Renature von Deep Print Games kommt über Pegasusspiele in den Handel und kostet etwa 40€.
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Renature von Deep Print Games kommt über Pegasusspiele in den Handel und kostet etwa 40€.

Back to nature mit Renature

Renature im Test: Das taktische Brettspiel mit dem Domino-Effekt

  • vonSebastian Hamers
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Renature besticht auf den ersten Blick durch seine tollen Materialien. Zentrales Element: die 55 Dominosteine aus echtem Holz. Doch wie sieht's spielerisch aus?

Das Auge spielt mit. Ich gebe es zu. Spiele machen mir einfach deutlich mehr Spaß, wenn sie neben einer guten Story oder gut verzahnten Mechaniken, auch optisch etwas zu bieten haben. Manchmal erwische ich mich sogar dabei, dass hochgelobte Titel strikt ignoriert werden, nur weil sie grafisch unter dem Graue-Maus-Syndrom leiden. Renature vom frisch gegründeten Verlag Deep Print Games wird sicherlich nicht unter diesen Problemen leiden müssen. Das Spiel begeistert auf Anhieb mit seinem frischen Look und vor allem mit hochwertigem Spielmaterial, ein weiteres sehr wichtiges Kriterium vieler Brettspieler. Einen großen Anteil daran haben die 55 Dominosteine aus echtem Holz, die auch das Kernelement des Spiels darstellen. Doch weiß Renature auch spielerisch zu überzeugen?

Für einen neuen Verlag ist das Erstlingswerk natürlich von besonderer Bedeutung. Fällt der Verlag direkt bei seinem Debüt durch, sind das keine guten Vorzeichen. Vielleicht geht Deep Print Games auch deshalb auf Nummer sicher. Renature stammt aus der Feder des erfahrenen Autorenduos Wolfgang Kramer und Michael Kiesling, die gemeinsam schon mehrere Dutzend Spieleklassiker aus dem Boden gestampft haben. Was soll da eigentlich noch schiefgehen?

Lockruf der Natur mit Renature

Mit einer tiefgehenden Geschichte kann Renature allerdings erstmal nicht trumpfen. Eure Aufgabe besteht darin, der Natur zu helfen, indem ihr ein verkommenes Tal wieder zurück zur natürlichen Idylle führt. Dazu legt ihr Tiere im Tal aus und bepflanzt vorgegebene Gebietsfelder mit Grünzeug. Wer das am besten hinkriegt, gewinnt das Spiel. Das verödete Tal legt ihr bei Spielbeginn in die Tischmitte. Ihr werdet es gemeinsam wieder auf Vordermann bringen. Auf dem Spielfeld seht ihr einige Wasserwege, auf denen ihr die Tiere in Form von Dominosteinen auslegen werdet. Für die Pflanzen sind eigene Gebiete reserviert, die wie kleine Inseln von den Wasserwegen umgeben werden.

Die Dominosteine werden an den Wasserwegen entlang platziert. Für die Pflanzen sind eigene Gebiete reserviert.

Das Grundprinzip ist denkbar einfach und ähnelt zunächst tatsächlich dem klassischen Domino. Jeder Dominostein ist in zwei Hälften unterteilt, auf jeder befindet sich ein anderer tierischer Talbewohner. Ihr dürft die Dominosteine natürlich nur so anlegen, dass sie auf beiden Seiten passen. So legt ihr brav Frosch an Frosch und Salamander an Salamander. Ausgehend von ein paar wenigen Startfeldern, arbeitet ihr euch so gemeinsam vom nördlichen Tal hinunter bis hin zum südlichsten Zipfel.

Bei Renature befruchten sich Flora und Fauna gegenseitig

Was sich zunächst so einfach liest, spielt sich in der Praxis aber durchaus knifflig. Die Auswahl an verfügbaren Dominosteinen ist begrenzt. Zwar werden euch je nach Zahl der Mitspieler direkt bei Spielbeginn zwischen 13 und 26 Steine ausgeteilt, aktiven Zugriff habt ihr aber immer nur auf genau drei Dominosteine. Es gehört also auch ein wenig Glück dazu, die passenden Steine zum richtigen Zeitpunkt parat zu haben. Im Regelfall werdet ihr aber eine Option finden, mit der ihr einen Stein auf dem Spielfeld platzieren dürft.

