Test: Mea Culpa

  • VonSebastian Hamers
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Bei jährlich mehr als tausend neuen Brettspielen ist es wirklich gar nicht mehr so einfach, ein originelles Thema für sein Spiel zu finden. Umso schöner, wenn es diese frischen Themen immer noch gibt. Mea Culpa aus dem Hause Zoch beschäftigt sich mit den kleinen und großen Sünden der Menschen. Egal ob Papst, Kaiser, Händler oder der kleine Sünder, sie alle fürchten um ihren Platz im Himmelreich.

Die Geschichte von Mea Culpa findet im Jahr 1517 statt. Eine Wahrsagerin verkündet großes Unheil und sieht die größten Sünder schon in der Hölle schmoren. An jenem Tag, an dem die zwei Dome der Stadt fertiggestellt werden, sollen die Sünder ihre gerechte Strafe erfahren. Zum Glück hat sich die Kirche etwas Praktisches einfallen lassen. Durch den Kauf eines Ablassbriefes können sich vermögende Bürger von ihren Sünden freikaufen. Auch eine großzügige Spende für den Bau eines Doms könnte sich doch positiv auf die Seelenwaage auswirken, oder?

Ein Spiel mit viel Augenzwinkern

Ihr erahnt vielleicht schon, dass sich Mea Culpa nicht immer ganz so tierisch ernst nimmt, sondern mit den Klischees spielt. Sündenpfuhle und Kerbhölzer gehören genauso zum Spiel wie Freudenhäuser und geheime Spendenkassen. Letztlich geht es darum, seine eigene Seele zu retten. Statt der sonst fast schon obligatorischen Siegpunkte, wandert ihr mit der Arme-Seele-Spielfigur auf einer Leiste zwischen Himmel und Hölle.

Am besten spielt sich Mea Culpa mit vier Spielern. In jeder Spielrunde teilt ihr die unterschiedlichen Rollen unter euch auf: Papst, Kaiser, Händler und kleiner Sünder. Das Spiel bietet jedoch auch ein etwas abgewandeltes Regelwerk für zwei oder drei Spieler an, das leichte Modifikationen erfordert. Vor jeder Runde gebt ihr ein Gebot für die Rollenauswahl ab. Der Spieler mit dem höchsten Gebot, darf sich zuerst seine Rolle auswählen. Beim Bieten stehen euch dabei zwei Währungen zur Verfügung. Ihr könnt mit dem Nachteil von einer oder gar mehreren Kerben im Kerbholz starten oder ein paar Taler zurück in die Kasse geben.

Bevor es dann in die Aktionsphase geht, führt ihr, abhängig von der Rolle, noch eine vorgegebene Handlung durch. Der Papst nimmt vorab einen kleinen Einfluss auf die Sündenpfuhle, der Kaiser bewegt Bautrupps zum Bau eines Domes, während der kleine Sünder schon einmal ins Freudenhaus verschwindet um dort eine Aktion zu tätigen.

Kaufen, verkaufen, spenden

Reihum führ ihr nun immer jeweils eine Aktion durch. Vom Markt könnt ihr die dort zuvor ausgelegten Waren erwerben um sie vielleicht später mit einer weiteren Aktion wieder zu einem höheren Preis zu verkaufen. Der Händler darf dank seiner Sonderfertigkeit sogar am Ende jeder seiner Runden eine Ware kostenlos nehmen. Als Waren stehen euch Brot, Tuch, Edelsteine und Wein zur Verfügung. Ihr könnt sogar mit einer Aktion gleich zwei Waren kaufen. Allerdings geht so ein Gebaren direkt als ein Fall von Habgier durch. Der liebe Gott bestraft solche kleinen Sünden sofort. So müsst ihr einer eurer Sündensteine in den Sündenpfuhl der Habgier legen, was euch später möglicherweise noch teuer zu stehen kommen könnte.

