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Im stationären Handel ist Soviet Kitchen Unleashed nicht ganz einfach zu finden. Daher empfiehlt sich der Weg über die großen Online-Händler. Kostenpunkte: etwa 20€.

Kommunikativer Hybrid mit schrägem Humor

Soviet Kitchen Unleashed im Test: Brett- und Videospiel gehen Hand in Hand

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Als Koch-Team der sowjetischen Armee versorgt ihr eure Kameraden mit gehaltvollen Gerichten. Leider sind hochwertige Zutaten Mangelware.

Der zweite Weltkrieg ist vorbei. Als einer der Siegermächte geht die stolze Armee der Sowjetunion aus dem Konflikt hervor. Doch damit sind längst nicht alle Probleme der Welt gelöst. Es fehlt an ganz basalen Dingen. In Soviet Kitchen Unleashed geht es darum, die hungrigen Mäuler der Soldaten zu stopfen. Das kleine Kartenspiel des jungen Verlages Hybr Games versetzt euch in die Rolle von Militär-Köchen. Leider mangelt es euch ziemlich an hochwertigen Zutaten. Da muss man schonmal ein Auge zudrücken und sich ein paar Alternativzutaten überlegen. Hoffen wir, dass die Soldaten euren Fraß auch überleben.

Hybr Games? Nie gehört? Kein Wunder, erst kürzlich veröffentlichte der sächsische Verlag mit Soviet Kitchen Unleashed sein erstes Spiel mit der Hilfe der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. In der Kampagne kamen knapp 15.000€ zusammen, genug um eine erste Auflage in den Handel zu bringen. Der Verlagsname lässt bereits darauf schließen, dass sich die Crew hinter dem Projekt auch mit digitalen Spielen bestens auskennt. Als Hybridspiel greift Soviet Kitchen Unleashed auf den Einsatz moderner Technik zurück. Die Spielkarten und die Gratis-App für iOS und Android spielen sich gegenseitig die Bälle zu.

Auspacken und losspielen

Zunächst müsst ihr also den Umweg über den Store von Google oder Apple gehen. Dort ladet ihr die App kostenlos auf euer Smartphone oder Tablet herunter. Dafür bleibt euch das Lesen einer Anleitung im Großen und Ganzen erspart. Ihr könnt direkt mit Hilfe der App loslegen. Schade eigentlich, denn das kleine Regelhaft ist wirklich sehr witzig geschrieben und sprüht über vor Gags. Es kann also gleich direkt losgehen in der Sowjet-Küche.

Um den Hunger der russischen Soldaten zu stillen, schmeißt ihr unterschiedlichste Zutaten in den Fleischwolf.

In der App empfiehlt es sich, zuerst einen Hybr-Account zu erstellen. Damit könnt ihr euren Spielstand über verschiedene Geräte aufrufen und eure Highscores mit anderen Köchen vergleichen. Die Spielstandverwaltung lohnt sich vor allem, wenn ihr euch durch die 21 Missionen arbeiten wollt. In kleinen Story-Häppchen kocht ihr euch von der Front bis zurück an den Kreml. Während ihr die ersten Aufgaben noch recht problemlos bewältigen könnt, werden in den späteren Levels eure Kochkünste ganz besonders herausgefordert.

Kreatives Kochen nach russischer Art

Als russische Chefköche der 40er Jahre habt ihr es ohnehin nicht leicht. Die Soldaten klopfen in Dauerschleife an eure Tür und bestellen Gerichte von eurer Speisekarte. Ständig kommen sie mit ausgefallenen Wünschen um die Ecke. Bratwurst mit Nudeln in Tomatensauce? Puh, woher nehmen, wenn nicht stehlen? Da hilft nur ein Griff in die Trickkiste. Der große Fleischwolf macht es möglich. Eifrig werft ihr Zutaten hinein, die farblich wenigstens halbwegs dem gewünschten Gericht entsprechen.

Auf den Rückseiten der Zutatenkarten befinden sich QR-Codes. Über die Kamera eures Handys zaubert ihr so die Zutaten auf den Bildschirm.

Also werden schnell die alten Autoreifen zersäbelt und einmal ordentlich durchgemengt. Mist, jetzt ist die Bratwurst vielleicht doch etwas zu dunkel geraten. Schüttet vielleicht ein wenig groben Sand hinzu, um das Gesamtergebnis wieder etwas aufzuhellen. Beherrscht ihr die Farbenlehre wenigstens einigermaßen, erzielt ihr selbst mit den wildesten Mischungen ganz passable Ergebnisse, zumindest farblich gesehen.

