Romeo und Julia Huch Kuss Liebe Verpackung Cover Artwork Grafik
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Romeo und Julia erscheint über den Huch-Verlag und kostet 25-30€.

Shakespeares Meisterwerk Romeo & Julia erscheint als Zwei-Personen-Brettspiel

Romeo & Julia im Test: Das taktische Brettspiel für Paare

  • vonSebastian Hamers
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Romantik pur? Nicht ganz, es liegt ein dunkler Schatten über der Liebe von Romeo und Julia. Mit eurer Hilfe findet die Leidenschaft endlich ein Happy End.

  • für 2 Personen ab 14 Jahren geeignet
  • Spieldauer: ca. 30 Minuten
  • Preis: 25-30€

Die klassische Literatur hat bislang noch nicht sonderlich oft Einzug gefunden, wenn es um spielerische Umsetzungen geht. Dabei bieten zahlreiche Klassiker mehr als genug Futter für eine moderne Aufarbeitung in Form eines Video- oder Brettspiels. Beim Huch-Verlag hat man sich jetzt Shakespeares Romeo und Julia als thematische Vorlage für ein Brettspiel herausgepickt. Eine gute Wahl, das Werk aus dem 16. Jahrhundert vereint herzergreifende Romantik mit einer kaum zu überbietenden Dramatik und gilt nicht ohne Grund als Shakespeares Meisterwerk. Das Brettspiel zum literarischen Drama von Julien Prothière und Jean-Philippe Sahut richtet sich passenderweise an genau zwei Spieler, die in die Rollen des Liebespaares schlüpfen. Als Romeo und Julia versucht ihr eure Liebe zu einander weiter wachsen zu lassen, müsst gleichzeitig aber den Hass unter euren Heimatfamilien im Zaum halten. Mit purer Liebe ist diese Aufgabe nicht zu stemmen, hier ist vor allem taktisches Vorgehen gefragt.

Romeo & Julia wagen geheime Treffen in Verona

Die Geschichte von Romeo und Julia spielt im wunderschönen Verona. Die Idylle der norditalienischen Metropole könnte die perfekte Atmosphäre für die sich anbahnende Liebe des jungen Pärchens bieten. Über der Leidenschaft der beiden schwebt allerdings ein dunkler Schatten. Ihre Familien, die Capulets und die Montagues, sind untereinander spinnefeind. Kaum auszumalen, was passieren würde, falls ein Familienmitglied Wind von ihrer Liebe bekommen würden. Die Treffen des Paares müssen also im Geheimen stattfinden. Eine schwierige Angelegenheit, denn die beiden werden praktisch ständig von ihren Verwandten umgeben.

Bei Romeo & Julia ist die Verpackung gleich Teil des Spiels.

Eure Hauptaufgabe in Romeo & Julia besteht darin, sich gemeinsam an Orten in Verona zu treffen, an denen ihr vor den Blicken eurer Verwandten geschützt seid. Im Spiel befindet sich ein halbes Dutzend Orte. Die Möglichkeiten für geheime Treffen halten sich also in engen Grenzen. Auf dem Spielplan tummeln sich zudem ziemlich viele Personen, es wird also schnell ziemlich eng in Verona. Drei Montagues sowie vier Capulets wandern in Verona umher und beäugen eure Züge mit Argusaugen.

Romeo & Julia kommunizieren in der Sprache der Liebe

Trefft ihr euch als Romeo und Julia am Ende der Runde an einem Ort, wächst eure Liebe um eine Stufe an. Insgesamt zehn Zusammenkünfte solltet ihr im Verlauf des Spiels organisieren, um das Spiel zu gewinnen. Die Kraft der Liebe ist nun so stark geworden, dass sogar die verfeindeten Familien keine Einwände mehr gegen die Verbindung von Romeo und Julia hervorbringen können. Wo so viel Liebe ist, spielt allerdings auch der dunkle Widerpart des Hasses eine entscheidende Rolle.

