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Tekhenu erscheint über Giant Roc und ist ab sofort für 50-60€ zu haben.

Giant Roc macht Ernst und veröffentlicht mit Tekhenu ein spielerisches Schwergewicht

Tekhenu im Test: Das Brettspiel für Taktik-Experten

  • VonSebastian Hamers
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Die Brettspiel-Nerds von Giant Roc sind bekannt für anspruchsvolle Strategietitel. Mit Tekhenu machen sie ihrem Ruf wieder einmal alle Ehre.

  • für 1-4 Spieler ab 12 Jahren
  • Autoren: Daniele Tascini und David Turczi
  • Verlag: Giant Roc
  • Spieldauer: 60-120 Minuten
  • Preis: ca. 50-60€

Kennt ihr solche Leute? Sie behaupten, dass sie Brett- und Kartenspiele lieben und nennen dann in einem Atemzug Titel wie Uno, Monopoly oder Risiko als ihre Favoriten. Pfff… bitte weiterklicken, es gibt hier nichts zu sehen. Die Spiele von Giant Roc richten sich an die Brettspiel-Nerds, denen ein Spiel nicht komplex genug sein kann. Sie sind für Spieler, die sich ganz tief in komplexe Mechaniken einfuchsen und sich ein Spiel hart erarbeiten wollen. Check, Check, Check und Doppel-Check? Dann herzlich Willkommen, hier seid ihr richtig. Bereits vor einigen Monaten haben wir mit Saloon Tycoon ein Spiel von Giant Roc unter die Lupe genommen, das sich noch vergleichsweise zugänglich spielt. Jetzt liegt Tekhenu von Daniele Tascini und David Turczi vor uns, das in Sachen Komplexität in einer ganz anderen Liga spielt. Das lässt schon der erste Blick in die Anleitung erahnen, die schlanke 32 Seiten umfasst.

Lasst euch vom reinen Umfang des Regelwerks aber nicht gleich ins Bockshorn jagen. Es braucht zwar eine Weile, um startklar für die erste Partie zu werden, aber insgesamt lassen sich die Regeln gut verinnerlichen. Es sind vielmehr die zahlreichen fein verzahnten Mechaniken, die Tekhenu so schwer beherrschbar machen. Bevor ihr das Spiel meistert, werden daher vermutlich viele Partien vergehen. Einen todsicheren Masterplan für den Sieg werdet ihr aber ohnehin nicht finden, da sich das Spiel im Verlauf dynamisch verändert.

Tekhenu entführt euch in das Alte Ägypten

Thematisch siedelt sich Tekhenu im Alten Ägypten an. Ihr nehmt dabei die Position von hohen Beamten ein, die eine Region des ägyptischen Imperiums bewirtschaften. Auf ein gemeinsames Schaffen zum Wohle der Gesellschaft solltet ihr dabei nicht spekulieren. Ganz im Gegenteil, jeder verfolgt seine eigene Agenda und versucht seine Rivalen auszustechen. Der Konkurrenzdruck ist immens, in Tekhenu werden euch regelmäßig die besten Spieloptionen vor der Nase weggeschnappt. Wählt eure Möglichkeiten also wohl und bedacht.

Das 3D-Modell steht im Mittelpunkt von Tekhenu und nimmt auch spielerisch eine zentrale Rolle ein.

Leichter gesagt als getan, denn die Möglichkeiten sind vielfältig. Im Zentrum des Spiels steht das schicke 3D-Modell eines Sonnenobelisken. Die große Steinsäule steht nicht nur räumlich zentral auf dem Spielfeld, sondern nimmt auch spielerisch eine bedeutsame Rolle ein. Das Gebiet um den Obelisken herum ist in sechs Felder unterteilt, die jeweils einem ägyptischen Gott zugeordnet sind. Bei Spielbeginn werden gleich anderthalb Dutzend verschiedenfarbige Würfel rund um den Sonnenobelisken verteilt. In jeder Runde nehmt ihr einen dieser Würfel an euch, um damit eine Aktion durchzuführen.

Tekhenu unter dem Einfluss des Sonnenlichts

Geht es um die Wahl des Würfels, ist sowohl die Farbe als auch die gewürfelte Augenzahl relevant. Die Bedeutung der Farbe eines Würfels verändert sich permanent. Je nach Spielsituation kann ein Würfel entweder als rein oder als verdorben gewertet werden. Im Spielverlauf versucht ihr die Augenzahlen der reinen und verdorbenen Würfel, die ihr euch angeeignet habt, möglichst ausgeglichen zu gestalten. Gerät das Verhältnis mal zu sehr in die Schieflage, werdet ihr mit dicken Abzügen bei den Siegpunkten bestraft. Einige Würfel gelten zeitweise gar als verboten und sind somit für euch tabu.

