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Die Qual der Wahl. Welcher Superheld darf es sein?

Diese Lemminge sind Nicht-Lustig

Superlemming im Test: Das chaotische Kartenspiel mit Nicht-Lustig-Lizenz

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Aqua Lemming, Batming, Lemmerine & Co. sorgen für Sicherheit an deutschen Steilklippen. Nie war der Freitod der Lemminge so schwer wie in diesem chaotischen Kartenspiel.

Ist es ein Flugzeug? Ist es eine Rakete? Nein, es ist Superlemming! Nicht-Lustig-Autor Joscha Sauer hat gemeinsame Sache mit dem Brettspieldesigner Jan Kirschner gemacht und unter dem Banner von Corax Games ein neues Kartenspiel veröffentlicht. Im Zentrum des Spiels stehen die Lemminge, die seit jeher ein fester Bestandteil der Nicht-Lustig-Comics sind. Diesmal haben sich die tierischen Suizidanten als Superhelden verkleidet und retten als solche ihren Artgenossen das Leben. Natürlich gegen ihren Willen, wähnten sie sich der todbringenden Felsenklippe doch schon so nahe. Superlemming steht tief in der Tradition von Nicht-Lustig, ist politisch inkorrekt, trieft vor schwarzem Humor und besticht vor allem durch einen interaktions- und konfliktreichen Spielablauf.

Die erste schwerwiegende Entscheidung müsst ihr noch vor Spielbeginn treffen. Es steht die Wahl des Superlemmings an. Metal Lemming, Spiderlemming, Batming, Lemming in a Black Panther, Wonder Lemming, Lemmerine, Aqua Lemming, Lemmulk, Elastolemming und der namensgebende Superlemming sind die Protagonisten des Spiels. Spieltechnisch unterscheiden sich die Superhelden zwar überhaupt nicht voneinander, doch alle Lemminge sehen einfach so fantastisch aus, dass die Wahl des Superlemmings schon das erste Highlight des Spiels ist.

Run auf die Felsenklippe

Spätestens seit Psygnosis im Jahr 1991 das Lemmings-Computerspiel veröffentlicht hat, ist vielen das Verhalten der kleinen Tierchen wohlvertraut. In Reih und Glied hetzen die Lemminge dem Meer entgegen, nur um sich dort von einer Klippe ins Meer zu stürzen und in den Fluten zu ertrinken. Die Nicht-Lustig-Lemminge verhalten sich ganz genauso. Damit genügend Lemminge die Chance haben, ihrer Bestimmung zu folgen, gibt es in Superlemming gleich vier Steilklippen. Die Tiere reihen sich zunächst brav hintereinander an. Erst sobald sich 4-5 Lemminge, abhängig von der Zahl der Spieler, in der Reihe angestellt haben, wirft sich der erste Lemming von der Klippe. Mission accomplished!

Die Qual der Wahl. Welcher Superheld darf es sein?

Klingt eigentlich alles ganz einfach, wären da nicht diese überengagierten Superhelden. Ist eine Reihe an einer Klippe voll besetzt, schreitet der zuletzt hinzugekommene Lemming zur Tat und rettet den potentiellen Suizidanten an erster Position. Zumindest läuft diese heldenhafte Geschichte so ab, wenn es sich um einen Lemming eines anderen Spielers handelt. Bei den Artgenossen des eigenen Clans scheint der Superlemming keine Bedenken zu haben. Diesen lässt er seelenruhig von der Klippe springen. Verstehe einer diese Lemminge!

Dank dem Retter

Als Belohnung für diese Heldentat erhaltet ihr auch gleich noch ein paar Orden. Habt ihr mit eurem Lemming einen Suizid verhindert? Dann holt ihr euch den gebührenden Lohn direkt von eurem Mitspieler, dessen Lemming ihr gerettet habt. Natürlich muss sich der Gerettete auch noch artig beim Superhelden bedanken. Nicht vergessen, sonst kostet diese Respektlosigkeit einen zusätzlichen Orden. Am Spielende ist jeder Orden einen Siegpunkt wert. Freut euch aber nicht zu früh. Diese Orden sind eine sehr flüchtige Währung und wandern im Spielverlauf gerne umher.