Romeo und Julia treffen sich unbeobachtet im Salon der Montague... ihre Liebe wächst.

Dieser wird durch jedes Treffen eines Capulets mit einem Montague verstärkt. Neben dem Arrangement der eigenen Verabredungen, müsst ihr also zusätzlich die weitere Familie möglichst voneinander fernhalten. Fünf Begegnungen der rivalisierenden Verwandten reichen aus und der Hass unter den Familien übernimmt die Kontrolle über das Schicksal des Liebespaares. In diesem Fall habt ihr das Spiel sofort verloren. Etwas Entlastung in die angespannte Situation bringt Bruder Lorenzo, der im Drama um Romeo und Julia eine Lichtgestalt darstellt.

Bruder Lorenzo als stiller Helfer von Romeo & Julia

Der Geistliche spielt im Drama um Romeo und Julia eine ausgleichende Rolle. Wo immer sich Bruder Lorenzo aufhält, herrscht Harmonie und Frieden. Das gilt auch dann, wenn an seinem Ort ein Montague und ein Capulet zusammentreffen. Er hält sogar die Allegorie des Hasses in Schach, eine abstrakte Figur im Spiel, die bildlich für die Missgunst unter den beiden Familien steht. Sie bewegt sich wie jeder andere Charakter durch Verona und steigert das Hass-Level, wenn sie mit einem der anderen Protagonisten zusammentrifft.

In Romeo & Julia bewegen sich die Figuren durch eine Kombination aus Orts- und Personenkarten.

Die Situation ist somit ziemlich klar. Romeo und Julia müssen möglichst oft an einem Ort zusammengeführt werden, während ihr den Rest der Verwandtschaft möglichst immer auf Distanz zu einander haltet. Leider dürft ihr die handelnden Personen nicht nach Belieben an die Schauplätze von Verona positionieren. Die Bewegungsabläufe werden in Romeo und Julia über Ortskarten gesteuert. Beide Liebenden erhalten ein identisches Set mit diesen Karten, die nach dem Zufallsprinzip auf die Hand gespült werden. Hinzu kommt noch ein weiterer Stapel mit Personenkarten. Romeo erhält Zugriff auf die Montague-Familie, während Julia die Capulets steuert.

Romeo und Julia auf Irrwegen durch Verona

Im Spiel habt ihr demnach einen Teil eurer Orts- und Personenkarten auf der Hand. In jeder Runde spielt ihr zunächst verdeckt jeweils eine dieser Karten aus. Eure Figur wandert zum gewählten Ort und die gespielte Person bewegt ihr als Begleiter gleich mit dorthin. Ziemlich unpraktisch, wenn ihr euch mit eurem Partner treffen wollt. Zum Glück gibt es aber noch die Ortsaktionen, die euch eine unbeobachtete Zusammenkunft doch noch ermöglichen können.

In Romeo & Julia wird der Hass-Level nicht in der Anwesenheit von Bruder Lorenzo erhöht.

Die meisten Orte erlauben euch eine Veränderung der Konstellation auf dem Spielfeld. Je nach bereistem Schauplatz dürft ihr bestimmte Figuren weiterbewegen. Darunter fällt auch Bruder Lorenzo, wenn ihr euch in die Kirche begebt oder die Allegorie des Hasses bei einem Spaziergang durch die Straßen von Verona. Mit logistischem Geschick gelingt es euch hoffentlich, die Figuren so zu bewegen, dass Romeo und Julia ohne weitere Zuschauer an einem Ort zusammengeführt werden. Im Optimalfall trefft ihr euch an Julias Balkon. An diesem romantischen Platz entwickelt sich eure Liebe gleich um zwei Stufen nach vorne.

Die geheimen Botschaften von Romeo und Julia

Die Chancen auf ein Happy End sind somit zwar gegeben, eine leichte Aufgabe steht euch aber ganz bestimmt nicht bevor. Das wohl größte Problem stellt die eingeschränkte Kommunikation dar. Ihr dürft euch nicht offen über eure Pläne für den nächsten Zug austauschen. Schließlich hört die liebe Familie fast permanent mit. Ihr müsst also auf eine andere Methode zurückgreifen, um der Liebe eine Chance zu geben.