Scannen der Lebensmittel

Ganz praktisch laufen die Essensbestellung folgendermaßen ab. Ihr erhaltet die Bestellung eines Gerichts von einem Soldaten. Es besteht aus mehreren Teilen, etwas einer Fleischeinlage sowie einer Beilage mit Sauce. Als Köche versucht ihr nun bei allen Bestandteilen des Gerichts eine farblich passende Masse herzustellen. Geschmack wird überbewertet. Solange es am Ende auch nur halbwegs so aussieht wie das bestellte Essen, soll es den russischen Soldaten munden.

In fünf Kapiteln durchlauf ihr insgesamt 21 Missionen. Zwischenzeitlich kommt so auch neues Material ins Spiel.

Soviet Kitchen Unleashed wird daher kooperativ gespielt. Jeder Koch erhält ein paar Zutatenkarten. Hier findet sich alles, was das zerbombte Umland so hergibt. Rostige Nägel, Munition, Holz, Motten oder Gras… alles, was sich durch den Fleischwolf drehen lässt, kommt potentiell als Zutat in Frage. Somit ist der Fleischwolf auch euer bester Freund und Helfer. Er kommt über die App ins Spiel. Die Zutaten könnt ihr der Masse hinzufügen, indem ihr die Karten über die Kamera eures Handys einscannt. Auf der Rückseite jeder Zutatenkarten befindet sich ein QR-Code. Über diesen werden die Zutaten auf den Bildschirm gezaubert.

Technisch einwandfrei

Die Erkennung der Zutaten klappt ziemlich reibungslos. Karte kurz über die Linse halten, schon wird die gewählte Zutat durch den digitalen Fleischwolf gedreht. Zu jedem Bestandteil des bestellten Gerichts muss jeder Koch genau eine Zutatenkarte beisteuern. Die Farben der Zutaten werden miteinander vermischt und die App zeigt euch das Gesamtergebnis der Kochprozedur an. Wer die Kunst der Farbenlehre beherrscht, ist also klar im Vorteil.

In Kombination sind Hammer und Sichel der absolute Jackpot! Komme was wolle, ihr trefft immer die passende Farbe.

Damit am Ende des Kochvorgangs ein halbwegs vorzeigbares Ergebnis steht, könnt ihr euch absprechen, welche Zutaten in den Fleischwolf wandern sollen. Wollt ihr beispielsweise rote Tomatensauce zusammenpantschen, wären natürlich auch rote Zutaten von Vorteil. Rostige Nägel, Menschenblut oder notfalls Munitionshülsen könnten in diesem Fall passende Zutaten sein. Blöd nur, wenn ihr solche Zutaten gar nicht auf der Hand habt. Jetzt wird die ganze Angelegenheit schon kniffliger. In so einer Situation könntet ihr zum Beispiel etwas gelben Käse mit ein wenig pinken Ferkelschwänzen mischen, um daraus einen schönen Rotton zu formen.

Die Mischung macht’s

Letztlich ist es eine Frage der Mischung, ob die Soldaten eure Kochkünste zu schätzen wissen. Diesen guten Mix zu finden ist aber gar nicht so einfach. Ihr dürft die Handkarten nicht euren Mitspielern zeigen. Darüber sprechen solltet ihr aber natürlich schon. Doch wie vermittelt ihr den anderen Köchen, wie rot eure rostigen Nägel denn nun wirklich sind? Dunkelrot, weinrot, blutrot… das wären mögliche Umschreibungen, doch leider stellt sich jeder unter diesen Begriffen etwas anderes vor. Oft geht es schließlich um Nuancen.

Keine roten Zutaten zur Hand? Dann mischt euch doch einfach was aus passenden Zutaten zusammen.

Letztlich werdet ihr einige Abstriche machen müssen, genau wie die Besucher eures Militär-Restaurants. Viele Soldaten sind da ziemlich tolerant, zumindest in den ersten Missionen. Allerdings steht ihr als Köche noch vor einem weiteren Problem. Ein großer Teil des ganzen Krams, den ihr zum Kochen verwendet, ist leider ein wenig toxisch. Ganz genau, der ganze Krempel, den sich eure Kameraden reinstopfen, ist giftig. So ein Soldatenmagen kann schon einiges wegstecken. Dennoch solltet ihr darauf achten, dass eure Mahlzeiten nicht zu stark verseucht sind. Sonst kippt euch der ein oder andere Soldat vom Hocker.

