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Gamescom vs. SPIEL: So schlagen sich die Messen im Vergleich.

SPIEL vs. gamescom

SPIEL gegen gamescom: Die Spielemessen im Vergleich

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SPIEL gegen Gamescom: Was die beiden Spielemessen von einander unterscheidet und was sie gemeinsam haben

Nachdem die gamescom im August bereits Spieler aus aller Welt nach Köln gelockt hat, zieht es sie in wenigen Wochen schon wieder nach Nordrhein-Westfalen. Im Oktober stehen dann allerdings die Brett- und Kartenspiele im Fokus, wenn sich die Messehallen in der Ruhrmetropole Essen öffnen. Sowohl von der gamescom aus Köln als auch von der SPIEL aus Essen sind jährlich neue Rekordzahlen zu lesen. Verspielte Menschen stürzen sich offenbar gerne in den Messetrubel. Doch welche Messe lohnt sich eigentlich mehr? Ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen? Auf jeden Fall, dennoch bringt der Vergleich durchaus ein paar Gemeinsamkeiten hervor und zeigt, dass es sich bei beiden um ziemlich süße Früchte handelt.

Im letzten Jahr feierte die gamescom ihr zehnjähriges Jubiläum. Selbst wenn man die sieben Leipziger Jahre mit der Games Convention hinzunimmt, kann die Messe auf eine vergleichsweise kurze Geschichte zurückblicken. Angesichts dieser jungen Tradition hat sich die Messe ebenso rasant entwickelt wie das Medium Videospiele selbst. 373.000 Besucher nahmen 2019 den Weg nach Köln auf sich, um ihrem Hobby zu frönen. Natürlich ließ sich die Messe nicht nur vor Ort beobachten. Auch über das Netz konnte die gamescom bequem von zu Hause aus verfolgt werden. Die Messeleitung spricht von 100 Millionen abgerufenen Steams, rund um die Messe aus Köln. Allein die Eröffnungsshow wurde über das Internet live von über 500.000 Videospielern gesehen.

Essener SPIEL legt medial nach

An diese Zahlen kommt die SPIEL in Essen nicht ganz heran. Die Kurve zeigt aber auch bei der Brettspielmesse klar nach oben. Im letzten Jahr wurde die SPIEL von 190.000 Spielern besucht, immerhin 8.000 Besucher mehr als im Jahr zuvor. Von der familiären Atmosphäre der Anfangszeit hat sich aber auch die SPIEL schon weit entfernt. Im ersten Jahr wurde die Messe noch in der Essener Volkshochschule ausgetragen. Allerdings stieß man dort schon recht bald auf die Grenzen der Kapazitäten, so dass man sich für einen Umzug auf das Messegelände entschied. Die SPIEL feierte ihre Premiere im Jahr 1983 und kann damit auf eine deutlich längere Tradition zurückblicken als das Pendant aus der Videospielszene.

Messetrubel in den Essener Hallen.

Vielleicht kann die Messe ja in diesem Jahr die magische Grenze von 200.000 Besuchern knacken. Dafür soll die SPIEL in den Medien noch präsenter auftreten. Erstmals gibt es offizielle Streams, jetzt auch direkt von der Messe. Sponsor Rathkellers, der sich voll und ganz auf die Herstellung hochwertiger Spieltische und -möbel spezialisiert hat, möchte in den Messehallen ein eigenes Studio aufbauen. Dieses steht verschiedenen YouTubern und Podcastern zur Verfügung, um über die Messeereignisse zu berichten. Wenn ihr es also in diesem Jahr nicht zur Messe schafft, könnt ihr euch diesmal auf diesem Wege auch von zu Haus aus über die neuesten Brettspiele informieren.

Die Messe wächst auch räumlich

Wachstum gibt es auch räumlich zu verzeichnen. Die Umbauten der Essener Messe machen es möglich. Insgesamt wird die Ausstellungsfläche auf 86.000qm anwachsen, rund 6.000qm mehr als im Vorjahr. Dadurch kann auch die Zahl der Aussteller erneut steigen. 1.200 Aussteller aus 53 Ländern bedeuten auch hier Rekord. Bemerkbar macht sich dies ebenfalls im Hinblick auf die vorgestellten Spiele-Neuheiten. Hier steht die atemberaubende Ziffer von 1.500 neuen Spielen im Raum, immerhin nochmals hundert Spiele mehr als in 2018.

Auf der gamescom macht auch Sony immer jede Menge Krach.