Spenden wiederum sind natürlich gerne gesehen. Jeder Spieler besitzt ein schickes Kästchen mit zwei Fächern. Dort werden Spenden für den Bau der Dome hinterlegt. Gespendet werden können Waren ebenso wie Taler. Möglicherweise wollt ihr die Kohle aber auch lieber für den Kauf eines Ablassbriefes verwenden. Sie führen euch am Spielende näher in Richtung der Himmelstür.

Besuch im Freudenhaus

Zu guter Letzt könnt ihr noch dem Freudenhaus einen Besuch abstatten. Dort findet ihr insgesamt sechs Räume, vier normale Zimmer und zwei edle Separees. Auf den vier normalen Zimmern befindet sich jeweils eine Karte, die euch ganz unterschiedliche Boni beschert. Allerdings bringt euch der Besuch des Freudenhauses nicht gerade gutes Ansehen im Himmelreich ein. Je nach Aktion müsst ihr weitere Kerben in euer Kerbholz schlagen. Im ersten Separee bleibt euch die lästige Kerbe zwar erspart, dafür werft ihr einen Sündenstein in den Sündenpfuhl der Wollust. Separee Nummer zwei bringt euch sowohl einen Sündenstein im Wollust-Pfuhl als auch weitere Kerben ein. Dafür bekommt ihr aber auch einen gelben Ablassbrief.

Der kleine Sünder hat im Freudenhaus übrigens gut lachen. Er muss seinem Kerbholz nie weitere Kerben hinzufügen. Für den Papst hingegen kann ein Besuch in einem solchen Etablissement besonders pikant sein. Er sollte sich wohl besser nicht dabei erwischen lassen. Stattdessen geht er lieber geheim seinen Lüsten nach. Vorher stellt der Papst einen Würfel auf die Zahl ein, die der Nummer des besuchten Zimmers entspricht. Erraten die Mitspieler jetzt die richtige Nummer, dann wurde der Papst bei seinen Liebesspielchen ertappt. Seine Arme Seele wandert auf der Punkteleiste direkt ein Feld in Richtung Hölle. Bleibt der Papst allerdings unentdeckt, so gibt es für ihn auch keine Kerbe und keinen Sündenstein.

Wer hat das meiste auf dem Kerbholz?

Im weiteren Spielverlauf ist es äußerst nachteilig, wenn ihr viele Kerben auf dem Kerbholz gesammelt habt. Am Ende einer Runde, sobald alle Waren vom Markt gekauft wurden, werden die Kerbhölzer der Spieler verglichen. Ihr ermittelt die Differenz zwischen den meisten und den wenigsten Kerben auf den Hölzern. Der Spieler mit den meisten Kerben muss jetzt seine arme Seele um die ermittelte Summe in Richtung Hölle bewegen.

Anschließend wird das Spielbrett wieder neu bestückt und die nächste Runde startet. Die Rollen können jetzt wieder neu vergeben werden. Erneut darf sich der Spieler mit dem höchsten Gebot zuerst eine Rolle aussuchen. Möglicherweise wird der Spielablauf zwischenzeitlich unterbrochen. Dann kommt es zur Auswertung der Sündenpfuhle. Wie bereits erwähnt, gibt es Aktionen, bei denen ihr einen Sündenstein in einen der drei Pfuhle geben müsst. Namentlich sind das die Sündenpfuhle der Habgier, der Wollust und der kleinen Sünden.

Im Spielverlauf sammeln sich dort so einige Punkte von euch an. Zum Glück sind alle drei Pfuhle zunächst durch die sogenannten Papststeine geschützt. Alles ist gut, solange nicht alle drei Papststeine unter einem einzigen Pfuhl liegen. Zu Beginn einer jeden Runde darf der Papst einen Papststein von einem Pfuhl zu einem anderen verschieben. Auch durch bestimmte Aktionen des Freudenhauses kann es zu einer weiteren Verschiebung kommen. Gelangen nun alle Papststeine auf demselben Feld, sind zwei Pfuhle nicht mehr durch einen Papststein geschützt. Die beiden ungeschützten Sündenpfuhle werden nun ausgewertet. Für jeden eigenen Sündenstein in einem dieser beiden Pfuhle ohne Papststein müsst ihr auf der Punkteleiste um ein Feld nach hinten ziehen. Pikanterweise wird der Spieler, der für die Verschiebung des letzten Papststeins verantwortlich war und somit die Wertung erst ausgelöst hat, von der Wertung ausgenommen. Egal, wie viele Sündensteine im Pfuhl liegen, diesmal bleibt er vor den Konsequenzen verschont. Anschließend werden alle Sündensteine aus den gewerteten Pfuhlen entfernt.