Im Verlauf des Spiels füllt sich das Tal langsam wieder mit Tieren und es wird eng auf dem Spielfeld.

Seid ihr am Zug, legt ihr also entweder einen Dominostein ins Tal oder werft notfalls einen Stein ungenutzt ab. Nach dem Auslegen eines Dominosteins, geht es an die Bepflanzung der vorgegebenen Gebiete. Bei Spielbeginn stehen euch eine ganze Reihe von Pflanzen in unterschiedlichen Wertigkeiten zur Verfügung. Das einfache Gras ist am wenigsten wertvoll, gefolgt von Büschen, Kiefern und den mächtigen Eichen. Legt ihr einen Dominostein in die Auslage, dürft ihr nun eine beliebige Pflanze der eigenen Farbe in ein Gebiet setzen, das sich benachbart zu eurem eben gelegten Dominostein befindet. Die gesetzten Pflanzen werden anschließend mit Punkten belohnt.

Wertungskonferenz in Renature

Prinzipiell erhaltet ihr jetzt erst einmal Punkte für eure gesetzte Pflanze selbst. Hier spielt die Wertigkeit der Pflanze eine Rolle. Für eine dicke Eiche gibt es eben mehr Punkte also für profanes Grasgestrüpp. Allerdings könnt ihr außerdem von der Vorarbeit der Mitspieler profitieren. Es gibt zusätzliche Siegpunkte für jede weitere Pflanze in diesem Gebiet, die eine gleiche oder eine niedrigere Wertigkeit aufweisen. So könnt ihr in bereits gut bepflanzten Gegenden eine Menge Punkte absahnen, selbst wenn eure Mitspieler zum größten Teil für den Wildwuchs verantwortlich waren.

Dem Spiel liegen insgesamt 55 Dominosteine aus echtem Holz bei.

Jedes Gebiet kann potentiell aber noch ein paar weitere Punkte einbringen. Dies ist jedoch erst der Fall, wenn es vollständig von Dominosteinen umschlossen wurde. Jetzt werden die Wertigkeiten aller Pflanzen der Spieler in diesem Gebiet verglichen und Punkte an den führenden und den zweitplatzierten Spieler vergeben. Doch was geschieht bei Gleichstand? Ein Unentschieden ist für alle Beteiligten ziemlich ärgerlich, denn beide Spieler scheiden leider komplett aus der Wertung aus. So heimst wohl ein anderer Spieler still und heimlich die Bonuspunkte ein.

Renature und der hohe Ärgerfaktor

Mit dieser kleinen Regel könnt ihr eure Mitspieler gehörig ärgern. Manchmal reicht ein winziges Grashälmchen, um vorzugsweise dem führenden Spieler in die Suppe zu spucken. Dafür lassen sich auch gut die neutralen Pflanzen einsetzen, über die jeder Spieler zusätzlich verfügt. Neutrale Pflanzen werden keinem Spieler zugeteilt, nehmen aber ganz normal an den Wertungsvergaben teil. Für ein klein wenig Disharmonie ist im Garten Eden jedenfalls schon einmal gesorgt.

Auf eurem Spielertableau verwaltet ihr eure Pflanzen und Wolkenplättchen.

Nachdem die Punktevergabe geregelt wurde, füllt ihr euren Vorrat wieder auf drei Dominosteine auf und gebt den Zug an den nächsten Spieler weiter. Die Basisaktionen sind also wirklich sehr schnell abgehandelt. Ein wenig mehr Komplexität kommt allerdings noch über euer persönliches Tableau ins Spiel. Auf diesem bewahrt ihr nicht nur euren (arg limitierten) Vorrat an unterschiedlichen Pflanzen auf, sondern auch ein halbes Dutzend Wolkenplättchen. Mit diesen dürft ihr in eurem Zug weitere freie Aktionen durchführen.

