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Bei Spielbeginn ist der heilige Garten noch ziemlich leer. Schrittweise füllt ihr ihn mit den acht prachtvollen Pagoden.

Buddhistische Weisheiten mit 3D-Objekten

Tajuto im Test: Das kann der neue Knizia

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Tajuto entführt euch in das ferne Japan vor gut 1500 Jahren. Als buddhistische Mönche helft ihr beim Bau des heiligen Gartens.

Mit mehr als 20 Millionen verkauften Spielen ist Reiner Knizia einer der erfolgreichsten Brettspiel-Autoren überhaupt. Sein Output ist schier unglaublich. Weit über 700 Titel gehen bereits auf sein Konto. Zur SPIEL 2019 gab es natürlich wieder Nachschub. Knizia liefert. 

Bei Abacusspiele gab es seine Neuheit Tajuto zu sehen. Das Spiel reist in der Zeit rund 1500 Jahre zurück und führt euch ins ferne Japan. Der Buddhismus ist dort noch längst nicht so in der Glaubenskultur verankert wie heute. Da ist es natürlich besonders hilfreich, dass Prinz Shotoku als großer Unterstützer der Bewegung gilt. Er fördert den Bau eines buddhistischen Dorfes mit allem Drum und Dran. Geplant ist auch die Errichtung von acht Pagoden, prachtvollen Türmen mit sechs je Stockwerken. In Tajuto übernehmt ihr die Rolle von buddhistischen Mönchen, die sich um die Errichtung der Pagoden kümmern sollen.

Gemeinsam baut ihr den Garten des Dorfes stetig weiter aus. Es gibt viel zu erledigen. Die Pagoden werden Stockwerk für Stockwerk errichtet. Als Baumeister des Dorfes befruchtet sich eure Arbeit gegenseitig. Ihr setzt das Fundament einer Pagode, ein Mönchskollege setzt das nächste Stockwerk auf und ermöglicht somit den Bau der dritten Etage. Dennoch seid ihr auch Konkurrenten. Als Mönch versucht ihr, den höchsten Grad der Erleuchtung zu erreichen, um Wächter des heiligen Gartens und der acht Pagoden zu werden.

Pagodenbau in 3D

Das Leben als Mönch ist einfach und auf das Wesentliche reduziert. Möglicherweise ein Vorurteil? In Tajuto spiegelt sich diese Reduziertheit jedenfalls wider. Der Spielablauf ist klar strukturiert und euer Handlungsspielraum beschränkt sich auf ein paar wenige Möglichkeiten. Zunächst werdet ihr mit drei Aktionsplättchen ausgerüstet. Mit jedem Plättchen dürft ihr genau eine von drei Aktionen durchführen.

Bei Spielbeginn ist der heilige Garten noch ziemlich leer. Schrittweise füllt ihr ihn mit den acht prachtvollen Pagoden.

Am häufigsten werdet ihr die Aktionsplättchen dazu nutzen, um euch ein Pagoden-Stockwerk zu sichern. Die Stockwerke in Tajuto kommen in Form von 3D-Objekten ins Spiel. Insgesamt gibt es acht Pagoden, jede davon besteht aus sechs Stockwerken. Alle Objekte, immerhin 48 Teile, wandern zunächst ein einen blickdichten Beutel. Die Pagoden bauen sich pyramidenartig auf. Die Fundamente sind die größten Bestandteile des Gebäudes, nach oben hin werden die Stockwerke immer schmaler. Wollt ihr euch ein Stockwerk sichern, müsst ihr in den Beutel greifen und blind ein Element herausziehen.

Bauwerke ertasten

Beim Ziehen eines Stockwerks seid ihr also auch ein wenig auf euer Glück angewiesen. Die Größe des 3D-Elements könnt ihr mit etwas Fingerspitzengefühl gut ertasten. Allerdings spielt die Farbe der Pagode auch eine wesentliche Rolle. Die Bauwerke unterscheiden sich in ihrer Farbe und müssen getrennt von einander aufgetürmt werden. Habt ihr beim Ziehen aus dem Beutel etwas Pech, kann so das Bauvorhaben hinausgezögert werden.

Auf dem Meditationspfad verwaltet ihr eure Meditationspunkte. Diese müsst ihr geschickt in Erleuchtung umwandeln, um Wächter des heiligen Gartens zu werden.

