Test: Chickwood Forest

  • VonSebastian Hamers
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Chickwood Forest bedient sich der Sage um Robin Hood und seinen tollkühnen Freunden. Das Brettspiel nimmt es mit der Auslegung der Legende aber nicht ganz so genau, sondern setzt auf ein von Vögeln dominiertes Szenario. Statt der gut betuchten Bürger von Nottingham schwingen hier die adligen Adler das Zepter. Sie beuten gnadenlos die armen Landhühner aus, für die kaum noch ein Körnchen übrigbleibt. Als Rächer des Volkes tritt Robin Hahn auf, der auch seine holde Maid Marihenn mit ins Spiel bringt.

Die Verpackung und auch die grafische Gestaltung von Chickwood Forest könnten vielleicht den Eindruck vermitteln, es handle sich um ein Brettspiel für eine jüngere Zielgruppe. Weit gefehlt, Chickwood Forest bietet eine breite Palette an taktischen Möglichkeiten an. Der gewisse Chaosfaktor kommt aber dennoch nicht zu kurz.

Hühnerspähtrupp im Schloss

In Chickwood Forest müsst ihr in mehreren Runden jeweils drei Phasen durchlaufen. Bevor es auf Beutezug geht, späht ihr erst einmal die Schlösser der Adligen aus. Diese haben gleich mehrere Funktionen im Spiel. Sie legen etwa die Reihenfolge der Spieler fest. Deshalb zieht zu Spielbeginn jeder schon seine erste Schlosskarte. Jede dieser Karten ist mit einer Ziffer versehen. Es beginnt der Spieler mit dem niedrigsten Kartenwert. Die restlichen Schlösser werden nach ihrem Wert sortiert und stapelweise in einer Reihe ausgelegt.

Jetzt kann das Spähen endlich beginnen. Im Grunde seid ihr es jedoch letztlich selbst, die festlegen, welche Beutestücke in welchem Schloss landen. Dazu bekommt ihr je drei Schatzkarten auf die Hand. Diese legt ihr nun reihum an die ausgelegten Schlosskarten an. Um ein wenig Verwirrung zu stiften, werden die Schätze mal offen und mal verdeckt angelegt. So bleibt die Beute in den Schlössern meist ein kleiner Unsicherheitsfaktor für alle Spieler.

Auf Beutezug

Sobald die ganzen Schätze in den Schlössern deponiert wurden, kann das Plündern auch schon losgehen. Der Beutezug geht ganz einfach vonstatten, jeder Spieler nimmt sich einfach eine Schlosskarte mit seinen sämtlichen Schätzen. Die Reihenfolge, in der das Schloss und somit auch die Beute gewählt wird, richtet sich wieder nach den zuvor gezogenen Schlosskarten. Habt ihr das Schloss mit der Nummer eins gezogen, dürft ihr auch zuerst auf Beutezug gehen.

In der folgenden Runde wird sich dieser Ablauf wiederholen. Es werden dann jedoch die gewählten Schlosskarten der letzten Runde herangezogen, um die Spielerreihenfolge zu ermitteln. Da wäre es natürlich ganz schick, sich auch in diesem Durchlauf wieder eine niedrige Schlosskarte auszuwählen. Leider sind gerade die Schlösser mit den niedrigen Ziffern bezüglich der Beute limitiert. An diesen könnt ihr nun eine beschränkte Anzahl von Schätzen anlegen. Das schmälert die Beute, sichert euch dafür aber früheren Zugriff auf den nächsten Plünderzug.

Die Schätze des Adels

In den Adelsschlössern gibt es für Robin Hahn und seine Freunde einiges zu holen. Unter anderem könnt ihr dort so manchen Wohltäter befreien. Die Wohltäter machen sich nach ihrer Befreiung direkt auf den Weg in die umliegenden Dörfer, um ihre Almosen an die Landhühnchen zu verteilen.

Die Wohltäter bringen euch Siegpunkte ein. Bevor ihr abkassiert, müsst ihr die Almosen der Wohltäter allerdings erst in einem taktischen Spiel im Spiel einsetzen. Neun Dorfkarten werden zufällig in einem 3x3-Raster ausgelegt. Zählt jetzt die Almosen zusammen, die ihr durch die Wohltäter in dieser Runde ergaunert habt. Die Almosen müsst ihr nun in einer durchgehenden Linie auf den Dorfkarten verteilen. Beginnt auf einer beliebigen Dorfkarte und hinterlasst dort ein Almosen. Zieht dann weiter ins nächste Dorf und hinterlasst auch dort eine milde Gabe. Dies führt ihr so lange fort, bis alle Almosen ausgelegt wurden oder kein weiterer Zug mehr möglich ist. Dabei ist darauf zu achten, dass keine Dorfkarte mehr als einmal betreten werden kann.

