte Meilensteine erreicht haben. Dann müssen nur noch die finalen Punktstände errechnet werden, um den Sieger der Partie zu ermitteln.

Insgesamt stehen euch in Red Rising 112 verschiedene Charaktere zur Verfügung.

Red Rising ist für ein bis sechs Spieler ab vierzehn Jahren geeignet. Eine Partie dauert 45-60 Minuten. Ihr findet das Spiel ab sofort zum Preis von rund 35€ im Handel.

Fazit: Wir haben in Red Rising die ingame-Kaste aus der Taufe gehoben und dabei diese futuristische Testwertung für das Spiel ermittelt

Wir haben in Red Rising die ingame-Kaste aus der Taufe gehoben und dabei diese futuristische Testwertung für das Spiel ermittelt.

Taktische Tiefe trotz einfacher Regeln, wenn das mal kein guter Deal ist… Nach der Lektüre des schlanken Regelwerks lässt sich noch nicht erahnen, welche strategischen Möglichkeiten in Red Rising schlummern. Karte spielen – Aktion durchführen – Ortsbonus kassieren – neue Karten aufnehmen, das klingt wirklich nicht nach einem sonderlich komplexen Spielablauf. Und doch, sitzt man erstmal mit seinen fünf Handkarten vor dem Spielfeld, beginnt es langsam in den Denkapparaten der Spieler zu arbeiten. „Was zur Hölle soll ich mit diesem Blatt anfangen“, mögen sich vermutlich die meisten Spieler denken, die ihre erste Partie Red Rising bestreiten. Doch dann kommt eine Karte ins Spiel, die ganz gut zu anderen Karten auf der Hand passt und schon beginnt die Welle zu rollen. Fleißig werden die Synergien der Charaktere miteinander verknüpft, so dass sich die Punktzahl schon bald in unerwartete Höhen schraubt. Durch die sich ständig verändernde Auslage ergeben sich indes immer wieder neue Chancen. Dadurch wird die eingeschlagene Taktik möglicherweise zwischenzeitlich wieder verändert, da plötzlich noch Optimierungspotenziale entdeckt werden. Dank der 112 unterschiedlichen Charaktere wird es einige Partien benötigen, um sich mit den gesamten Möglichkeiten des Spiels ausgiebig befasst zu haben. Damit kann Red Rising auch auf lange Sicht unterhalten. Für Solisten gibt es außerdem einen hervorragenden Einzelspielermodus, der euch taktisch vor eine große Herausforderung stellt.

ProCon
+ leichter Spieleinstieg- lange Wartezeiten bei hoher Spielerzahl
+ taktisch fordernd
+ hohe Materialqualität
+ mit starkem Einzelspielermodus
+ ohne Kenntnisse des Romans gut spielbar

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