Die Lemminge reihen sich zunächst brav an der Klippe an.

Sichere Siegpunkte bringen euch hingegen die Lemminge, die ihrer Bestimmung gefolgt sind und sich die Klippe heruntergestürzt haben. Sie kommen ganz aus dem Spiel und bringen euch am Spielende ebenfalls einen Siegpunkt ein. Befindet sich einer eurer Lemminge an einer Klippe an der Pole Position, könnt ihr einen weiteren Lemming dort anlegen, um seinen Selbstmord zu sichern. Der Tod des Lemmings bringt euch einen sicheren Siegpunkt ein.

Klippenkarten im PlayStation-Design

Da ihr in eurem Zug aber immer nur einen Lemming ausspielen dürft, ist das gar nicht so einfach. Die Angelegenheit wird zusätzlich erschwert, da ihr eure Lemminge auch immer nur an bestimmte Klippen anlegen dürft. An jeder Klippenkarte seht ihr ein dickes Warnschild mit einem Symbol. Die Symbole, äquivalent übrigens zu den Zeichen auf einem PlayStation-Controller, findet ihr auch auf den Lemming-Karten wieder. Dreieck-Lemminge stellen sich also nur an der Dreieck-Klippe an. Ein wenig Glück beim Kartenziehen braucht ihr also auch noch.

Die Nicht-Lustig-Ente hat in Superlemming einen Gastauftritt.

Einfach Kartenanlegen und auf das beste Hoffen läuft bei Superlemming aber ohnehin nicht. Die süßen Tiere langweilen sich ziemlich in der Warteschlange und führen vermutlich deshalb ständig spezielle Aktionen durch. Legt ihr einen Lemming eurer Farbe in einer Reihe, triggert ihr die Aktionen aller anderen eigenen Lemminge, die dort noch auf den Freitod warten. Das sorgt praktisch ständig für reichlich Chaos und nicht selten auch zu witzigen Effekt-Kombinationen.

Unruhige Nicht-Lustig-Lemminge

Beim ersten Spielen fragt man sich noch, was der ein oder andere Effekt überhaupt bringen soll. Gebt ihr dem Spiel aber ein paar Minuten Zeit, um in Gang zu kommen, wird euch sicher vieles schnell klar. Plötzlich werden ganze Bataillonen von Lemmingen von einer Klippe zu anderen gelegt, dort wieder neue Effekte ausgelöst, bis sich die Lemminge endlich mal ausgetobt haben und der Zug beendet wird. Natürlich fallen nicht alle Züge so spektakulär aus, dennoch treten solche Kombis in schöner Regelmäßigkeit auf.

Jeder Spieler erhält ein Deck mit lebensmüden Lemmingen. Die Sets der Spieler sind dabei identisch.

Es gibt sogar eine Lemming-Aktion, die euch eigene Lemminge von der Hand an Mitspieler verteilen lässt. Das kann mitunter ganz praktisch sein. Zunächst darf euer Mitspieler den Lemming so ausspielen, als gehöre er zu seiner eigenen Sippe. Doch nach Ablauf seines Zuges kommt der Lemming wieder zu Besinnung und über ihm schwebt nun wieder euer eigenes Banner. Ihr habt jetzt wieder einen Lemming mehr im Spiel. Ein klarer Vorteil für euch!

Klippenaktion als Bonus

Ziemlich praktisch sind auch die Lemming-Aktionen, die euch eine Handkarte aus dem Spiel nehmen lassen. Diese ist, genau wie ein suizidierter Lemming, am Spielende einen Siegpunkt wert. Wieder ein sicherer Siegpunkt für euch. Über die Orden könnt ihr euch in der Schlussphase des Spiels vielleicht nochmal Gedanken machen. Für die Umverteilung der Orden gibt es ebenso eine ganz eigene Lemming-Aktion. Die goldenen Abzeichen können am Spielende über Sieg oder Niederlage entscheiden, allerdings ist ihr Besitz nur schwer planbar, wie so vieles in Superlemming.