Dabei ist der dauerhafte Ausbau der Pagoden von hoher Bedeutung, wenn ihr der Wächter des heiligen Gartens werden möchtet. Der Bau jedes Stockwerks bringt euch Meditationspunkte ein. Sie stellen eine Art Währung in Tajuto dar. Meditationspunkte könnt ihr reinvestieren, um weitere Plättchen zu kaufen oder zusätzliche Aktionen auszulösen. Je weiter oben sich das gebaute Stockwerk in der Pagode befindet, desto mehr Meditationspunkte werden ausgeschüttet.

Meditation der Mönche

Für das Fundament einer Pagode erhaltet ihr lediglich einen Meditationspunkt. Setzt ihr mit dem sechsten Stock den Schlusspunkt des Bauwerks, bekommt ihr gleich sechs Punkte gutgeschrieben. Dadurch wird das Vorantreiben des Turms zu einer pikanten Angelegenheit. Zwar braucht ihr die damit verbundenen Meditationspunkte wirklich dringend, anderseits ermöglicht ihr euren Mitspielern eine bessere Punkteausbeute.

Schrittweise erheben sich die Pagoden im heiligen Garten.

Ihr dürft eure Stockwerke allerdings auch nicht zurückhalten, um das Fortkommen der anderen Mönche zu boykottieren. Habt ihr ein passendes Stockwerk aus dem Beutel gezogen, müsst ihr es im Verlauf des Zuges auch einsetzen. Es steht euch aber natürlich frei, beim Ziehen der Bauteile ein wenig zu spekulieren. Möglicherweise kann es vorteilhaft sein, eines der oberen Turmstücke zu erfühlen, auch mit dem Wissen, es zunächst gar nicht anlegen zu können.

Erleuchtung finden

Wildes Spekulieren kann aber auch gefährlich sein. Ihr dürft euch höchstens ein Stockwerk auf Halde legen. Könnt ihr mehrere Bauteile nicht anlegen, wandern alle bis auf eines wieder zurück in den Beutel. Somit entgehen euch wertvolle Meditationspunkte. Ihr werdet sie dringend brauchen, um eurem eigentlichen Ziel näher zu kommen: der Erleuchtung. Im heiligen Garten liegt eine Reihe mit Weisheitsplättchen aus. Sie bringen euch Erleuchtungspunkte und können im Tausch gegen Meditationspunkte erworben werden.

Tajuto besteht tatsächlich nur aus drei Aktionen: Stockwerk ziehen, Opfer bringen und Plättchen erwerben

Dabei zahlt sich Schnelligkeit aus. Je früher ihr euch die Weisheitsplättchen zulegt, desto besser fällt das Tauschverhältnis von Meditations- zu Erleuchtungspunkten für euch aus. Plättchen könnt ihr allerdings nicht einfach so ohne weiteren Aufwand zulegen. Jeder Kauf zählt als Aktion. Um zusätzlich zum Kauf eines Plättchens noch ein Stockwerk aus dem Stoffbeutel zu ziehen, müsst ihr also euer zweites Aktionsplättchen aktivieren. Der Einsatz dieses zweiten Plättchens muss allerdings mit zwei zusätzlichen Meditationspunkten bezahlt werden. Wollt ihr gar noch euer drittes Aktionsplättchen einsetzen, kostet dies sogar weitere sechs Meditationspunkte.

Aller Anfang ist schwer

Das stellt euch besonders am Anfang des Spiels vor eine ganze besondere Herausforderung. Da ihr für den Bau der unteren Pagoden-Etagen zunächst nur sehr wenige Meditationspunkte erhaltet, seid ihr chronisch knapp bei Kasse. Jede Investition will gut überlegt sein. Das führt leider dazu, dass ihr in euren Handlungsmöglichkeiten doch ziemlich beschränkt seid. In den ersten Spielrunden zieht ihr zwangsweise nur Stockwerke aus dem Beutel und legt sie im Garten an, bevor ihr den Zug auch schon wieder beendet.

Eine Pagode könnt ihr fertigstellen, indem ihr das sechste Stockwerk aufsetzt.

Die meditative Kasse könnt ihr etwas aufbessern, indem ihr in den halbfertigen Pagoden Opfer erbringt. Für jede Pagode erhaltet ihr schon zu Beginn des Spiels ein farblich passendes Opfer in Form eines kleinen Holzwürfels. Dieses Opfer dürft ihr auf das oberste Stockwerk der Pagode legen. Euer Einsatz wird euch umgehend gedankt, indem ihr ein paar Extra-Meditationspunkte bekommt. Auch hier gilt, je weiter oben der Holzwürfel eingesetzt wird, desto mehr Punkte bekommt ihr raus. Einen kleinen Bonus erhaltet ihr auch, wenn ihr ein Stockwerk überbaut, auf dem bereits ein Opfer liegt. Möglicherweise helft ihr mit eurem Opfer also auch einem eurer Mönchskollegen.