Kochen mit Gimmicks

Dabei kann eine Flasche Wodka hilfreich sein. Hochprozentiges reinigt den Magen. Der edle Tropfen ist zwar farblos, reduziert aber den Giftwert eurer Speisen ein wenig. In der sowjetischen Küche finden sich aber noch weitere Zutaten mit einem besonderen Kniff. Ihr könnt beispielsweise auch eine Granate durch den Mixer drehen. Natürlich ist das Ding noch scharf. Die nächste Zutat, die ihr in den Fleischwolf werft, explodiert und löst sich in Nichts auf. So eine Granate kann ziemlich hilfreich sein, wenn ein Koch mal über so gar keine passende Zutat verfügt.

Im stationären Handel ist Soviet Kitchen Unleashed nicht ganz einfach zu finden. Daher empfiehlt sich der Weg über die großen Online-Händler. Kostenpunkte: etwa 20€.

Der absolute Clou sind aber Hammer und Sichel, die Wahrzeichen der stolzen Sowjetunion. Werden beim Kochen beide Zutaten gemeinsam verwendet, erhaltet ihr genau die Farbe des bestellten Gerichts. Der absolute Jackpot! In den späteren Kapiteln kommen noch weitere Zutaten mit besonderen Gimmicks hinzu. Im Storymodus erweitert ihr den Kartensatz Stück für Stück. Es warten noch einige witzige Überraschungen auf euch.

An Soviet Kitchen Unleashed können sich bis zu sechs Köche zu einem Team zusammenschließen. Wer mag, kann aber auch im Solo-Modus für die russischen Soldaten kochen. Hybr Games gibt eine Altersempfehlung ab zwölf Jahren. Mechanisch haben bestimmt auch jüngere Spieler an Soviet Kitchen Unleashed ihre Freude. Angesichts des Themas und des abgedrehten Humors richtet es sich aber eher an erwachsene Spieler. Das Spiel ist ab sofort im Handel verfügbar. Kostenpunkt: etwa 20€.

Fazit: Diese Wertung erkocht sich Soviet Kitchen Unleashed

Soviet Kitch Unleashed trumpft insbesondere mit seinem schwarzen Humor auf. Das fängt schon bei der Anleitung an, überträgt sich aber zum Glück auch ins eigentliche Spiel. Im Grunde ist das gesamte Spielkonzept schon reichlich skurril. Mittels App werft ihr die aberwitzigsten Zutaten in den Fleischwolf, rührt einmal kräftig durch und serviert die Pampe dann den russischen Soldaten. Wichtig ist dabei vor allem die Absprache unter den Köchen. Mit etwas Gespür für die klassische Farbenlehre erschafft ihr so selbst aus den scheinbar unsinnigsten Zutaten ein Drei-Sterne-Gericht. Technisch funktioniert die App einwandfrei. Karte zücken, vor die Kamera halten, fertig! Geht zack zack, wie bei Aldi an der Kasse. Gut gefallen hat mir auch der Story-Modus. Im Spielverlauf wird das Kartenarsenal nochmal kräftig erweitert und so eure Möglichkeiten ausgebaut. Es warten einige ziemlich witzige Überraschungen auf euch. Durch das Nutzen spezieller Gimmicks lassen sich selbst knifflige Situationen noch meistern. Im Vordergrund von Soviet Kitchen Unleashed stehen aber weder Humor, noch die technisch einwandfreie App. Letztlich kommt es vorrangig auf die gute Kommunikation unter den Köchen an. Nur wenn ihr euch gut absprecht, könnt ihr als Koch-Team in der sowjetischen Armee bestehen. Wenn ihr Freude an kooperativen Spielen mit hohem Kommunikationsanteil habt, solltet ihr Soviet Kitchen Unleashed unbedingt einmal ausprobieren.

PROS

CONS

+ direkt loslegen ohne Regellesen

- im stationären Handel schwer zu bekommen

+ witzige Spielidee

- auf Dauer etwas repetitiv

+ technisch einwandfreie App

+ schräger Humor

+ 21 Missionen

+ hoher kommunikativer Anteil

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