Auf jede Dorfkarte passen zudem nur eine begrenzte Anzahl von Almosen. Sind alle Plätze belegt, kann dieses Feld nicht mehr betreten und auch nicht mehr überquert werden. Da diagonale Züge nicht erlaubt sind, kann euch das schon mal vor Schwierigkeiten stellen. Die Herausforderung wird zusätzlich durch die beiden Waldkarten erhöht, die sich unter die Dorfkarten gemischt haben. Waldflächen müsst ihr bei eurer Tour durch die Dörfer umschiffen. Sie können nicht betreten werden.

Jede Dorfkarte stellt euch eine limitierte Anzahl an Plätzen für die Almosen bereit. Diese sind reihenförmig angeordnet. Die Almosen legt ihr immer von links nach recht und von oben nach unten aus. Sobald auf dem ersten Feld einer Reihe eine milde Gabe platziert wurde, gilt diese als freigeschaltet. Nur freigeschaltete Reihen werden am Spielende mit Siegpunkten entlohnt. Habt ihr selbst auf einer Dorfkarte die meisten Almosen verteilt, dürft ihr die Reihe mit den meisten Siegpunkten für euch werten. Die anderen Spieler folgen dann entsprechend, je nachdem wie viele Almosen sie ausgelegt haben.

Schlossplünderung mit Stil

In den Schlössern der adligen Adler gibt es aber natürlich noch mehr zu holen. Vier unterschiedliche Arten von Truhen könnt ihr räubern. Bei der Auswertung bringt euch aber nur die Truhensorte Punkte ein, von der ihr die meisten gesammelt habt. Multipliziert die Zahl der gesammelten Truhen dieser Sorte mit sich selbst und kassiert entsprechend Siegpunkte. Für alle anderen Truhen gibt es allerdings wieder einen Punkt Abzug. Am besten sammelt ihr also nur Truhen einer Sorte, aber das ist gar nicht mal so einfach.

Weiterhin könnt ihr noch ein paar wertvolle Gewänder stehlen. Auch hier gibt es wieder vier verschiedene Ausführungen. Ganz anders als bei den Truhen, wollt ihr hier jedoch möglichst viele verschiedene Sorten sammeln. Pro Gewandtyp bekommt ihr fünf Siegpunkte. Ziemlich einfach ist die Abrechnung bei den Schmuckstücken. Hier gibt es drei verschiedene Varianten mit Werten zwischen zwei und vier. Für jedes Schmuckstück gibt es den entsprechenden Wert in Siegpunkten.

Die holde Maid Marihenn

Ganz besonders begehrt ist Maid Marihenn, die ihr aus den Schlössern entführen könnt. Marihenn belohnt jede unterschiedliche Schatzart, egal ob Gewand, Schmuck oder Truhe, mit einem Bonuspunkt. Im gesamten Spiel befinden sich drei Maiden, jeder Spieler kann jedoch nur eine Marihenn für sich nutzbar machen. Zu guter Letzt findet ihr in den Schlössern noch einige Schergen, die ihr aber möglichst nicht einsammelt. Sie bringen euch nur Minuspunkte ein.

Für fortgeschrittene Spieler bietet Chickwood Forest noch ein paar Sonderkarten an, die ihr optional integrieren könnt. Das Fernglas gewährt euch einen Blick unter verdeckte Karten, mit einem Schlüssel könnt ihr die Wahl des Schlosses bei einem Mitspieler manipulieren, der Gaukler lässt euch Almosen vertauschen, mit dem Goldenen Pfeil könnt ihr Schätze mit Mitspielern tauschen und ein falscher Bart übergibt eine Schergenkarte an einen Konkurrenten.

Chickwood Forest ist für zwei bis fünf Spieler ab zwölf Jahren geeignet. Ein Spiel dauert etwa 45 Minuten. Erschienen ist Chickwood Forest über den Zoch-Verlag. Kostenpunkt: ca. 15-18€.

Pros

Cons

Fazit

Chickwood Forest ist wahrlich kein Spiel für kleine Kinder. Das Spiel ist ein schon etwas kleinteilig, Siegpunkte lassen sich auf vielfältige Art und Weise generieren. Das macht Chickwood Forest in den ersten Partien etwas unübersichtlich und sperrig. Zunächst entsteht viel Spielspaß durch den chaotischen Anteil im Spiel. Mit zunehmender Spielerfahrung spielt dann aber die Taktik eine größere Rolle. Insgesamt findet Chickwood Forest eine gelungene Mischung aus Glück und Strategie, bei dem sich so manches Überraschungsmoment dazwischen mogelt. Das Spiel zu zweit, für das ein paar Sonderregeln notwendig sind, kann nicht das volle Potenzial aus Chickwood Forest herauskitzeln. Dafür gewinnt das Spiel mit steigender Teilnehmerzahl. Am besten spielt es sich tatsächlich mit vier oder gar fünf Spielern. Chickwood Forest ist für Spieler geeignet, die gerne taktisch vorgehen, sich aber auch gerne mal von einer Spur Unkontrollierbarkeit überraschen lassen.

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