Tajuto nimmt langsam Fahrt auf. Wenn sich die Pagoden allmählich im heiligen Garten erheben, sammeln sich auf eurem Konto immer mehr Meditationspunkte an. Jetzt beginnt die spannende Phase des Spiels. Ihr tauscht Punkte gegen Weisheitsplättchen ein und bedient euch zudem an weiteren Vorteilsplättchen aus einer offenen Auslage. Der Kauf eines Marktplättchens etwa kann sich schnell rentieren. Jedes weitere Plättchen, egal welcher Art, kostet euch ab sofort zwei Meditationspunkte weniger. Oder lohnen sich am Ende vielleicht doch die Heiligtümer mehr? Sie erhöhen den Erleuchtungswert der meisten Plättchen am Spielende um einen Punkt. Egal, wie ihr euch entscheidet, ihr solltet in jedem Fall nicht zu lange zögern. Alle Plättchen im Spiel sind nur stark begrenzt vorhanden.

Wetten, dass…?

Neben den Weisheits- und Vorteilsplättchen könnt ihr euch zudem auch noch weitere Aktionsplättchen zulegen. Mit ihnen könnt ihr zusätzliche Aktionen entweder kostenlos oder zu einem günstigen Kurs durchführen. Erst durch die Nutzung dieser Zusatzaktionen kann ein Zug auch mal über eine etwas längere Zeit am Laufen gehalten werden. Jetzt entstehen effektive Kombinationen, die euren Meditationspunktestand in die Höhe schnellen lassen.

Der heilige Garten in seiner ganzen Pracht

Die neu gewonnen Ressourcen müssen dann nur noch in Erleuchtung umgewandelt werden. Hier stellen die Einweihungsplättchen eine weitere Option dar. An jedem Pagodenbauplatz liegt ein solches Plättchen aus. Indem ihr das Plättchen erwerbt, geht ihr eine Wette ein. Nur wenn die dazugehörige Pagode auch tatsächlich mit dem sechsten Stockwerk abgeschlossen wird, erhaltet ihr weitere Erleuchtungspunkte.

Die Partie endet, sobald die vierte Pagode fertiggestellt wurde. Wenn ihr nun mehr Erleuchtungspunkte gesammelt habt als alle anderen Spieler, werdet ihr zum Wächter des heiligen Gartens ernannt. Für einen Durchlauf solltet ihr ungefähr eine Stunde Spielzeit einplanen. Tajuto ist für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren geeignet. Das Spiel ist ab sofort im Handel verfügbar und kostet etwa 50€.

Fazit: Diese Wertung bekommt Tajuto

Die ersten Spielzüge von Tajuto rufen eine gute Portion Skepsis hervor. Das Spiel läuft mehr als schleppend und in meinen Handlungsmöglichkeiten fühle ich mich doch arg beschränkt. Spiele ich schon… oder werde ich gespielt? Am Anfang bleibt den Mönchen wenig anderes übrig, als stumpf ein Fundament nach dem anderen aus dem Stoffbeutel zu fischen, um überhaupt ein paar Meditationspunkte zu bekommen. Nach ein paar Runden kommt das Spiel dann aber doch in die Gänge und entwickelt dabei eine spannende Dynamik. Es entsteht ein spannendes Wettrennen um die besten Plättchen im Spiel. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Die Plättchen werden immer teurer und sind zudem schon bald ganz vergriffen. Wenn ihr eure Meditationspunkte geschickt investiert, erweitern sich eure Handlungsmöglichkeiten schon recht bald. Riesige Aktionsvielfalt dürft ihr von Tajuto aber nicht erwarten. Das Spiel besteht tatsächlich aus gerade einmal drei unterschiedlichen Aktionen: Stockwerk ziehen, Opfer bringen und Plättchen erwerben. Doch gerade aus dieser Reduziertheit zieht das Spiel auch seinen Reiz. Mit den einfachen Mitteln eines Mönches gilt es, das beste aus seinen wenigen Möglichkeiten rauszukitzeln. Das Spiel zieht gerade auf der Schlussgeraden richtig an. Haltet also die etwas träge Anfangsphase durch, es lohnt sich.

PROS

CONS

+ wertiges Spielmaterial

- spielt sich am Anfang träge

+ spannendes Wettrennen um die besten Plättchen

- wenige Aktionsmöglichkeiten

+ auch sehr gut zu zweit spielbar

+ nimmt am Spielende ordentlich Fahrt auf

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