Durch die Wanderung der Sonne kommt es bei Tekhenu ständig zu großen Veränderungen.

Die Situation ändert sich allerdings stetig. Der Sonnenobelisk rotiert immer wieder um die eigene Achse. Dadurch verändert sich der Sonneneinfall auf die umliegenden Würfel. Plötzlich liegen Würfel nicht mehr in der prallen Sonne, sondern wandern in den Schatten oder gar in die vollkommene Dunkelheit. Dadurch verändert sich der Zustand der Würfel. Die Attribute rein, verdorben und verboten gelten also nur temporär. Die Augenzahlen hingegen trotzen dem Lichtspiel und lassen sich nur durch den Einsatz einer weiteren Ressource verändern: dem Schreiber. Die Höhe des Würfels ist natürlich ebenso nicht ganz unwichtig und steht in Tekhenu gewissermaßen für die Aktionsstärke.

Göttervielfalt in Tekhenu

Habt ihr euch für einen Würfel entschieden, führt ihr damit eine Aktion aus. Die sechs wichtigsten Aktionen sind jeweils einem ägyptischen Gott zugeordnet. Die Horus-Aktion gewährt euch den Bau einer Statue, die ihr zu Ehren eines der sechs Gottes errichtet. Führt nun ein Mitspieler eine Aktion dieses Gottes durch, könnt ihr an dessen Gunst partizipieren. Es gibt noch weitere Bauplätze für Statuen, die eure Siegpunkt-Ausbeute in den Wertungsphasen verbessern können. Hier zeigt sich die Komplexität von Tekhenu wunderbar. Mit dem Bau von Statuen in der Tempelanlage könnt ihr viele Siegpunkte ergattern. Diese werden aber nach einem speziellen System vergeben und sind zudem abhängig vom Bau von Säulen, die ihr wiederum für eine andere Götteraktion erhaltet. Damit muss man erstmal klarkommen. Nach ein oder zwei Partien ist die Mechanik verinnerlicht. Wer sich zunächst mit der Situation überfordert fühlt, muss sich aber nicht grämen. Wir reden von einem echten Expertenspiel.

In Tekhenu könnt ihr sechs altägyptischen Göttern huldigen.

Die eben bereits erwählten Säulen kommen ins Spiel, wenn ihr mit einem Würfel dem Gott Re huldigt. Selbstverständlich klatscht ihr die Säulen auch hier nicht einfach so in die Tempel-Landschaft. Ihr setzt die Säule zunächst auf ein Fundament, das entweder einen sonnigen, eine schattigen oder einen dunklen Untergrund besitzt. Befindet sich die Götteraktion des Re gerade im passenden Sonneneinfall des Obelisken, winkt euch eine mächtige Sonderaktion. Doch damit nicht genug. Weiterhin könnt ihr die Fundamente auf der Tempelanlage noch so verbauen, dass die Ränder mit den Außenkanten der Terrains oder anderen Plättchen übereinstimmen, um weitere Boni herauszukitzeln. Tekhenu ist ein riesiger Spielplatz für Optimierer.

Tekhenu: Nichts für Weicheier

Ihr seht schon worauf das Ganze hinausläuft. Einfach mal so locker flockig eine Aktion aus dem Bauch heraus tätigen, das funktioniert in Tekhenu nicht. Alle Aktionen und Möglichkeiten sind fein miteinander verzahnt. Das Prinzip zieht sich durchgängig durch alle sechs Götteraktionen. Setzt ihr einen Würfel bei Hathor ein, errichtet ihr Gebäude für das Volk. Diese liefern euch nicht nur Siegpunkte – natürlich wiederum abhängig von diversen Gegebenheiten auf dem Spielfeld -, sondern steigern auch eure Population. Mit steigender Bevölkerungszahl schaltet ihr spezielle Karten frei, die euch weitere Vorteile im Spiel verschaffen.

Die Mechaniken von Tekhenu sind fein miteinander verzahnt: ein riesiger Spielplatz für Optimierer.

Setzt ihr einen Würfel beim Gott Bastet ein, sorgt ihr dafür, dass euer Volk zufriedener wird. Das Volk dankt es euch mit bis zu zwei Schreibern, einer zusätzlichen Aktion oder dem ein oder anderen Goldstück, das in Tekhenu als Joker-Ressource fungiert. Die Zufriedenheit wird aber auch noch an anderer Stelle im Spiel relevant, nämlich wenn ihr die Götteraktion des Thoth wählt. Mit Thoth erhaltet ihr Zugriff auf das oben schon erwähnte Kartenmaterial. Je zufriedener euer Volk mit eurer Arbeit ist, desto größer ist der Bereich, aus dem ihr nun Karten an euch nehmen dürft.