Autor Jan Kirschner hat Superlemming zusammen mit Nicht-Lustig-Autor Josha Sauer verwirklicht.

Jede eingesetzte Karte löst sogar noch eine weitere Aktion aus. Dies Aktion hängt von der Reihe ab, in der ihr den Lemming platziert habt. Jede Klippenkarte verfügt über eine eigene Aktion, die auf jeden Fall ausgelöst wird. Über die Klippenaktionen können erneut Karten versetzt oder Lemminge aus dem Spiel genommen werden. An der Kreis-Klippe dürft ihr sogar eine zusätzliche Karte vom Nachziehstapel ziehen und direkt passend an eine Reihe anlegen. Die X-Klippe hingegen sorgt für Handkarten-Nachschub. Jedes Mal, wenn ihr einen Lemming in diese Reihe spielt, zieht ihr zwei Karten nach. In Superlemming werden Handkarten nicht automatisch wieder aufgefüllt. Gelingt es euch jedoch eure komplette Hand zu leere, zieht ihr ohne Umschweife wieder auf fünf Handkarten auf.

Ein Spiel voller Humor, Chaos und Haudrauf-Action

Eine Partie Superlemming endet, sobald ein Spieler sein gesamtes Kartenmaterial untergebracht hat. Keine Handkarten und der Nachziehstapel ist ebenfalls aufgebraucht? Dann endet das Spiel sofort und ihr könnt eure Siegpunkte zählen. Es gibt einen Punkt für jeden Orden, sowie für jeden aus dem Spiel genommenen Lemming. Für einen Durchlauf braucht ihr ungefähr zwanzig Minuten. Superlemming ist für zwei bis fünf Spieler ab acht Jahren geeignet. Das Spiel ist über Corax Games erschienen und kostet 22€.

Fazit: Nicht-Lustig – Superlemming erhält die Supernote im Test

Superlemming im Test: So schlägt sich das kuriose Brettspiel.

Macht euch davon frei, bei Superlemming alles bis ins Detail planen zu wollen. Wer ein Spiel mit vielen taktischen Finessen erwartet, ist bei diesem Spiel falsch. Superlemming lebt von seinem chaotischen Spielablauf, seinen spektakulären Kombinationen und natürlich von seinem tiefschwarzen Humor. Meine Züge habe ich nie von langer Hand vorbereitet. Es ist auch eigentlich fast unmöglich. Wenn ihr wieder am Zug seid, hat sich die Situation auf dem Spielfeld meistens so stark verändert, dass sämtliche Vorüberlegungen längst wieder hinfällig sind. Bei Superlemming ist ständig was los. Die Lemminge gehen gerne auf Wanderschaft, wechseln gerne auch mal die Todesklippe und zumindest vorübergehend sogar den Besitzer. Sicher hätte Superlemming auch ohne die Nicht-Lustig-Lizenz gut funktioniert. Aber sie ist eine gute Ergänzung und die Marke Nicht-Lustig passt toll zum Spieldesign. Wenn ihr über den Humor der Comics lachen könnt, werdet ihr auch mit Superlemming viel Freude haben. Ihr müsst aber keine Fans von Josha Sauers Zeichnungen sein, um mit diesem Spiel Spaß zu haben. Superlemming ist mehr als ein purer Fanservice, dafür hat das Spiel zu viel zu bieten.

PROS

CONS

+ mit Illustrationen von Josha Sauer

- wenig planbarer Ablauf

+ tiefschwarzer Humor

+ spektakuläre Effekt-Kombis

+ einfache Regeln

+ sehr viel Interaktion unter den Spielern

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