Dombau

Irgendwann wird unumgänglich die Zeit der großen Abrechnung kommen. Dann wird sich zeigen, wer von euch in den Himmel kommt. Wer hat die wenigsten Sünden begangen? Wer hat sich genügend Ablassbriefe gesichert, um sich günstig aus der Affäre zu ziehen? Der Stichtag ist gekommen, sobald zwei Dome vollständig errichtet wurden. Jeder Dom besteht aus zwei Teilen, dem Kirchenschiff und dem Kirchturm. Ein Bestandteil des Doms wird fertiggestellt, sobald sich auf einem Domplatz zwei Bautrupps befinden. Bewegt werden die Bauarbeiter beispielsweise durch den Kaiser. Vor Beginn jeder Runde darf der Kaiser einen Bautrupp auf einen beliebigen Domplatz bewegen. Weitere Möglichkeiten bieten euch diverse Karten aus dem Freudenhaus.

Wenn ihr zuvor großzügig für den Bau des Doms gespendet habt, werdet ihr von der Kirche auch dafür belohnt. Gespendet werden können Waren oder Bares. Die Spenden landen zuvor im Spendenkästchen. Bei der Fertigstellung eines Doms werden sie von dort wieder hervorgeholt. Die beiden größten Spender teilen die Belohnungen in Form von Ablassbriefen unter sich auf.

Die Ablassbriefe können am Ende die Rettung für euch bedeuten. Während des Spiels wandert euer Spielstein immer nur in Richtung Höllenportal, da ihr nicht umhinkommen werdet, die ein oder andere Sünde zu begehen. Am Spielende bringen euch die Ablassbriefe wieder nach vorne. Für jeden Brief dürft ihr ein Feld gen Himmel ziehen. Noch effektiver geht es mit einem Set aus vier unterschiedlichen Farben. Eine solche Sammlung führt euch gleich acht Schritte in die richtige Richtung.

Gewonnen hat am Ende der Spieler, der dem Himmel am nächsten steht. Nur er darf fortan mit den Engeln singen, während die anderen Spieler zur Hölle fahren. Bis es soweit ist, vergehen etwa 90 Minuten.

Pros

Cons

Fazit

Mea Culpa besticht nicht nur durch sein ungewöhnliches Thema und seinen schwarzen Humor. Auch auf dem Spielbrett ist jede Menge los. Eher unerfahrene Spieler sind damit vielleicht zunächst ein wenig überfordert. Viele Aktionen erfordern Detailregeln, die nicht ganz so leicht zu überblicken sind. Dadurch mag die erste Partie möglicherweise etwas holprig ausfallen. Ist diese Hürde jedoch einmal überwunden, erwartet euch ein vielschichtiges Brettspiel mit viel Liebe zum Detail. Mit von der Partie sind auch eine gute Portion Chaos, die das Spiel nicht immer ganz berechenbar machen. Für den Sieg braucht ihr eben auch etwas Glück. Dennoch bleiben euch viele Möglichkeiten, das Spiel zu euren Gunsten zu beeinflussen, auch wenn die Taktik vielleicht am Ende nicht immer aufgeht. Ein Sonderlob gibt es außerdem für das Spielmaterial. Nicht nur grafisch macht Mea Culpa eine Menge her. Sehr schön sind insbesondere die 3D-Objekte wie die Kerbhölzer oder die Spendenkästchen ausgefallen.

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