Hinsichtlich der Ausstellerzahl kann es die SPIEL sogar mit der gamescom aufnehmen. In diesem Jahr schafften es genau 1.153 verschiedene Unternehmen auf die Kölner Messe. Läuft alles glatt, kann Essen hier also einen Punktsieg landen. Zudem tummelt sich ein guter Teil der Aussteller ausschließlich in der Business Area der gamescom, die der Privatbesucher gar nicht zu Gesicht bekommt. Hier zeigt sich die SPIEL doch noch stärker am Spieler selbst orientiert. Auch die Messe Essen hat einen Bereich für Fachbesucher und die Presse reserviert, jedoch fällt dieser deutlich kleiner aus. Das Gros der SPIEL ist für den Privatbesucher zugänglich. Spielefans ohne Fachbesucher- oder Presseticket verpassen also nichts. Dennoch hinkt der direkte Vergleich der Ausstellerzahl natürlich ziemlich. Viele Aussteller kommen mit einer Fläche von wenigen Quadratmetern klar. Beinahe hallenfüllende Stände wie ihr sie von der gamescom von Electronic Arts oder Activision kennt, sind auf der SPIEL eher eine Seltenheit. Eine Ausnahme stellt hier Branchenriese Asmodee dar, der sich für ihr umfangreiches Programm in Halle 1 ziemlich breitgemacht haben. Dennoch, vergleicht man die reine Ausstellungsfläche der beiden Messen, geht dieser Punkt klar an die Kölner. 218.000qm Messefläche, das ist schon eine ziemliche Ansage.

Party auf der Messe

Beim räumlichen und besuchermäßigen Wachstum werden beide Messen wohl irgendwann an ihre Grenzen stoßen. Aber vielleicht lässt sich dafür das Rahmenprogramm rund um die eigentliche Messe ja noch ein wenig erweitern. Die gamescom bietet seinen Besuchern seit jeher zahlreiche Entertainment-Möglichkeiten. Dazu zählt der große E-Sports-Bereich ebenso wie ein Lasertag-Game, Autogrammstunden oder natürlich auch die stetig wachsende Retro-Area. In den Messehallen laden sich die viele Aussteller Stars und Sternchen ein, um auf eigenen Bühnen für reichlich Lärm zu sorgen. Es werden T-Shirts in die johlende Menge geschmissen und die einzelnen Stände versuchen sich gegenseitig mit lauter Musik zu übertönen. Der Lärmpegel auf der gamescom ist dadurch immens und somit die Kehrseite des umfangreichen Messeprogramms.

Auf der SPIEL gibt es ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm für die ganze Familie.

Von der akustischen Stressbelastung der gamescom ist die SPIEL noch ein ganzes Stück entfernt. In den Hallen der SPIEL geht es doch ein ganzes Stück ruhiger zu. Dies liegt zum einen am geringeren Besucherstrom, zum anderen am ruhigeren Programm der Aussteller. Zwar hat Asmodee im letzten Jahr auf seiner großen Bühne schon ordentlich Krach veranstaltet, im Großen und Ganzen wird allerdings auf den Einsatz von technischen Hilfsmitteln zur Beschallung der Hallen verzichtet. Der Partyfaktor auf der SPIEL ist deutlich geringer. Wenn ihr Wert auf einen entspannten Messebesuch legt, ist das aber ein echter Pluspunkt.

Stärkung des Rahmenprogramms

Über die Essener Messe schlendert es sich auf jeden Fall viel komfortabler als über die gamescom. Wer in Köln von einem Ende der Messe zur anderen laufen möchte, braucht vor allem viel Zeit und Geduld. Der Weg durch die Massen wird so schnell zur Qual. Durch das steigende Besucherinteresse kommt es zwar auch in Essen immer mal wieder zu kleinen Staus und Schlangen, dennoch läuft man immer noch vergleichsweise entspannt durch die Hallen. Die Gemütlichkeit früher Tage sind allerdings schon lange passé. Dafür bekommt ihr als Messebesucher aber auch immer mehr geboten. Ihr bekommt nicht nur mehr Fläche, mehr Aussteller und mehr Spieleneuheiten präsentiert. Auch das ganze Brimborium drumherum nimmt immer größere Dimensionen an. Noch nie war das Rahmenprogramm so umfangreich wie in diesem Jahr. Neben den bereits oben erwähnten Live-Streams von der Messe dürft ihr euch über zahlreiche Vorträge und Diskussionsrunden freuen. Der Messesamstag ist vollgepackt mit interessanten Panels.

Auf der gamescom sind Cosplayer immer gern gesehene Gäste

In diesem Rahmen werden unterschiedlichste Themen behandelt. Die Spannweite reicht dabei von digitaler Brettspiel-Berichterstattung über Nachhaltigkeit von Brettspielen bis hin zu Brettspielen im Iran. Die Messe möchte das Brettspiel als Kulturgut weiter nach vorne bringen und sieht darin großes Potenzial, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich.

Preisverleihungen auf der Messe

So findet am Messefreitag erstmals auch der Educator´s Day statt. In einem separaten Saal diskutieren Experten und Wissenschaftler über die Einsatzmöglichkeiten des Spiels in Bildung und Gesellschaft. Zudem geben brettspielerfahrene Pädagogen hilfreiche Tipps zur Installation einer Brettspiel AG an der eigenen Schule. Für brettspielaffine Lehrer ist der Trip nach Essen in diesem Jahr daher besonders spannend. Kunstinteressierte suchen während der Messe hingegen vielleicht in Halle 5 die Ausstellung „spielART“ auf. Dort befindet sich der Stand der Europäischen Spielesammler Gilde. Sie beschäftigt sich mit der Liaison von Kunst und Spiel und zeigt einige merkwürdige Exponate.

