Test: Bärenpark

  • VonSebastian Hamers
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In den letzten Monaten tauchten zahlreiche Brettspiele mit Puzzleelementen im Handel auf. Nach Ein Fest für Odin, Cottage Garden oder Patchwork bringt Lookout jetzt mit Bärenpark ein eigenes Spiel in diesem Genre heraus. Autor des Spiels ist Phil Walker-Harding, der zuletzt mit Cacao oder auch Imhotep auf sich aufmerksam machen konnte. Entsprechend vorfreudig hat die Brettspiel-Szene auf dieses Spiel gewartet. Wir haben das Spiel für euch auf den Prüfstand gestellt.

Der Name des Spiels verrät bereits, worum es geht. Jeder der 2-4 Spieler versucht seinen eigenen Bärenpark möglichst schön zu gestalten. Dazu gehören neben den Tierhäusern und Außengehegen auch Spielplätze, Wasserwege, Imbissbuden und Toiletten.

Ein Herz für Bären

Im Spiel könnt ihr euch unterschiedlichen Bärenarten annehmen und ihnen in eurem Park ein neues Zuhause bieten. Gehege und Tierhäuser könnt ihr für Gobibären, Pandas, Eisbären und Koalas errichten. Obwohl letztere gar nicht zur Gruppe der Bären, sondern zu den Beuteltieren gehören, wie uns die sechsseitige Anleitung erklärt.

Das Spielmaterial besteht überwiegend aus Plättchen unterschiedlicher Größen und Formen. Mit diesen Teilen werdet ihr im Verlauf des Spiels euren Park zusammenpuzzeln. Zuvor werden die Einzelteile allerdings auf dem großen Vorratsplan sortiert. Jede Art von Plättchen findet hier seinen rechten Platz. Auf jedem Plättchen findet ihr auch eine Zahl wieder, für die es am Ende des Spiels Siegpunkte gibt.

Schnell sein lohnt sich

Die Ziffern auf den Plättchen werden nach unten hin jedoch immer kleiner. Es lohnt sich also, seinen Park möglichst schnell hochzuziehen. Gibt es für ein Bärengehege oder eine Grünfläche zu Spielbeginn noch hohe Punktzahlen, rentiert sich der Bau im späteren Verlauf immer weniger.

Am Anfang sieht eurer Park noch ziemlich kahl und unattraktiv aus, er ist eine einzige Baustelle. Jeder von euch beginnt mit einer quadratischen Ablagefläche, die euren Park darstellt. Später könnt ihr eure Anlage auf bis zu vier dieser Flächen erweitern. Doch dazu müsst ihr erst bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Ihr beginnt das Projekt Bärenpark mit einem einzigen Plättchen aus der Auslage. Mit diesem Plättchen versucht ihr nun Symbole abzudecken, die auf der Ablagefläche abgedruckt sind. Für jedes zugedeckte Symbol dürft ihr eine Aktion ausführen. Mal nehmt ihr euch eine Grünfläche (Toilette, Imbissbude, Spielplatz oder einen Wasserweg) vom Vorratsplan, mal gibt es ein Tierhaus oder auch ein Außengehege. Deckt ihr das kleine Feld mit dem Bauarbeitertrupp ab, erweitert ihr euren Park um eine zusätzliche Ablagefläche. Zusätzlich gibt es noch eine Baugrube, die nicht abgedeckt werden darf. Ihr müsst um dieses Feld also herumpuzzeln.

Eingängiges Regelwerk

Nach dem Legen eines Plättchens und dem Ausführen der Aktion, könnt ihr jetzt im dritten Schritt noch eine Bärenstatue ergattern, die euch weitere Siegpunkte einbringt. Eine Statue bekommt ihr immer dann, wenn ihr ein quadratisches Ablagefeld komplett mit Puzzleteilen abgedeckt habt. Auch hier gilt wieder: schnell sein, lohnt sich. Je früher ihr eine Statue erhaltet, desto mehr Punkte bringt sie euch ein.