Romeo & Julia versuchen ihre Liebe zu steigern, spüren aber stetig den Atem des Hasses im Nacken.

Unter Abgabe eines Botschaft-Plättchens dürft ihr eurem Partner mitteilen, wo ihr diesen in der kommenden Runde gerne treffen möchtet. Erscheint diesem ein unbeobachtetes Treffen am gewünschten Ort realistisch? Dann gibt euer Mitspieler grünes Licht. Gestaltet sich eine Verabredung in der aktuellen Konstellation eher schwierig, muss das Vorhaben abgeblasen werden. Die Zahl der verfügbaren Botschaften ist ziemlich begrenzt. Es gibt aber eine gute Möglichkeit, an neue Botschafts-Plättchen zu gelangen. In der Amme hat Julia eine wertvolle Verbündete gefunden. Julia erhält jedes Mal eine neue Botschaft, wenn sich beide am Ende der Runde am gleichen Ort aufhalten.

Das Spiel endet nach spätestens zwölf Runden. Habt ihr bis dahin eure Liebe nicht auf die zehnte Stufe gehievt, habt ihr das Spiel verloren und das Drama nimmt seinen Lauf. Bis dahin vergeht ungefähr eine halbe Stunde. Romeo und Julia ist für zwei Spieler ab vierzehn Jahren geeignet. Das Spiel ist über den Huch-Verlag erschienen, ihr findet es ab sofort zum Preis von 25-30€ im Handel.

Fazit: Liebe, Leidenschaft und eine gute Portion Taktik bringen Romeo und Julia diese Testwertung ein

Liebe, Leidenschaft und eine gute Portion Taktik bringen Romeo und Julia diese Testwertung ein.

Es ist mir nicht sehr schwergefallen, mich sofort in Romeo und Julia zu verlieben. Der optische Eindruck des Spiels hat mich schwer begeistert. Die Verpackung ist dabei gleich Teil des Spiels. Sie entblättert sich mit wenigen Handgriffen zu einer kleinen Bühne, auf der das Drama um Romeo und Julia seinen Lauf nimmt. Mit einem so schönen Material macht das Spielen gleich doppelt so viel Freude. Doch auch die inneren Werte des Brettspiels wissen zu überzeugen. So romantisch das Thema des Spiels auch gewählt sein mag, taktisch wird euch einiges abverlangt. Es ist vor allem eine logistische Herausforderung, die Figuren auf dem Spielfeld so zu arrangieren, dass die Liebe wächst und sich der Hass der Familien gleichzeitig in Grenzen hält. Die eingeschränkte Kommunikation ist dabei ein besonders großes Hindernis. Deshalb ist es besonders wichtig, die Spielkonstellationen richtig zu lesen und dann hoffentlich gemeinsam die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Wenn das gelingt, entstehen magische Momente. Dazu ist allerdings schon etwas Übung notwendig. Deutlich sicherer verlaufen die Treffen des Paares unter Verwendung der geheimen Botschaften. Diese sind aber nicht gerade in rauen Mengen verfügbar und selbst wenn diese zum Einsatz kommen, ist es dem Partner nicht immer möglich, unbeobachtet zum vorgeschlagenen Ort zu gelangen. Spekulieren, Hoffen und Bangen gehören auf jeden Fall mit zum Spielerlebnis von Romeo und Julia. Als reines Zwei-Personen-Spiel mit romantischem Thema eignet sich die Huch-Neuheit für Paare besonders, dank des großen taktischen Anteils findet das Spiel aber bestimmt auch im Freundeskreis Anklang.

ProCon
+ tolles Spielmaterial- erlaubt nur genau zwei Spieler
+ taktisch fordernd
+ gelungene thematische Umsetzung
+ reines Zwei-Personen-Spiel

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