Mit Renature über den Wolken

Investiert ihr drei Wolkenplättchen, habt ihr beispielsweise direkt einen weiteren kompletten Zug. Alternativ legt ihr Wolken ab, um eigene Pflanzen wieder vom Spielfeld zu holen und in euren Vorrat zu nehmen. Vorzugsweise nehmt ihr die Pflanzen aus bereits gewerteten Gebieten wieder zurück, um aus diesen nochmals Profit zu schlagen. Je wertvoller die Pflanze, desto mehr Wolkenplättchen müsst ihr für so eine Rückholaktion aufwenden.

Renature von Deep Print Games kommt über Pegasusspiele in den Handel und kostet etwa 40€.

Für die Abgabe von zwei Wolken könnt ihr zudem die Jokertierart ändern. Bei Spielbeginn gilt zunächst der Schmetterling als Joker. Der Schmetterling kann somit an jedes Tier im Tal angelegt werden. Das ist vor allem ziemlich praktisch, wenn nur noch ein Teil fehlt, um ein Gebiet abzuschließen. Gerade dieser vermaledeite letzte Dominostein lässt sich oft nur in ganz bestimmten Konstellationen auslegen. Da kommt ein Joker wie gerufen. Ändert ihr die Jokertierart, könnt ihr eurem Glück so ein wenig auf die Sprünge helfen.

Das Spiel endet, sobald alle Dominosteine aufgebraucht wurden. Je nach Zahl der Spieler vergeht bis dahin eine dreiviertel, maximal eine ganze Stunde. Renature ist ein leicht erlernbares, aber dennoch taktisch geprägtes Legespiel für zwei bis vier Spieler ab acht Jahren. Das Spiel kommt über Pegasusspiele in den Handel und kostet rund 40€. Ihr müsst euch allerdings noch bis etwa Mitte November gedulden, bis zum Release dauert es noch ein paar Tage.

Fazit: Tolles Material, fluffiges Gameplay und eine taktische Note verleihen Renature eine übernatürliche Testwertung

Renature: Flora, Faune und ein starker Ärgerfaktor – so gut gefällt uns das Brettspiel im Test.

Das Autorenduo Kramer und Kiesling haben wieder einmal geliefert. Renature setzt dabei nicht auf komplexe Mechaniken, sondern auf die Kerntugenden eines erfolgreichen Familienspiels: intuitive Regeln, tolles Spielmaterial, hoher Interaktionsgrad und eine wohldosierte Mischung aus Glück und Taktik. Renature kann in all diesen Disziplinen punkten. Das Domino-Prinzip sollte selbst dem größten Brettspielverweigerer vertraut sein, die Berührungsängste sind entsprechend gering. Der Aufforderungscharakter wird zudem durch das hochwertige Material nochmals gesteigert. Es macht einfach viel mehr Spaß Steine aus echtem Holz in die Auslage zu platzieren, als einfache Plastikstreifen. Gut gefallen hat mir außerdem die recht große Interaktion mit den anderen Spielern. Ihr seid zu einem Teil darauf angewiesen, welche Tiere euch im Tal vorgelegt werden, zum anderen konkurriert ihr um die Vorherrschaft in den punktebringenden Gebieten. So entsteht ein spannender Wettlauf, der nicht selten von fiesen Seitenhieben der Spieler geprägt wird. Die (Schaden-) Freude ist jedenfalls riesig, wenn ihr der Konkurrenz durch das Legen von ein paar Grasbüscheln den Punktehahn zudreht. Alles in allem ist Renature ein sehr gelungenes Debüt für Deep Print Games in der Welt der Brettspiele.

ProsCons
+ tolles Spielmaterial aus echtem Holz- Ärgerfaktor kann für Stress am Tisch sorgen
+ viel Interaktion
+ leichte Regeln
+ taktisch dennoch fordernd

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