Die Regeln von Bärenpark sind also wirklich kinderleicht. Ein wenig komplexer wird das Spiel, wenn ihr mit dem Zusatzmodul spielt. Dieses bringt euch bestimmte Aufträge, die ihr erfüllen könnt, um Bonuspunkte zu sammeln. Punkte gibt es etwa, wenn ihr drei Plättchen mit einer bestimmten Bärenart in eurem Park ausgelegt, eine Reihe von drei Imbissbuden gebaut oder auch einen Fluss mit drei Wasserwegen gebastelt habt. Wieder gilt hier die Regel: Je schneller ihr das Ziel erfüllt habt, desto mehr Punkte gibt es.

Kniffliger als gedacht

Was auf dem Papier ziemlich einfach aussieht, ist in der Praxis manchmal ganz schön knifflig. Die wahre Herausforderung liegt im maßgeschneiderten Anlegen der einzelnen Plättchen. Damit steht ihr jedes Mal aufs Neue vor einer echten Entscheidung. Wie lege ich mein Puzzlestück an? Welches Teil brauche ich für meinen nächsten Zug? Auch die Aktionen der Gegenspieler sind bei euren Überlegungen relevant. Schließlich wird Schnelligkeit mit einem nicht gerade geringen Punktevorteil belohnt.

Bringt ihr gar das Zusatzmodul ins Spiel, erweitern sich die Möglichkeiten nochmals. Mit den Auftragsplättchen lassen sich viele Zusatzpunkte gewinnen, die im Spiel durchaus über Sieg oder Niederlage entscheiden können. Das macht die Frage nach dem wann und wie wieder ein Stück komplizierter, aber auch reizvoller.

Geringe Interaktion unter Parkbesitzern

Bärenpark ist mit den Aufträgen jedenfalls deutlich fordernder und sorgt dafür, seine Strategien beim Parkausbau immer wieder zu überdenken und neue Wege zu probieren. Mit dem Auftragsmodul müsst ihr auch noch mehr auf die Bauweise der Gegner achten, um möglichst viele Punkte abzusahnen. Ansonsten ist die Interaktion untereinander eher gering. Es geht wirklich nur darum, so schnell wie möglich bestimmte Ziele zu erreichen. Eine Möglichkeit, seinen Mitspielern direkt in die Suppe zu spucken, gibt es nicht. Somit könnte man Bärenpark vielleicht sogar ein wenig vorwerfen, zu solitärmäßig zu sein.

Angesichts der sonstigen Qualitäten des Spiels, mag man diesen kleinen Makel aber auch vielleicht verzeihen. Es gibt außerdem auch sicherlich Spielertypen, die gerade diese wenig konflikthafte Spielweise ohnehin bevorzugen und dafür gerne auf mehr Interaktion verzichten.

Bärenpark ist im Verlag Lookout-Spiele erschienen und steht bereits im Handel. Zwei bis vier Parkbesitzer können am Spiel teilnehmen. Eine Partie dauert etwa 30-45 Minuten. Preislich bewegt sich Bärenpark zwischen 30€ und 35€.

Pros

Cons

Fazit

Die Spiele von Phil Walker-Harding zeichnen sich durch ihre Zugänglichkeit aus, ohne dabei langweilig oder gar belanglos zu sein. Dieser Spagat ist dem Spieleautor auch bei Bärenpark wieder exzellent geglückt. Die Regeln habt ihr in ein paar Minuten intus. Trotzdem bietet das Spiel zahlreiche Möglichkeiten, um an eine hohe Punkteausbeute zu gelangen. Ich empfehle euch auf jeden Fall, das Auftragsmodul schnell ins Spiel zu integrieren. Es bringt so viel mehr Komplexität ins Spiel. Außerdem bereitet es diebische Freude, den Mitspielern ein hochwertiges Plättchen vor der Nase wegzuschnappen. Das Kernelement des Puzzelns funktioniert super. Mit Eifer haben wir versucht, das Beste aus den Möglichkeiten rauszuholen. An einem Zug kann man sicher problemlos eine längere Zeit tüfteln. Das ist nicht für alle Spielrunden ein Vorteil. Habt ihr ein oder zwei grüblerische Naturen in der Gruppe, wird das Legen zum Geduldsspiel. Ansonsten gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung, wenn ihr nach einem Brettspiel sucht, das Gelegenheitsspieler und Spielekenner gleichermaßen anspricht.

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