In Essen können neue Spiele getestet und auch gleich gekauft werden

Bereits etabliert sind hingegen die Preisverleihungen, die im Rahmen der SPIEL stattfinden. Der Deutsche Spielepreis wird von der Messe selbst organisiert und wird bereits seit 1990 vergeben. Im Gegensatz zum „Spiel des Jahres“ dürfen hier die Spieler selbst abstimmen und ihr Lieblingsspiel küren. Der Preis wird auch in diesem Jahr wieder während der Messetage verliehen. Zum dritten Mal wird dann auch der innoSPIEL vergeben. Der noch junge Preis soll besonders innovative und kreative Spielideen belohnen.

Mit dem gamescom awards haben die Kölner ein passendes Äquivalent. Wie der innoSPIEL werden die gamescom-Preise durch eine Fachjury vergeben. Allerdings wird der Kölner Preis bekanntlich in etliche Kategorien unterteilt, so dass jährlich mehr als zwanzig Preisträger honoriert werden. Die Videospieler dürfen auf der Messe übrigens ebenso selbst abstimmen. Der consumer Award kürt Sieger in den Bereichen Best Booth, Best eSport Experience, Best Streamer/Let’s Player und Most Wanted.

Neue Spiele direkt auf der Messe kaufen

Beim Drumherum legt sich die SPIEL in diesem Jahr also mächtig ins Zeug. Im Mittelpunkt stehen aber natürlich weiterhin die Spiele selbst. Diese könnt ihr auf der Messe nicht nur ausprobieren, sondern bei Gefallen sogar direkt erwerben und mit nach Hause nehmen. Damit steht die SPIEL im klaren Gegensatz zur gamescom. Die meisten Spiele, die auf der gamescom gezeigt werden, erscheinen erst Monate später. Käuflich erwerben könnt ihr auf der Messe nichts, von den überteuerten Snacks und etwas Merchandise einmal abgesehen.

Ein gemütliches Flanieren über die gamescom ist kaum möglich

Ganz anders auf der SPIEL. Der überwiegende Teil der Titel kann direkt auf der Messe gekauft werden. Viele Verlage verkaufen ihre Spiele direkt am eigenen Stand. Eine Alternative stellen die zahlreichen Händler dar, die Neuheiten und auch ältere Spiele anbieten. Nicht selten sind hier auch gute Schnäppchen zu machen. Immer häufiger sind aber auch Kickstarter-Projekte auf der Messe anzutreffen. Ihr könnt die Spiele vor Ort ausprobieren und das Projekt dann bei Gefallen über die Crowdfunding-Plattform unterstützen. Die Auslieferung der vorher bezahlten Spiele passiert dann in der Regel zu einem späteren Zeitpunkt über den Postweg.

Videospiel-Themen auf der SPIEL

Trotz den Unterschieden zwischen digitaler und analoger Unterhaltung sowie der gamescom und der SPIEL, so haben beide Hobbys doch sicherlich eine große Schnittmenge und können sich gegenseitig befruchten. Die Branche scheint das ganz ähnlich zu sehen. Immer mehr Brettspiele nehmen erzählerische Elemente auf, wie wir es schon von den Videospielen her kennen. Ebenso setzen einige Verlage auch auf den Einsatz von Begleit-Apps und machen sich die Technik von Smartphones oder Tablets zu Nutze, um ihre Spiele aufzuwerten.

In diesem Jahr wird es auch wieder viele spannende Diskussionsrunden auf der SPIEL geben

Immer häufiger ist zudem eine Diffusion bei einzelnen Marken zu beobachten. Sie fühlen sich in der analogen Welt ebenso zu Hause wie in der digitalen. Videospiel-Schwergewichte wie Fallout oder The Witcher wurden ebenso für das Brett umgesetzt wie Casual-Titel à la Tetris und Angry Birds. Genauso gut funktioniert jedoch auch der andere Weg. Beliebte Brettspiele wie Terraforming Mars, Istanbul oder Splendor werden unlängst über die Stores für iOS, Android oder auch über Steam vertrieben.

Wenn ihr die SPIEL in diesem Jahr besucht, werdet ihr ebenso wieder über einige Bekannte aus der Videospielwelt stolpern. Bei Kosmos findet ihr beispielsweise die analoge Umsetzung zum PC-Spiel Cities: Skylines. Rollenspielfans hingegen freuen sich bestimmt über die Erweiterung des Endzeit-RPGs Fallout. Mit dem Addon Neu-Kalifornien wird das Brettspiel durch ein spannendes Koop-Abenteuer ergänzt. Es werden sicherlich nicht die einzigen Brettspiele mit Videospielthema bleiben.

Die SPIEL findet in diesem Jahr vom 24. – 27. Oktober statt. Im Gegensatz zur dauerausverkauften gamescom können hier auch Kurzentschlossene noch an der Tageskasse ein Ticket erwerben. Das Tagesticket kostet 15€, eine Dauerkarte für alle Tage schlägt mit 37€ zu Buche. Für Schüler und Studenten gibt es zudem ermäßigte Karten. Wir wünschen euch viel Spaß beim Spielen!

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