Ressourcenproduktion in Tekhenu

Bleibt noch die göttliche Aktion des Osiris, die euch Werkstätten oder Steinbrüche herstellen lässt. Mit der Macht des Osiris lasst ihr euer Volk die ganze Drecksarbeit für euch erledigen. Die ganze Aktion kann vollkommen ohne weitere Ressourcen durchgezogen werden, die ganze Last ruht auf den Schultern der Arbeiter. Lediglich die Zufriedenheit des Volkes geht auf diese Weise etwas in die Knie. Ihr solltet diese Aktion also nicht zu oft aktivieren. Nützlich ist die Kraft von Osiris aber allemal, schließlich erhöht sich die Produktivität für bestimmte Ressourcen dauerhaft.

Selbstverständlich müsst ihr Tekhenu auch noch eure Population mehren und zufriedenstellen.

Für die Ressourcenproduktion müsst ihr keinem der Götter huldigen, aber dennoch einen Würfel einsetzen. Diesmal ist auch die Farbe des Würfels wieder von Bedeutung. Je nach gewählter Farbe wird nun Papyrus, Brot, Kalkstein oder Granit hergestellt. Alle Ressourcen werdet ihr später reichlich brauchen, um damit eure anderen Aktionen zu bezahlen.

Nach genau 16 Zügen endet das Spiel und der Spieler mit dem meisten Siegpunkten wird zum Sieger gekürt. In der Zwischenzeit wird sich der Sonnenobelisk mehrfach gedreht haben, ebenso wurden diverse Zwischenwertungen durchgeführt. Die Spieldauer hängt stark von der Zahl der Mitspieler ab. Pro Spieler solltet ihr eine gute halbe Stunde einplanen. Tekhenu kommt über Giant Roc in den Handel und kostet rund 50-60€.

Fazit: Komplexe Mechaniken, tolles Material und strategische Spieltiefe verhelfen Tekhenu zu dieser ingame-Wertung

Komplexe Mechaniken, tolles Material und strategische Spieltiefe verhelfen Tekhenu zu dieser ingame-Wertung.

Nein, als Einstieg in die wunderbare Welt des Brettspiels ist Tekhenu keine Empfehlung. Das Werk von Giant Roc richtet sich an echte Strategen, die sich ganz tief in fein verzahnte Spielmechaniken einarbeiten wollen und sich nicht durch ein umfangreiches Regelwerk abschrecken lassen. Als Tekhenu zum ersten Mal auf dem Tisch stand, schoss mir nur ein Gedanke durch den Kopf: „Was zur Hölle… Ich habe absolut keine Ahnung, was ich jetzt machen soll.“ Ist der erste Schrecken aber erst einmal abgelegt, erschließt sich die Logik hinter Tekhenu langsam und Stück für Stück. Es dauert eine ganze Weile bis der Knoten geplatzt ist, doch dann entblättert sich das tolle Spielgefühl in seiner ganzen Breite. Tekhenu ist nicht der eingängige Popsong aus der Dieter-Bohlen-Fabrik, sondern eher das feinfühlige Meisterwerk eines brillanten Jazzmusikers, das mit jedem weiteren Anhören reift. Dazu steuert die Spielmechanik sicherlich den größten Teil bei. Die thematische Aufbereitung kann da nicht ganz mithalten. So richtig in den Bann gezogen hat mich das Alte Ägypten nicht. Vermutlich war ich wohl zu sehr mit den spieltechnischen Feinheiten von Tekhenu beschäftigt, um mich wirklich als Diener des Pharaos zu fühlen. Keine Blöße gibt sich der Giant-Roc-Titel dafür in Sachen Spielmaterial. Die Qualität ist absolut hochwertig, besonders das 3D-Modell des Obelisken macht natürlich eine Menge her. Der Preis von 50€ geht auf jeden Fall voll in Ordnung, zumal Tekhenu das Potenzial für viele lange Spieleabende mitbringt.

ProCon
+ taktisch sehr anspruchsvoll- erfordert etwas Einarbeitungszeit
+ tolles Spielmaterial mit 3D-Sonnenobelisk- stellenweise etwas zu verschnörkelt
+ mit Regeln für Solomodus
+ bietet sehr viele Möglichkeiten für Optimierer
+ fein verzahnte Spielmechaniken

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